Die Erziehung hochbegabter Kinder stellt Eltern vor besondere Herausforderungen, die oft über den Bereich von Lernen und Leistung hinausgehen. Verhaltensauffälligkeiten und sozial-emotionale Aspekte spielen eine ebenso wichtige Rolle. Dieser Artikel beleuchtet, wie sich diese Herausforderungen äußern können und welche Strategien Eltern und Fachkräfte anwenden können, um hochbegabte Kinder optimal zu unterstützen.
Verhaltensweisen verstehen: Internalisiert vs. Externalisiert
In der Psychologie unterscheidet man zwischen internalisierendem und externalisierendem Verhalten. Externalisierende Verhaltensweisen, wie Unterrichtsstörungen, Hyperaktivität, Aggressivität, oppositionelles Verhalten oder Mobbing, wirken sich vor allem auf das soziale Umfeld des Kindes aus. Obwohl diese Verhaltensweisen primär andere beeinträchtigen, leiden die betroffenen Kinder auch unter den negativen Reaktionen ihrer Umwelt und Gefühlen wie Scham, Wut und Enttäuschung.
Internalisierende Verhaltensweisen hingegen, wie sozialer Rückzug, psychosomatische Beschwerden, Ängstlichkeit oder Depressivität, richten sich nach innen und gegen die eigene Person. Diese Verhaltensweisen werden oft weniger beachtet, da sie weniger störend wirken als externalisierende Verhaltensweisen, was dazu führen kann, dass die Notlage dieser Kinder übersehen wird, obwohl ihr Leidensdruck erheblich sein kann.
Das Risiko sozial-emotionaler Probleme: Mythos und Realität
Es wurde lange angenommen, dass hochbegabte Kinder und Jugendliche ein höheres Risiko für soziale und emotionale Probleme haben. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass Hochbegabte weder anfälliger noch weniger anfällig für Verhaltensauffälligkeiten und sozial-emotionale Probleme sind als durchschnittlich intelligente Kinder. Es gibt jedoch spezifische Risikofaktoren, die mit Hochbegabung einhergehen können, wie Perfektionismus oder asynchrone Entwicklung.
Viele Hochbegabte zeichnen sich durch schnelle Informationsaufnahme, schnelles Lernen, ein gutes Gedächtnis, eine hervorragende Beobachtungsgabe, viel Energie und vielfältige Interessen aus. Diese Stärken können in bestimmten Kontexten als Ungeduld, störende Fragen, Widerwille gegen Anweisungen oder Dominanz wahrgenommen werden, was zu Frustration und Problemen im zwischenmenschlichen Kontakt führen kann.
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Wenn von der Norm abweichendes Verhalten und emotional-soziales Erleben nicht als Teil der Hochbegabung verstanden wird, kann dies Anlass für Eltern sein, eine (schul-)psychologische Beratungsstelle aufzusuchen, oder von Lehrer:innen und Erzieher:innen darauf hingewirkt wird. Nicht selten werden diese Verhaltensweisen auch von Fachkräften als Verhaltensstörung missinterpretiert und als klinische Störung fehldiagnostiziert.
Soziale Isolation: Ein häufiges Problem
Obwohl hochbegabte Kinder und Jugendliche insgesamt nicht häufiger isoliert sind als nicht hochbegabte, machen problematische Sozialkontakte mit Gleichaltrigen etwa 60 % der Beratungen aus. Themen wie Unsicherheit, Streit und soziale Isolation stehen dabei im Vordergrund.
Soziale Isolation im Kita-Alter
Bereits im Kindergarten kann auffallen, dass hochbegabte Kinder lieber allein spielen und wenig Interesse am gemeinsamen Spiel mit Gleichaltrigen zeigen. Sie interessieren sich oft früh für Tätigkeiten wie Lesen, Rechnen und das Verstehen physikalischer Zusammenhänge, womit viele durchschnittlich intelligente Kinder in diesem Alter noch nicht viel anfangen können. Ihre Stärken, wie eine schnelle Auffassungsgabe und hohe Ansprüche, können es ihnen schwer machen, geeignete Spielpartner und Freunde zu finden. Es ist für sie oft schwer nachvollziehbar, dass andere Kinder Informationen nicht so schnell aufnehmen und behalten können, weshalb sie ungeduldig oder intolerant wirken können. Da viele hochbegabte Kinder Aufgaben lieber selbstständig bearbeiten, lehnen sie Hilfestellungen und Anregungen von Gleichaltrigen öfter ab. Das starke Bedürfnis nach Unabhängigkeit kann auch als Desinteresse interpretiert werden.
