Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die mit Gedächtnisverlust, kognitiven Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen einhergeht. Obwohl die genauen Ursachen dieser komplexen Erkrankung noch nicht vollständig verstanden sind, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle bei ihrer Entstehung. Dazu gehören Alter, Genetik und Umweltfaktoren, wie vom National Institute on Aging (NIA) festgestellt. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass auch Entzündungen im Gehirn und Störungen im Lipidstoffwechsel wichtige Beiträge leisten können.
Ursachen und Risikofaktoren von Alzheimer
Alter, Genetik und Umweltfaktoren
Laut dem National Institute on Aging (NIA) sind Alter, Genetik und Umweltfaktoren die Hauptursachen für Alzheimer. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, erheblich. Genetische Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen, insbesondere bei früh einsetzender Alzheimer-Krankheit. Umweltfaktoren, wie z. B. Ernährung, Lebensstil und Exposition gegenüber bestimmten Toxinen, können ebenfalls das Risiko beeinflussen.
Entzündungen im Gehirn
Eine aktuelle Studie von Zhang et al. (2022) zeigt, dass auch Entzündungen im Gehirn eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen können. Die Forscher identifizierten spezifische Moleküle, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind, und zeigten, dass diese Moleküle bei Alzheimer-Patienten erhöht sind.
Störungen im Lipidstoffwechsel
Wissenschaftler haben nun möglicherweise einen neuen Auslöser für diese charakteristischen Veränderungen im Gehirn gefunden: eine Störung im Lipidstoffwechsel. Denn zu viele Lipide in der Zellmembran von Neuronen können die Bildung von Alzheimer-Peptiden begünstigen.
Symptome und Diagnose von Alzheimer
Die Symptome von Alzheimer entwickeln sich langsam und verschlechtern sich im Laufe der Zeit. Die frühesten Anzeichen der Krankheit sind meist Gedächtnisstörungen, wie Schwierigkeiten, sich an kürzlich erlernte Informationen oder Ereignisse zu erinnern.
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Frühsymptome
- Gedächtnisstörungen (Schwierigkeiten, sich an kürzlich erlernte Informationen oder Ereignisse zu erinnern)
- Vergesslichkeit im Alltag
- Schwierigkeiten bei der Planung und Organisation
- Probleme mit der Sprache
- Verwirrtheit bezüglich Zeit und Ort
- Veränderungen in Stimmung und Persönlichkeit
Diagnoseverfahren
Eine genaue Diagnose von Alzheimer ist entscheidend, um eine angemessene Behandlung und Unterstützung zu gewährleisten. Eine Studie von Jack et al. (2021) zeigt, dass die Verwendung von Biomarkern im Gehirn, wie Amyloid-β und Tau-Proteinen, eine entscheidende Rolle bei der Früherkennung von Alzheimer spielen kann. Die Autoren betonen, dass solche Biomarker dazu beitragen können, das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung bei noch nicht betroffenen Personen abzuschätzen und die Diagnose bei bereits erkrankten Personen zu bestätigen.
- Körperliche und neurologische Untersuchung: Ein Arzt führt eine körperliche Untersuchung durch.
- Laboruntersuchungen: Bluttests können helfen, andere mögliche Ursachen für Gedächtnisverlust und Verwirrung auszuschließen, wie Schilddrüsenerkrankungen oder Vitaminmangel.
- Mentaler Status und neuropsychologische Tests: Der Arzt kann einen kurzen Test zum mentalen Status durchführen, um Gedächtnis und andere Denkfähigkeiten zu bewerten. Ausführlichere Tests können detailliertere Informationen über die geistige Leistungsfähigkeit liefern, die mit Personen ähnlichen Alters und Bildungsstandes verglichen werden können.
