Homöopathische Behandlung von Entzündungen des Zentralnervensystems

Einführung

Das zentrale Nervensystem (ZNS) steuert unseren Organismus und besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark. Entzündungen des ZNS können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, darunter Infektionen, Autoimmunerkrankungen und andere Faktoren. Die Homöopathie bietet einen sanften, nebenwirkungsfreien Ansatz zur Behandlung von Beschwerden des Nervensystems, indem sie die Selbstheilungskräfte des Körpers anregt. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Homöopathie bei Entzündungen des Zentralnervensystems.

Das Nervensystem und seine Funktionen

Das Nervensystem ist für die Steuerung unseres Organismus verantwortlich. Es besteht aus dem willkürlichen und dem vegetativen Nervensystem. Das willkürliche Nervensystem steuert bewusste Handlungen, während das vegetative Nervensystem lebenswichtige Körperfunktionen wie Atmung, Stoffwechsel und Durchblutung reguliert, ohne dass wir uns bewusst darum kümmern müssen. Das vegetative Nervensystem teilt sich in das sympathische Nervensystem (Sympathikus) und das parasympathische Nervensystem (Parasympathikus) auf. Der Sympathikus bereitet den Körper auf physische und geistige Leistungen vor, während der Parasympathikus für Ruhe und Regeneration zuständig ist.

Ursachen und Arten von Entzündungen des ZNS

Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) spielen eine zunehmende Rolle in der Neurologie. Sie können erregerbedingt durch Bakterien, Pilze, Protozoen und Viren sowie nicht erregerbedingt/autoimmun auftreten. Autoimmunologische Prozesse entstehen, wenn der Organismus nicht in der Lage ist, bestimmte Strukturen als körpereigene zu erkennen, und Entzündungen am Nervensystem hervorruft.

Häufige Krankheitsbilder durch erregerbedingte Infektionen des Gehirns sind die Neuborreliose und die Gürtelrose. Im Zusammenhang mit immunsuppressiven und immunmodulatorischen Therapien treten Infektionen des ZNS häufig bei immungeschwächten Patienten auf, wie die progressive multifokale Leukenzephalopahtie (PML) bei der Multiplen Sklerose. Eine der häufigsten sporadischen Enzephalitiden Westeuropas ist die Herpes-Simplex-Virus-Enzephalitis (HSVE). Die Symptome einer HSVE sind Kopfschmerzen, Fieber, quantitative und/oder qualitative Bewusstseinsstörungen. Schon bei dem Verdacht auf eine HSVE muss die antivirale Therapie mit Aciclovir rasch eingeleitet werden. Unbehandelt verläuft sie meist tödlich. Auch bei der HSVE gilt „time is brain“. Die häufigsten Fälle einer ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis sind Streptokokken (Streptococcus penumoniae), Listerien (Listeria monocytogenes) und Meningokokken (Neisseria meningitidis). Leitsymptome sind Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit und Erbrechen und Meningismus (Nackensteifigkeit). Meningismus kann bei sehr jungen und sehr alten Menschen fehlen.

Homöopathische Arzneimittel und ihre Anwendung

Die Homöopathie betrachtet den Menschen als Ganzes und wählt das passende Arzneimittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip aus. Das bedeutet, dass ein Mittel eingesetzt wird, das bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorrufen würde, wie sie der Kranke zeigt. Einige wichtige homöopathische Arzneien, die sich bei der Behandlung von psychischen Beschwerden bewährt haben, können auch bei Entzündungen des ZNS unterstützend eingesetzt werden.

