Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Für Menschen mit Epilepsie ist eine spezialisierte medizinische Versorgung von großer Bedeutung. In Deutschland gibt es verschiedene Anlaufstellen, die eine solche Versorgung anbieten: Epilepsie-Ambulanzen, Schwerpunktpraxen für Epileptologie und zertifizierte Epilepsiezentren. Dieser Artikel gibt einen Überblick über diese Einrichtungen und ihre Aufgaben.
Einführung in die Epilepsie-Versorgung in Deutschland
Die Versorgung von Menschen mit Epilepsie in Deutschland ist vielfältig und umfasst ambulante und stationäre Angebote. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) spielt eine wichtige Rolle bei der Qualitätssicherung und Zertifizierung von Einrichtungen, die sich auf die Behandlung von Epilepsie spezialisiert haben.
Schwerpunktpraxen Epileptologie
Im Jahr 1998 beauftragte die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) eine Arbeitsgruppe mit der Erarbeitung einer Definition von Schwerpunktpraxen. Diese Praxen bieten eine spezialisierte ambulante Versorgung für Menschen mit Epilepsie.
Aufgaben und Leistungen von Schwerpunktpraxen
Schwerpunktpraxen für Epileptologie zeichnen sich durch besondere Expertise in der Diagnostik und Therapie von Epilepsien aus. Sie bieten in der Regel folgende Leistungen an:
- Ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung
- EEG-Diagnostik (Elektroenzephalographie)
- Bildgebende Verfahren (MRT, CT)
- Anfallsklassifikation und Syndromdiagnose
- Medikamentöse Therapie und Anfallsmanagement
- Beratung zu psychosozialen Aspekten der Erkrankung
Anzahl der Schwerpunktpraxen
Aktuell gibt es in Deutschland 58 Schwerpunktpraxen für Epileptologie (Stand: 23.). Einige Beispiele für solche Praxen sind:
Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?
- FÄZTGemeinschaftspraxis mit PD Dr. J. Rieger und Dr. M.
- Schwerpunktpraxis EpileptologieDr. med. K.
- Gemeinschaftspraxis Neurologie Neuer Wall Dr.
Epilepsie-Ambulanzen
Neben den Schwerpunktpraxen gibt es in Deutschland auch spezialisierte Epilepsie-Ambulanzen, die häufig an Krankenhäuser oder Universitätskliniken angebunden sind. Diese Ambulanzen bieten eine umfassende Versorgung für Menschen mit Epilepsie, einschließlich diagnostischer und therapeutischer Leistungen.
Aufgaben und Leistungen von Epilepsie-Ambulanzen
Epilepsie-Ambulanzen bieten in der Regel ein breiteres Spektrum an Leistungen als Schwerpunktpraxen, da sie oft über zusätzliche diagnostische und therapeutische Möglichkeiten verfügen. Zu den typischen Leistungen gehören:
- EEG-Monitoring (Langzeit-EEG)
- Video-EEG-Monitoring
- NeuropsychologischeTestung
- Beratung zu operativenBehandlungsmöglichkeiten
- SpezielleAnfallsbehandlungen (z.B. bei Status epilepticus)
Anzahl der Epilepsie-Ambulanzen
In Deutschland gibt es derzeit 50 Epilepsie-Ambulanzen für Jugendliche und Erwachsene (Stand: 22.) und 97 Epilepsie-Ambulanzen für Kinder und Jugendliche (Stand: 23.). Einige Beispiele für solche Ambulanzen sind:
- Epilepsiezentrum Ambulanz der Séguin-Klinik Epileptologie u.
- Epilepsieklinik Mara Epilepsiezentrum Bethel Krankenhaus Mara gGmbHEpilepsie-Ambulanz für Jugendliche u.
- Ambulanz Pädiatrische Epileptologie Klinik f. Kinderheilkunde u.
Epilepsie-Ambulanz Aachen
Die Uniklinik RWTH Aachen verfügt über eine Klinik für Neurologie, die auch eine Sektion für Epileptologie umfasst. Die Klinik bietet ambulante Termine an, die persönlich, als Telefon- oder Videosprechstunde möglich sind. Die Schwerpunkte liegen unter anderem in der Epileptologie sowie neuroimmunologischer und neuromuskulärer Erkrankungen. Die Klinik für Neurologie der Uniklinik RWTH Aachen ist zudem an verschiedenen interdisziplinären Zentren beteiligt. Eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Krankenversorgung wird angestrebt.
