Migräne bei Frauen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, meist einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne bei Frauen.

Was ist Migräne?

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die den ganzen Körper betreffen und Betroffene oft stark einschränken kann. Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen, die sich meist als dumpfer, drückender Schmerz anfühlen, ist der Schmerz bei Migräne oft pulsierend, hämmernd oder pochend.

Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und verschiedenen Auslösern (sogenannten Triggern) eine Rolle spielt.

Genetische Veranlagung

Migräne tritt häufig familiär gehäuft auf. Das Risiko, an Migräne zu erkranken, ist höher, wenn bereits andere Familienmitglieder betroffen sind.

Trigger

Trigger sind Faktoren, die eine Migräneattacke auslösen können. Diese sind sehr individuell und können von Person zu Person variieren. Zu den häufigsten Triggern gehören:

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  • Stress: Besonders unregelmäßiger Tagesablauf, emotionaler Stress oder auch die Entspannung nach einer anstrengenden Zeit können Migräneattacken auslösen.
  • Hormonelle Veränderungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor oder während der Menstruation, in der Pillen-Pause, also kurz vor, während und kurz nach der Menstruation, wenn der Körper stärkeren hormonellen Schwankungen ausgesetzt ist, aber auch während einer Schwangerschaft. Ursächlich sind die hormonellen Veränderungen im Verlauf des Zyklus. Die hormonelle Migräne ist schlechter zu behandeln, sie verschwindet erst mit der Normalisierung des Hormonhaushaltes nach Ende der Periode und kehrt zyklisch einmal im Monat wieder. Viele jüngere Frauen leiden hingegen während der Pilleneinnahme unter Migräne, weil das Gleichgewicht des Körpers unter Zufuhr hormonhaltiger Präparate aus den Fugen geraten kann.
  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus können das Risiko erhöhen.
  • Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel gelten als Auslöser, wie zum Beispiel Rotwein, Käse oder Zitrusfrüchte. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern.
  • Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden. Häufig treten Migräneanfalle auch bei bestimmten Wetterlagen auf. Genauer im Rahmen bestimmter Luftdruckverhältnisse. Obwohl wissenschaftlich nicht belegt, reagieren viele Migräniker auf sich zu schnell verändernde Wetter- und Temperaturverhältnisse, genauso wie auf starken Fön.
  • Bestimmte Medikamente (z. B. Triptane). Durch die häufige Einnahme der Triptane kann es jedoch zu einem Gewöhnungseffekt kommen, der wiederum neuerliche Kopfschmerzen und Migräneattacken auslösen kann.

Es lohnt sich herauszufinden, ob es spezielle Trigger für die Migräne bei einem selbst gibt, die man dann vermeiden kann.

Symptome

Die Symptome von Migräne sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Typisch sind:

  • Kopfschmerzen: Mäßige bis starke, oft halbseitige Kopfschmerzen, die sich pulsierend, pochend oder hämmernd anfühlen. Die Schmerzen verstärken sich bei körperlicher Aktivität. Der Kopfschmerz tritt in fast allen Fällen zunächst einseitig auf, im Verlauf des Migräneanfalls wandert er jedoch in andere Schädelbereiche.
  • Übelkeit und Erbrechen: Fast alle Migränikerinnen und Migräniker berichten, dass ihnen während und oft schon vor Migräneattacken übel ist. Viele Betroffene übergeben sich auch aufgrund der Migräne. Hinzu kommt oft auch völlige Appetitlosigkeit.
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Viele Menschen sind während der Anfälle sehr licht- und geräuschempfindlich.
  • Aura: Etwa 10 bis 15 % der Betroffenen erleben eine Aura, die sich durch neurologische Symptome wie Sehstörungen (Flimmern, Lichtblitze, Zickzacklinien, Gesichtsfeldeinschränkungen), Missempfindungen (Kribbeln, Taubheit in Armen und Beinen) oder Sprachstörungen äußern kann. Die Aura dauert üblicherweise nicht länger als eine Stunde.

Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke kann in verschiedenen Phasen ablaufen:

  1. Prodromalphase (Vorbotenphase): Stunden oder sogar Tage vor der Attacke treten Müdigkeit, Blässe, Heißhunger, Übelkeit, Konzentrationsstörungen, Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger und Lichtempfindlichkeit. Diese Vorbotenphase kann mehrere Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten. Die Migräne kündigt sich an. Typische Vorboten für einen nahenden Migräneanfall sind beispielsweise gesteigerte Müdigkeit und häufiges Gähnen, aber auch Heißhungerattacken, Darmbeschwerden, Verstopfungen und eine bereits erhöhte Licht- und Lärmempfindlichkeit. Die Vorbotenphase kann sich in Einzelfällen über bis zu zwei Tagen erstrecken, dauert in der Regel aber nur wenige Stunden.
  2. Auraphase: Kurz vor Beginn der Kopfschmerzen treten Aura-Symptome auf. Diese äußern sich in Form von Sehstörungen (meist in Form eines Flimmerns, verschwommenen Sehens, Lichtblitzen, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldeinschränkungen), Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen, seltener Sprachstörungen.
  3. Kopfschmerzphase: Die heftigen Kopfschmerzen treten auf, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Schmerzphase hält in der Regel zwischen vier und 72 Stunden an.
  4. Auflösungsphase: Die Kopfschmerzen lassen nach, es können Symptome auftreten, die der Anfangsphase konträr gegenüberstehen (z.B. Appetitlosigkeit).
  5. Erholungsphase: Keine Symptome mehr vorhanden, die Betroffenen brauchen aber Zeit, um sich von der Erschöpfung der Attacke zu regenerieren.