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  • Aconitum D12 (der Sturmhut): Wichtigstes Mittel nach Erleben eines Schocks mit Todesangst. Es tritt eine ängstliche Unruhe auf mit Herzklopfen, angsterfülltem Blick und Blässe. Es ist das Mittel der Wahl, wenn nach schrecklichen Erlebnissen den Betroffenen die Bilder nicht aus dem Kopf gehen und im schlimmsten Fall auch Panikattacken auslösen.
  • Gelsemium D12 (der Gelbe oder Wilde Jasmin): Kann jemanden nach einem Schrecken "wie gelähmt", kraftlos und völlig überfordert wieder aufrichten. Die Erwartungsangst führt zu einer zittrigen Lähmung, man ist zu schwach, um noch irgendetwas vorzubereiten. Die Knie zittern, die Lider werden schwer. Durchfall kann auftreten, ebenso Schwindel und Benommenheit. Besser wird es in frischer Luft und nach Entleerung der Blase.
  • Argentum nitricum D12 (das Silbernitrat): Bei Unruhe und Aufregung vor besonderen Ereignissen, Lampenfieber, Herzjagen und Durchfällen kann Argentum nitricum D12 (das Silbernitrat) die Lage entspannen. Eines der besten Mittel bei Erwartungsangst, vor einer Prüfung oder einem gefürchteten Ereignis (Flugreise, öffentlicher Auftritt u. a.). Es treten Zittern und Durchfall auf, Druck im Magen, Aufstoßen, Schwindel. Die innere Unruhe führt zu hastigem Handeln, man hat das Gefühl, die Zeit vergeht zu langsam und kommt zu jedem Termin zu früh.
  • Ignatia D12 (die Ignatiusbohne): Unterstützt den Leidenden bei der Bewältigung der "Trauerarbeit" oder der "Kummersituation" bei Trennungsschmerzen - wie zum Beispiel Heimweh, enttäuschte Liebe, Verlust eines geliebten Menschen -, die einen Menschen depressiv machen können. Leitsymptome sind ausgesprochene Traurigkeit und der Hang zum stillen Kummer, man möchte mit seinem Kummer alleine sein. Er hat das Gefühl, einen "Kloß im Hals" zu haben. Typisch ist auch der Hang zum stillen Seufzen.
  • Natrium chloratum D12 (= muriaticum) (das Kochsalz): Ist das Kummermittel schlechthin. Es wird eingesetzt bei Depressionen als Folge von Kummer und Ärger; bei Ängsten, die durch Stress und Überlastung hervorgerufen werden. Es kann auch bei Trennungsschmerzen indiziert sein. Das Leitsymptom der Betroffenen ist allerdings, dass sie sich freiwillig zurückziehen. Sie wollen sich in ihrem Kummer, der verschiedene Gründe haben kann, nicht trösten lassen, sondern nur noch in Ruhe gelassen werden ("Regression").
  • Opium: Nach dem homöopathischen Ähnlichkeitsprinzip sind Beschwerden, die mit Opium behandelt werden, von großer Benommenheit gekennzeichnet. Der Schreck ist in die Glieder gefahren, aber Bewusstsein und Gefühl sind eingeschränkt, Schmerzen werden nicht mehr empfunden, die Situation nicht verstanden. Die Glieder sind taub, heißer Schweiß und Muskelzucken können auftreten, selbst ein zeitweiliges Aussetzen der Atmung. Der Bauch ist hart und gebläht mit Stuhlverstopfung.
  • Nux vomica D12 (die Brechnuss): Streitbare, jähzornige Menschen mit cholerischem und hypochondrischem Temperament brauchen Nux vomica D12 (die Brechnuss). Der Nux vomica-Typ hat eine geringe Reizschwelle, fühlt alles zu stark. Er arbeitet zu viel (meist im Sitzen); chronische Überlastung macht ihn unzufrieden und gereizt. Das Mittel wirkt bei Beschwerden, die durch einen zu hohen Genussmittelkonsum, Überreizung des Nervensystems oder Überforderung verursacht werden. Dazu gehören Nervosität, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Magen-Darmbeschwerden.

Dosierung

Erwachsene nehmen 2-mal täglich 5 Globuli, nach einer dreiwöchigen Einnahme sollte eine einwöchige Pause eingelegt werden, um danach die Einnahme fortzusetzen; bei Besserung des Befindens kann das Arzneimittel abgesetzt werden.

Cocculus: Ein wichtiges Mittel bei neurologischen Beschwerden

Cocculus indicus (indische Scheinmyrte) ist ein homöopathisches Mittel, das vor allem auf das zentrale Nervensystem einwirken soll. Es wird bei nervöser Überreizung, Schwindel, nervösen Verdauungsbeschwerden und muskulärer Schwäche sowie Zittern eingesetzt. Besonders bekannt ist Cocculus für seine Wirkung bei Reisekrankheit und Schlafmangel.

