Eispung Nerven Ursachen: Hormonelle Einflüsse und ihre Auswirkungen auf Stimmung und Verhalten

Der weibliche Zyklus ist ein komplexer Prozess, der von hormonellen Schwankungen gesteuert wird und weitreichende Auswirkungen auf Körper und Psyche haben kann. Studien deuten darauf hin, dass diese Schwankungen nicht nur körperliche Symptome wie Brustspannen oder Unterleibsschmerzen verursachen können, sondern auch das Verhalten, die Stimmung und sogar die Anfälligkeit für psychische Störungen beeinflussen können.

Verhaltensänderungen im Zyklusverlauf

Forschungsergebnisse legen nahe, dass sich belohnungs- und bestrafungsassoziierte Verhaltensweisen bei Frauen vor und nach dem Eisprung unterscheiden. So zeigten Studien mit Suchtpatientinnen, dass diese kurz vor dem Eisprung eine höhere Rückfallwahrscheinlichkeit hatten und die positiven Effekte der Droge am stärksten empfanden.

Eine Studie untersuchte das Lernverhalten von Frauen mit regelmäßigem Zyklus. Dabei zeigte sich, dass Frauen vor dem Eisprung besser aus Belohnungen und schlechter aus eigenen Fehlern lernen. Sie verhielten sich impulsiver, wobei die negativen Konsequenzen des Handelns weniger eine Rolle spielten. Nach dem Eisprung zeigte sich ein umgekehrter Effekt: Die Frauen reagierten sensibler auf Bestrafung durch negatives Feedback und vermieden häufiger das Risiko.

Diese Verhaltensunterschiede werden vermutlich auf körpereigene Geschlechtshormone zurückgeführt, die den weiblichen Zyklus steuern: Östradiol, eines der drei Östrogene, sowie Progesteron. Ein hoher Östradiolspiegel vor dem Eisprung verstärkt neuronale Prozesse, unter denen Individuen besser aus Belohnungen lernen, während dieser Effekt unter Einfluss von Progesteron nach dem Eisprung gedämpft wird.

Die hormonell bedingten Verhaltensänderungen im Verlauf des Menstruationszyklus sind vermutlich auf eine veränderte Gehirnaktivität im dorsalen anterioren cingulären Kortex zurückzuführen, einer Region des limbischen Systems, die insbesondere für die Handlungsüberwachung verantwortlich ist. Vor dem Eisprung zeigte diese Region eine verringerte Aktivität bei negativem Feedback, wodurch die reduzierte Sensitivität für Bestrafung in dieser Phase erklärt werden könnte.

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Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS)

Einige Frauen erleben im Zusammenhang mit ihrem Zyklus extreme Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Depressionen. In solchen Fällen kann eine prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) vorliegen. PMDS betrifft etwa drei bis acht Prozent aller Menschen mit Zyklus und ist eine besonders schwere Form des Prämenstruellen Syndroms (PMS).

Symptome und Unterschiede zu PMS

Typische Symptome der PMDS sind sowohl psychisch-emotional wie Reizbarkeit, Aggressivität, depressive Verstimmung und Konzentrationsstörungen als auch körperliche wie Brustschmerzen und Schlafstörungen. Diese Beschwerden treten in der Regel in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus - also vom Eisprung bis zur Monatsblutung - auf und lassen mit Beginn der Periode nach.

Die Belastung durch PMDS kann so groß sein, dass Betroffene deutliche Auswirkungen auf ihre alltäglichen Aufgaben oder beruflichen Verpflichtungen wahrnehmen und diesen nur eingeschränkt oder gar nicht mehr nachkommen können.

Eine klare Trennung zwischen PMS und PMDS gibt es nicht, der Übergang ist fließend. Typisch für die PMDS ist die gravierende psychische Veränderung bis hin zur Wesensveränderung. Betroffene werden stark reizbar, aggressiv, angespannt, ängstlich, niedergeschlagen und hoffnungslos. Auch Konzentration und Gedächtnis leiden.

Ursachen von PMDS

PMDS hat hauptsächlich neurobiologische Ursachen - teilweise genetisch veranlagt und auch vererbbar. Es ist folglich keine psychologische, sondern eine körperliche Erkrankung, die mit einer starken, negativen Reaktion im Gehirn auf den natürlichen Anstieg und Abfall der Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen zusammenhängt. Bei PMDS wird vor allem das Nervensystem besonders stark aktiviert. Das kann dazu führen, dass betroffene Frauen sehr starke Gefühle wie Wut, Traurigkeit oder Angst erleben - manchmal ohne es kontrollieren zu können.

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Forschende haben herausgefunden, dass Frauen mit PMDS kurz vor ihrer Periode eine besonders hohe Menge an Transportern für den Botenstoff Serotonin im Gehirn haben. Diese Transporter sorgen dafür, dass Serotonin schneller abgebaut wird. Dadurch kann es kurzzeitig zu einem Mangel an Serotonin kommen, was möglicherweise die starken Stimmungsschwankungen bei PMDS erklärt.

Studien weisen darauf hin, dass bei Betroffenen mit PMDS die Gehirnstrukturen anders aufgebaut sind. Zudem werden bestimmte Hirnregionen anders aktiviert - vor allem die Amygdala und der präfrontale Kortex, die für emotionale Reaktionen verantwortlich sind.

