Arzneimittelkombinationen können das Risiko für unerwünschte Wirkungen und Wechselwirkungen bergen. Oft können diese vermieden werden, wenn man die Pharmakokinetik und Pharmakodynamik dahinter kennt. Bei der Behandlung von Parkinson-Patienten ist es besonders wichtig, auf mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten zu achten, da diese die Wirksamkeit der Parkinson-Medikation beeinträchtigen oder unerwünschte Nebenwirkungen verstärken können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die potenziellen Wechselwirkungen von Eliquis (Apixaban) mit Medikamenten, die häufig bei Parkinson-Patienten eingesetzt werden, sowie über allgemeine Aspekte der Medikamenteneinnahme bei dieser Patientengruppe.
Grundlagen der Pharmakologie und Wechselwirkungen
Die Pharmakologie ist die Lehre von den Wechselwirkungen zwischen Wirkstoffen und dem menschlichen Körper. Man unterscheidet pharmakokinetische von pharmakodynamischen Interaktionen. Die Pharmakokinetik untersucht, welchen Weg ein Wirkstoff von der Aufnahme bis zu seiner Ausscheidung durch den Körper nimmt und auf welche Weise dieser Weg durch andere Einflüsse verändert werden kann. Die Pharmakodynamik dagegen befasst sich mit der spezifischen Wirkung des Stoffes im Organismus. Arzneistoffe, die die Wirkung eines Medikamentes im Körper verstärken, werden Agonisten (Mitspieler) genannt, Stoffe, die zu einer Abschwächung der Wirkung führen, Antagonisten (Gegenspieler). Wechselwirkungen können erwünscht sein (z. B. L-Dopa + Benserazid/Carbidopa), aber auch unerwünscht oder sogar gefährlich. Genetische (erbliche) Besonderheiten machen uns einzigartig und nehmen ebenfalls Einfluss auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Arzneistoffen. Dies zu erforschen ist Gegenstand der Pharmakogenetik. Wenn man einen Arzneistoff nach seinem Potential für Wechselwirkungen betrachtet, so spielen insbesondere die Bindung an Transporteiweiße und die Entgiftung über das Enzymsystem Cytochrom P 450 in der Leber eine große Rolle. Verfügt das Medikament über eine hohe Eiweißbindung, kann es von anderen Stoffen aus dieser Bindung verdrängt werden. Ein unerwünschter Anstieg der Wirkung ist die Folge. Das Entgiftungssystem der Leber setzt sich aus vielen einzelnen kleinen Helfern (Enzymen) zusammen, welche durch Namen unterschieden werden, z. B. CYP2D6 oder CYP3A4. Ein Arzneistoff kann über einen solchen Helfer abgebaut werden (Substrat), es kann die Arbeit des Helfers anregen (Induktor) oder hemmen (Inhibitor). Meist werden 20 bis 30 verschiedene Stoffe über ein solches Enzym entgiftet. Ein starker Enzym-Hemmer z.B.
