Entzündung des Gleichgewichtsnervs: Ursachen, Behandlung und Gleichgewicht

Schwindel und Gleichgewichtsstörungen sind weit verbreitete Beschwerden, die Menschen jeden Alters betreffen können. Es ist wichtig zu verstehen, dass Schwindel keine eigenständige Krankheit ist, sondern ein Symptom, das durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann.

Einführung

Schwindel ist ein multisensorisches Syndrom, das die Wahrnehmung verschiedener Sinne stört und zu einem Verlust der körperlichen Sicherheit im Raum führt. Dies führt zu Gleichgewichtsstörungen. Mit zunehmendem Alter treten Gleichgewichtsstörungen immer häufiger auf. Während in jungen Jahren nur jeder sechste bis zehnte Mensch unter schwerem Schwindel leidet, sind bei den über 75-Jährigen mehr als 30 Prozent betroffen.

Arten von Schwindel

Schwindel kann sich auf unterschiedliche Weise äußern. Betroffene beschreiben ihre Symptome oft als Scheinbewegungen, allgemeine Unsicherheit oder Benommenheit. Einige haben das Gefühl, dass sich etwas in ihnen dreht oder dass sich die Umgebung um sie herum dreht (Drehschwindel). Andere wiederum haben das Gefühl, zu taumeln, insbesondere im Stehen, oder die Umgebung scheint sich hin und her zu bewegen (Schwankschwindel). Eine weitere Variante ist das Gefühl, wie in einem Aufzug nach oben oder unten gezogen zu werden (Liftschwindel), oder nach vorne oder zur Seite zu kippen (Fallneigung).

Der Schwindel kann plötzlich und unerwartet als Schwindelanfall auftreten, oft in Form eines Drehschwindels. Solche Schwindelattacken können unterschiedlich lange andauern, von Sekunden bis Stunden, und dann wieder verschwinden. Die Attacken treten oft bei bestimmten Bewegungen, körperlichen Belastungen oder in bestimmten Situationen auf. Manchmal hält der Schwindel über Tage und Monate an (Dauerschwindel). Bei manchen Menschen entwickelt sich der Schwindel zu einem ständigen, unangenehmen Begleiter (chronischer Schwindel).

Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwischen vestibulärem und nicht-vestibulärem Schwindel.

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Vestibulärer Schwindel

Vestibulärer Schwindel entsteht „im Kopf“, entweder durch widersprüchliche Reize oder eine gestörte Verarbeitung von Informationen, die von den Gleichgewichtsorganen an das Gehirn weitergeleitet werden. Auslöser sind Erkrankungen oder Irritationen des Gleichgewichtssystems. Wenn das Gleichgewichtsorgan oder der Gleichgewichtsnerv im Innenohr betroffen sind, spricht man von peripherem vestibulärem Schwindel. Bei Erkrankungen von Hirnstamm, Kleinhirn oder Großhirn spricht man von zentralem vestibulärem Schwindel.

