Epilepsie: Ursachen, Symptome und Behandlung auf Türkisch

Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch abnormale Veränderungen der elektrischen Aktivität im Gehirn. Die Anfälle können in Art und Schwere variieren, und einige können sich als Ohnmacht (Synkope) manifestieren.

Was ist Epilepsie?

Von Epilepsie spricht man, wenn mindestens zwei epileptische Anfälle ohne erkennbare Auslöser aufgetreten sind oder ein Anfall vorliegt, bei dem es Hinweise auf eine Neigung zu weiteren Anfällen gibt. Bei Epilepsie befinden sich Nervenzellen des Gehirns dauerhaft oder bei bestimmten auslösenden Reizen in einem Zustand, der plötzlich auftretende Funktionsstörungen, sogenannte epileptische Anfälle, auslösen kann. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, synchrone Entladungen von Nervenzellen, ähnlich Blitzen bei einem Gewitter, entweder in einem begrenzten Bereich der Hirnrinde oder im Bereich beider Hirnhälften. Dies führt entweder zu immer gleich verlaufenden Verhaltensänderungen des Patienten oder zu einer Störung seiner Befindlichkeit und seines Bewusstseins. Ein einzelner Anfall bedeutet noch keine Epilepsie und kann bei ausreichend hoher Reizung des Gehirns, beispielsweise durch Schlafentzug, Sauerstoffmangel, Fieber oder Alkoholentzug, jeden treffen. In diesem Fall spricht man von einem Gelegenheitsanfall. Die häufigsten Gelegenheitsanfälle im Kleinkindalter sind Fieberkrämpfe.

Ursachen von Epilepsie

Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. Sie reichen von angeborenen, erblich bedingten Hirnschädigungen oder Syndromen über Störungen des Gehirnstoffwechsels bis hin zu Hirnmissbildungen, Hirntumoren, Entzündungen des Gehirns, Schädigungen in den hirnversorgenden Gefäßen (Gefäßfehlbildungen, Engstellungen der Gefäße), Schlaganfällen und Kopfverletzungen. Bei den kindlichen Epilepsien hat sich das Verständnis über die Ursachen in den letzten Jahren durch immer modernere genetische Untersuchungsmöglichkeiten deutlich erweitert.

Symptome von Epilepsie

Die am häufigsten beklagten Beschwerden bei der Diagnose Epilepsie sind einerseits die epileptischen Anfälle, die manchmal ohne, meist aber mit Bewusstseinsverlust einhergehen. Andere Beschwerden sind Störungen der Befindlichkeit, Merkfähigkeit und Konzentration. Das Spektrum der Anfallserscheinungen reicht von einem nur für den Patienten spürbaren Anfallsvorgefühl (Aura) bis hin zu einem sehr bedrohlich erscheinenden großen Anfall, der mit Zuckungen des gesamten Körpers und komplettem Bewusstseinsverlust ("Grand mal") einhergeht. Epileptische Anfälle können von wenigen Sekunden bis mehrere Minuten dauern, in der Regel 1,5 bis 2 Minuten. Nach dem Anfall hat der Patient oft das Bedürfnis zu schlafen und ist häufig verwirrt, was manchmal wenige Minuten, aber auch bis zu 24 Stunden andauern kann. Dieser postiktale Zustand kann darüber hinaus durch depressive oder aggressive Stimmungen, Sprachstörungen, manchmal aber auch Lähmungserscheinungen gekennzeichnet sein.

Aura

Vor dem sichtbaren Anfall berichtet der Patient manchmal über eine sogenannte Aura, ein Anfallsvorgefühl, das bereits Teil des epileptischen Anfalls ist und sich z.B. als aufsteigendes Unwohlsein, Sprachstörung, Schwindel oder Gedächtnisstörung zeigen kann. Manchmal ist die Aura aber auch das einzige spürbare Zeichen eines epileptischen Anfalls.

Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?

Fokaler Anfall

Manchmal ist der Anfall äußerlich kaum erkennbar, wenn der Betroffene z.B. nur eine seltsame Armhaltung zeigt, verbunden mit starrem Blick, Verharren, Nicht-Ansprechbarkeit und Kauen oder Schmatzen. Solche Anfälle werden "fokale Anfälle" genannt und beruhen auf einer Funktionsstörung eines begrenzten Gewebebereichs des Gehirns, dem "Epilepsieherd".