Besonderheiten bei Parkinson-Patienten
Besonderheiten in diesem Bereich beginnen bei Parkinson-Patienten schon in der Mundhöhle: in den ersten Krankheitsjahren ist es die Mundtrockenheit, in den späteren Phasen der vermehrte Speichelfluss, welcher die Aufnahme von Medikamenten beeinflussen kann. Bei vorherrschender Mundtrockenheit sollten alle Medikamente mit mindestens 200 ml Flüssigkeit eingenommen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass diese über Stunden in der Mundhöhle, im Rachen oder in der Speiseröhre hängen bleiben und nicht zur Wirkung kommen. Bei Schluckstörungen Wasser ohne Kohlensäure oder Kamillentee verwenden, Kaffee, schwarzen Tee und Fruchtsäfte jedoch meiden. Die Einnahme L-Dopa-haltiger Medikamente mit Milch, Molke, Quark und Joghurt ist wegen dem hohen Eiweißgehalt verboten. Manchmal hilft es, Wasser oder Tee etwas anzuwärmen und mit einem kleinen Löffel schlückchenweise zu verabreichen. Bei aufrechtem Oberkörper sollte der Kopf beim Schlucken leicht nach vorn gebeugt werden (in der Fachsprache chin-tuck Manöver genannt) und der Patient sollte nicht sprechen. Sind die Schluckstörungen ausgeprägter, hilft das Andicken des Wassers mit in der Apotheke erhältlichen Dickungsmitteln. Auf ausreichendes Nachspülen sollte man insbesondere bei Medikamenten achten, welche die Schleimhaut der Speiseröhre schädigen könnten, z.B. Eisenpräparate oder Medikamente gegen Osteoporose. Nehmen die Schluckstörungen zu, ist bei einigen Patienten die Versorgung mit einer Magensonde (PEG =perkutane endoskopische Gastrostomie) erforderlich. Wenn die Medikamente über die Sonde verabreicht werden, müssen sie vorher sondengerecht zerkleinert werden. Nicht jedes Medikament darf/kann jedoch aufgelöst oder gemörsert werden. Parkinson krankheitsbedingt verzögert, hat aber Einfluss auf den zeitlichen Eintritt des L-Dopa-Effektes. Eine raschere Aufnahme kann man zum einen durch die Verabreichung von L-Dopa in gelöster Form erreichen, zum anderen durch Anregen der Magentätigkeit, z.B. durch das Medikament Domperidon. Diese langsame Magenentleerung führt bei einigen Patienten übrigens zu Übelkeit und Brechreiz, da Dopamin im Körper (außerhalb des Gehirns) den Blutdruck senkt und das Brechzentrum anregt. Damit diese Nebenwirkungen nicht auftreten, wird ebenfalls Domperidon verabreicht, um durch den schnellen Weitertransport von L-Dopa in die Blutbahn und in das Gehirn die sogenannten peripheren (im Körper) Nebenwirkungen, die ganz und gar nicht erwünscht sind, so gering wie möglich zu halten oder ganz zu vermeiden. L-Dopa kann nicht im gesamten Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, sondern nur in einem begrenzten Abschnitt im Dünndarm (Absorptionsfenster). Darüber hinaus muss es aus der Schleimhaut des Dünndarms über ein aktives Transportsystem in die Blutbahn transportiert werden. Auch Eiweiße aus der Nahrung (Fisch, Fleisch, Käse etc.) gelangen so in das Blut. Nimmt man L-Dopa zum oder nach dem Essen ein, so kommt es an der Dünndarmschleimhaut zu einem Streit um das Transportsystem. Wenn der Patient Glück hat, siegt L-Dopa, es wird in die Blutbahn und von dort in das Gehirn befördert und der Patient kann sich bewegen. Wenn er Pech hat, schafft der Käse den Durchbruch, L-Dopa wandert im Darm weiter und verlässt den Dünndarmabschnitt, in dem seine Aufnahme möglich ist. Eine deutliche Reduktion der Wirkung bis zum völligen Wirkverlust sind die Folgen, der Patient wird oder bleibt steif und unbeweglich - Eiweißakinese (Unbeweglichkeit durch Eiweiß) genannt. Um dies zu vermeiden, sollte die Aufnahme von L-Dopa-Präparaten mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit erfolgen. Diese 30 Minuten benötigt das Medikament, um in den Magen und in den Dünndarm zu gelangen, von dort ins Blut und in das Gehirn. Jetzt kann der Patient essen, denn es gibt keinen Streit mehr um das Transportsystem. Falls es trotz Einhalten dieser Regeln zu einer Wirkungsabschwächung der Medikamente nach dem Mittagessen kommt, so sollte die Hauptmahlzeit auf den Abend verschoben werden, um eine ausreichende Beweglichkeit