Energy-Drinks und Epilepsie: Ein umfassender Überblick

Eine Frage, die sich viele Epilepsiepatienten stellen, ist, ob der Konsum von Energy-Drinks sicher ist oder ob er Anfälle auslösen kann. Dieser Artikel untersucht die potenziellen Auswirkungen von Energy-Drinks auf Epilepsie, unter Berücksichtigung ihrer Inhaltsstoffe, der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der Empfehlungen von Experten.

Koffein und Epilepsie: Ein zweischneidiges Schwert?

Koffein, ein stimulierender Bestandteil von Kaffee und Energy-Drinks, verbessert die Wachheit, indem es dem körpereigenen Wirkstoff Adenosin entgegenwirkt. Adenosin gilt auch als endogene, vom Körper selbst gebildete protektive Substanz mit vermehrter Freisetzung im epileptischen Anfall. Mit der Stimulation der Wachheit wird auch die Atmung durch Koffein angeregt.

In einer Studie aus Lyon zeigte sich, dass der Genuss hoher Kaffeemenge (mehr als 6 Tassen Kaffee pro Tag), aber geringer auch der Genuss mittlerer Kaffeemengen von mindestens 4 Tassen Kaffee pro Woche) assoziiert war mit einem geringerem Sauerstoffmangel im Zusammenhang mit fokalen epileptischen Anfällen. In der Summe dieser Befunde gibt es keinen Grund, Epilepsiepatienten vom Kaffeetrinken abzuraten.

Es ist wichtig zu beachten, dass jeder Mensch anders auf Koffein reagiert. Einige Epilepsiepatienten berichten, dass Koffein ihre Anfälle auslöst, während andere keine negativen Auswirkungen feststellen. Es ist ratsam, den eigenen Körper genau zu beobachten und den Koffeinkonsum entsprechend anzupassen.

Die Risiken von Energy-Drinks

Abgesehen von Koffein enthalten Energy-Drinks eine Vielzahl anderer Inhaltsstoffe, darunter Zucker, Taurin, Vitamin B, L-Carnitin und Ginseng-Extrakt. Diese Inhaltsstoffe können in Kombination mit Koffein das Herz-Kreislauf-System belasten und das Risiko für Herzinfarkt oder sogar plötzlichen Herztod erhöhen.

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Eine Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung hat gezeigt, dass die Kombination mehrerer Wirkstoffe in Energy-Drinks das Herz stärker belastet als Koffein allein. Bei den Studienteilnehmern, die einen Liter des Wachmacher-Mixes getrunken hatten, stieg der Blutdruck stärker als bei Teilnehmern, die nur Koffein zu sich genommen hatten. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass der erhöhte Konsum von Energy-Drinks auch die Leber schädigen kann. Eine kleine Dose Energydrink enthält 54 Gramm Zucker. Das ist mehr als doppelt so viel wie die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene maximale Dosis pro Tag.

Energy-Drinks und Epilepsie: Eine gefährliche Kombination?

Es gibt Fallberichte, die einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Energy-Drinks und dem Auftreten von epileptischen Anfällen nahelegen. In den USA erlitten vier Männer eine erstmalige Epilepsie im Erwachsenenalter. Die einzige anamnestische Auffälligkeit bei diesen war ein überdurchschnittlicher Konsum von Energy-Drinks.

Generalisierte epileptische Anfälle werden sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen im Zusammenhang mit Energy-Drinks beobachtet. Nach Ausschluss anderer Auslöser bleiben die Getränke als Trigger übrig. Dabei kommt es zu dosisabhängigen Effekten, da nur bei übermäßigem Konsum Attacken auftreten und Abstinenz zum Verschwinden der Epilepsie führt.

Die Forscher berichten, dass das Koffein in den Getränken den subjektiven Rauschzustand verschleiere und den Konsumenten das Gefühl gebe, weniger angetrunken zu sein. Dies könne eine mögliche Erklärung für den erhöhten Alkoholkonsum sein.