Generalisierter Anfall, Grand-Mal-Anfall

Der generalisierte Anfall sieht oft lebensbedrohlich für Außenstehende aus und schockiert sie: Der Atem der Krampfenden kann stocken, die Augen blicken starr, der Körper kann rhythmisch zucken oder auch ganz verkrampft sein. Beim Anfall kommt es nicht selten zu Urinabgang oder Zungenbiss, kurz: die Körperkontrolle geht verloren. Dennoch schämen sich viele Patienten, auch wenn sie diesen Kontrollverlust nicht beeinflussen können. In der Bevölkerung ist die Erkrankung hauptsächlich wegen dieser Grand-Mal-Anfälle seit Jahrhunderten mit Vorurteilen besetzt. Der Anfall schockiert.

Status epilepticus

Dies ist ein lang andauernder Anfallszustand, von dem man spricht, wenn mehrere Anfälle aufeinander folgen, ohne dass sich der Patient dazwischen erholen könnte, oder wenn ein einziger Anfall länger als 20 Minuten dauert. Bei dieser Form des Anfallsverlaufs besteht die Gefahr, dass eine nicht mehr reparable Schädigung des Gehirns auftritt.

Myoklonien und Myoklonische Anfälle

Diese kurzen, einzelnen, unwillkürlichen Zuckungen einzelner Muskelgruppen oder einer Vielzahl von Muskeln sind oft Phänomene bei genetisch bedingten Epilepsien oder Epilepsiesyndromen und entstehen durch epileptische Reizung der Großhirnrinde.

Absencen

Sekunden bis Minuten dauernde Zustände mit Bewusstseinstrübung und meist starrem Blick. Dieser Begriff wird im Zusammenhang mit generalisierten Epilepsien verwendet.

Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail

Arten von Ohnmachtsanfällen im Zusammenhang mit Epilepsie

  • Generalisierte tonisch-klonische Anfälle: Diese Anfälle sind durch Bewusstseinsverlust und starke Muskelkontraktionen im ganzen Körper gekennzeichnet. Der Anfall beginnt normalerweise plötzlich, der Patient fällt zu Boden und der gesamte Körper verkrampft.
  • Absence-Anfälle: Absence-Anfälle sind durch kurzfristigen Bewusstseinsverlust gekennzeichnet und dauern normalerweise nur wenige Sekunden. Der Patient stoppt plötzlich, starrt ins Leere und reagiert während dieser Zeit auf nichts um sich herum.
  • Atonische Anfälle: Atonische Anfälle sind durch plötzlichen Verlust des Muskeltonus gekennzeichnet. Während dieser Anfälle kann der Patient plötzlich zusammenbrechen, was mit Ohnmacht verwechselt werden kann.
  • Myoklonische Anfälle: Myoklonische Anfälle sind durch plötzliche und kurze Muskelzuckungen in bestimmten Körperteilen gekennzeichnet.

Auswirkungen auf den Alltag

Die Diagnose der Erkrankung Epilepsie hat oft weit reichende Folgen für das alltägliche Leben:

  • Die Berufswahl kann eingeschränkt sein, insbesondere Berufskraftfahrer sind mit einem Schlag berufsunfähig.
  • Die Mobilität mit dem PKW ist durch zunächst begrenztes Fahrverbot erst einmal aufgehoben.
  • Ein Kinderwunsch muss nun, hauptsächlich aufgrund der eventuell notwendigen Medikation, geplant werden.
  • Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Gedächtnisstörungen sind bei Epilepsie häufig. Eine psychiatrische und/oder psychotherapeutische Mitbehandlung ist in vielen Fällen zur Erhaltung der Lebensqualität notwendig.

Untersuchungen zur Diagnose von Epilepsie

Die erste und wichtigste Untersuchung ist die Befragung des Patienten und der Augenzeugen des Anfallsereignisses, welche Vorgefühle eventuell den Anfall angekündigt haben, was der Patient noch selbst von dem Ereignis weiß, welche sichtbaren Phänomene sich abspielten. Dabei werden wichtige Informationen erhoben, die manchmal schon allein eine Verdachtsdiagnose begründen können, aber weiter ergänzt werden müssen durch neurologische und technische Untersuchungen.