in den Nachmittagsstunden zu gewährleisten. Die in den Beipackzetteln angegebene Empfehlung, die Medikamente 1 bis 1,5 Stunden nach der Mahlzeit einzunehmen, ist leider nicht sehr sicher, da die Magenentleerung bei Parkinson-Patienten ja verzögert ist und nach größeren Mahlzeiten bis zu 4 Stunden andauern kann. Mit Beginn der L-Dopa-Therapie erfolgt die erste Einnahme der Medikation morgens auf nüchternen Magen. Die meisten Patienten vertragen dies gut und benötigen keine besonderen Schutzmaßnahmen. Falls jedoch ein empfindlicher Magen bekannt ist oder Magenbeschwerden auftreten, kann die erste Tabletteneinnahme mit einem Zwieback/Keks erfolgen. Bei stärkeren Beschwerden empfiehlt sich die Einnahme mit ein bis zwei Esslöffeln Haferschnee in lauwarmem Wasser aufgelöst. Wichtig ist auch hier, die Medikamente mit ausreichend Flüssigkeit (mindestens 200 ml) einzunehmen, damit der Weitertransport aus dem Magen in den oberen Dünndarm nicht verzögert wird. Einige Patienten nehmen Medikamente zur Ansäuerung des Urins ein, um Infektionen in der Blase vorzubeugen. Eines dieser Medikamente - Methionin - ist ebenfalls ein Eiweiß und kann, genau wie Eiweiß aus der Nahrung, zu einer Wirkungsabschwächung von L-Dopa führen. Methionin sollte deshalb möglichst nicht verwendet werden. Entzündungen der Magen-Darm-Schleimhaut, z.B. durch den bekannten Magenkeim Helicobacter pylori, können zu einer verminderten Aufnahme von L-Dopa führen. Unklare Magenbeschwerden sollten deshalb immer untersucht werden, bei Nachweis einer Entzündung der Magenschleimhaut oder des oberen Dünndarms sollten diese behandelt werden. Die Ausscheidung von Medikamenten erfolgt entweder über den Darm oder über die Nieren. Parkinson-Patienten leiden häufig unter einer Verstopfung. Macrogol Beutel haben sich in der Behandlung der Parkinson-bedingten Verstopfung bewährt, Interaktionen sind nicht bekannt. Bei Neueinstellung auf einen COMT-Hemmer (Durchfall als Nebenwirkung möglich) sollte die Macrogoldosis vorsorglich reduziert werden. Sind die Leber- oder Nierenfunktion durch Begleiterkrankungen eingeschränkt, so dürfen einige Medikamente nur noch in reduzierten Mengen bzw. gar nicht verabreicht werden. So verlängert sich die Wirkdauer von Amantadin z.B., welches über die Niere ausgeschieden wird, bereits bei leicht eingeschränkter Nierenfunktion um 50 %. Ziel einer medikamentösen Behandlung ist die Wiederherstellung eines Gleichgewichts chemischer Botenstoffe im Gehirn, welches durch den vorhandenen Mangel an Dopamin gestört ist. Mit Hilfe von L-Dopa und seinen Mitspielern (Dopaminagonisten, MAO-Hemmer, COMT-Hemmer, Decarboxylasehemmer) kann man dieses Ziel erreichen. Wichtig für eine gute Wirkung ist jedoch, dass die L-Dopa-aufnehmenden „Bindungsstellen“ (Rezeptoren) im Gehirn intakt sind. Es verbieten sich bei M. Parkinson Medikamente, welche diese Dopamin-Bindungsstellen im Gehirn besetzen und dadurch die Aufnahme von Dopamin einschränken oder verhindern. Neuroleptika Beispiele: Alle Vertreter dieser Wirkstoffgruppe sind kontraindiziert mit Ausnahme von Clozapin und Quetiapin. In diese Gruppe gehört auch Fluspirilen, welches häufig gegen Angstzustände als i.m. Zwischen der Einnahme von L-Dopa und Eisenpräparaten muss ein Abstand von 2 Stunden eingehalten werden.
Eliquis (Apixaban): Ein moderner Blutverdünner
Eliquis (Apixaban) gehört zu den neueren oralen Antikoagulanzien (NOAKs), die eine wichtige Rolle bei der Prävention von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei Patienten mit Vorhofflimmern spielen. Im Vergleich zu traditionellen Antikoagulanzien wie Warfarin (Marcumar) bietet Eliquis den Vorteil einer einfacheren Dosierung und weniger notwendigen Blutgerinnungskontrollen. Es hemmt direkt den Faktor Xa, einen wichtigen Bestandteil der Blutgerinnungskaskade.
Mögliche Wechselwirkungen von Eliquis mit Parkinson-Medikamenten
Bei der Kombination von Eliquis mit Medikamenten zur Behandlung von Parkinson können Wechselwirkungen auftreten, die die Wirksamkeit von Eliquis beeinflussen oder das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen.