Häufige Formen und Ursachen von vestibulärem Schwindel

  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPPV): Der harmlose Lagerungsschwindel ist die häufigste Form des Schwindels. Er wird durch kleinste Kristalle oder Steinchen (Otolithen) im flüssigkeitsgefüllten Gleichgewichtsorgan ausgelöst, die sich aus ihrer Verankerung gelöst haben (Cupulolithiasis, Canalolithiasis). Verändert der Betroffene seine Körperhaltung, bewegen sich die Steinchen oder Kristalle in den flüssigkeitsgefüllten Bogengängen und reizen die Sinneszellen. Ein akuter, kurzer und heftiger Schwindelanfall ist die Folge. Typischerweise setzt der Schwindel drei bis fünf Sekunden nach einer Lageveränderung (z. B. nach dem Hinlegen) ein und dauert dann 20 bis 30 Sekunden an. Wird die Lage anschließend in derselben Richtung verändert, setzt der Schwindel erneut ein. Er wird als heftiges Drehgefühl empfunden und ist in der Regel von Übelkeit begleitet. Nach mehrmaliger Wiederholung bemerkt der Betroffene häufig eine leichte Abschwächung des Schwindelgefühls. Eine Hörbeeinträchtigung gehört nicht zu den Begleiterscheinungen.
  • Neuritis vestibularis: Die Entzündung des Gleichgewichtsnervs ist die zweithäufigste Ursache für peripheren vestibulären Schwindel. Die Gründe für diese Entzündung sind noch nicht bekannt. Die Entzündung löst einen äußerst unangenehmen, anhaltenden Drehschwindel aus. Die Symptome klingen nur langsam im Laufe von zwei bis vier Wochen ab. Gelegentlich kündigen kürzere Schwindelattacken den Hauptanfall schon einige Tage vorher an. Es wird vermutet, dass die Entzündung durch Viren verursacht wird, möglicherweise durch Herpes-Viren.
  • Vestibulopathie: Dreh- oder Taumelschwindel sind typisch für die Innenohrerkrankung (Vestibulopathie). Das Gleichgewichtsorgan sendet keine oder fehlerhafte Informationen an das Gehirn. Hierdurch funktioniert die automatische Verschaltung des Gleichgewichtsorganes mit den Augen (sogenannter vestibulookulärer Reflex) nicht mehr. Die automatische Ausgleichsbewegung der Augen kann daher nicht mehr stattfinden. Die Betroffenen können ihre Umgebung bei Bewegung nur noch verschwommen wahrnehmen, können Straßenschilder nicht mehr lesen oder die Gesichter entgegenkommender Personen nicht mehr sicher erkennen. Die Symptome können zwischen wenigen Minuten und einigen Tagen andauern und sind in der Regel bei Dunkelheit und auf unebenem Boden schlimmer, da hier die beiden anderen Säulen des Gleichgewichtes - die Augen und die Tiefensensibilität in den Füßen - keine zusätzlichen Informationen liefern können. Die Ursache einer Vestibulopathie kann vielfältig sein und manchmal auch auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurückzuführen sein. Mögliche Auslöser sind die Einnahme von innenohrschädigenden Medikamenten, die Menière-Erkrankung, Elektrolytverschiebungen, Virusinfekte oder auch Mikroinfarkte des Innenohres.
  • Vestibularisparoxysmie: Hier treten regelmäßig Schwindelanfälle auf (meist Drehschwindel, seltener Schwankschwindel), die nur Sekunden bis Minuten dauern und zu unsicherem Stehen und Gehen führen. Bestimmte Kopfhaltungen können die Anfälle auslösen. Die Ursachen der Vestibularisparoxysmie sind unklar. Es wird vermutet, dass es sich um eine Art Kurzschluss zwischen zwei benachbarten Nervenfasern (Axonen) handelt, der die Signalübermittlung des Gleichgewichtsorganes zum Gehirn kurzzeitig stört. Ursächlich liegt eine Kompression des VIII. Hirnnerven (Nervus vestibulocochlearis) im Bereich des Hirnstamms vor.
  • Schwindel durch Morbus Menière: Die Menière-Erkrankung ist eine Erkrankung des Innenohres, die sowohl die Hörschnecke als auch das Gleichgewichtsorgan betrifft. Die Erkrankung tritt in der Regel anfangs nicht in ihrer Vollausprägung aus. Viele Patienten entwickeln zunächst einzelne Symptome und erst nach längerer Zeit kommen weitere Beschwerden im Sinne der klassischen Trias: „Tieftonhörverlust, Schwindel und Tinnitus“ hinzu. Typischerweise klagen die Patienten zunächst über einen Drehschwindel, der Stunden bis zu Tagen anhalten kann. Zumeist wird begleitend auch ein „Völlegefühl“ des Ohres beschrieben. Diese Schwindelanfälle wiederholen sich in höchst unterschiedlicher Frequenz. Einige Patienten leiden mehrmals pro Woche unter Schwindel, andere nur einmal im Jahr. Nach mehreren Anfällen, selten auch direkt