Soziale Isolation im Schulalter
Wenn hochbegabte Kinder bereits im Kindergarten unter wenig geeigneten oder keinen Sozialkontakten leiden, kann sich dies in der Grundschule fortsetzen. Obwohl sie oft Vorbilder für andere Grundschulkinder sind und bei diesen beliebt sind, pflegen sie möglicherweise nur wenig Kontakt mit Klassenkameraden und haben keine Freunde außerhalb der Schule. Auf der weiterführenden Schule kann es häufiger vorkommen, dass Klassenkameraden auf gute Noten oder die Beliebtheit bei Lehrern eifersüchtig sind und hochbegabte Kinder und Jugendliche gemieden oder ausgegrenzt werden. Viele der betroffenen Kinder und Jugendlichen leiden stark unter ihrer Isolation und reagieren sehr sensibel und mit starker Intensität auf soziale Ausgrenzung. Einige Hochbegabte wissen nicht genau, wie sie auf andere Menschen zugehen sollen, und es kann ihnen schwerfallen, ihre eigenen Gefühle zu verstehen und sich Gleichaltrigen und Erwachsenen mitzuteilen. Durch Ablehnung und Isolation kann auch das Gefühl entstehen, „nicht richtig“ zu sein. Viele Hochbegabte, insbesondere Mädchen, versuchen daher, sich anzupassen und ihre Begabung zu verstecken.
Aggressivität: Ursachen und Umgang
Das Thema Aggressivität ist in der Beratung von hochbegabten Kindern und Jugendlichen genauso vertreten wie in der allgemeinen Erziehungsberatung. Etwa 45 % der Eltern geben an, dass ihr hochbegabtes Kind aggressive Verhaltensweisen zeigt, was bei einem Teil der Familien zu sehr starken Belastungen beiträgt.
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Wie sich aggressives Verhalten zeigt
Ein hochbegabtes Kind kann in der Schule positiv durch seine guten Beiträge und gleichzeitig negativ durch aggressives Verhalten auffallen. Besonders in Gruppenarbeiten kann von der Norm abweichendes Verhalten problematisch werden und den Arbeitsprozess oder die anderen Schüler stören. Manchmal werden selbstbewusstes Verhalten und Zielstrebigkeit als aggressiv fehlinterpretiert und geben Anlass für Konflikte mit Gleichaltrigen. Gleichzeitig verfügen manche Hochbegabte über eine geringe Frustrationstoleranz und werden ärgerlich, wenn etwas nicht sofort funktioniert oder sich eine Aufgabe nur unter größerer Anstrengungsaufwendung lösen lässt.