Technische Untersuchungen

Die wichtigsten technischen Untersuchungen bei Verdacht auf Epilepsie sind:

  • Hochauflösende Magnetresonanztomografie des Gehirns: In der Magnetresonanztomografie des Gehirns (craniales MRT oder cMRT, veraltet: Kernspintomographie) werden die Bilder durch starke Magnetfelder erzeugt. Für spezielle Fragestellungen steht die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) zur Verfügung. Insbesondere können dabei vor einer Epilepsiechirurgie (siehe unten) spezielle Hirnfunktionen den zugehörigen Rindenarealen zugeordnet werden.
  • EEG-Diagnostik, Ableitung von Hirnströmen: Durch eine Elektroenzephalographie (EEG) kann die Bereitschaft des Gehirns zu epileptischen Entladungen direkt gezeigt werden. Je schneller nach einem Anfall eine EEG durchgeführt wird, umso höher die Chancen, Epilepsiepotentiale aufzuzeichnen. Dazu bekommt der Patient eine Haube mit Elektroden aufgesetzt, von denen die elektrische Oberflächenaktivität der Hirnrinde abgeleitet wird.
  • Liquordiagnostik und Labordiagnostik: Zur Bestätigung eines Verdachts auf einen sogenannten Grand-Mal-Anfall werden bestimmte Blutwerte herangezogen (CK-Wert, Prolaktin), aber auch bei bekannter Epilepsie sind regelmäßige Blutuntersuchungen (Blutspiegelkontrollen) unverzichtbar, da einige der eingesetzten Medikamente den Stoffwechsel von Leber oder Niere beeinflussen. Die Hirnwasser-Entnahme (Liquordiagnostik) wird immer bei Verdacht auf ein akut entzündliches Geschehen (z.B. Gehirnentzündung) durchgeführt, aber auch im Verlauf der Erkrankung, wenn die Anfälle medikamentös nicht einstellbar sind oder andere Beschwerden wie Gedächtnisstörungen oder Depression hinzutreten.

Spezielle Diagnostik

Sind Kernspintomographie und EEG-Untersuchungen unauffällig, gibt es weitere bildgebende Verfahren zur Lokalisierung des Epilepsieherdes. Diese sollten bei schwer behandelbarer Epilepsie angewendet werden und spezialisierten Einrichtungen vorbehalten sein, da die Interpretation der Ergebnisse einer großen Expertise bedarf.

Neuropsychologische Tests

Einbußen in Gedächtnis und Konzentration durch die individuelle Behandlung können erfasst und im Verlauf kontrolliert werden. Darüber hinaus können die Auswirkungen der Erkrankung auf den Lebensalltag der Patienten in Tests gemessen und im Verlauf immer wieder kontrolliert werden. Diese Untersuchungen der Gedächtnis- und Sprachleistungen dienen der Beurteilung einer vorgeschlagenen Maßnahme, wie die eines epilepsiechirurgischen Eingriffs oder der Vertretbarkeit einer medikamentösen Behandlung.

Lesen Sie auch: Ein umfassender Leitfaden zur idiopathischen generalisierten Epilepsie

Eigene Videodokumentation per Smartphone

Im Zeitalter der Smartphones plädieren die Experten sehr dafür, dass Familienangehörige oder enge Freunde den Anfall des Betroffenen als Video aufnehmen und den behandelnden Ärzten zukommen lassen. Denn: Allein durch die Aufzeichnungen der sichtbaren Anfallsphänomene kann der Verdacht auf eine bestimmte Lokalisation des Epilepsieherds im Gehirn geäußert werden. Manchmal muss die Verdachtsdiagnose aber auch in Frage gestellt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei Epilepsie

Prinzipiell ist Epilepsie eine gut behandelbare Erkrankung. Circa 60-70 Prozent der Erkrankten werden durch eine für sie passende Behandlung langfristig anfallsfrei. Nach dem ersten Anfall kann, nach mehreren Anfällen sollte eine Therapie der Epilepsie begonnen werden.

Akutbehandlung beim Anfall

Ein epileptischer Anfall ist normalerweise nach ca. 2-3 Minuten beendet und bedarf keiner Notfallmedikation. Dauert er länger, ist in jedem Fall professionelle Hilfe erforderlich. Als Außenstehender, der zu einem krampfenden Patienten kommt, ist es zunächst wichtig, Ruhe zu bewahren und den Patienten zu "sichern". Das kann bedeuten, spitze Gegenstände außer Reichweite zu bringen und den Notarzt zu rufen. Krampflösende Medikamente aus der Gruppe der Benzodiazepine werden zur Unterbrechung eines länger dauernden Anfalls oder einer Anfallsserie durch den Notarzt eingesetzt.

