Warum Eltern immer mit den gleichen Dingen nerven: Ursachen und Lösungsansätze

Eltern-Kind-Beziehungen sind oft von Konflikten geprägt, besonders während der Pubertät. Jugendliche empfinden elterliche Ermahnungen und Kontrollen oft als nervig und unangebracht. Doch warum scheinen Eltern immer wieder die gleichen Themen anzusprechen und zu kritisieren? Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für dieses Phänomen und bietet Lösungsansätze für ein harmonischeres Miteinander.

Die Pubertät: Eine Zeit des Umbruchs

Irgendwann werden alle Eltern doof. Das meint man zumindest, wenn man älter wird und es plötzlich regelmäßig knallt. So ein bisschen Zoff ist durchaus auch okay. Wenn zu Hause immer alles super wäre, würden wir sonst schließlich alle noch bis 40 bei Mama und Papa wohnen. Aber Spaß beiseite: Meist geht das Zoffen irgendwann über gelegentliches Anmotzen hinaus. Bevor Türenknallen und Beschimpfungen zum Normalzustand werden und eine Unterhaltung ohne Schreien gar nicht mehr möglich ist, solltest du aktiv werden. Denn es gibt viele Möglichkeiten, etwas für den Haussegen zu tun!

Die Pubertät ist eine Phase tiefgreifender Veränderungen, sowohl körperlich als auch psychisch. Im Gehirn finden vielfältige neuronale Umbauprozesse statt, die sich auf das Verhalten auswirken. Wissenschaftlich seien die Veränderungen im Kopf noch nicht vollständig geklärt, bekannt sei aber, das sich die weiße Hirnsubstanz erweitert. Alte Nervenverbindungen aus der Kindheit werden aufgelöst, neue entstehen. In der vorderen Hirnregion, dem Stirnlappen, der für strategisches Denken, Planung und Organisation zuständig ist, fliegen in der Phase der Pubertät regelmäßig die Sicherungen raus. „Auch die Verbindungen zwischen Kontroll- und Emotionssystem sind noch sehr dünn, sie bilden sich erst bis zum 25. Lebensjahr vollständig aus“, sagt Schulte-Markwort. Die Folge: Die Gefühle können das Verhalten nur begrenzt beeinflussen.

Leben im Jetzt

„Denk dran - morgen ist der Zahnarzttermin!“ Das sind Worte, wie in Mehl geblasen. „Das Zeitgefühl von Jugendlichen ist mit dem von Erwachsenen nicht zu vergleichen“, erklärt der Kinderpsychiater. Ihre innere Uhr tickt nicht in den Zeitvorstellungen, die für die Eltern grundlegend sind. „Teenager leben sehr stark auf den Augenblick bezogen, sie haben Tage oder Wochen noch nicht im Gefühl.“

Leistungsdruck und Überforderung

Bei 30 oder mehr Unterrichtsstunden pro Woche, Hausaufgaben und Klausurenvorbereitungen, vielleicht noch einem Hobby, ist es für viele Teenager generell schon schwer, alles im Blick zu behalten - auch ohne Baustelle im Kopf. „Der Leistungsdruck für Jugendliche ist heute enorm“, sagt der Experte. Dass in der Pubertät neben Lateinvokabeln und Matheformeln die Absprache mit der Mutter vergessen wird, sei aus diesem Blickwinkel ganz normal: „Irgendwann läuft das Fass eben über.

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Typische Konfliktthemen und ihre Ursachen

Eltern nerven oft mit ähnlichen Dingen, die sich in verschiedenen Bereichen des Lebens manifestieren können.

Verantwortungsübernahme und Aufgaben im Haushalt

Ein häufiger Streitpunkt ist die Übernahme von Verantwortung und Aufgaben im Haushalt. Eltern erwarten, dass ihre Kinder ihren Beitrag leisten, während Jugendliche oft wenig Motivation zeigen oder andere Prioritäten setzen.

Pünktlichkeit und Zeitmanagement

Auch Pünktlichkeit und Zeitmanagement sind oft Anlass für Konflikte. Eltern legen Wert darauf, dass Termine eingehalten werden und Aufgaben rechtzeitig erledigt werden, während Jugendliche dazu neigen, Dinge aufzuschieben oder zu vergessen.