Wie aggressives Verhalten entstehen kann
Viele Hochbegabte haben bereits früh eine Vorstellung davon, wie sie bestimmte Dinge angehen wollen, und können gut für sich einstehen, ihre Meinung geschickt artikulieren und differenziert argumentieren. Das dahinterstehende stabile, positive Selbstkonzept kann aber auch mit einer Häufung von Diskussionen und konflikthaften Auseinandersetzungen einhergehen. Wenn z. B. Eltern oder Lehrer pauschale und verallgemeinernde, nicht begründete Anweisungen geben, kann Frustration oder Wut entstehen. Hochbegabte Schüler erleben alltägliche Frustrationen, wie langes Warten auf Mitschüler, zu wenig Raum für spezielle, tiefergehende Fragen oder anhaltende kognitive Unterforderung. Das Modell der Spirale der Enttäuschungen beschreibt, wie solche dauerhaften und sich selbst verstärkenden Frustrationen dazu führen können, dass Hochbegabte mit externalisierendem Verhalten (z. B. Aggressivität, motorischer und verbaler Unruhe) reagieren. Einige hochbegabte Kinder und Jugendliche befinden sich in einem Umfeld, das sie und ihre persönlichen Eigenschaften nicht ausreichend versteht oder wertschätzt. In der Schule und manchmal bereits im Kindergarten wird Konformität, unauffälliges Verhalten und soziale Angepasstheit erwartet und belohnt. Individualität (z. B. besonders kreative Aufgabenlösung, ungewöhnliche Kommentare und Fragen, seltene Interessen) wird z. T. hingegen leicht missverstanden, weniger gefördert und manchmal sogar unterbunden. Wenn hochbegabte Kinder und Jugendliche den Eindruck haben, sie müssten sich anpassen und sogar verstellen, kostet sie dies viel Kraft und kann zu großer Unzufriedenheit und Enttäuschung führen. Einige Hochbegabte geraten dadurch in einen inneren Konflikt, hinterfragen sich und möchten ihr wahres Selbst nicht zeigen. Solche Identitätskonflikte, Ängste und Selbstablehnung können u. a. die Folge sein. Die eigene Hochbegabung als Teil der Identität anzuerkennen, ist ein andauernder Prozess, bei welchem Kinder und Jugendliche von der Unterstützung ihres sozialen Umfelds profitieren und auch von Beratenden entsprechend begleitet werden können.
Beratung und Unterstützung: Ein ganzheitlicher Ansatz
Ganz gleich, ob hochbegabte Kinder und Jugendliche durch sozialen Rückzug oder aggressive Verhaltensweisen auffallen, als Beratende:r ist es wichtig, ihnen und ihren Eltern im Gespräch auf Augenhöhe zu begegnen und das Gefühl von echter Akzeptanz zu vermitteln. Ziel dabei ist, die vorliegende Hochbegabung nicht als Teil oder Auslöser des Problems, sondern als besondere Ressource anzuerkennen.
Grenzen setzen bei gleichzeitiger Wertschätzung
Es kann hilfreich sein, das als problematisch empfundene, z. B. aggressive Verhalten, als Lösungsversuch einer belastenden Situation zu verstehen. Aggression als grundlegende alltägliche Emotion kann auch eine positive Funktion haben, indem sie uns zur Erreichung und Setzung von Zielen motiviert und damit die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen fördern kann. Daher ist es förderlich, wenn Beratende und Eltern eine ressourcenorientierte Haltung einnehmen und die Hochbegabung als großes Potenzial, z. B. zur eigenen Lösungsfindung, verstehen. Insbesondere bei Konflikten ist es wichtig, dass Eltern in Kontakt mit ihren hochbegabten Kindern bleiben und Beziehungsangebote aufrechterhalten, ihnen jedoch gleichzeitig durch klare Regeln Sicherheit und Orientierung vermitteln.
Interesse an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen zeigen
Ein Thema der Elternberatung kann die gemeinsame Reflexion über die mögliche Bedeutung des aggressiven Verhaltens ihres hochbegabten Kindes sein. Dazu kann es hilfreich sein, genauer hinzuschauen und zu überlegen, wann das Kind wütend reagiert und wann nicht. Wie können Eltern die Bedürfnisse ihrer hochbegabten Kinder (z. B. nach Autonomie) erkennen und in angemessener Form zulassen? Beratung hat nie zum Ziel, die Persönlichkeit eines Kindes zu verändern oder nur ein unerwünschtes Verhalten zu unterdrücken. Den Familien kann es helfen, einmal die Perspektive der Kinder einzunehmen, um ihre Emotionen, Beweggründe, mögliche innere Konflikte und Bedürfnisse noch besser zu verstehen. Eltern können in der Beratung darin unterstützt werden ihre Beziehungsgestaltung zu ihren Kindern anzupassen, indem sie auf eine transparente, eindeutige, jedoch auch wertschätzende Kommunikation achten.