Medikamentöse Behandlung

Antiepileptika (Medikamente gegen Epilepsie) wirken nicht anti-epileptisch im eigentlichen Sinne, sondern sind "nur" Anfallsblocker und sorgen dafür, dass die Krampfschwelle des Gehirns nicht mehr so niedrig ist wie im unbehandelten Zustand. Setzt man sie ab, sind im Allgemeinen erneut Anfälle zu erwarten. Daher ist es oft lebenswichtig, Medikamente nur in Absprache mit dem behandelnden Neurologen um- oder abzusetzen. Die ausführliche Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen, über Wirkung und Chancen mit dem Präparat ist Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Therapie. Gerade spezielle Patientengruppen, wie Schwangere, ältere Patienten oder Kinder, bedürfen einer besonderen Überprüfung der Medikation hinsichtlich Verträglichkeit, Nebenwirkung und Wechselwirkung mit anderen Präparaten, vor allem, wenn weitere Erkrankungen vorliegen. Bei schwer behandelbaren Epilepsien oder Epilepsiesyndromen existieren noch alternative medikamentöse Behandlungsansätze aus der Gruppe der Immunsuppressiva. Die Indikationsgebiete hierfür sind streng begrenzt. Diagnosestellung und Einsatz solcher Medikamente ist spezialisierten Epilepsiezentren vorbehalten.

Neurostimulation

  • Vagusnervstimulation (VNS): Die Vagusnervstimulation beruht auf der regelmäßigen Reizung des linken Vagusnervs, die über einen implantierten Generator unterhalb des linken Schlüsselbeins standardisiert alle 5 Minuten für 30 Sekunden abgegeben und ins Gehirn weitergeleitet wird, wo epileptische Aktivität regional unterdrückt werden kann. Diese Methode ist seit fast 20 Jahren weltweit etabliert und zeigt gute Erfolge bei den schwer betroffenen Epilepsiepatienten. Langzeit-Untersuchungen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Patienten eine deutliche Anfallsverbesserung um mehr als 50 Prozent zeigt und dass die Lebensqualität durch deutliche Stimmungsverbesserungen sowie Verbesserungen der Aufmerksamkeit und der motorischen Fähigkeiten steigt.
  • Tiefe Hirnstimulation: Die tiefe Hirnstimulation ist ein Verfahren, das erst seit wenigen Jahren zur Behandlung zur Verfügung steht. Dabei werden Elektroden in bestimmten Hirnbereichen operativ eingepflanzt, die regelmäßig elektrische Impulse aussenden und damit eine Verbesserung der Anfallssituation erzielen können.
  • Transcutane Vagusnervstimulation (T-VNS): Die Wirksamkeit der transcutanen Vagusnervstimulation wird derzeit in Deutschland und Österreich im Rahmen einer Studie untersucht und Versicherten der Barmer mit schwer behandelbarer Epilepsie in einem aktuell laufenden Projekt mit der Universitätsklinik Bonn angeboten. Diese Methode beruht auf der äußeren Reizung eines Nerves, der die Ohrmuschel versorgt und ein Teilast des "Vagusnerven" ist. Eine Untersuchung der Universitätsklinik Erlangen konnte zeigen, dass regelmäßige Stimulationen über die Ohrelektrode, die der Patient selbst ein- und ausschalten sowie fein regulieren kann, die Anfallsaktivität unterdrücken kann.

Epilepsiechirurgie

Bei schwer von Epilepsie Betroffenen kann im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in einem Epilepsiezentrum geklärt werden, ob ein operativer Eingriff zur Behandlung der Epilepsie möglich ist und mit welchen Chancen auf Heilung oder Besserung der Symptome, aber auch mit welchen Risiken (Sprachstörungen, Lähmungen, usw.) zu rechnen ist. Die Anzahl der epilepsiechirurgischen Operationen in Deutschland pro Jahr ist überschaubar und den epileptologischen Spezialeinrichtungen vorbehalten, die z. B. über einen ausreichenden Erfahrungshintergrund von jährlich mindestens 25 Operationen am Gehirn verfügen sollten. Ziel der Operation ist, den Epilepsieherd vollständig zu entfernen, ohne wichtige Gehirnfunktionen zu schädigen. Eine frühe Entscheidung für eine Operation kann den weiteren Lebensverlauf eines Patienten sehr positiv beeinflussen, vorausgesetzt, die Bedingungen für eine Operation sind erfüllt. Gerade im Kindesalter bedeutet eine Anfallsreduktion oder Anfallsfreiheit eine günstigere Entwicklung. Daher sollte die Abklärung, ob ein chirurgischer Eingriff für den Patienten in Betracht kommt, so früh wie möglich in einem dafür spezialisierten Zentrum vorgenommen werden.