- Bildgebung des Gehirns: Gehirnscans werden normalerweise verwendet, um sichtbare Veränderungen im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen als Alzheimer festzustellen, die ähnliche Symptome verursachen könnten, wie Schlaganfälle, Traumata oder Tumoren.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Die MRT verwendet Radiowellen und ein starkes Magnetfeld, um detaillierte Bilder des Gehirns zu erzeugen. Obwohl sie eine Schrumpfung bestimmter Gehirnregionen, die mit Alzheimer in Verbindung stehen, zeigen können, dienen MRT-Scans auch dazu, andere Erkrankungen auszuschließen.
- CT-Untersuchung (Computertomographie): Eine CT-Untersuchung, eine spezialisierte Röntgentechnik, erzeugt Querschnittsbilder des Gehirns.
- PET (Positronenemissionstomographie): Positronenemissionstomographie (PET) kann Bilder der Krankheitsprozesse im Gehirn einfangen. Während eines PET-Scans wird ein schwach radioaktiver Tracer in das Blut injiziert, um ein bestimmtes Merkmal im Gehirn sichtbar zu machen.
- Fluorodeoxyglucose (FDG)-PET: Diese Scans zeigen Bereiche des Gehirns, in denen Nährstoffe schlecht verwertet werden.
- Amyloid-PET: Diese Bildgebung kann die Belastung durch Amyloid-Ablagerungen im Gehirn messen.
- Liquoruntersuchung: In besonderen Fällen können auch andere Tests verwendet werden, um Amyloid und Tau im Liquor zu messen.
- Bluttests: Forscher arbeiten daran, Tests zu entwickeln, die biologische Anzeichen von Krankheitsprozessen im Gehirn messen können. Diese Tests, einschließlich Bluttests, könnten die Genauigkeit bei der Diagnosestellung verbessern und es ermöglichen, die Krankheit zu diagnostizieren, bevor Symptome auftreten.
- Gentests: Gentests werden für die meisten Menschen, die auf Alzheimer untersucht werden, nicht empfohlen. Bei Personen mit einer familiären Vorgeschichte von früh einsetzender Alzheimer-Krankheit kann dies jedoch in Betracht gezogen werden.
Behandlungsmöglichkeiten bei Alzheimer
Obwohl es derzeit keine Heilung für Alzheimer gibt, können verschiedene Behandlungsmöglichkeiten dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
- Acetylcholinesterase-Hemmer: Diese Medikamente erhöhen den Spiegel des Neurotransmitters Acetylcholin im Gehirn, was die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verbessern kann.
- NMDA-Antagonisten: Diese Medikamente blockieren die Wirkung von Glutamat, einem anderen Neurotransmitter, der in hohen Konzentrationen schädlich für Nervenzellen sein kann.
- Aducanumab: Eine Studie von Sevigny et al. (2016) zeigte, dass das Medikament Aducanumab, ein monoklonaler Antikörper, das Amyloid-β im Gehirn von Alzheimer-Patienten reduzieren und die kognitiven Fähigkeiten verbessern konnte.
- Lecanemab (Handelsname Leqembi): Lecanemab ist ein Antikörper, der sich gegen die Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn richtet: Er bindet an das Amyloid-Beta-Eiweiß und soll weitere Ablagerungen verhindern. Außerdem soll er bereits abgelagertes Eiweiß mithilfe des Immunsystems zum Teil wieder abbauen. So soll das Medikament das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Lecanemab kommt nur für Menschen infrage, die eine frühe Alzheimer-Krankheit haben.
Nicht-medikamentöse Therapieansätze
Nicht-medikamentöse Therapieansätze, wie kognitive Verhaltenstherapie, Ergotherapie und Physiotherapie, können ebenfalls dazu beitragen, die Symptome von Alzheimer zu bewältigen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
- Kognitive Stimulationstherapie: Eine aktuelle Studie von Bahar-Fuchs et al. (2021) hat gezeigt, dass kognitive Stimulationstherapie, eine strukturierte Gruppentherapie, die auf kognitiven und sozialen Aktivitäten basiert, das Wohlbefinden und die kognitiven Funktionen bei Personen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz verbessern kann.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann den Betroffenen helfen, ihre Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten und zu verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann die körperliche Beweglichkeit und Koordination verbessern.
