Hirnhautentzündung (Meningitis) und Schwangerschaft: Was Sie wissen müssen

Die Schwangerschaft ist eine Zeit großer Freude, aber auch eine Zeit, in der besondere Vorsicht geboten ist, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen. Infektionen können in dieser Zeit ein erhebliches Risiko darstellen. Eine der gefürchtetsten Infektionen ist die Hirnhautentzündung oder Meningitis. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Risiken, Ursachen, Symptome und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Meningitis während der Schwangerschaft besser zu verstehen.

Was ist Meningitis?

Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen), die Gehirn und Rückenmark umgeben. Diese Entzündung kann durch verschiedene Krankheitserreger verursacht werden, wobei Viren und Bakterien die häufigsten Auslöser sind. Seltener sind Pilze oder Parasiten die Ursache. Es ist wichtig zu wissen, dass es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handelt, die, insbesondere wenn sie bakteriell bedingt ist, schnell lebensbedrohlich werden kann.

Ursachen von Meningitis

Die Meningitis wird hauptsächlich durch Infektionen mit Bakterien oder Viren ausgelöst. Zu den häufigsten bakteriellen Erregern zählen:

  • Meningokokken
  • Pneumokokken
  • Haemophilus influenzae (vor allem bei Kindern unter 5 Jahren)
  • Escherichia coli oder Streptokokken (bei Säuglingen)
  • Listerien (seltener, vor allem bei älteren oder immungeschwächten Personen)

Virale Erreger können sein:

  • Enteroviren (z. B. Coxsackieviren, Auslöser der Hand-Fuß-Mund-Krankheit)
  • Herpesviren (Herpes simplex, Varizellen-Zoster-Virus)
  • Mumpsviren
  • Masernviren
  • FSME-Viren (Frühsommer-Meningoenzephalitis, übertragen durch Zecken)
  • Epstein-Barr-Virus (Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers)

In seltenen Fällen können auch Pilze, Parasiten (wie bei Toxoplasmose oder Bandwurmbefall), Krebserkrankungen oder Autoimmunerkrankungen (wie Lupus erythematodes) eine Meningitis verursachen.

Lesen Sie auch: Alles, was Sie über Borreliose-Hirnhautentzündung wissen müssen

Ist Meningitis ansteckend?

Ja, Meningitis ist in der Regel ansteckend. Die Erreger werden oft über Tröpfcheninfektion übertragen, beispielsweise durch Husten, Niesen oder Küssen. Auch eine Schmierinfektion ist möglich, wenn man Gegenstände berührt, auf denen sich die Erreger befinden, und diese dann über den Mund oder andere Schleimhäute in den Körper gelangen. Wichtig zu wissen ist, dass auch symptomlose Personen die Erreger weitergeben können.

Meningitis in der Schwangerschaft: Besondere Risiken

Während der Schwangerschaft ist das Immunsystem der Frau verändert, was sie anfälliger für Infektionen macht. Eine Meningitis kann in dieser Zeit besonders gefährlich sein, da sie nicht nur die Gesundheit der Mutter, sondern auch die des ungeborenen Kindes bedrohen kann.

Mögliche Auswirkungen auf das Ungeborene

Eine Infektion während der Schwangerschaft kann schwerwiegende Folgen für das ungeborene Kind haben:

  • Fehlbildungen: Insbesondere in der Frühschwangerschaft, während der Organentwicklung, besteht das Risiko von Fehlbildungen des Herzens oder des Gehirns sowie Einschränkungen der Seh- oder Hörkraft des Babys.
  • Frühgeburt: Fieber, das durch eine Infektion ausgelöst wird, kann Wehen auslösen und zu einer Frühgeburt führen.
  • Infektion des Kindes: Einige Erreger, wie Listerien oder Streptokokken der Gruppe B, können während der Schwangerschaft oder Geburt auf das Kind übertragen werden und zu schweren Erkrankungen wie Sepsis, Lungenentzündung oder Meningitis führen.
  • Fehlgeburt oder Totgeburt: In schweren Fällen kann eine Infektion zum Tod des Ungeborenen führen.