Lesen Sie auch: Anwendung von Eliquis
Beeinflussung der Blutgerinnung
Einige Medikamente, die bei Parkinson-Patienten eingesetzt werden, können die Blutgerinnung beeinflussen und somit das Risiko von Blutungen in Kombination mit Eliquis erhöhen. Dazu gehören:
- Thrombozytenaggregationshemmer: Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel und Prasugrel verhindern die Verklumpung der Blutplättchen und werden häufig zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt. Die gleichzeitige Einnahme mit Eliquis kann das Blutungsrisiko deutlich erhöhen.
- Antidepressiva: Einige Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Citalopram, Sertralin oder Venlafaxin, können die Thrombozytenfunktion beeinträchtigen und somit das Blutungsrisiko erhöhen.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen können die Magenschleimhaut schädigen und somit das Risiko von Magen-Darm-Blutungen erhöhen, insbesondere in Kombination mit Eliquis.
Beeinflussung des Abbaus von Eliquis
Einige Medikamente können den Abbau von Eliquis im Körper beeinflussen und somit dessen Wirkung verstärken oder abschwächen. Eliquis wird hauptsächlich über das Cytochrom-P450-3A4 (CYP3A4)-Enzymsystem in der Leber abgebaut. Medikamente, die dieses Enzymsystem hemmen oder induzieren, können die Eliquis-Konzentration im Blut beeinflussen.
- CYP3A4-Inhibitoren: Starke CYP3A4-Inhibitoren wie Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir und Clarithromycin können den Abbau von Eliquis verlangsamen und somit dessen Konzentration im Blut erhöhen. Dies kann das Blutungsrisiko erhöhen.
- CYP3A4-Induktoren: Starke CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin und Johanniskraut können den Abbau von Eliquis beschleunigen und somit dessen Konzentration im Blut senken. Dies kann die Wirksamkeit von Eliquis verringern.
Dopaminagonisten
Pramipexol wird über die Niere abgebaut oder ausgeschieden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Pramipexol mit Arzneimitteln, welche ebenfalls über die Niere abgebaut oder ausgeschieden werden, können sich diese gegenseitig beeinflussen und zu einer reduzierten Ausscheidung und damit zu einem unerwünschten Anstieg der Wirkung führen, z.B. Chinidin, Ranitidin, Triampteren, Verapamil, Digoxin, Diltiazem, Procainamid, Trimethoprim. Ropinirol wird über eines der Leberenzyme (CYP1A2) abgebaut. Medikamente, die dieses Enzym in seiner Tätigkeit hemmen (Ciprofloxacin, Fluvoxamin) oder anregen (Omeprazol, Lansoprazol, Nikotin) können die Wirkung von Ropinirol erhöhen oder vermindern. Unter einer hochdosierten Östrogenbehandlung wurde ein Anstieg des Blutspiegels von Ropinirol beobachtet.
Amantadin
Amantadin darf nicht mit anderen Medikamenten kombiniert werden, welche ebenfalls eine Leitungsstörung am Herzen hervorrufen können (QT-Strecken-Verlängerung), z.B. Domperidon, Amiodaron, Sotalol, Opipramol, bestimmte Antibiotika. Amantadin und Budipin haben anticholinerge Nebeneffekte. Die Kombination mit anderen Medikamenten, welche ebenfalls anticholinerg wirken, kann zu einer unerwünschten Verstärkung dieser Nebeneffekte führen. Vertreter Anticholinergika: anticholinerge Parkinsonmittel, z.B. Metixen, Biperiden, Bornaprin, trizyklische Antidepressiva, z.B. Amitriptylin, Doxepin, Mittel gegen Harninkontinenz, z.B. Trospium, Oxybutynin, Mittel gegen Angst, z.B. Opipramol. Amantadin kann zu einem Natriummangel im Blut (Hyponatriämie) führen. Die Kombination mit anderen Medikamenten, welche ebenfalls eine Hyponatriämie auslösen, sollte vermieden werden.