- Musiktherapie: Musiktherapie kann die Stimmung und das Wohlbefinden verbessern.
- Erinnerungsarbeit (autobiographische Arbeit): Vaskuläre Demenz kann mit Gesprächen (kognitive Stimulation) oder Erinnerungsarbeit (autobiographische Arbeit) behandelt werden.
Immuntherapie
Ein vielversprechender Ansatz ist die Immuntherapie, bei der das körpereigene Immunsystem dazu verwendet wird, schädliche Amyloid-β-Plaques im Gehirn anzugreifen und abzubauen.
Stammzellforschung
Darüber hinaus gibt es auch Forschungen, die sich auf die Rolle von Stammzellen bei der Behandlung von Alzheimer konzentrieren. Eine Studie von Wang et al. (2020) zeigte, dass die Transplantation von mesenchymalen Stammzellen in ein Alzheimer-Mausmodell die kognitiven Funktionen verbesserte und die Gehirnpathologie reduzierte.
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Präzisionsmedizin
Eine weitere Herausforderung bei der Erforschung von Alzheimer besteht darin, die individuellen Unterschiede zwischen den Patienten besser zu verstehen. In den letzten Jahren hat sich die Forschung auf sogenannte „präzisionsmedizinische“ Ansätze konzentriert, bei denen Behandlungen auf die individuellen Bedürfnisse und genetischen Merkmale der Patienten zugeschnitten werden.
40-Hz-Stimulierung
Die Stimulierung mit akustischen und optischen Signalen im Gamma-Frequenzbereich kann Studien zufolge eine Hirnreinigung anregen und typische Alzheimer-Proteine entfernen. Zumindest bei Mäusen.
Präventive Maßnahmen zur Verringerung des Alzheimer-Risikos
In Bezug auf die Prävention von Alzheimer gibt es einige Lebensstiländerungen, die das Risiko einer Erkrankung verringern können. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, geistige Aktivität und soziale Interaktion.
Gesunde Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten ist, kann dazu beitragen, das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung zu verringern. Es wird empfohlen, den Konsum von gesättigten Fetten, Transfetten und Zucker zu reduzieren.
Regelmäßige körperliche Aktivität
Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung verringern. Es wird empfohlen, mindestens 150 Minuten pro Woche moderate körperliche Aktivität oder 75 Minuten pro Woche intensive körperliche Aktivität auszuüben.
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Geistige Aktivität
Geistige Aktivität, wie z. B. Lesen, Kreuzworträtsel lösen, ein neues Instrument lernen oder an Diskussionen teilnehmen, kann dazu beitragen, die kognitiven Funktionen zu erhalten und das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung zu verringern.
Soziale Interaktion
Soziale Interaktion kann dazu beitragen, das Wohlbefinden zu verbessern und das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung zu verringern. Es wird empfohlen, regelmäßig Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen oder sich ehrenamtlich zu engagieren.
Multidomain-Intervention
Eine Studie von Kivipelto et al. (2021) hat gezeigt, dass eine multidomain-Intervention, die auf Ernährung, körperliche Aktivität, kognitive Stimulation und vaskuläre Risikofaktoren abzielt, das Risiko einer kognitiven Beeinträchtigung bei älteren Erwachsenen verringern kann.
Abbau von überzähligen Sphingolipiden stimulieren
"Wenn wir beispielsweise den Abbau von überzähligen Sphingolipiden in Nervenzellen gezielt stimulieren könnten, könnte dies gegebenenfalls die Entstehung schädlicher Beta-Amyloid Peptide verhindern."