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Kinder und Jugendliche in die Beratung miteinbeziehen
Auch beim Anmeldegrund der sozialen Isolation ist unbedingt die Kinderperspektive zu berücksichtigen. Es ist wichtig zu wissen, inwieweit das Kind selbst seine (relative) Isolation als Belastung empfindet. Viele hochbegabte Kinder haben häufig wenige, dafür aber qualitativ hochwertige, intensive Freundschaften und sind damit auch zufrieden. Sie sollten bei der Suche nach möglichen Lösungen miteinbezogen werden. Meist wissen sie selbst am besten, z. B. welche Freizeitaktivitäten ihnen am meisten Spaß machen würden und ob weitere Hobbies eher eine Belastung oder Bereicherung für sie darstellen. Beratende können Kinder auch beim Aufbau sozialer Kontakte unterstützen, indem sie z. B. gemeinsam erarbeiten, was ihnen in einer Freundschaft wichtig ist. Manche Hochbegabte verfügen über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und erwarten dies auch von ihren Freunden. Das hohe Maß an gegenseitig erwarteter Loyalität wird durch Gleichaltrige, welche noch nicht diese Stufe des Freundschaftskonzepts ausgebildet haben, oft enttäuscht. Der Idealismus der Kinder und Jugendlichen sollte in der Beratung wertgeschätzt werden, wobei auch die Thematisierung negativer Erfahrungen bei einer realistischen Einordnung der eigenen Erwartungen helfen kann. Beratende können Hochbegabte darin bestärken, dass es in Ordnung ist, wenige ausgewählte Freunde zu haben, solange sie selbst damit glücklich sind. Zu Beginn der Schulzeit ist es aufgrund der Seltenheit einer Hochbegabung unwahrscheinlicher, dass Kinder auf Gleichgesinnte treffen. Durch Selektionseffekte, z. B. die Wahl bestimmter Hobbies oder eines Studiengangs, werden sie jedoch mit der Zeit durch die geteilten Kontexte mit mehr Personen zusammentreffen, die ähnliche Begabungen, Interessen und Wertvorstellungen haben.
Sorgen der Eltern ernst nehmen und vorhandene Ressourcen stärken
Eltern können durch intensive Wutanfälle oder durch die von ihnen wahrgenommene Isolation ihrer hochbegabten Kinder verunsichert werden. In Diskussionen stellen ihre schlauen Kinder die elterliche Autorität in Frage, was dazu führen kann, dass die Eltern sich schuldig fühlen und ihre erzieherischen Kompetenzen hinterfragen. Ziele der Elternberatung sind daher auch Aufbau und Reaktivierung ihrer Ressourcen sowie ein pragmatischer, lösungsorientierter Ansatz, der ihre Handlungssicherheit in Bezug auf ihre Erziehungsmethoden und Selbstwirksamkeitserfahrung stärkt. Wenn Eltern mit Gefühlen der Ohnmacht und Hilflosigkeit reagieren, ist es hilfreich die eigenen Grenzen den Kindern gegenüber wertschätzend aufzuzeigen. Da die Reflexion und eine möglicherweise nötige Anpassung des Erziehungs- und Kommunikationsverhaltens viel Kraft kosten, können betroffene Eltern Entlastung durch die Annahme eines Beratungsangebots erlangen. Die Teilnahme an einem Gruppentraining für Eltern von hochbegabten Kindern (z. B. das KLIKK®-Elterntraining kann dabei unterstützen, Handlungskompetenzen zu erweitern, Kommunikationstechniken auszuprobieren und ein lösungsorientiertes Vorgehen bei Konflikten zu etablieren.
Wahrnehmung und Regulation von Gefühlen
Da hochbegabte Kinder und Jugendliche nicht selten die Welt zuerst auf kognitiver, sachlich-rationaler Ebene wahrnehmen und verstehen, kann es hilfreich sein, sie stärker mit ihrer Gefühlswelt in Kontakt zu bringen. Verschiedene Themen der Kinder und Jugendlichen können in der Einzelfallberatung ressourcenorientiert anhand von spielerischen Aktivitäten (Karten-/Würfelspiele, Malen, Bauen), durch Visualisierungen (Postkarten, Fotos) oder stellvertretend geübt werden.