Weitere Wechselwirkungen
Es verbieten sich bei M. Parkinson Medikamente, welche diese Dopamin-Bindungsstellen im Gehirn besetzen und dadurch die Aufnahme von Dopamin einschränken oder verhindern. Neuroleptika Beispiele: Alle Vertreter dieser Wirkstoffgruppe sind kontraindiziert mit Ausnahme von Clozapin und Quetiapin. In diese Gruppe gehört auch Fluspirilen, welches häufig gegen Angstzustände als i.m. Zwischen der Einnahme von L-Dopa und Eisenpräparaten muss ein Abstand von 2 Stunden eingehalten werden.
Lesen Sie auch: Eliquis und Muskelkrämpfe: Ursachen und Behandlung
Allgemeine Hinweise zur Medikamenteneinnahme bei Parkinson
Neben den spezifischen Wechselwirkungen mit Eliquis gibt es auch allgemeine Aspekte der Medikamenteneinnahme, die bei Parkinson-Patienten beachtet werden sollten:
- Compliance: In einer Studie wurde gezeigt, dass bei einem Fünftel der untersuchten Parkinson-Patienten die Medikamenteneinnahme unzureichend war und unter 80 % lag. Insbesondere die Einhaltung der häufigen Einnahmezeiten bereitete größte Schwierigkeiten. Eine unzureichende Tabletteneinnahme führt in der Regel zu einer Abschwächung der Wirkung und darüber hinaus zu einer ungleichmäßigen Wirkstoffzufuhr im Gehirn. Die Lösung ist sehr einfach. Mit Hilfe der neuen Kombinations- und Retardpräparate kann man die Anzahl der Tabletten reduzieren und ein übersichtliches Therapieschema entwickeln, welches dann vom Patienten auch zuverlässiger eingehalten werden kann. Wird die Einnahme der Medikation vergessen, so sollten externe Hilfen wie Uhren oder Pillenboxen mit Klingel- und/oder Vibrationsalarm Einsatz finden. Neben der zeitgenauen Einnahme der Medikamente gehört auch eine vollständige Angabe aller eingenommenen Medikamente bzw. Nahrungsergänzungsmittel sowie interaktionsfreudiger Nahrungs- und Genussmittel (wie z.B. Alkohol und Nikotin) in diesen Bereich. Eine vegetarische Ernährung z.B.
- Einnahme von L-Dopa: Die Einnahme L-Dopa-haltiger Medikamente mit Milch, Molke, Quark und Joghurt ist wegen dem hohen Eiweißgehalt verboten. Um dies zu vermeiden, sollte die Aufnahme von L-Dopa-Präparaten mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit erfolgen. Diese 30 Minuten benötigt das Medikament, um in den Magen und in den Dünndarm zu gelangen, von dort ins Blut und in das Gehirn. Jetzt kann der Patient essen, denn es gibt keinen Streit mehr um das Transportsystem. Falls es trotz Einhalten dieser Regeln zu einer Wirkungsabschwächung der Medikamente nach dem Mittagessen kommt, so sollte die Hauptmahlzeit auf den Abend verschoben werden, um eine ausreichende Beweglichkeit in den Nachmittagsstunden zu gewährleisten. Die in den Beipackzetteln angegebene Empfehlung, die Medikamente 1 bis 1,5 Stunden nach der Mahlzeit einzunehmen, ist leider nicht sehr sicher, da die Magenentleerung bei Parkinson-Patienten ja verzögert ist und nach größeren Mahlzeiten bis zu 4 Stunden andauern kann. Mit Beginn der L-Dopa-Therapie erfolgt die erste Einnahme der Medikation morgens auf nüchternen Magen. Die meisten Patienten vertragen dies gut und benötigen keine besonderen Schutzmaßnahmen. Falls jedoch ein empfindlicher Magen bekannt ist oder Magenbeschwerden auftreten, kann die erste Tabletteneinnahme mit einem Zwieback/Keks erfolgen. Bei stärkeren Beschwerden empfiehlt sich die Einnahme mit ein bis zwei Esslöffeln Haferschnee in lauwarmem Wasser aufgelöst. Wichtig ist auch hier, die Medikamente mit ausreichend Flüssigkeit (mindestens 200 ml) einzunehmen, damit der Weitertransport aus dem Magen in den oberen Dünndarm nicht verzögert wird.
