Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom oder umgangssprachlich Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die in erster Linie den Untergang von dopaminergen Neuronen in der Substantia nigra im Mittelhirn verursacht. Diese Neuronen projizieren in die Basalganglien, ein Bereich des Gehirns, der für die Steuerung der Bewegung verantwortlich ist (nigrostriatales System). Obwohl der Dopaminverlust das Hauptmerkmal der Parkinson-Krankheit ist, sind auch andere Neurotransmittersysteme wie Serotonin, Noradrenalin und Acetylcholin betroffen.
Motorische und nicht-motorische Symptome
Die Parkinson-Krankheit manifestiert sich durch eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen. Zu den wichtigsten motorischen Symptomen gehören:
- Rigor: Erhöhung des Muskeltonus, die zu Steifheit und Schwierigkeiten bei der Bewegung führen kann.
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen, die sich in Schwierigkeiten beim Starten und Ausführen von Bewegungen äußern kann. Im Extremfall kann dies zu Akinese führen, der Unfähigkeit, sich zu bewegen.
- Tremor: Muskelzittern, typischerweise im Ruhezustand, das sich in den Händen, Armen oder Beinen manifestieren kann.
- Posturale Instabilität: Verlust des Gleichgewichts und erhöhte Sturzgefahr.
Neben den motorischen Symptomen treten bei Parkinson-Patienten häufig auch eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen auf, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Dazu gehören:
- Schlafstörungen: Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen, unruhiger Schlaf und übermäßige Tagesschläfrigkeit.
- Vegetative Störungen: Probleme mit der autonomen Funktion des Körpers, wie z. B. Verstopfung, Blasenfunktionsstörungen und sexuelle Dysfunktion.
- Depression und Angst: Stimmungsstörungen, die durch die neurologischen Veränderungen im Gehirn oder als Reaktion auf die Diagnose und die damit verbundenen Einschränkungen verursacht werden können.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, der Aufmerksamkeit und den exekutiven Funktionen, die in einigen Fällen zu Demenz führen können.
Psychologische Auswirkungen der Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit hat weitreichende psychologische Auswirkungen auf die Betroffenen. Die Diagnose selbst kann ein Schock sein und Gefühle von Angst, Traurigkeit, Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit auslösen. Die fortschreitende Natur der Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen können zu einem Verlust des Selbstwertgefühls, der Autonomie und der Lebensqualität führen.
Depression und Angst
Depression und Angst sind häufige Begleiter der Parkinson-Krankheit. Studien zeigen, dass etwa 30-40 % aller Menschen mit Parkinson von Depressionen betroffen sind, doch nur 20 % der Betroffenen lassen sich deswegen behandeln. Diese Störungen können durch die neurologischen Veränderungen im Gehirn, die mit Parkinson einhergehen, oder als Reaktion auf die Herausforderungen und Einschränkungen der Krankheit verursacht werden. Symptome von Depressionen können Antriebslosigkeit, Interessenverlust, Schlafstörungen, Appetitveränderungen und Konzentrationsschwierigkeiten umfassen. Angstzustände können sich in Form von übermäßiger Sorge, Nervosität, Panikattacken und sozialer Angst äußern.
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Kognitive Beeinträchtigungen
Kognitive Beeinträchtigungen treten bei vielen Menschen mit Parkinson auf. Etwa 30% der Parkinson-Patienten leiden an Demenz. Die gleichen Veränderungen im Gehirn, die die motorischen Funktionen beeinträchtigen, können auch zu einer Verlangsamung des Denkens und zu Gedächtnisproblemen führen. Kognitive Beeinträchtigungen können sich auf verschiedene Bereiche der kognitiven Funktion auswirken, darunter Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Gedächtnis.
Verhaltensänderungen
In den letzten Jahren wurden in zunehmender Häufigkeit Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen beobachtet, die sich im Verlauf der Parkinson-Erkrankung einstellen können. Zu Beginn der Erkrankung stellen viele Menschen vor allem eine zunehmende Sturheit oder Starrsinnigkeit und/oder aggressives Verhalten fest, welches oft unvermittelt auftritt. Weitere Wesensveränderungen sind vor allem durch eine mangelnde Impulskontrolle geprägt, die sowohl durch den weiteren Verlauf der Erkrankung selbst als auch durch die langfristige Einnahme von Medikamenten begünstigt wird. Sie führt zu verschiedensten Verhaltensauffälligkeiten wie einer plötzlich auftretenden Spielsucht oder exzessivem Essen.
Einige spezifische Verhaltensstörungen, die bei Parkinson-Patienten auftreten können, sind:
- Impulskontrollstörungen: Verminderte Fähigkeit zur Kontrolle innerer Impulse, die sich in Form von Spielsucht, Kaufsucht, zwanghaftem Essen oder Hypersexualität äußern kann.
- Punding: Wiederholende, zielgerichtete Verhaltensweisen wie Sammeln, Sortieren oder Ordnen von Gegenständen.
- Dopamin-Dysregulationssyndrom: Ein Verhaltensmuster, das zu einer stetigen Zunahme der dopaminergen Dosis führt, die über das Ausmaß hinausgeht, welches zur Kontrolle der motorischen Symptome erforderlich ist.
Soziale Isolation
Die physischen Symptome und die Unsicherheit, wie andere reagieren könnten, führen dazu, dass sich viele Betroffene sozial zurückziehen. Diese Isolation kann zu Einsamkeit und einem verstärkten Gefühl der Entfremdung führen. Die Schwierigkeiten bei der Bewegung, der Kommunikation und der Teilnahme an sozialen Aktivitäten können dazu führen, dass sich Menschen mit Parkinson isoliert und ausgeschlossen fühlen.
Bewältigungsstrategien und Unterstützung
Trotz der Herausforderungen, die mit der Parkinson-Krankheit verbunden sind, gibt es viele Möglichkeiten, die psychologischen Auswirkungen der Erkrankung zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.
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Medikamentöse Behandlung
Medikamente wie Levodopa und Dopaminagonisten können helfen, die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern. Antidepressiva und angstlösende Medikamente können bei der Behandlung von Depressionen und Angstzuständen eingesetzt werden. Atypische Neuroleptika können zur Behandlung von Verhaltensstörungen eingesetzt werden.
Psychotherapie
Eine Psychotherapie kann Menschen mit Parkinson helfen, mit den emotionalen Herausforderungen der Erkrankung umzugehen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und ihre Lebensqualität zu verbessern. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann bei der Behandlung von Depressionen, Angstzuständen und Schlafstörungen wirksam sein.
Bewegung und Sport
Regelmäßige körperliche Betätigung kann dazu beitragen, die motorischen Funktionen zu verbessern, depressive Symptome zu lindern, die kognitiven Funktionen zu fördern und die Schlafqualität zu verbessern. Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität die geistige Leistungsfähigkeit bei Parkinson-Patienten verbessern kann.
Selbsthilfegruppen und soziale Unterstützung
Der Austausch mit anderen Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, kann eine wertvolle Quelle der Unterstützung und des Verständnisses sein. Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Bewältigungsstrategien zu erlernen und sich weniger isoliert zu fühlen.
Angehörigenunterstützung
Die Parkinson-Krankheit betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Familien und Angehörigen. Es ist wichtig, dass auch Angehörige Unterstützung und Ressourcen erhalten, um mit den Herausforderungen der Pflege eines Menschen mit Parkinson umzugehen.
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