Kehlkopfnerventzündung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Kehlkopfnerventzündung, auch bekannt als Laryngitis, ist eine Entzündung des Kehlkopfes (Larynx), die durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann. Der Kehlkopf ist das Verbindungsstück zwischen Rachen und Luftröhre und spielt eine wichtige Rolle bei der Atmung, dem Schlucken und der Stimmbildung. Die Entzündung der Kehlkopfschleimhaut kann zu Heiserkeit, Stimmverlust und anderen unangenehmen Symptomen führen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung der Kehlkopfnerventzündung.

Was ist der Kehlkopf und wie kommt es zur Entzündung?

Der Kehlkopf (Larynx) ist das Verbindungsstück zwischen Rachen und Luftröhre. Er besteht aus verschiedenen Knorpelstücken, die durch Bänder zusammengehalten werden. Der sogenannte Schildknorpel ist von außen vor allem bei Männern als Adamsapfel sichtbar. Oben auf dem Kehlkopf verschließt der Kehlkopfdeckel beim Schlucken den Eingang der Luftröhre und sorgt so dafür, dass beim Essen keine Nahrung hineingelangt. Die Stimmlippen liegen in der Mitte des Kehlkopfes und sind an der Stimmbildung beteiligt. Durch die Atmung werden sie geöffnet oder gespannt und so die Luft zum Schwingen gebracht. Dabei entstehen Schallwellen, die als Stimme hörbar werden.

Bei einer Kehlkopfentzündung, die in jedem Alter auftreten kann, ist die Schleimhaut des Kehlkopfes entzündet. Sind die Stimmlippen gereizt oder entzündet, schwellen sie an und können nicht mehr richtig schwingen. Die Folge ist unter anderem Heiserkeit. Medizinisch wird eine Kehlkopfentzündung als Laryngitis bezeichnet. Sie ist potenziell ansteckend und geht meist auf eine Virusinfektion zurück. Zwar ist es lästig, wenn die Stimme versagt, aber meist sind die Beschwerden nach ein oder zwei Wochen wieder vorbei. Eine Laryngitis kann aber auch chronisch werden.

Ursachen einer Kehlkopfnerventzündung

Die Ursachen für eine Kehlkopfnerventzündung sind vielfältig und können in akute und chronische Faktoren unterteilt werden.

Akute Kehlkopfnerventzündung

  • Virale Infektionen: Die häufigste Ursache für eine akute Laryngitis sind virale Infektionen, oft dieselben Viren, die Erkältungen und Grippe verursachen. Diese Viren werden meist durch Tröpfcheninfektion (Husten oder Niesen) oder Schmierinfektion übertragen.
  • Überbeanspruchung der Stimme: Lautes Sprechen, Schreien oder Singen kann die Stimmbänder überlasten und eine akute Laryngitis auslösen.
  • Bakterielle Infektionen: Seltener sind bakterielle Infektionen die Ursache einer akuten Laryngitis. Eine spezifische bakterielle Infektion, wie beispielsweise eine Streptokokkeninfektion, kann den Einsatz von Antibiotika erforderlich machen.
  • Pseudokrupp: Bei Kindern kann eine akute Laryngitis als Pseudokrupp auftreten, bei dem sich vor allem die Weichteile unterhalb der Stimmlippen entzünden und stark anschwellen. Auslöser sind meist Parainfluenza-Viren.
  • Kehldeckelentzündung (Epiglottitis): Diese wird durch Bakterien ausgelöst und führt zu einer Entzündung des Kehldeckels mit starker Schwellung.
  • Diphtherie: Ausgelöst durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae, kann diese Infektionskrankheit mit den Symptomen einer Kehlkopfentzündung einhergehen.

Chronische Kehlkopfnerventzündung

  • Reizstoffe: Langfristige Exposition gegenüber Reizstoffen wie Rauch, Chemikalien oder Luftverschmutzung kann zu einer chronischen Entzündung der Stimmbänder führen.
  • Säure-Reflux: Anhaltender Reflux von Magensäure in den Kehlkopf kann die Stimmbänder reizen und eine chronische Laryngitis verursachen.
  • Alkohol- und Tabakkonsum: Chronischer Alkohol- und Tabakkonsum können die Schleimhäute reizen und eine chronische Laryngitis begünstigen.
  • Behinderte Nasenatmung: Eine behinderte Nasenatmung und die dadurch bedingte ständige Mundatmung können sich ebenfalls ungünstig auswirken und langfristig zu chronischer Laryngitis führen.
  • Lokale Störfaktoren: Ein örtlicher Störfaktor im Kehlkopf, wie ein eingedrungener Fremdkörper, eine Fehlbildung oder eine gutartige Geschwulst, kann ebenfalls zu einer chronischen Entzündung führen.