Hochbegabung im Kita-Alltag: Herausforderungen und Chancen
Hochbegabung bei Kindern wird oft übersehen, weil sie sich nicht immer in typischen Mustern zeigt. Hochbegabte Kinder sind häufig zurückhaltend oder in ihre eigenen Interessen vertieft, was die Begabung schwer erkennbar macht. Spezifische Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensauffälligkeiten können leicht übersehen oder missverstanden werden. Als Erzieher kannst Du entscheidend dazu beitragen, das Potenzial der Kinder zu entfalten und sie zu unterstützen.
Persönlichkeitsmerkmale hochbegabter Kinder
Eine Hochbegabung bei Kindern zeichnet sich nicht nur durch außergewöhnliche kognitive Fähigkeiten aus, sondern auch durch einzigartige Persönlichkeitsmerkmale.
- Frühzeitige Selbstständigkeit: Hochbegabte Kinder übernehmen häufig sehr früh Verantwortung und erledigen Aufgaben selbstständig, die andere Kinder in ihrem Alter noch nicht bewältigen können. Sie zeigen eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Selbstorganisation und benötigen weniger Anleitung, um Probleme zu lösen.
- Hohe Neugier und Wissensdurst: Hochbegabte Kinder sind besonders daran interessiert, die Welt um sich herum zu verstehen, und suchen aktiv nach Antworten. Ihre Neugier ist oft nicht nur auf Oberflächenwissen begrenzt, sondern geht in die Tiefe und umfasst komplexe Zusammenhänge.
- Perfektionismus und hohe Ansprüche an sich selbst: Kinder, die hochbegabt sind, neigen dazu, sehr hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen. Sie möchten ihre Aufgaben nicht nur erledigen, sondern sie perfekt ausführen. Dieser Perfektionismus kann sowohl in ihrem Verhalten als auch in ihrer Leistung zum Vorschein kommen.
- Starke innere Motivation: Hochbegabte Kinder sind oft von innen heraus motiviert, Neues zu lernen. Sie benötigen nicht viel äußeren Anreiz, um sich für ein Thema zu begeistern. Ihre Motivation kommt von ihrem natürlichen Drang, Dinge zu verstehen und ihre eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Verhaltensauffälligkeiten bei hochbegabten Kindern
Hochbegabte Kinder können aufgrund ihrer besonderen Wahrnehmung und intensiven emotionalen Reaktionen Verhaltensauffälligkeiten zeigen, die oftmals nicht sofort als Zeichen von Hochbegabung erkannt werden.
- Überempfindlichkeit und emotionale Intensität: Kinder mit Hochbegabung sind häufig besonders empfindsam und reagieren emotional intensiver auf ihre Umwelt als andere Kinder. Diese erhöhte Sensibilität kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben. Sie nehmen Situationen stärker wahr und sind manchmal sehr betroffen von Konflikten oder den Emotionen anderer.
- Einsamkeit und soziale Anpassungsprobleme: Da hochbegabte Kinder meist viel weiter entwickelt sind als ihre Altersgenossen, haben sie manchmal Schwierigkeiten, gleichaltrige Freunde zu finden, mit denen sie auf einer ähnlichen intellektuellen Ebene kommunizieren können. Sie fühlen sich häufig isoliert, weil ihre Interessen und ihre Denkweisen von denen ihrer Altersgenossen abweichen.
- Zwanghafte Verhaltensweisen: Kinder mit Hochbegabung können in einigen Fällen zwanghafte Verhaltensweisen entwickeln, vor allem wenn sie sehr hohe Erwartungen an sich selbst stellen und Schwierigkeiten haben. Diese Zwangsstörungen zeigen sich i. d. R. in Ritualen oder wiederholtem Verhalten, das dem Kind hilft, mit der Unsicherheit oder dem Drang nach Perfektion umzugehen.