Migräneformen

Es gibt verschiedene Formen von Migräne, die sich in ihren Symptomen und ihrem Verlauf unterscheiden:

  • Migräne ohne Aura: Die häufigste Form, bei der die Kopfschmerzen im Vordergrund stehen. Die einfache Migräne zeichnet sich auch durch eine hohe Empfindlichkeit von Licht, Geräuschen und Gerüchen aus. Hinzukommen können Schwindel, das Sehen von Lichtblitzen und eigenartigen Formen.
  • Migräne mit Aura: Bei dieser Form treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome (Aura) auf. Bei der klassischen bzw. Migräne mit Aura kommen zu den Kopfschmerzen neurologische Defizite hinzu. Meist als Vorbote von einem Migräneanfall können sogenannte Gesichtsfeldausfälle auftreten. Diese äußern sich in Form von Sehstörungen wie Lichtblitzen und werden in der Neurologie als Aura oder Migräneaura bezeichnet. Der halbseitige Kopfschmerz geht mit Rötungen im Gesicht einher und kann durch eine temporäre Störung der Zirkulation in den Blutgefäßen erklärt werden.
  • Chronische Migräne: Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten.
  • Menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht. Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht, oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
  • Abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiplegie) verursachen kann.
  • Migräne mit Hirnstammaura (früher als Basilaris-Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind. Klassische Symptome sind neben den Kopfschmerzen auch Tinnitus, Doppelbildsehen, Bewusstseinsstörungen, Schwindelgefühle und Sprachstörungen. Anders als beim klassischen Migränetypus leiden Betroffene im Falle einer Basilarismigräne meist unter beidseitigen Kopf- und Augenschmerzen.
  • Vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.

Diagnose

Die Diagnose Migräne wird in der Regel anhand der typischen Beschwerdeschilderung und einer neurologischen Untersuchung gestellt. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Anfälle zu dokumentieren und mögliche Trigger zu identifizieren.

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Behandlung

Migräne ist nicht heilbar, aber die Symptome lassen sich gut behandeln. Es gibt verschiedene Therapieansätze:

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Kopfschmerzen und Begleitsymptome während einer Migräneattacke zu lindern. Dazu können folgende Medikamente eingesetzt werden:

  • Schmerzmittel: Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS).
  • Kombinationspräparate: Schmerzmittel mit Koffein (z.B. Aspirin® Coffein). Die Substanz hat selbst eine schmerzlindernde Wirkung und sorgt dafür, dass der Wirkstoff ASS schneller wirken kann.
  • Triptane: Spezifische Migränemittel, die bei starken Migräneattacken wirksam sind. Diese Medikamente hemmen die Botenstoffe oder Neurotransmitter, die während der Migräne-Attacke freigesetzt werden und unterbrechen dadurch die Attacke. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.
  • Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (z.B. Metoclopramid, Domperidon).

Es ist wichtig, die Medikamente so früh wie möglich einzunehmen, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen.

Prävention

Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Dazu können folgende Maßnahmen eingesetzt werden:

  • Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßiger Schlafrhythmus, regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit.
  • Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training.
  • Vermeidung von Triggern: Identifizierung und Vermeidung individueller Trigger.
  • Sport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren.
  • Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt werden. Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit so genannten Antikörpern gegen einen bestimmten Botenstoff, das so genannte CGRP, das während des Migräne-Anfalls ausgeschüttet wird. Antiköper sind Proteine, die diesen Botenstoff abfangen bzw. dessen Wirkung an den Nervenzellen und Hirngefäßen vermindern können.

Die medikamentöse Prophylaxe muss unbedingt mit einem Arzt besprochen und begleitet werden.

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Alternative Behandlungsmethoden

Einige Menschen mit Migräne profitieren von alternativen Behandlungsmethoden wie Akupunktur oder Biofeedback. Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.

Migräne in besonderen Lebenssituationen

Migräne in der Schwangerschaft

Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft eine Besserung ihrer Migräne. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden.

Migräne in den Wechseljahren

Nach den Wechseljahren verschwinden die Migräneanfälle bei vielen Frauen ganz.

Umgang mit Migräne im Alltag

Migräne kann das tägliche Leben stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, Strategien zu entwickeln, um mit den Anfällen umzugehen und die Lebensqualität zu erhalten. Dazu gehören:

  • Frühzeitige Behandlung: Bei ersten Anzeichen einer Migräneattacke sofort handeln.
  • Ruhe und Dunkelheit: Sich in einen ruhigen, dunklen Raum zurückziehen.
  • Kühlung: Ein kühles Tuch auf die Stirn legen.
  • Unterstützung suchen: Mit Familie, Freunden oder einer Selbsthilfegruppe über die Erkrankung sprechen.
  • Anfallstagebuchs: Patientinnen und Patienten können anhand eines Anfallstagebuchs Schlüsse ziehen, wodurch ihre Migräne entsteht. Davon ausgehend können sie ggf. ihren Lebensstil verändern und dadurch langfristig Migräneanfälle senken.

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