Fazit
Alzheimer ist eine komplexe Erkrankung, die eine interdisziplinäre und individuelle Herangehensweise in Diagnose, Behandlung und Prävention erfordert. Angesichts der zunehmenden Zahl von Alzheimer-Patienten und der bisher begrenzten Behandlungsmöglichkeiten ist die Erforschung neuer Therapieansätze von großer Bedeutung. Präventive Maßnahmen, wie eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, geistige Aktivität und soziale Interaktion, können dazu beitragen, das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung zu verringern. Es ist wichtig, dass Patienten und ihre Familien umfassend informiert und unterstützt werden, um die bestmögliche Versorgung und Lebensqualität für die Betroffenen zu gewährleisten.
Aktuelle Forschung und Informationsquellen
Die Erforschung von Alzheimer ist weiterhin ein wichtiges Gebiet in der Medizin, da die Anzahl der betroffenen Menschen weltweit steigt. Um auf dem Laufenden zu bleiben und die neuesten Erkenntnisse und Studien zum Thema Alzheimer zu verfolgen, empfiehlt es sich, wissenschaftliche Publikationen und Fachzeitschriften zu lesen, die regelmäßig über aktuelle Forschungsarbeiten berichten. Zuverlässige Informationsquellen sind unter anderem das National Institute on Aging (www.nia.nih.gov), die Mayoclinic (www.mayoclinic.org) und das Centers for Disease Control and Prevention (www.cdc.gov).
Früherkennung von Alzheimer
Denn fallen Alzheimer-Patienten erstmals durch ihre Vergesslichkeit auf, hat sich ihr Gehirn meist schon über Jahre hinweg verändert. Deshalb werden verschiedene Biomarker gesucht, um Personen im Frühstadium einer Alzheimer-Demenz beziehungsweise mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer zu identifizieren. "Veränderungen im Lipidstoffwechsel und eine erhöhte Lipidkonzentration in Membranen könnten möglicherweise frühzeitig auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen", sagt Professor Walter.
Amyloid und Tau-Proteine
Die Forschung ist da definitiv auf dem richtigen Weg, wenn sie versucht, die Amyloid-Verklumpungen an den Nervenzellen aufzulösen. Wir alle produzieren während des gesamten Lebens Amyloid. Dies ist die Ursache für das extrem hohe Risiko im Alter, da dann das Amyloid offenbar nicht mehr richtig abgeräumt wird und akkumuliert. Es wird mehr Amyloid produziert und dieses verklumpt auch noch schneller. Die Tau-Ablagerungen im Alzheimer-Hirn können nicht ohne das Amyloid entstehen. Zuerst ist das Amyloid da, dann kommen die Tau-Proteine. Wenn die Tau-Proteine jedoch einmal durch das Amyloid angefangen haben zu verklumpen, brauchen sie dieses nicht mehr und können auch allein tödlich auf die Zellen wirken.
Die Rolle des Amyloids bei Alzheimer
Der Biochemiker Christian Haass erforscht Alzheimer. Für ihn ist glasklar, dass das Protein Amyloid die Demenz-Erkrankung auslöst. Jetzt geht es ihm darum, die Krankheit rechtzeitig diagnostizieren zu können. Die Ursache der Alzheimer-Krankheit aus unserer Sicht kristallklar: Sie entsteht, vereinfacht gesagt, durch Amyloid-Ablagerungen im Gehirn. Bei Alzheimer-Patienten wird dieses Protein mit dem Stoffwechsel nicht abtransportiert, sondern lagert sich im Gehirn ab, stört dort die Signalübertragung und führt zum Tod von Nervenzellen. Dadurch verlieren die Patienten das Gedächtnis. Amyloid ist der Trigger für die Erkrankung. Das Protein ist nicht allein ursächlich, spielt aber eine entscheidende Rolle. Die Forschung ist da definitiv auf dem richtigen Weg, wenn sie versucht, die Amyloid-Verklumpungen an den Nervenzellen aufzulösen.
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