Symptome einer Kehlkopfnerventzündung

Die Symptome einer Kehlkopfnerventzündung können je nach Art und Schweregrad der Erkrankung variieren.

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Typische Symptome

  • Heiserkeit: Das häufigste Symptom ist Heiserkeit, die von leichter Beeinträchtigung bis zum vollständigen Stimmverlust reichen kann.
  • Halsschmerzen: Deswegen können weitere typische Symptome einer Erkältung auftreten wie Halsschmerzen oder Schnupfen.
  • Trockenheit oder Reizung im Hals: Ein Gefühl der Trockenheit oder Reizung im Hals ist ebenfalls häufig.
  • Husten: Häufig resultiert ein Räusperzwang daraus.
  • Fremdkörpergefühl im Hals: Oft haben die Betroffenen das Gefühl, dass sich ein Fremdkörper im Hals befindet.
  • Schluckbeschwerden: Erkrankungen an Hals und Kehlkopf gehen meist mit Beschwerden wie Heiserkeit und Schluckstörungen einher.
  • Atembeschwerden: In schweren Fällen kann es zu Atemnot kommen, insbesondere bei Kindern mit Pseudokrupp oder bei beidseitiger Stimmbandlähmung.
  • Fieber: Bei Kindern kommen oft weitere Symptome hinzu: Körpertemperatur über 38 Grad Celsius.
  • Verweigern von Essen und Trinken: Bei Kindern kann es zum Verweigern von Essen und Trinken kommen.
  • Bellender Husten: Bei Babys und Kleinkindern kann eine Laryngitis mitunter zu einem schwereren Verlauf mit bellendem Husten und Luftproblemen führen. Dann sprechen Ärzte und Ärztinnen von Pseudokrupp.

Chronische Laryngitis

Bei einer chronischen Kehlkopfentzündung kann die Heiserkeit über Wochen anhalten.

Stimmbandlähmung

Der betroffene Patient bemerkt in erster Linie eine Heiserkeit und eine leisere Stimme. Sind beide Kehlkopfnerven betroffen können beide Stimmbänder nicht mehr bewegt werden. Die Stimme ist in diesem Fall fast normal, aber der betroffene Patient bemerkt eine ausgeprägte Luftnot.

Frühzeitige Erkennung

Die ersten Anzeichen einer Laryngitis treten in der Regel kurz nach der Exposition gegenüber dem auslösenden Faktor auf. Bei einer durch eine virale Infektion verursachten akuten Laryngitis können die Symptome innerhalb weniger Tage nach der Infektion auftreten. Die Heiserkeit entwickelt sich oft schnell, manchmal über Nacht, und kann von anderen Symptomen einer Erkältung oder Grippe begleitet sein. Bei der chronischen Laryngitis entwickeln sich die Symptome langsamer und sind oft weniger offensichtlich. Die Heiserkeit kann sich allmählich über Wochen oder Monate verschlechtern, besonders wenn die Ursache nicht behandelt wird.

Diagnose einer Kehlkopfnerventzündung

Die Diagnose einer Kehlkopfnerventzündung umfasst in der Regel eine Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls zusätzliche Tests.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der Arzt wird nach den Symptomen fragen und die Stimmbänder untersuchen, oft mit einem Spiegel oder einer speziellen Kamera, die als Laryngoskop bekannt ist. Diese Untersuchung hilft dem Arzt, den Zustand der Stimmbänder zu beurteilen und andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