Freizeitgestaltung und Ausgang

Die Freizeitgestaltung und der Ausgang sind weitere Bereiche, in denen es oft zu Auseinandersetzungen kommt. Eltern machen sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder und möchten wissen, wo sie sich aufhalten und mit wem sie Zeit verbringen. Jugendliche hingegen wünschen sich mehr Freiheit und Autonomie.

Schulische Leistungen

Auch schulische Leistungen sind ein häufiges Streitthema. Eltern erwarten gute Noten und Engagement in der Schule, während Jugendliche möglicherweise Schwierigkeiten haben, sich zu motivieren oder den Anforderungen gerecht zu werden.

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Die elterliche Perspektive

Eltern wollen in der Regel nur das Beste für ihre Kinder. Ihre Ermahnungen und Kontrollen entspringen oft der Sorge um deren Wohlergehen und Zukunft. Sie möchten ihre Kinder vor Fehlern bewahren und ihnen helfen, ein erfolgreiches und erfülltes Leben zu führen.

Erziehung und Wertevermittlung

Eltern sehen es als ihre Aufgabe an, ihre Kinder zu erziehen und ihnen Werte zu vermitteln. Sie möchten ihnen beibringen, Verantwortung zu übernehmen, Regeln zu respektieren und sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.

Angst und Sorge

Eltern haben oft Angst um ihre Kinder, besonders in der Pubertät, wo diese mit neuen Erfahrungen und Herausforderungen konfrontiert werden. Sie möchten sie vor Gefahren schützen und ihnen helfen, schwierige Situationen zu meistern.

Eigene Erfahrungen

Eltern lassen sich oft von ihren eigenen Erfahrungen leiten. Sie möchten ihren Kindern die Fehler ersparen, die sie selbst gemacht haben, und ihnen die Möglichkeit geben, ein besseres Leben zu führen.

Lösungsansätze für ein harmonischeres Miteinander

Um die Konflikte zwischen Eltern und Kindern zu reduzieren, ist es wichtig, die unterschiedlichen Perspektiven zu verstehen undKompromisse einzugehen.

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Kommunikation

Der wichtigste Schritt ist die offene Kommunikation. Eltern und Kinder sollten miteinander reden, ihre Gefühle und Bedürfnisse äußern und einander zuhören. Dabei ist es wichtig, Vorwürfe zu vermeiden und stattdessen Ich-Botschaften zu verwenden. "Ihr seid total ungerecht!" sorgt garantiert für Abwehrreaktionen. "Ich fühle mich ungerecht von euch behandelt!" hört sich da schon ganz anders an.

Empathie

Es ist wichtig, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen. Eltern sollten versuchen, die Welt aus den Augen ihrer Kinder zu sehen, und Jugendliche sollten sich bemühen, die Sorgen und Ängste ihrer Eltern zu verstehen. Bevor du deine Eltern anschreist, dass sie dich "nie etwas tolles unternehmen" lassen und die anderen "immer viel mehr" dürfen, wechsel mal die Perspektive. Wenn du an Stelle deiner Eltern wärst - würdest du dein Kind wirklich unter der Woche bis morgens feiern lassen? Vermutlich eher nicht.

Kompromisse

Konflikte lassen sich oft durch Kompromisse lösen. Eltern und Kinder sollten bereit sein, Zugeständnisse zu machen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die für beide Seiten akzeptabel sind. Besser als ein reines "Nö!" ist immer ein Gegenvorschlag. Wenn deine Mutter dich bittet, die Spülmaschine auszuräumen, kannst du einfach "Nein!" rufen und damit den nächsten Streit vom Zaun brechen. Du kannst aber auch sagen: "Ich telefoniere noch 10 Minuten, dann kümmere ich mich darum." Klingt doch gleich versöhnlicher.

Regeln und Grenzen

Klare Regeln und Grenzen sind wichtig, um Konflikte zu vermeiden. Diese sollten jedoch gemeinsam aufgestellt und begründet werden, damit sie von allen akzeptiert werden. Setzt euch zusammen, sprecht darüber, was euch jeweils stört, und was sich ändern muss. Dann formuliert ihr konkrete Maßnahmen und trefft feste Absprachen. "Mehr im Haushalt helfen" ist zum Beispiel viel zu schwammig. "Montags die Mülltonne an die Straße holen" und "nach dem Essen die Spülmaschine einräumen" ist klarer. Ehrensache: Was ihr ausmacht, wird auch eingehalten.