beim ersten Anfall, bemerkt der Betroffene einen Hörverlust des betroffenen Ohres und ein Ohrgeräusch im Schwindelanfall. Im Hörtest kann dann auch eine Schädigung der Hörschnecke bei tiefen Frequenzen gemessen werden. Dieser Hörverlust bessert sich gelegentlich etwas zwischen den Anfällen, führt jedoch mit fortschreitender Krankheitsdauer zu einer langsam eintretenden Ertaubung. Ebenso verliert das Gleichgewichtsorgan langsam seine Funktion. Man spricht vom „Ausbrennen“ der Erkrankung. Ursächlich für die geschilderten Symptome ist ein Überdruck im flüssigkeitsgefüllten Innenohr (sogenannter Endolymphhydrops). Dieser Überdruck führt zu einer Schädigung der empfindlichen Nervenzellen. Mit wiederholten Anfällen sind diese Schäden so schwerwiegend, dass die Nervenzellen sowohl in der Hörschnecke als auch im Gleichgewichtsorgan unwiederbringlich absterben und die Organe ihre Funktion verlieren. Der Zeitpunkt dieses Funktionsverlusts kann bereits nach wenigen Monaten, aber auch erst nach Jahrzehnten erreicht sein. Zu den Ursachen für diesen Überdruck wird geforscht - gesicherte Erkenntnisse liegen jedoch noch nicht vor.
  • Durchblutungsstörungen im Gehirn: Schwindel kann auch auftreten, wenn das Hirn nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Das passiert zum Beispiel bei einem Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) - einer vorübergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns, die als Frühwarnzeichen eines Schlaganfalls gilt. Dieser Schwindel wird von Betroffenen typischerweise als „Gangunsicherheit“ oder auch „Benommenheit“ beschrieben. Weitere typische Symptome bei Schwindel infolge gestörter Hirndurchblutung sind Übelkeit und Erbrechen, gestörte Bewegungsabläufe (Ataxie), Gefühlsstörungen, Schluckstörungen und Störungen der Sprechmotorik (Dysarthrie).
  • Basilaris-Migräne (vestibuläre Migräne): Diese besondere Form der Migräne ist mit wiederkehrenden Schwindelattacken verbunden. Sie werden von Sehstörungen, Haltungs- und Gangstörungen sowie Schmerzen im Hinterkopf begleitet. Während eines Anfalls von Basilaris-Migräne verkrampft sich die Basilarisarterie (A. basilaris) kurzzeitig. Die Arteria basilaris ist für die Blutzufuhr im hinteren Teil des Gehirns zuständig.
  • Akustikusneurinom bzw. Vestibularisschwannom: Diese gutartige Geschwulst des Hör- und Gleichgewichtsnervs geht von den Schwannschen Zellen aus, die den Nerv umhüllen. MRT-Aufnahme des Gehirns ohne Kontrastmittel, hier lässt sich gut beurteilen, ob der Tumor sich bis ins Innenohr (Schnecke und dem Gleichgewichtsorgan) ausdehnt und dieses miteinbezieht. MRT-Aufnahme des Gehirns ohne Kontrastmittel, hier lässt sich gut beurteilen, ob der Tumor sich bis ins Innenohr (Schnecke und dem Gleichgewichtsorgan) ausdehnt und dieses miteinbezieht. Diese Tumore wachsen langsam, führen aber im Lauf der Zeit zu einer Schädigung der Nerven mit einseitiger Hörstörung und Gleichgewichtsstörung.
  • Felsenbeinfraktur mit Labyrinthausfall: Bei einem schweren Unfall oder Sturz können Schädelknochen brechen (Schädelfraktur). Ist das Felsenbein - der Knochenabschnitt, der das Innenohr umgibt - betroffen, kann auch das Innenohr mit seinem Gleichgewichtssystem geschädigt werden. Schwindel ist eine mögliche Folge. Der Schwindel wird von Betroffenen typischerweise als heftiger Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen empfunden.
  • Vestibuläre Epilepsie: Erstes Anzeichen des eigentlichen Anfalls ist häufig ein Schwindelgefühl. Dann folgen Krampfanfälle mit Schwindel und schnelle, zuckende Augenbewegungen.
  • Reisekrankheit (Kinetose): Ungewöhnliche Bewegungen - z. B. beim Fahren eines Autos oder Busses auf kurvigen Straßen, Turbulenzen im Flugzeug oder starke Wellen - können das Innenohr mit Reizen überfluten. Wenn die betroffene Person die Ursachen dieser Bewegungen nicht ständig mit den Augen verfolgt, kann das Gehirn die Reize nicht zuordnen und registriert sie als Fehlermeldung. Dies kann beispielsweise passieren, wenn jemand während der Fahrt nicht auf die Straße, sondern auf eine Karte schaut. Für das Gehirn sitzt die betroffene Person dann still - die Augen registrieren, dass sich die Karte nicht bewegt. Die anderen Gleichgewichtsorgane melden jedoch Schwankungen und Erschütterungen. Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen sind oft die Folge.