Die Uniklinik RWTH Aachen bietet eine umfassende neurologische Versorgung. Die Klinik für Neurologie verfügt über zwei Normalstationen, eine neurologisch geführte Intensivstation und eine Stroke Unit. Schwerpunkte liegen unter anderem in der Schlaganfallversorgung, der Epileptologie sowie neuroimmunologischer und neuromuskulärer Erkrankungen.
Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail
Zertifizierte Epilepsiezentren
Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) und die Arbeitsgemeinschaft für prächirurgische Epilepsiediagnostik und operative Epilepsietherapie (AG Epilepsiechirurgie) haben Kriterien zur Zertifizierung von Epilepsiezentren erstellt. Diese Zentren erfüllen hohe Qualitätsstandards in der Diagnostik, Therapie und Forschung von Epilepsien.
Aufgaben und Leistungen von Epilepsiezentren
Epilepsiezentren bieten eine umfassende Versorgung für Menschen mit komplexen Epilepsieformen. Sie verfügen über ein interdisziplinäres Team von Ärzten, Psychologen,Neuropsychologen und anderen Fachkräften. Zu den Leistungen gehören:
- PrächirurgischeDiagnostik
- Epilepsiechirurgie
- Vagusnervstimulation
- Ketogene Diät
- Psychosoziale Beratung und Unterstützung
Anzahl der Epilepsiezentren
Aktuell gibt es in Deutschland 57 zertifizierte Epilepsiezentren (Stand: 03.).
Weitere Anlaufstellen und Beratungsangebote
Neben den spezialisierten Einrichtungen gibt es in Deutschland auch eine Reihe von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Menschen mit Epilepsie und ihre Angehörigen. Diese bieten Informationen, Unterstützung und Austauschmöglichkeiten.
Epilepsie-Beratungsstellen
In Deutschland gibt es derzeit 23 Epilepsie-Beratungsstellen (Stand: 14.). Diese Stellen bieten Betroffenen und ihren Angehörigen Informationen und Beratung zu allen Fragen rund um die Epilepsie.
Lesen Sie auch: Ein umfassender Leitfaden zur idiopathischen generalisierten Epilepsie
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen bieten eine wichtige Plattform für den Austausch von Erfahrungen und die gegenseitige Unterstützung von Menschen mit Epilepsie und ihren Angehörigen. Die Deutsche Epilepsievereinigung e.V. ist eine bundesweite Organisation, die Selbsthilfegruppen unterstützt und vernetzt.
Diagnostische Verfahren in der Neurologie
Die neurologische Diagnostik umfasst verschiedene Verfahren, die zur Abklärung von Erkrankungen des Nervensystems eingesetzt werden. Einige wichtige Verfahren sind:
- Neurologische Untersuchung: Eine gezielte Funktionsprüfung des Nerven- und Muskelsystems, einschließlich der Prüfung von Bewusstsein, Gedächtnis, Denken, Sprache und Handeln.
- EEG (Elektroenzephalogramm): Registrierung der elektrischen Aktivität der Nervenzellen des Gehirns. Wichtig für die Epilepsiediagnostik.
- Ultraschall-Doppler-Methoden: Untersuchung der Blutgefäße im Kopf- und Halsbereich zur Beurteilung der Hirndurchblutung.
- Evozierte Potentiale (EP): Messung der Leitfähigkeit verschiedener Sinnesbahnen durch Reizung von Sinnesorganen.
- Elektromyographie (EMG): Untersuchung der elektrischen Muskelaktivität zur Diagnose von Nerven- und Muskelerkrankungen.
- Elektroneurographie (NLG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit zur Beurteilung der Funktion peripherer Nerven.
- Elektronystagmographie: Untersuchung des Gleichgewichtssystems durch Aufzeichnung des Augenzitterns.
- Lumbalpunktion: Entnahme von Nervenwasser zur Untersuchung bei Verdacht auf entzündliche Prozesse.
- Schlaflabor: Untersuchung verschiedener Parameter während des Schlafs zur Diagnose von Schlafstörungen.
Therapeutische Angebote in der Neurologie
Die Neurologie bietet eine Vielzahl von therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems. Einige wichtige Angebote sind:
- Medikamentöse Therapie: Behandlung mit Medikamenten zur Linderung von Symptomen und zur Beeinflussung des Krankheitsverlaufs.
- Infusionstherapie: Verabreichung von Medikamenten über eine Infusion, z.B. bei Multipler Sklerose.
- Lysetherapie: Auflösung von Blutgerinnseln bei Schlaganfällen.
- Psychotherapie: Behandlung psychischer Erkrankungen und Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung.
- Rehabilitation: Maßnahmen zur Wiederherstellung von Funktionen und zur Verbesserung der Lebensqualität nach einer Erkrankung.