Behandlungsmöglichkeiten

Für eine schwere PMDS gibt es zwei nachweislich effektive Therapien:

  1. Mit der Pille den Zyklus unterdrücken: Manche Frauen haben dann noch Beschwerden im hormonfreien Intervall. Dann empfiehlt es sich, die Pille ohne Pause zu nehmen. Speziell für PMDS zugelassen ist in Deutschland allerdings keine Antibabypille. In den USA sind Drospirenon-haltige Pillen offizielle PMDS-Medikamente.
  2. Mit Antidepressiva das Stimmungssystem beruhigen: Verschiedene sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sind dafür geeignet. Manche Frauen nehmen die Antidepressiva durchgehend ein, manche nur in der zweiten Zyklusphase, manche nur mit Beginn der Symptome.

Zusätzlich können folgende Maßnahmen helfen:

  • Sport und Bewegung: Vor allem Ausdauertraining kann die Durchblutung erhöhen und Stimmungsschwankungen entgegenwirken.
  • Entspannung und Ruhe: Gönnen Sie Ihrem Körper einen Moment der Achtsamkeit, zum Beispiel bei einem heißen Bad, einem ruhigen Spaziergang und ausreichend Schlaf.
  • Gesunde Ernährung: Sie sollten ausgewogen und vitaminreich essen. Verzichten sollten Sie auf Alkohol und Nikotin, Koffein nur in Maßen konsumieren.
  • Mönchspfeffer: Die Heilspflanze Mönchspfeffer wird als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden eingesetzt.
  • Psychotherapie: Dabei geht es vor allem darum, die Veranlagung zu akzeptieren und im Alltag gut zu managen.

Diagnose

Vor der Behandlung steht die Diagnose. Dafür braucht es ein spezielles, detailliertes Zyklus-Tagebuch mit Schwerpunkt auf psychische Symptome. Frauen sollen es mindestens zwei bis drei Zyklen lang führen und zur Gynäkologin mitbringen. Damit lassen sich die zentralen Fragen beantworten: Welche Symptome hat die Frau genau? Wie stark treten sie auf?

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Hormone und ihre Wirkung auf das Gehirn

Geschlechtshormone entfalten als Botenstoffe im Gehirn eine eindrucksvolle Wirkung, unter anderem, wenn es um Lernen und Gedächtnis geht. So kann etwa eine frühe Menopause mit einem erhöhten Risiko für eine beschleunigte Gehirnalterung und Demenz im späteren Leben einhergehen.

Eine Studie zeigt, dass auch körpereigene Schwankungen der weiblichen Geschlechtshormone die strukturelle Plastizität des Gehirns während der reproduktiven Jahre beeinflussen. Bestimmte Regionen des medialen Temporallappens, die wichtig für das episodische Gedächtnis und die räumliche Wahrnehmung sind, nehmen unter hohen Östradiol- und niedrigen Progesteronspiegeln an Volumen zu.

Östradiol ist eines der wichtigsten Hormone im weiblichen Körper und trägt entscheidend zur Erhaltung des Fortpflanzungssystems bei. Progesteron bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor und wirkt angstlösend, schlaffördernd, entspannend und beruhigend.

Östrogen und Nervenzellen

Entscheidend für den monatlichen Eisprung der Frau ist, wie weit das Ei gereift ist, und dass das Gehirn davon erfährt. Das Hormon Östrogen, das im Eierstock gebildet wird, überbringt die Information um den 14. Tag des Fruchtbarkeitszyklus ins Gehirn. Als Antwort regen die stimulierten Nervenzellen die verstärkte Ausschüttung eines weiteren Hormons namens Gonadotropin in der Hirnanhangsdrüse an und geben so den Startschuss für den Eisprung.

Nur eine bestimmte Gruppe von Nervenzellen im Gehirn empfängt das Hormon-Signal. Diese Zellen brauchen den Östrogen-Rezeptor Alpha, um die Botschaft zu erkennen und setzen dann die Produktion der notwendigen Geschlechtshormone in Gang.

Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen

Neben den hormonellen Einflüssen gibt es weitere Faktoren, die bei der Entstehung von PMS und PMDS eine Rolle spielen können:

  • Veränderte Reaktion des GABA-Rezeptors auf Progesteron: Bei einigen Betroffenen lösen bestimmte Level von Allopregnanolon (ALLO), einem Stoffwechselprodukt von Progesteron, genau das Gegenteil des normalerweise beruhigenden Effekts aus und verursachen Unruhe, Angstzustände, Reizbarkeit und negative Stimmungen.
  • Einfluss von Östrogen auf Botenstoffsysteme: Östrogen beeinflusst verschiedene Botenstoffsysteme in unserem Körper, die Stimmung, Schlaf, Gedanken, und Essverhalten regulieren. Studien deuten darauf hin, dass Östrogen einen besonderen Einfluss auf Serotonin hat.
  • BDNF (Brain Derived Neurotrophic Factor): BDNF ist ein Neurotransmitter, der mit Östrogen verbunden ist und wahrscheinlich auch eine Rolle bei PMDS spielt. BNDF ist wichtig für die Bildung von Nervenzellen und trägt auch zur Regulationsfähigkeit bei.
  • HPA-Achse (Stressachse): Es ist möglich, dass die HPA bei Patienten mit PMDS für eine veränderte Stressantwort sorgt.
  • Entzündungsprozesse: Während der lutealen Phase steigen auch Entzündungsmarker an.
  • Histamine: Die Produktion von Histaminen wird unter anderem durch den Zyklus beeinflusst: Kurz vor dem Eisprung und vor der Periode sind die Histaminwerte höher - also genau dann, wenn auch PMDS-Symptome auftreten.
  • Trauma: Einige Studien zeigten einen Zusammenhang zwischen Trauma und PMDS.

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