Nicht-vestibulärer Schwindel

Wer unter nicht-vestibulärem Schwindel leidet, kann sich nicht mehr im Raum orientieren, geht und steht unsicher, und neigt deshalb zu Stürzen. Übelkeit und Erbrechen sind bei dieser Schwindelart jedoch selten.

Beim nicht-vestibulären Schwindel funktionieren die Gleichgewichtsorgane einwandfrei. Auch Nerven und Gehirn sind vollkommen intakt. Die Auslöser finden sich vielmehr in anderen Körperregionen.

Ursachen des nicht-vestibulären Schwindels

  • HWS-Syndrom (Halswirbelsäulen-Syndrom): Dieser Symptomenkomplex umfasst verschiedene Beschwerden wie Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen, oft mit neurologischen Symptomen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern. Auch Schwindel und Tinnitus können auftreten. Mögliche Ursachen sind Verschleißerscheinungen, Muskelverspannungen, Entzündungen und Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule.
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie) und orthostatische Dysregulation: Letzteres bedeutet einen plötzlichen Blutdruckabfall nach einer Lageänderung, z. B. beim schnellen Aufstehen aus dem Liegen. Das Blut sackt in die Beine, wodurch das Gehirn kurzzeitig zu wenig Blut und damit zu wenig Sauerstoff erhält. Die Folgen sind Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen.
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Lungenembolie: ein eher seltener Grund für Schwindel
  • Schwangerschaft: Die starken körperlichen Veränderungen in der Schwangerschaft können mit Blutdruckschwankungen verbunden sein, die manchmal Schwindelgefühle auslösen.
  • Niedriger Blutzuckerspiegel (Unterzucker)
  • Vegetative diabetische Polyneuropathie: Diabetes-bedingte Nervenschäden im Bereich des vegetativen Nervensystems
  • Gefäßverkalkung und -verengung (Arteriosklerose) im Bereich der hirnversorgenden Gefäße
  • Carotis-Sinus-Syndrom: Bestimmte Druckrezeptoren in der Halsschlagader reagieren überempfindlich. Schon bei geringem Druck verlangsamen sie den Herzschlag. Dadurch sinkt der Blutdruck, was zu Schwindel und Bewusstseinsstörungen (bis hin zur Ohnmacht) führen kann.
  • Medikamente: Schwindel als Nebenwirkung (Vor allem Beruhigungs- und Schlafmittel sowie muskelentspannende Mittel wirken dämpfend und können schwindlig machen. Harntreibende Mittel (Diuretika) und Herz-Kreislauf-Medikamente zählen ebenfalls dazu.)
  • Alkohol und andere Drogen
  • Hyperventilation: übermäßig schnelles und tiefes Atmen
  • Schlecht eingestellte oder ungewohnte Brille

