Entzündung zwischen Großhirn und Kleinhirn: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Entzündung zwischen Großhirn und Kleinhirn, oft als Enzephalitis oder zerebelläre Ataxie manifestiert, stellt eine komplexe neurologische Herausforderung dar. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Behandlungsansätze dieser Erkrankungen, um ein umfassendes Verständnis für Betroffene und Interessierte zu schaffen.

Einführung in die Thematik

Das Gehirn, unterteilt in Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm, ist ein komplexes Organ, das für zahlreiche Körperfunktionen verantwortlich ist. Entzündungen in diesem Bereich können weitreichende Folgen haben. Dabei spielen sowohl infektiöse als auch autoimmune Prozesse eine Rolle.

Zerebelläre Ataxie: Eine Störung des Kleinhirns

Die zerebelläre Ataxie ist eine neurologische Störung, die das Kleinhirn betrifft. Dieses Hirnareal koordiniert Bewegungen und hält das Gleichgewicht. Bei einer Ataxie ist diese Fähigkeit beeinträchtigt, was zu Schwierigkeiten beim Gehen, Sprechen, Greifen und bei kontrollierten Augenbewegungen führen kann. Die Schädigung kann schleichend beginnen und sich über Jahre entwickeln.

Ursachen der zerebellären Ataxie

Die zerebelläre Ataxie kann verschiedene Ursachen haben, die oft genetisch bedingt sind. Aber auch Schlaganfälle, Tumoren oder Entzündungen können Auslöser sein.

Genetische Ursachen

Eine der häufigsten Ursachen sind genetische Mutationen oder Veränderungen. Mutationen in Genen, die an der Entwicklung und Funktion des Kleinhirns beteiligt sind, können zu Ataxie führen. Diese erbliche Ataxie kann in verschiedenen Formen auftreten, wie der Friedreich-Ataxie oder der spinozerebellären Ataxie.

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Erworbene Ursachen

  • Schlaganfall: Ein Schlaganfall im Bereich des Kleinhirns kann dessen Funktion beeinträchtigen.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Verletzungen durch Unfälle oder Stürze können das Kleinhirn schädigen.
  • Entzündungen: Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Autoimmunerkrankungen können das Kleinhirn betreffen.
  • Toxische Einflüsse: Substanzen wie Alkohol, Medikamente oder Schwermetalle können das Kleinhirn schädigen.
  • Degenerative Ursachen: Degenerative Prozesse können das Kleinhirn im Laufe der Zeit verschlechtern.
  • Tumorbedingte Ursachen: Tumore im Bereich des Kleinhirns können dessen Funktion beeinträchtigen.

Symptome der zerebellären Ataxie

Die Symptome der zerebellären Ataxie können vielfältig sein und von Person zu Person variieren.

  • Gleichgewichtsstörungen: Betroffene haben Schwierigkeiten, aufrecht zu stehen und zu gehen, und sind anfällig für Stürze.
  • Koordinationsprobleme: Die Fähigkeit, Bewegungen präzise zu steuern, ist beeinträchtigt.
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen aufgrund gestörter Muskelkoordination.
  • Augenbewegungsstörungen: Unkontrollierte Augenbewegungen können auftreten.
  • Muskelsteifheit und Muskelschwäche: Diese Begleiterscheinungen erschweren die Bewegungskoordination.

Verlauf der Erkrankung

Die Symptome der zerebellären Ataxie sind in der Regel fortschreitend und können sich im Laufe der Zeit verschlimmern. Der Verlauf kann von Person zu Person stark variieren.

Beginn und Frühstadium

Die meisten Fälle beginnen schleichend und entwickeln sich über Jahre hinweg. In den frühen Stadien können die Anzeichen mild sein und kaum bemerkt werden.

Fortschreitende Verschlechterung

Mit der Zeit verschlechtern sich die Symptome. Koordinationsprobleme und Muskelschwäche werden ausgeprägter.