Unterstützung hochbegabter Kinder im Kita-Alltag
Die frühzeitige Erkennung von Hochbegabung ist entscheidend, um das Potenzial der Kinder zu fördern. Wird Hochbegabung nicht erkannt, kann das zu Unterforderung, Einsamkeit und Verhaltensauffälligkeiten führen. Als Erzieher kannst Du helfen, indem Du ihre kognitiven und sozialen Bedürfnisse erkennst und sie gezielt förderst. Eine passende Unterstützung ermöglicht es ihnen, sowohl ihre Fähigkeiten zu entwickeln als auch ihre emotionale und soziale Integration zu stärken.
- Förderung der Selbstständigkeit und Neugier: Es ist wichtig, dass Du hochbegabten Kindern den Raum gibst, ihre Interessen selbstständig zu verfolgen und neue Themen zu entdecken. Schaffe eine Umgebung, in der sie eigenständig Aufgaben lösen können, aber biete auch gezielte Anreize für tiefere Entdeckungen.
- Fehlerkultur und Umgang mit Perfektionismus: Es ist wichtig, hochbegabten Kindern beizubringen, dass Fehler zum Lernprozess gehören und dass es okay ist, nicht immer alles perfekt zu machen.
- Förderung sozialer Fähigkeiten und Teamarbeit: Hochbegabte Kinder haben oft Schwierigkeiten, sich mit Gleichaltrigen zu identifizieren, da ihre Interessen und Denkweisen weit über das Niveau ihrer Altersgenossen hinausgehen. Dies kann zu einem Gefühl der Einsamkeit und zu Schwierigkeiten bei der sozialen Integration führen. Es ist wichtig, dass Du die sozialen Fähigkeiten dieser Kinder förderst und ihnen hilfst, sich in Gruppen zu integrieren.
- Emotionales Verständnis und Unterstützung: Die emotionale Intensität und Überempfindlichkeit hochbegabter Kinder können dazu führen, dass sie auf stressige oder herausfordernde Situationen stärker reagieren als andere Kinder. Es ist wichtig, dass Du ihnen hilfst, ihre Emotionen zu verstehen und zu regulieren.
- Individuelle Förderung und Herausforderung: Hochbegabte Kinder benötigen oft individuelle Förderung, die speziell auf ihre Stärken und Herausforderungen abgestimmt ist. Dabei ist es ratsam, dass Du sie nicht nur herausforderst, sondern auch dabei unterstützt, ihre Stärken weiter auszubauen, ohne sie zu überfordern.
- Förderung von Resilienz und Stressbewältigung: Da hochbegabte Kinder oft unter Leistungsdruck stehen, ist es wichtig, dass Du ihnen beibringst, wie sie mit Stress und Druck umgehen können. Die Entwicklung von Resilienz ist entscheidend, um ihnen zu helfen, auch in schwierigen Situationen ruhig und fokussiert zu bleiben.
Eltern als Experten: Ressourcen aktivieren und stärken
Eltern können durch intensive Wutanfälle oder durch die von ihnen wahrgenommene Isolation ihrer hochbegabten Kinder verunsichert werden. In Diskussionen stellen ihre schlauen Kinder die elterliche Autorität in Frage, was dazu führen kann, dass die Eltern sich schuldig fühlen und ihre erzieherischen Kompetenzen hinterfragen. Ziele der Elternberatung sind daher auch Aufbau und Reaktivierung ihrer Ressourcen sowie ein pragmatischer, lösungsorientierter Ansatz, der ihre Handlungssicherheit in Bezug auf ihre Erziehungsmethoden und Selbstwirksamkeitserfahrung stärkt.
Wenn Eltern mit Gefühlen der Ohnmacht und Hilflosigkeit reagieren, ist es hilfreich die eigenen Grenzen den Kindern gegenüber wertschätzend aufzuzeigen. Da die Reflexion und eine möglicherweise nötige Anpassung des Erziehungs- und Kommunikationsverhaltens viel Kraft kosten, können betroffene Eltern Entlastung durch die Annahme eines Beratungsangebots erlangen. Die Teilnahme an einem Gruppentraining für Eltern von hochbegabten Kindern (z. B. das KLIKK®-Elterntraining kann dabei unterstützen, Handlungskompetenzen zu erweitern, Kommunikationstechniken auszuprobieren und ein lösungsorientiertes Vorgehen bei Konflikten zu etablieren.
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