Vertrauen

Vertrauen ist die Basis jeder guten Beziehung. Eltern sollten ihren Kindern vertrauen und ihnen die Freiheit geben, eigene Erfahrungen zu machen. Jugendliche sollten das Vertrauen ihrer Eltern nicht missbrauchen und sich verantwortungsbewusst verhalten.

Unterstützung

In schwierigen Situationen kann es hilfreich sein, sich Unterstützung von außen zu holen. Beratungsstellen, Therapeuten oder andere Familienmitglieder können helfen, Konflikte zu lösen und das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern zu verbessern.

Parentifizierung: Wenn Kinder Elternrollen übernehmen

Ein besonderes Problem entsteht, wenn Kinder in Elternrollen gedrängt werden, ein Phänomen, das als Parentifizierung bezeichnet wird. Hier übernimmt ein Kind Aufgaben, die nicht altersgemäß sind, weil die Eltern körperlich oder psychisch nicht dazu in der Lage sind. Es gibt zwei Arten der Rollenumkehr: die instrumentelle und die emotionale Parentifizierung. In der Therapie wird darauf hingearbeitet, dass die Patienten ihre Unsicherheit überwinden, eher bereit sind, Risiken einzugehen und den Mut haben, ihre Lebensbedingungen zu verändern. Außerdem können überstrenge Normen, die die Betroffenen von ihren Eltern übernommen und verinnerlicht haben, hinterfragt werden. Die Patienten sollen allmählich mehr Zugang zu ihren Gefühlen bekommen, die hinter dem zwanghaften Verhalten stecken, und diese Gefühle akzeptieren. Es wird auch darauf hingearbeitet, dass sie offener über ihre Gedanken und Gefühle sprechen können.

Ursachen und Folgen der Parentifizierung

Die Ursachen für Parentifizierung sind vielfältig. Sie können in psychischen Erkrankungen der Eltern, Suchtproblemen, chronischen Krankheiten oder auch in Trennungssituationen liegen. Die Folgen für die Kinder sind oft gravierend. Sie entwickeln ein übermäßiges Verantwortungsgefühl, vernachlässigen ihre eigenen Bedürfnisse und können unter Ängsten, Depressionen oder Beziehungsproblemen leiden.

Spätfolgen erkennen und bewältigen

Viele Betroffene erkennen erst im Erwachsenenalter die Auswirkungen der Parentifizierung. Typische Spätfolgen sind:

  • Hohe Hilfsbereitschaft und Schwierigkeiten, Nein zu sagen
  • Perfektionismus und Leistungsdruck
  • Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern
  • Angst vor Konflikten und dem Verlassenwerden
  • Geringes Selbstwertgefühl und Schuldgefühle

Wege zur Heilung

Die Bewältigung der Spätfolgen von Parentifizierung erfordert oft professionelle Hilfe. In einer Therapie können Betroffene lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu respektieren, gesunde Grenzen zu setzen und sich von den übernommenen Verantwortlichkeiten zu lösen.

Emotionale Abhängigkeit von den Eltern im Erwachsenenalter

Auch im Erwachsenenalter kann die Beziehung zu den Eltern problematisch sein, insbesondere wenn eine emotionale Abhängigkeit besteht. Dies äußert sich darin, dass Betroffene sich von den Meinungen und Erwartungen ihrer Eltern stark beeinflussen lassen, Schwierigkeiten haben, eigene Entscheidungen zu treffen, und Angst vor Ablehnung oder Kritik haben.

Anzeichen emotionaler Abhängigkeit

  • Negative Gefühle gegenüber den Eltern
  • Schwierigkeiten, sich in ihrer Gegenwart zu beherrschen
  • Das Gefühl, ihnen die eigenen Wünsche und Träume nicht anvertrauen zu können

Schritte zur emotionalen Unabhängigkeit

  • Dankbarkeit für das, was die Eltern gegeben haben
  • Anerkennung, dass die Eltern nichts mehr schulden
  • Vergebung für Fehler in der Vergangenheit
  • Übernahme der Verantwortung für das eigene Leben
  • Stärkung des Selbstwertgefühls und des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten
  • Gesunde Abgrenzung und das Setzen von Grenzen

Wenn Eltern "Runtermacher" sind

Manche Eltern neigen dazu, ihre Kinder ständig zu kritisieren, abzuwerten oder klein zu machen. Dieses Verhalten kann das Selbstwertgefühl der Kinder stark beeinträchtigen und zu inneren Konflikten führen.