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Zusätzliche Tests

  • Bluttests: In einigen Fällen können Bluttests erforderlich sein, um Infektionen oder andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Röntgenaufnahmen oder CT-Scans: Röntgenaufnahmen des Halses oder eine Computertomographie (CT) können helfen, andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
  • Kultur der Kehlkopfschleimhaut: Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion kann eine Kultur der Kehlkopfschleimhaut erforderlich sein.
  • Laryngoskopie: Um die Stimmlippen einzusehen, verwendet er ein sogenanntes Laryngoskop (Kehlkopfspiegel). Dafür öffnet der Patient den Mund und streckt die Zunge vor. Dann schiebt der Arzt einen kleinen runden Spiegel an Zunge und Gaumenzäpfchen vorbei in den Rachen und beleuchtet diesen mit seiner Stirnlampe. Sagt der Patient „hi“, stellt sich der Kehldeckel (Epiglottis) auf und die Stimmlippen werden sichtbar. So kann der Arzt sowohl Beweglichkeit als auch Struktur der Stimmlippen beurteilen.
  • Lupenlaryngoskopie: Alternativ kommt die Lupenlaryngoskopie zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein starres oder flexibles Endoskop, mit dem der Arzt die Stimmlippen „um die Kurve“ betrachtet und die Untersuchungsergebnisse digital mit einer Kamera aufzeichnet.
  • Stroboskopie: Erhärtet sich der Verdacht auf ein Problem mit den Stimmbändern, führt der Arzt eine Stroboskopie durch. Damit macht er die Einzelschwingungen der Stimmbänder sichtbar, die viel zu schnell sind, um sie mit bloßem Auge zu beurteilen. Das Stroboskop ist ein optisches Gerät, das Lichtblitze auf die Stimmlippen sendet. Dadurch erzeugt es eine Zeitlupenaufnahme der Stimmbänderschwingungen. Die Untersuchung wird ambulant durchgeführt und ist schmerzlos.
  • Ultraschalluntersuchung des Halses: Mithilfe der Ultraschalluntersuchung des Halses stellt der Arzt strukturelle Veränderungen im Halsbereich fest. Hier steht vor allem die Schilddrüse im Vordergrund. Sind an der Schilddrüse keine Veränderungen erkennbar, führt der Arzt weitere Untersuchungen durch.
  • Computertomografie/Magnetresonanztomografie: Mithilfe einer Computertomografie (CT) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich Veränderungen im Hals, im Brustkorb und im Gehirn feststellen, die möglichweise für die Stimmbandlähmung verantwortlich sind.
  • Blutuntersuchung: Der Arzt nimmt dem Patienten Blut ab und untersucht, ob eine Infektion mit Viren (z.B. HSV, VZV, EBV) oder Bakterien (z.B. Borrelien) vorliegt. Finden sich Abwehrkörper (Antikörper) gegen bestimmte Erreger im Blut, bedeutet dies, dass das Immunsystem mit dem jeweiligen Erreger bereits in Kontakt war. Das ist ein möglicher Hinweis auf die Ursache der Stimmbandlähmung.
  • Panendoskopie: Ist weiterhin keine Ursache für die Stimmbandlähmung feststellbar, ordnet der Arzt eine Panendoskopie an. Diese Untersuchung wird in Vollnarkose durchgeführt. Dabei untersucht der Arzt die Schleimhaut des gesamten Rachens und des Kehlkopfs (inkl. Stimmbändern) mit dem Endoskop und entnimmt Gewebeproben von verdächtigen Stellen. Diese werden anschließend unter dem Mikroskop auf mögliche Veränderungen (z.B. einen Tumor) untersucht.

Differentialdiagnose

Bei der Diagnose einer Laryngitis müssen verschiedene andere Erkrankungen in Betracht gezogen werden, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören Erkrankungen wie Refluxkrankheiten, Allergien, bakterielle Infektionen des Kehlkopfes und Stimmbandknötchen oder -polypen.

Behandlung einer Kehlkopfnerventzündung

Die Behandlung einer Kehlkopfnerventzündung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln.

Allgemeine Maßnahmen

  • Stimmschonung: Eine der wichtigsten Maßnahmen bei Laryngitis ist die Schonung der Stimme. Vermeiden Sie lautes Sprechen, Schreien oder Singen. Aber nicht flüstern, da dies die Stimmlippen stark belastet. Langes Schweigen wiederum führt dazu, dass sich die Muskulatur der Stimmbänder mehr und mehr zurückbildet (Muskelatrophie).
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie viel Wasser, um die Schleimhäute feucht zu halten.
  • Luftbefeuchtung: Verwenden Sie einen Luftbefeuchter, um die Luft in Ihrem Wohnraum feucht zu halten.
  • Warme Getränke: Trinken Sie warme, aber nicht heiße Getränke wie Kräutertees.
  • Vermeidung von Reizstoffen: Es ist ratsam, irritierende Stoffe wie Zigarettenrauch zu vermeiden.
  • Inhalation: Mit heißem Wasserdampf inhalieren.
  • Warme Halswickel: In der kalten Jahreszeit warme Halswickel zu machen.
  • Gurgeln: Mit Salzlösung oder Salbeitee zu gurgeln.
  • Halstabletten: Milde Halstabletten ohne Menthol zu lutschen.