Diagnose

Angesichts der unterschiedlichen Schwindelformen ist eine individuelle Diagnostik je nach Symptomatik von großer Bedeutung. Grundlage für die weiterführende Diagnostik ist immer eine ausführliche neurologische und/oder HNO-ärztliche Untersuchung (inklusive Gleichgewichts- und Koordinationstests, Gang- und Standprüfungen, Untersuchung der Hirnnervenfunktionen, Überprüfung der sensiblen Funktionen und Kraftprüfung).

In der weiterführenden Diagnostik hat die Magnetresonanztomographie (MRT) einen hohen Stellenwert. Mit Hilfe der MRT können im Rahmen der Schwindelabklärung kleinste Veränderungen der Gleichgewichts- und Hörnerven, des Innenohrs aber auch des Gehirns, der Gefäße und der Schädelkalotte sowie gegebenenfalls der Halswirbelsäule festgestellt werden. Studien zeigen, dass die MRT die diagnostische Sicherheit in der Abklärung des Schwindels deutlich erhöht.

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Zunächst prüft man die Gang- und Standsicherheit, erschwert durch Stehen auf einem Bein oder den Seiltänzergang. Der vestibulo-okuläre Reflex lässt sich über den Kopfimpulstests prüfen. Ferner nutzt man eine Brille mit lupenartigen Gläsern. Die Patientin oder der Patient kann durch diese „Frenzelbrille“ keine Objekte fixieren. Auch erscheinen die Augen stark vergrößert. Bei Kurz- oder Weitsichtigkeit und Augenkrankheiten wie Grauer Star ist manchmal eine sogenannte Video-Okulographie hilfreich. Dabei werden die Augenbewegungen dreidimensional aufgezeichnet.

Behandlung

Eine eindeutige Diagnostik der Schwindelursache ist für das Patientenwohl unabdingbar, da jede Schwindelursache spezifisch behandelt werden muss. Zu den gängigsten therapeutische Maßnahmen zählen Medikamente, Physiotherapie, Psychotherapie, und in seltenen Fällen eine chirurgische Behandlung.

Die Behandlung von Schwindel richtet sich immer nach der Ursache. Man behandelt medikamentös, physiotherapeutisch oder psychotherapeutisch. Die meisten Formen von Schwindel sprechen gut auf die jeweilige Therapie an. Sie haben eine gute Aussicht auf Heilung oder zumindest auf deutliche Besserung (Prognose).

Spezielle Behandlungen gibt es beim Gutartigen Lagerungsschwindel in Form von sogenannten Befreiungsmanövern. Bei einer Neuritis vestibularis beginnt das Gehirn sofort, den Ausfall des Gleichgewichtsnerven auszugleichen. Bei Funktionellem Schwindel klärt man Betroffene zunächst darüber auf, dass es keine körperlichen Gründe für die Erkrankung gibt, um Ängste abzubauen. Danach ist auch ein intensives Gleichgewichts- und Gangtraining hilfreich. Zusätzlich kann man eine kognitive Verhaltenstherapie durchführen.

Bei einer Neuritis vestibularis können Medikamente akute Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen lindern. Diese sollten Betroffene aber nur kurzzeitig nehmen. Die Mittel machen schläfrig und das verlangsamt die Heilungs- und Trainingsprozesse im Gehirn.

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Behandlung der Neuritis Vestibularis

Die Therapie der akuten Neuritis vestibularis basiert auf drei Prinzipien: die symptomatische Therapie, die kausale Therapie und die Verbesserung der zentralen vestibulären Komponente.