- Nahrungsmittel und Getränke: Nahrungsmittel, Getränke oder Nahrungsergänzungen können die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel beeinflussen, wenn sie nicht mit ausreichendem Abstand zueinander eingenommen werden. Sowohl eine verminderte als auch eine verstärkte Wirkung des Präparats ist möglich. Dadurch können auch gefährliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftreten bzw. unangenehme Nebenwirkungen verstärkt werden. Das gilt ganz besonders für Nahrungsergänzungsmittel mit ihren konzentrierten Inhaltsstoffen und ganz speziell für pflanzliche Zutaten oder Extrakte.
- Einnahme nüchtern: Bestimmte Medikamente, z.B. Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin/Levothyroxin) zum Ausgleich einer Schilddrüsenunterfunktion, sollten Sie nüchtern, das heißt 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit und am besten nur mit Leitungswasser einnehmen. Zwischen der Einnahme von Schilddrüsenhormonen und dem Verzehr mineralstoffhaltiger Lebensmittel (z.B. Saft mit Calcium oder Eisen oder ein besonders mineralstoffhaltiges Mineralwasser) oder Milchprodukten sollte sogar ein Zeitraum von zwei bis drei Stunden liegen.
- Einnahme zu den Mahlzeiten: Viele Arzneimittel können und sollen zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Für sehr fettreiche Mahlzeiten gilt jedoch: Sie können die Magenentleerung verzögern. Dadurch gelangen die Wirkstoffe verspätet in den Dünndarm, wo die meisten Arzneimittel vom Körper aufgenommen werden. Die Medikamentenwirkung stellt sich also später ein. Auch der gegenteilige Effekt ist möglich: Durch das verlängerte Einwirken der Magensäure werden bestimmte Wirkstoffe im Dünndarm schneller aufgenommen. Dies betrifft unter anderem Arzneimittel gegen Wassereinlagerungen (Spironolacton und Hydrochlorothiazid) sowie den Cholesterinsenker Lovastatin. Wer Arzneimittel wie den Betablocker Propranolol oder die Blutdrucksenker Lercanidpin und von Ciclosporin einnimmt, muss ebenfalls mit stark fetthaltigem Essen aufpassen. Ist die Leber mit dem Verdauen reichhaltiger, fetter Nahrung beschäftigt, werden solche Medikamente unter Umständen langsamer abgebaut und wirken dadurch stärker als gewohnt. Es empfiehlt sich daher, Medikamente nicht bei stark fetthaltigen Mahlzeiten einzunehmen. Ballaststoffreiche Lebensmittel sind gesund und sollten regelmäßig verzehrt werden. Dennoch sollten Sie zum Beispiel Metformin (Mittel zur Behandlung von Diabetes mellitus) und Digoxin (bei Herzinsuffizienz) nicht zusammen mit ballaststoffreichen Lebensmitteln wie Weizen- oder Haferkleie, Lein- oder Flohsamen einnehmen, da Wirkstoffe zum Teil an Ballaststoffe gebunden werden können und dem Körper dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine schwächere Arzneimittelwirkung kann die Folge sein. Ähnliche Effekte drohen durch Aktivkohle, die heutzutage oft in Detox-Produkten oder in schwarzen Lebensmitteln als Färbemittel eingesetzt wird.
- Grapefruit und Pomelo: Grapefruit und ihre Verwandten, die Pomelos oder Pampelmusen, enthalten Substanzen, die die Wirkung bestimmter Enzyme (CYP 3A4) hemmen. Diese Enzyme sind für die Inaktivierung zahlreicher Wirkstoffe notwendig. Bereits durch den Verzehr üblicher Grapefruit-Mengen wird deshalb die Wirkung zahlreicher Arzneimittel deutlich verstärkt. Dies geschieht auch, wenn zwischen Verzehr von Grapefruit und der Einnahme des Arzneimittels ein großer zeitlicher Abstand liegt.
- Calciumreiche Lebensmittel: Milch und Milchprodukte enthalten Calcium und Caseine, die den Proteinanteil der Milch bilden. Beide Komponenten besitzen die Eigenschaft, mit Wirkstoffen bestimmter Arzneimittel chemische Bindungen einzugehen. Dies hat zur Folge, dass im Körper weniger Wirkstoff aufgenommen werden kann, was die Wirksamkeit Ihrer Medikamente deutlich reduziert.