Medikamentöse Behandlung

  • Schleimlösende oder antientzündliche Medikamente: Gegebenenfalls können schleimlösende oder antientzündliche Medikamente eingesetzt werden.
  • Antibiotika: Der Einsatz von Antibiotika ist in der Regel nicht erforderlich, es sei denn, es besteht der Verdacht auf eine spezifische bakterielle Infektion.
  • Spezifische Behandlung der Ursache: Um eine chronische Kehlkopfentzündung zu behandeln, müssen zudem die jeweiligen Auslöser gemieden und mögliche körperliche Ursachen behandelt werden.

Logopädische Behandlung

Bei einer einseitigen Stimmlippenlähmung wird meist logopädisch behandelt. Dabei lernt der Patient, mit Dehnübungen wie zum Beispiel Gähnen und Schulterkreisen den Stimmapparat zu entspannen, die betroffene Stimmlippe zu stärken und die Atmung besser zu kontrollieren. In der Regel sind etwa 10-20 Übungseinheiten beim Logopäden notwendig, bis sich eine Besserung einstellt. Zusätzlich zum Stimmtraining kann der N.

Chirurgische Behandlung

Bringt die logopädische Behandlung keinen Erfolg, wird die betroffene Stimmlippe operativ weiter in die Mitte der Stimmritze verlagert (Thyreoplastik). Bei einer beidseitigen Stimmlippenlähmung muss der Arzt häufig einen Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) vornehmen, damit der Patient wieder ausreichend atmen kann. Bessert sich die Lähmung innerhalb eines Jahres nicht deutlich, muss die Stimmritze operativ verbreitert werden - dadurch lässt jedoch die Kraft der Stimme nach.

  • Stimmlippen-Unterfütterung: Bei der Stimmlippen-Unterfütterung (Augmentation) wird versucht, die gelähmte Stimmlippe durch verschiedene Substanzen - unter anderem Eigenfett - aufzupolstern, sodass sie ihre eigentliche Funktion wieder aufnimmt und die Stimmritze sich wieder schließt. Der Eingriff wird in örtlicher Betäubung durchgeführt und hinterlässt keine Narben.
  • Kehlkopfschrittmacher: Eine relativ neue Methode ist der sogenannte Kehlkopfschrittmacher. Er wird unter die Haut am Brustbein implantiert und stimuliert gezielt den Kehlkopfnerv. Die ausgesendeten elektrischen Impulse bewirken, dass sich die Stimmlippe öffnet.

Prognose und Prävention

Die Prognose bei einer Laryngitis ist in der Regel gut, besonders wenn es sich um eine akute Form handelt. Die meisten Fälle von akuter Laryngitis heilen innerhalb weniger Tage bis Wochen vollständig ab, vorausgesetzt, die Betroffenen schonen ihre Stimme und befolgen die empfohlenen Behandlungsmaßnahmen. Chronische Laryngitis erfordert eine gründlichere Behandlung und kann länger andauern, insbesondere wenn sie durch anhaltende Reizfaktoren wie Rauchen oder langfristige Stimmbelastung verursacht wird.

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Prävention

Die Prävention von Laryngitis konzentriert sich hauptsächlich auf die Vermeidung von Risikofaktoren und die Förderung einer gesunden Lebensweise.

  • Rauchverzicht: Raucher sollten das Rauchen aufgeben, um das Risiko einer Laryngitis zu verringern.
  • Reduzierung des Alkoholkonsums: Ebenso ist es wichtig, den Alkoholkonsum zu reduzieren.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung pflegen, um das Risiko von Refluxkrankheiten zu minimieren.
  • Stimmhygiene: Menschen, die ihre Stimme beruflich stark beanspruchen, sollten darauf achten, ihre Stimme richtig zu verwenden und regelmäßige Pausen einzulegen, um eine Überbeanspruchung zu vermeiden.
  • Gute Hydratation: Eine gute Hydratation ist ebenfalls wichtig, da sie dazu beiträgt, die Schleimhäute feucht zu halten und Reizungen zu reduzieren.
  • Vermeidung von Reizstoffen: Die Vermeidung von Reizstoffen wie Staub und Chemikalien kann ebenfalls helfen, das Risiko einer chronischen Laryngitis zu verringern.
  • Impfschutz: Eine Grundimmunisierung und regelmäßige Auffrischung des Impfschutzes (bei Erwachsenen alle 10 Jahre) sind in jedem Fall wichtig.

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