Warnungen und Empfehlungen

Aufgrund der potenziellen Risiken warnen Experten vor dem übermäßigen Konsum von Energy-Drinks, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Vorerkrankungen wie Epilepsie, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Verbraucherschützer, die Organisation "Foodwatch" und die WHO fordern ein Verkaufsverbot an Kinder und Jugendliche. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat 2023 Höchstgrenzen für Koffein und Taurin in Energy-Drinks sowie Warnhinweise auf den Dosen eingeführt.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält bei Koffein maximal drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag für ungefährlich.

Alternativen zu Energy-Drinks

Wer auf der Suche nach einem Energieschub ist, sollte auf gesündere Alternativen zurückgreifen. Ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung und regelmäßige sportliche Aktivitäten sind wichtig, um generell am Tag fit zu sein.

Es empfiehlt sich eher schwarzen, weißen oder grünen Tee über den Tag verteilt zu trinken, da das enthaltende Koffein eine kontinuierliche Wirkung hat und nicht nur punktuell wirkt wie Kaffee. Für gesunde Erwachsene gilt, dass bis zu 400 Milligramm Koffein am Tag in Ordnung sind.

Eine Hand voll Nüsse, wie etwa Walnüsse oder Pekannüsse, wirken sich positiv auf die Konzentration aus.

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Fazit

Energy-Drinks sind aufgrund ihres hohen Koffein- und Zuckergehalts sowie anderer Inhaltsstoffe nicht empfehlenswert für Epilepsiepatienten. Sie können das Risiko für Anfälle erhöhen und das Herz-Kreislauf-System belasten. Gesündere Alternativen wie ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind vorzuziehen.

Es ist ratsam, den eigenen Körper genau zu beobachten und den Konsum von Koffein und Energy-Drinks entsprechend anzupassen. Bei Fragen oder Bedenken sollte man sich an einen Arzt oder Ernährungsberater wenden.

Zusätzliche Informationen

  • Koffein und Adenosin: Koffein blockiert die Wirkung von Adenosin, einem Neurotransmitter, der eine beruhigende Wirkung auf das Gehirn hat. Bei Epilepsie kann dies die Anfallsschwelle senken.
  • Zucker und Blutzuckerspiegel: Der hohe Zuckergehalt in Energy-Drinks kann zu starken Blutzuckerschwankungen führen, die bei manchen Menschen Anfälle auslösen können.
  • Taurin und Nierenfunktion: Taurin, eine Aminosäure, die häufig in Energy-Drinks enthalten ist, kann den renalen Blutfluss reduzieren und möglicherweise zu Nierenschäden führen.
  • Kombination mit Alkohol: Die Kombination von Energy-Drinks mit Alkohol ist besonders riskant, da das Koffein die Wirkung des Alkohols maskieren kann und zu einem erhöhten Alkoholkonsum führt.
  • Individuelle Verträglichkeit: Jeder Mensch reagiert anders auf Energy-Drinks. Was für den einen unproblematisch ist, kann für den anderen schädlich sein.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bitte konsultieren Sie immer einen Arzt oder Apotheker, wenn Sie Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Einnahme von Medikamenten haben.

Aktuelle Forschung

Es gibt laufende Forschungen zu den Auswirkungen von Energy-Drinks auf die Gesundheit, insbesondere in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologische Störungen. Es ist wichtig, sich über die neuesten Erkenntnisse auf dem Laufenden zu halten.

Die Rolle von Aufklärung

Aufklärung über die Risiken von Energy-Drinks ist entscheidend, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Schulen, Eltern und Gesundheitsdienstleister sollten zusammenarbeiten, um das Bewusstsein für die potenziellen Gefahren zu schärfen und gesündere Alternativen zu fördern.

Ein Appell zur Vorsicht

Angesichts der potenziellen Risiken und der begrenzten Vorteile ist es ratsam, Energy-Drinks mit Vorsicht zu genießen oder ganz zu vermeiden, insbesondere wenn man an Epilepsie oder anderen gesundheitlichen Problemen leidet. Die Gesundheit sollte immer oberste Priorität haben.

Die Bedeutung einer gesunden Lebensweise

Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung ist der beste Weg, um fit und leistungsfähig zu bleiben. Energy-Drinks sind keine nachhaltige Lösung und können langfristig sogar schädlich sein.

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