Ursachen für abwertendes Verhalten

Häufig fühlen sich Menschen, die andere mit voller Absicht minderwertig behandeln, selbst minderwertig. Das unter Punkt 1 genannte Minderwertigkeitsgefühl basiert auf mangelndem Selbstbewusstsein und geringer Selbstsicherheit. Wenn eine Person in ihrem persönlichen Umfeld (z. B. Neid kennt wohl jeder von uns. Negative Gefühle können beispielsweise Frust, Ärger, Wut und Enttäuschung sein. Diese Emotionen werden dann unmittelbar an dem Umfeld ausgelassen oder bei entsprechender Gelegenheit gezielt an bestimmte Personen (z. B. Das eigene Unvermögen und die daraus resultierende Unzufriedenheit werden auf andere projiziert - nur nicht Eigenverantwortung übernehmen: „Ein Schuldiger muss her, der das spüren soll. Überall dort, wo Menschen in einer Gesellschaft leben oder in einer Gruppe agieren, kann Gruppendruck entstehen. Ein Kollege wird ausgegrenzt, aus welchen Gründen auch immer. Andere kleinmachen bzw.

Umgang mit "Runtermachern"

  • Klare Grenzen setzen und deutlich machen, welche Verhaltensweisen nicht akzeptabel sind
  • Gleichgültigkeit zeigen und verbale Angriffe ignorieren
  • Die Konfrontation suchen und das abwertende Verhalten im Beisein anderer ansprechen
  • Den Kontakt einschränken oder abbrechen
  • Das eigene Verhalten und Auftreten trainieren und selbstbewusster auftreten

Wut und Aggressionen im Erziehungsalltag

Es gibt Momente als Eltern, da spürst du die Wut aufsteigen - und das ist völlig normal. Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn dein Kind dich mit einem frechen Grinsen provoziert oder absichtlich die „wunden Punkte“ trifft, die dich richtig in Rage versetzen. Solche Situationen sind nicht selten und gehören zum Elternalltag. Aber wie gehst du mit dieser Wut um? Warum werden wir als Eltern manchmal so wütend, und wie kannst du lernen, deine Aggressionen besser zu kontrollieren?

Ursachen elterlicher Wut

Oft sind es konkrete Verhaltensweisen des Kindes, die Aggressionen auslösen, wie etwa:

  • Trödeln: Der Sohn braucht ewig, obwohl du einen wichtigen Termin hast.
  • Lautes Nörgeln: Dein Kind lässt im Bus seine Unzufriedenheit lauthals raus.
  • Ständige Unkooperationsbereitschaft: Du bittest dein Kind immer wieder, endlich mitzumachen, doch es macht einfach nicht.

Aber auch die allgemeine Überforderung und Unzufriedenheit im Alltag können zu Reizbarkeit führen. Der ständige Spagat zwischen Beruf und Familie, die Zeit, die für den Partner oder die Partnerin fehlt und der andauernde Zeitdruck, können Nerven strapazieren.

Konstruktiver Umgang mit Wut

  • Die Wut erkennen, verstehen und reflektieren
  • Sich fragen, ob es einen konkreten Anlass für die Wut gab und ob das Kind wirklich absichtlich provoziert hat
  • Sich bewusst machen, warum man so aggressiv reagiert hat
  • Innehalten, die Gedanken sortieren und die Situation verstehen
  • Mit dem Kind an die frische Luft gehen oder bewusst atmen, um den Kopf freizubekommen
  • Spannungen durch eine Kissenschlacht oder körperlichen Kontakt abbauen
  • Auf die Wortwahl achten und anstatt zu sagen „Du bist schlimm“, lieber sagen „Was du gemacht hast, ist nicht okay.“
  • Sich direkt nach einem Wutausbruch bei dem Kind entschuldigen

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