Spezifische Erreger und ihre Risiken

  • Cytomegalie-Virus (HCMV): Etwa 50 % der Frauen haben vor der Schwangerschaft noch keine Infektion mit HCMV durchgemacht. Eine erstmalige Infektion in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ist besonders problematisch.
  • Parvovirus B19 (Ringelröteln): Eine Infektion während der Schwangerschaft kann zu Blutarmut beim Ungeborenen führen, in schweren Fällen sogar zu Hydrops fetalis (Flüssigkeitsansammlung im Gewebe des Fötus) oder Fehlgeburten.
  • Streptokokken der Gruppe B (GBS): Diese Bakterien können während der Geburt auf das Kind übertragen werden und eine Neugeborenen-Sepsis, Lungenentzündung oder Meningitis verursachen.
  • Toxoplasmose: Eine Erstinfektion während der Schwangerschaft kann über den Blutweg direkt in den kindlichen Organismus gelangen und zu Totgeburten oder Schädigungen des Kindes führen.
  • Listeriose: Diese bakterielle Infektion kann für das Baby sehr gefährlich sein und eine Früh- oder sogar Totgeburt verursachen.
  • Windpocken: Eine Windpockeninfektion im ersten Schwangerschaftsdrittel kann in seltenen Fällen zum angeborenen Varizellensyndrom (CVS) führen.
  • Masern: Eine Maserninfektion während der Schwangerschaft kann zu Komplikationen wie hohem Fieber und schwerer Lungenentzündung führen und das Risiko einer Frühgeburt erhöhen.

Symptome einer Meningitis

Die Symptome einer Meningitis können je nach Erreger (Bakterien oder Viren) variieren. Im Allgemeinen ähneln die ersten Anzeichen oft einer Grippe:

  • Fieber mit Schüttelfrost
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Starkes Krankheitsgefühl
  • Verwirrtheit
  • Bewusstseinsstörungen
  • Überempfindlichkeit gegen Licht
  • Reizbarkeit
  • Schläfrigkeit

Ein charakteristisches Anzeichen einer Meningitis ist die Nackensteifigkeit (Meningismus), bei der der Kopf nicht mehr wie zum Nicken nach vorne bewegt werden kann. Bei Babys und Säuglingen kann die Nackensteifigkeit fehlen; stattdessen können folgende Symptome auftreten:

Lesen Sie auch: Meningitis-Leitfaden: Von Ursachen bis zur Vorbeugung

  • Trinkschwäche
  • Schlaffheit
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Lichtempfindlichkeit
  • Vorgewölbte oder verhärtete Fontanelle

Besondere Symptome bei bakterieller Meningitis

Eine bakterielle Meningitis geht oft mit stärker ausgeprägten Symptomen einher, die sich schnell verschlechtern:

  • Blutdruckabfall
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
  • Kleine, rot-bräunliche Hautveränderungen (Petechien)
  • Starke Verwirrtheit
  • Epileptische Anfälle
  • Einblutungen der inneren Organe (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom)
  • Gesichtslähmung

Wichtig: Bei Verdacht auf Meningitis sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, da eine schnelle Diagnose und Behandlung entscheidend sind.

Diagnose von Meningitis

Um eine Meningitis zu diagnostizieren und den genauen Erreger zu bestimmen, sind verschiedene Untersuchungen notwendig:

  • Körperliche Untersuchung: Dabei werden typische Anzeichen wie Nackensteifigkeit (Brudzinski-Zeichen, Kernig-Zeichen, Lasègue-Zeichen) geprüft.
  • Blutuntersuchung: Im Blut lassen sich Entzündungszeichen nachweisen und Rückschlüsse auf den Erreger ziehen.
  • Lumbalpunktion: Dabei wird eine kleine Menge Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmark entnommen und im Labor untersucht, um den Erreger zu identifizieren.

Behandlung von Meningitis

Die Behandlung einer Meningitis hängt von der Ursache ab:

  • Bakterielle Meningitis: Eine bakterielle Meningitis muss umgehend im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt werden. Oft wird zunächst ein Breitbandantibiotikum eingesetzt, das gegen verschiedene Bakterienarten wirkt. Zusätzlich können entzündungshemmende Medikamente wie Dexamethason verabreicht werden.
  • Virale Meningitis: Eine virale Meningitis heilt in vielen Fällen von allein aus. In schweren Fällen kann die Behandlung vom genauen Erreger abhängen. Gegen bestimmte Viren stehen Virostatika zur Verfügung (z. B. Aciclovir bei Herpesinfektionen). Zusätzlich können fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente eingesetzt werden.