- Alkohol: Alkohol verfügt neben seiner berauschenden Wirkung über ein hohes Wechselwirkungspotenzial mit vielen Arzneimitteln. Bei längerfristiger Einnahme von Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure (ASS) erhöht Alkohol das Risiko, an Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren zu erkranken. Wenn Sie also Medikamente mit diesen Wirkstoffen einnehmen, z.B. gegen Gelenkbeschwerden oder zur Vorbeugung eines Schlaganfalls, sollten Sie möglichst wenig und selten Wein, Sekt oder Bier trinken.
- Sonstige Lebensmittel: Lebensmittel wie Käse, Joghurt, Salami, Sojaprodukte, Rotwein, Schokolade, Trockenfrüchte enthalten viel Tyramin. Sie sollten sie nicht zusammen mit MAO-Hemmern (z. B. Tranylcypromin, Wirkstoff gegen Depressionen) einnehmen. Es können gefährliche Blutdruckkrisen auftreten (Serotonin-Syndrom). Goji-Beeren (Bocksdornbeeren) und Granatapfelsaft gelten hierzulande zwar als Superfood. Sie sollten sie aber keinesfalls verzehren, wenn Sie Vitamin-K-Antagonisten, sogenannte Cumarinderivate wie Marcumar® (Phenprocoumon) oder Warfarin (Coumadin®) einnehmen, die als Mittel zur Gerinnungshemmung eingesetzt werden. Sie können deren Wirkung deutlich verstärken, das Blutungsrisiko steigt. Kaffee, schwarzer und grüner Tee enthalten Gerbstoffe, die die Wirksamkeit vieler Arzneimittel gegen Depressionen und anderer Psychopharmaka um bis zu 80 Prozent vermindern. Dies gefährdet den Therapieerfolg stark. Andere Teesorten wie Hagebutten- oder Kamillentee bergen dieses Risiko nicht und bieten sich daher als Alternative an. Arzneimittel wie Ciprofloxacin (ein Antibiotikum), Cimetidin (ein Magensäurehemmer) oder Prednison (ein Glukokortikoid/Kortison) können dazu führen, dass Sie das im Kaffee enthaltene Koffein schlechter verstoffwechseln. Ihr Kaffee wirkt also stärker bzw. länger und kann Ihnen unter Umständen schlaflose Nächte bereiten. Beim Verzehr von Granatapfelprodukten und der Einnahme von Potenzmitteln (PDE-5-Hemmer) oder Antikoagulanzien („Blutverdünner“) sollten Sie einen größeren zeitlichen Abstand einhalten, um gefährliche veränderte Wirkungen auszuschließen. Lakritze enthält Glycyrrhizin aus der Süßholzwurzel, das die Ausscheidung von Kalium über die Niere erhöht. Bestimmte Arzneimittel gegen Wassereinlagerungen (sogenannte Schleifen- und Thiazid-Diuretika mit Wirkstoffen wie z.B.
Praktische Empfehlungen für die Anwendung
Um das Risiko von Wechselwirkungen zu minimieren und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten, sollten folgende Empfehlungen beachtet werden:
- Vollständige Medikamentenliste: Der Arzt sollte über alle Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzlichen Präparate informiert sein, die der Patient einnimmt.
- Regelmäßige Überprüfung der Medikation: Die Medikation sollte regelmäßig überprüft und angepasst werden, um unnötige Medikamente zu vermeiden und Wechselwirkungen zu minimieren.
- Individuelle Dosierung: Die Dosierung von Eliquis und anderen Medikamenten sollte individuell angepasst werden, basierend auf der Nierenfunktion, dem Alter und anderen Faktoren des Patienten.
- Aufklärung des Patienten: Der Patient sollte über mögliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen aufgeklärt werden und wissen, wann er einen Arzt aufsuchen sollte.
- Notfallausweis: Patienten, die Eliquis einnehmen, sollten einen Notfallausweis mit sich führen, der über die Einnahme des Medikaments informiert.
Lesen Sie auch: Das Risiko von Hirnblutungen bei Einnahme von Eliquis