  • Symptomatische Therapie: Nur innerhalb der ersten Tage und nur bei schwerer Übelkeit und Erbrechen sollten Antivertiginosa gegeben werden, da sie zur Verzögerung der zentralen Kompensation eines Vestibularausfalls führen.
  • Kausale Therapie: Die kausale Therapie der Neuritis vestibularis erfolgt mittels Glukokortikosteroiden. Eine prospektive, randomisierte, placebokontrollierte Studie konnte hierzu zeigen, dass eine Methylprednisolon Monotherapie zu einer signifikanten Verbesserung der Erholung der peripher vestibulären Funktion führt.
  • Verbesserung der zentralen vestibulären Komponente: Die Experten der Leitlinie betonen, dass die Förderung der zentralen Kompensation durch physikalische Therapie ein wichtiges Therapieprinzip darstellt. Vestibuläre Trainingsprogramme umfassen beispielsweise willkürliche Augenbewegungen und Fixation. Dies trägt zur Verbesserung der gestörten Blickstabilisation bei. Auch aktive Kopfbewegungen zur Neueinrichtung des vestibulookulären Reflexes sind Teile des vestibulären Trainingsprogramms.

Was tun bei Schwindel?

  • Bei akutem Schwindel darf man kein Kraftfahrzeug führen. Die Dauer des Fahrverbots hängt von der Art der Erkrankung ab.
  • Bei leichten Beschwerden können auch frei verkäufliche pflanzliche Präparate aus den Blättern des Ginkgobaums eingesetzt, die die Durchblutung des Gehirns verbessern sollen.
  • Bei Auto- oder Schiffsreisen kann es hilfreich sein, den Blick nicht auf einen Gegenstand im Inneren, sondern auf den Horizont zu richten.
  • Bei Schwindel durch psychische Auslöser kann Ablenkung durch Sport und Bewegung helfen. Der Körper lernt dadurch, den Schwindel zu kompensieren. Dabei sollten Betroffene mit ungefährlichen Aktivitäten beginnen, die das Gleichgewicht nicht zu sehr fordern. Gut geeignet sind zum Beispiel Nordic Walking und Spinning (Indoor Cycling). Ideal ist ein Gleichgewichtstraining bei Physiotherapeuten, die auf Gleichgewichtsprobleme spezialisiert sind (Vestibulartherapeuten).

Prognose

Viele Patienten mit Schwindel haben einen hohen Leidensdruck und sind im Alltag deutlich beeinträchtigt. Bei allen Schwindelursachen ist es daher wichtig, möglichst frühzeitig eine klare Diagnose zu stellen und mit der Behandlung zu beginnen. So lernen die Betroffenen, mit der Situation umzugehen. Bei länger anhaltenden Beschwerden ohne klare Diagnose kommt es häufig zu ängstlichem Vermeidungsverhalten. Die Betroffenen verzichten aus Angst vor dem Schwindel auf Sport, Bewegung und soziale Aktivitäten. In vielen Fällen ist systematisches Gleichgewichtstraining ein wichtiger Teil der Therapie.

In 40-50% der Fälle tritt eine vollständige Restitution der Gleichgewichtsfunktion ein. 20-30% der Betroffenen erreichen nur eine partielle Restitution. In der Regel bilden sich die statischen Symptome wie der Spontannystagmus, Schwindel und die Fallneigung zurück, während die dynamischen Funktionsstörungen bestehen bleiben. Bei raschen Kopfbewegungen können z.B. Oszillopsien auftreten. Das Auftreten von Rezidiven der Erkrankung ist selten. Wenn es zum Auftreten von Rezidiven kommt, dann kommen sie in der Regel auf der vorher nicht betroffenen Seite vor. Dies betrifft etwa 1,9% der Fälle.

Komplikationen

10-15% der Neuritis vestibularis Patienten erleiden innerhalb von Wochen auf dem betroffenen Ohr einen typischen benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel. Eine wichtige Komplikation der Erkrankung ist der Übergang der Neuritis vestibularis in einen phobischen Schwankschwindel.

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