Anwendungsgebiete von Cocculus

Cocculus wird traditionell bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, die mit dem Nervensystem in Verbindung stehen:

  • Reisekrankheit: Cocculus ist ein häufig verwendetes Mittel zur Behandlung von Reisekrankheit bei allen Arten von Verkehrsmitteln (Auto, Zug, Bus, Schiff, Flugzeug). Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Schwindel.
  • Schwindel: Cocculus kann bei Drehschwindel helfen, bei dem sich alles zu drehen scheint. Die Beschwerden verschlimmern sich oft bei Bewegung und bessern sich im Liegen.
  • Schlafstörungen: Cocculus soll bei Schlafstörungen helfen, die durch Schlafmangel oder Sorgen verursacht werden. Selbst geringer Schlafmangel kann heftige Symptome hervorrufen.
  • Kopfschmerzen/Migräne: Cocculus kann bei Kopfschmerzen und Migräne mit Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden. Die Schmerzen treten oft im Hinterkopf und Nacken auf.
  • Nervöse Verdauungsbeschwerden: Cocculus kann bei nervösen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Übelkeit und Erbrechen helfen. Die Beschwerden können sich beim Geruch von Speisen oder beim Gedanken an Essen verschlimmern.
  • Schwangerschaftserbrechen: Cocculus kann bei morgendlicher Übelkeit mit schwallartigem Erbrechen während der Schwangerschaft eingesetzt werden.
  • Schmerzhafte Menstruation: Cocculus kann bei krampfartigen Schmerzen während der Menstruation helfen, die sich bei Bewegung verschlimmern.
  • Zittern: Cocculus kann bei Zittern von Händen, Armen und Beinen eingesetzt werden.
  • Überreizung und Schwäche: Cocculus kann bei Überreizung und Schwäche durch Schlafmangel und Schichtarbeit helfen.
  • Chronisches Erschöpfungs-Syndrom: Cocculus kann bei chronischer Erschöpfung eingesetzt werden.
  • Jetlag: Cocculus kann zur Behandlung von Jetlag nach einer Flugreise eingesetzt werden.

Der Cocculus-Typ

In der Konstitutionsmittel-Homöopathie wird der Cocculus-Mensch als kraftlos infolge einer nervösen Erschöpfung beschrieben. Die Muskulatur seiner Beine und seines Rückens soll schwach sein, weshalb er sich nicht richtig aufrecht halten kann. Vom Gemüt her soll er sehr reizbar sein, seine geistigen Prozesse scheinen verlangsamt. Muss sich ein Cocculus-Konstitutionstyp um eine erkrankte, nahestehende Person kümmern, wird er sehr schnell erschöpft und krank vor Sorge um diesen Menschen.

Anwendung von Cocculus

Cocculus ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Globuli, Tropfen und Tabletten. Bei Reisekrankheit empfiehlt sich Cocculus D4, das bei Bedarf viertel- bis halbstündlich eingenommen werden kann. Bei akuten Krankheiten können Cocculus D6 oder D12 mehrmals täglich eingenommen werden. Bei chronischen Krankheiten werden höhere Potenzen wie Cocculus C30 oder C200 eingesetzt, die nur nach Verordnung durch einen Homöopathen eingenommen werden sollten.

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Weitere unterstützende Maßnahmen

Neben der Homöopathie können auch andere Maßnahmen zur Unterstützung des Nervensystems und zur Linderung von Beschwerden bei Entzündungen des ZNS beitragen:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit hochwertigen Lebensmitteln und dem Meiden von Zusatzstoffen und industriell vorgefertigten Produkten ist wichtig für die Gesundheit von Körper und Psyche.
  • Bewegung und Entspannung: Regelmäßige Bewegung, wie Spaziergänge im Wald, Radfahren oder Schwimmen, kann zur Beruhigung beitragen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
  • Pflanzenheilkunde: Beruhigende Pflanzen wie Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse können bei nervösen Beschwerden und Schlafstörungen eingesetzt werden.
  • Schüssler Salze: Das Salz Nr. 5, Kalium phosphoricum, ist ein wichtiges Salz für die Nerven und die Psyche. Es ist für die reibungslose Funktion des Nerven- und Muskelgewebes zuständig.

Schulmedizinische Behandlungen

Neben der Homöopathie und anderen komplementären Behandlungen ist bei Entzündungen des ZNS oft eine schulmedizinische Behandlung erforderlich. Diese kann je nach Ursache der Entzündung verschiedene Medikamente und Therapien umfassen, wie antivirale Medikamente bei viralen Infektionen, Antibiotika bei bakteriellen Infektionen oder Immunsuppressiva bei Autoimmunerkrankungen.

Wichtiger Hinweis

Es ist wichtig zu beachten, dass die Homöopathie bei Entzündungen des ZNS eine unterstützende Maßnahme sein kann, aber nicht die schulmedizinische Behandlung ersetzen sollte. Bei länger anhaltenden oder schlimmer werdenden Beschwerden sollte immer ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Therapie einzuleiten.

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