Behandlung und Therapie

Obwohl die zerebelläre Ataxie derzeit nicht heilbar ist, stehen verschiedene Therapieansätze zur Verfügung, um die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

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  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Koordination und Muskelkraft.
  • Ergotherapie: Zur Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben.
  • Medikamente: Zur Symptomkontrolle.
  • Spezialisierte Hilfsmittel: Zur Unterstützung der Mobilität.

Enzephalitis: Eine Entzündung des Gehirns

Die Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns, die meist von Viren verursacht wird. Sie kann mild, aber auch sehr schwer mit bleibenden Folgeschäden verlaufen.

Ursachen der Enzephalitis

Eine Enzephalitis wird meist von Viren verursacht oder durch eine Reaktion des Immunsystems gegen Gehirngewebe (Autoimmun-Enzephalitis).

Infektiöse Enzephalitis

  • Viren: Herpes-simplex-Viren, Enteroviren, Epstein-Barr-Viren, Cytomegalieviren, Varizella-Zoster-Viren, Parechoviren, Influenzaviren, Arboviren (FSME, West-Nil-Virus), Masern-, Mumps- und Rötelnviren, SARS-CoV-2-Infektion
  • Bakterien: Borrelien, Tuberkulose- und Syphilis-Bakterien
  • Pilze und Parasiten: Bei immungeschwächten Personen

Autoimmune Enzephalitis

Eine Autoimmun-Reaktion kann ebenfalls die Ursache sein, wobei das Abwehrsystem das eigene Gehirn angreift. Dies kann durch einen Infekt, eine sonstige Fehlaktivierung des Immunsystems oder einen Tumor ausgelöst werden.

Symptome der Enzephalitis

Typische Beschwerden sind Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, epileptische Anfälle sowie Fieber und Kopfschmerzen. Oft kommen Verhaltensänderungen und Denkstörungen hinzu.

  • Häufige Symptome: Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Fieber
  • Weitere Symptome: Verhaltensänderungen, Halluzinationen, Denkstörungen
  • Spezifische Symptome je nach Virus:
    • Herpes-simplex-Viren: Sprachstörungen wie Aphasie
    • Arboviren: Bewegungsstörungen
    • Enteroviren des Serotyps EV 71: Zittern, Muskelzuckungen, Bewegungsstörungen und Lähmungen

Bei Neugeborenen und Säuglingen sind die Symptome eher allgemeiner Natur: Sie trinken nicht gut, sind teilnahmslos und träge.

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Diagnose der Enzephalitis

Um den Erreger näher einzugrenzen, stellen Ärztinnen und Ärzte zunächst einige Fragen, unter anderem zum Gesundheitszustand, zu benötigten Medikamenten, zu vorhandenen Impfungen und zu kürzlichen Reisen.

  • Bildgebende Verfahren: Computer- (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zur Darstellung von Entzündungen im Gehirn.
  • Liquoruntersuchung: Entnahme einer Probe des Nervenwassers aus dem Rückenmarkskanal zur Erregerbestimmung und zum Nachweis von Antikörpern.
  • Blutprobe: Nachweis von Antikörpern im Blut.

Behandlung der Enzephalitis

  • Virale Enzephalitis:
    • Herpes-simplex-Viren: Frühe Gabe von Aciclovir zur Verhinderung von Spätfolgen.
    • Varizella-Zoster-Virus oder Cytomegalievirus: Aciclovir und ähnliche Wirkstoffe.
  • Bakterielle Enzephalitis: Antibiotika.
  • Autoimmune Enzephalitis: Hochdosierte Kortikosteroide, Blutwäsche (Plasmapherese), Immunsuppressiva.
  • Symptomatische Behandlung: Medikamente gegen Krampfanfälle und Verhaltensstörungen.

Vorbeugung

Gegen viele Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, gibt es wirksame Schutzimpfungen: Masern, Mumps, Röteln, Windpockenvirus (Zoster), Kinderlähmung, FSME, Influenza.