Prävention von Meningitis während der Schwangerschaft

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um das Risiko einer Meningitis während der Schwangerschaft zu senken:

Lesen Sie auch: Leben nach Meningitis: Was Sie wissen sollten

Impfungen

Gegen einige Meningitis-Erreger gibt es Impfungen, die im Rahmen der Kinderschutzimpfungen empfohlen werden:

  • Pneumokokken-Impfung
  • Haemophilus influenzae Typ B (Hib)-Impfung
  • Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Impfung
  • Windpocken-Impfung
  • Meningokokken-Impfung (gegen die Serogruppen B, C, ACWY)
  • FSME-Impfung (in Risikogebieten)

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken B für alle Kinder bis zum 5. Geburtstag.

Hygienemaßnahmen

  • Regelmäßiges Händewaschen: Gründliches Händewaschen ist eine der effektivsten Maßnahmen, um Infektionen zu vermeiden.
  • Lebensmittelhygiene: Schwangere sollten auf eine gute Lebensmittelhygiene achten, um das Risiko einer Listeriose oder Toxoplasmose zu minimieren. Dazu gehört der Verzicht auf Rohmilchprodukte, rohes Fleisch und Fisch sowie gründliches Waschen von Obst und Gemüse.
  • Umgang mit Haustieren: Schwangere sollten beim Reinigen der Katzentoilette Handschuhe tragen und Gartenarbeiten nur mit Handschuhen verrichten, um sich vor Toxoplasmose zu schützen.
  • Kontakt zu Erkrankten vermeiden: Schwangere sollten engen Kontakt zu Personen mit ansteckenden Krankheiten meiden.

Weitere Präventionsmaßnahmen

  • Cytomegalie-Virus (CMV): Um das Risiko einer CMV-Infektion zu senken, sollten Schwangere direkten Kontakt mit Nasensekret und Urin von kleinen Kindern vermeiden (z. B. durch Tragen von Handschuhen beim Windelwechseln).
  • Ringelröteln: In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen sollten strenge Hygienevorschriften beachtet werden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
  • Streptokokken der Gruppe B (GBS): Schwangere können sich in der 35. bis 37. Schwangerschaftswoche auf GBS testen lassen. Bei positivem Befund kann während der Geburt ein Antibiotikum verabreicht werden, um das Kind vor einer Infektion zu schützen.

Meningokokken-Erkrankungen: Was ist zu beachten?

Meningokokken sind Bakterien, die eine eitrige Hirnhautentzündung oder eine Sepsis (Blutvergiftung) verursachen können. Die Übertragung erfolgt durch engen Kontakt, beispielsweise über Speichel oder Nasensekret.

Symptome

Die Erkrankung beginnt oft plötzlich mit allgemeinen Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel. Typische Symptome einer Hirnhautentzündung sind Fieber, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifigkeit. Eine Sepsis kann sich durch flächenhafte Einblutungen der Haut äußern.

Was tun bei Verdacht?

Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Infektion muss sofort ein Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika.

Schutzmaßnahmen

  • Impfung: Es gibt verschiedene Impfstoffe gegen unterschiedliche Meningokokken-Typen. Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken B für alle Kinder im Alter von 2, 4 und 12 Monaten sowie die Impfung gegen Meningokokken C für alle Kinder im Alter von 12 Monaten.
  • Vorbeugende Antibiotika: Enge Kontaktpersonen von Erkrankten sollen vorbeugend Antibiotika erhalten.
  • Hygiene: Achten Sie auf eine gute Hygiene, um die Übertragung von Meningokokken zu vermeiden.

Embryotox.de: Wertvolle Informationen zur Medikamentensicherheit

Embryotox.de ist eine vertrauenswürdige Ressource für schwangere Frauen, die Informationen über die Verträglichkeit von Medikamenten während der Schwangerschaft suchen. Die Website bietet detaillierte Bewertungen zur Sicherheit von Medikamenten und eine telefonische Beratung durch erfahrene Fachleute. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Informationen auf Embryotox.de den Rat des behandelnden Arztes nicht ersetzen.

tags: #hirnhautentzundung #ansteckend #schwangerschaft