Anti-DAGLA-assoziierte zerebelläre Ataxie: Eine neue Entdeckung

Ein Forschungsteam hat eine neue Art der zerebellären Ataxie entdeckt, die durch den Autoantikörper Anti-DAGLA verursacht wird. Dieser richtet sich gegen Kleinhirnzellen und führt zu einer schweren Entzündung. Die Forschenden entdeckten ihn im Nervenwasser von Betroffenen, die unter Gang-, Sprach- und Sehstörungen litten. MRT-Untersuchungen zeigten einen Substanzverlust des Kleinhirns. Nach einer Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten und einer Immuntherapie besserte sich der Gesundheitszustand bei einigen Betroffenen nachhaltig.

Diagnostische Bedeutung von Anti-DAGLA

Professor Sühs empfiehlt, nur solche Anti-DAGLA als Marker für eine neue Form der progressiven Kleinhirnentzündung zu betrachten, die bei entsprechenden Krankheitszeichen im Nervenwasser nachgewiesen worden sind.

Zukünftige Forschung

Da die Kohorte mit nur wenigen an dieser neuen Form Erkrankten sehr klein war, sind weitere Untersuchungen mit mehr Patientinnen und Patienten nötig, um die diagnostische Bedeutung von Anti-DAGLA zu überprüfen und die Behandlungsempfehlungen zu optimieren.

Hirnstammläsionen: Schädigungen im Hirnstamm

Der Hirnstamm, ein Teil des zentralen Nervensystems, beinhaltet verschiedene Zentren für die Regulation lebenswichtiger Vorgänge. Schädigungen in diesem Bereich können weitreichende Folgen haben.

Ursachen von Hirnstammläsionen

  • Hirninfarkte: Schlaganfälle, die die Blutversorgung des Hirnstamms stören.
  • Traumata: Unfälle mit Beteiligung des Kopfes.
  • Entzündliche Prozesse: Multiple Sklerose.
  • Tumorerkrankungen: Gutartige oder bösartige Neubildungen von Gewebe.

Symptome von Hirnstammläsionen

Die Symptome hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Schädigung ab.

  • Ausfall bestimmter Hirnnerven: Beeinträchtigung der Gesichtsmuskulatur, des Berührungsempfindens, des Geschmackes, des Sehens und Hörens oder des Gleichgewichtssinnes.
  • Vegetative Funktionsstörungen: Veränderungen der Schweiß- oder Tränensekretion, Kreislaufstörungen.
  • Beeinträchtigung wichtiger regulatorischer Zentren: Atem- und Kreislaufzentrum.

Diagnose von Hirnstammläsionen

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Fragen zu möglichen Unfällen und dem genauen zeitlichen Verlauf des Beschwerdebildes.
  • Neurologische Untersuchung: Detektion des Ausfalls bestimmter Hirnnerven.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie zur Darstellung des Hirngewebes.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Messung der elektrischen Signale von Nerven.

Therapie von Hirnstammläsionen

Die Therapie richtet sich stets nach der Ursache der Läsion.

  • Hirninfarkt: Blutstillung oder Eröffnung des Gefäßes.
  • Schwerwiegende Schädigungen: Sofortige Gegenmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Atmung und des Kreislaufs.
  • Ausfälle der Muskulatur: Physiotherapeutische, logopädische und ergotherapeutische Behandlungen.

Erhöhter Hirndruck

Bei erhöhtem Hirndruck herrscht innerhalb des Schädels zu hoher Druck. Ursachen können zum Beispiel Tumore oder Entzündungen sein. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen bis Atemstillstand.

Ursachen für erhöhten Hirndruck

  • Entzündungen wie Meningitis
  • Blutungen
  • Infarkte
  • Aneurysmen
  • Tumore
  • Erhöhte Nervenwasserproduktion
  • Pseudotumor cerebri (insbesondere bei übergewichtigen Frauen im gebärfähigen Alter)

Symptome für erhöhten Hirndruck

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Unterschiedlich große Pupillen
  • Sehstörungen
  • Blutdruckanstieg
  • Abfallen der Herzfrequenz
  • Atemstörungen

Behandlung für erhöhten Hirndruck

  • Körpergewichtsreduktion
  • Verringerung der Hirnwasser-Neu-Produktion durch Medikamente
  • Ablassen von Nervenwasser durch Lumbalpunktionen
  • Shunt-OP bei Normaldruckhydrozephalus

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