Beratung

Die Lebensqualität der Patienten ist nicht nur durch die Anfälle selbst, sondern auch durch deren Auswirkungen auf den Alltag beeinträchtigt. Eine besondere Beratung und Aufklärung zu vielfältigen Themenkreisen ist daher notwendig, z. B. Erste Hilfe, Auslöser von Anfällen, Risiken im Alltag, Mobilität, Reisefähigkeit, Behandlung, Beruf, Sexualität, Begleiterkrankungen usw.

Was tun, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat?

Bei einem epileptischen Anfall ist es am wichtigsten, dass Helferinnen und Helfer Betroffene vor Verletzungen schützen und ruhig bleiben. Hält der Anfall länger als fünf Minuten an oder treten mehrere Anfälle in geringem zeitlichem Abstand auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden. Bei einem schweren Anfall kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein.

Die Rolle der Bildgebung in der Epilepsiediagnostik

Hochauflösende radiologische Bildgebungsverfahren sind wichtig, um potenzielle Ursachen eines Anfallleidens zu identifizieren und epileptogene Läsionen im Gehirn sichtbar zu machen.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die MRT ist die am häufigsten verwendete Bildgebungstechnik zur Diagnose von Epilepsie. Mit der MRT, insbesondere der Hochfeld 3T MRT, können strukturelle (angeborene) Anomalien, Tumore, Vernarbungen, Gefäßmalformationen oder andere pathologische Veränderungen im Gehirn, die Anfälle auslösen könnten, erkannt werden.

Computertomographie (CT)

Die CT ist eine weitere nützliche Bildgebungsmethode, mit der strukturelle Anomalien im Gehirn und somit auch im Rahmen einer Epilepsie erkannt werden können. Sie verwendet Röntgenstrahlen, um detaillierte Bilder des Gehirns zu erstellen. Die Computertomographie ist besonders nützlich bei der Darstellung von Knochenstrukturen im Gehirn. Ein CT des Kopfes wird vor allem dann durchgeführt, wenn es schnell gehen muss, also in akuten Notfallsituationen oder nach einem plötzlich aufgetretenen ersten Anfall, bei dem die Ursache noch unklar ist. Auch wenn eine MRT aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, z. B. bei Patientinnen oder Patienten mit einem Herzschrittmacher, stellt die CT eine sinnvolle und oft unverzichtbare Alternative dar. Eine der wichtigsten Stärken der Computertomografie liegt in der schnellen Erkennung von Hirnblutungen. Gerade bei einem plötzlich aufgetretenen Krampfanfall ist es entscheidend zu klären, ob eine Blutung die Ursache sein könnte, denn in solchen Fällen ist oft ein sofortiges medizinisches Handeln erforderlich. Eine CT ist außerdem besonders hilfreich, wenn der Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma besteht. In manchen Fällen steckt hinter epileptischen Anfällen eine Raumforderung im Gehirn. Das können beispielsweise gutartige oder bösartige Tumoren sein, aber auch Flüssigkeitsansammlungen wie Zysten. Manche Formen der Epilepsie gehen auf frühere Entzündungen oder Infektionen des Gehirns zurück, beispielsweise nach einer Hirnhautentzündung, Hirnverletzung oder einer parasitären Infektion. Derartige Veränderungen sind in CT-Aufnahmen besonders gut sichtbar, weil sie sich deutlich vom normalen Gewebe unterscheiden. Verkalkungen erscheinen als sehr helle, fast weiße Strukturen, da Kalzium das Röntgensignal stark reflektiert.

Typische MRT-Befunde bei Epilepsie

  • Hippokampussklerose: Bei Menschen mit Temporallappenepilepsie findet sich häufig eine Hippokampussklerose. Dabei handelt es sich um eine Veränderung im Hippokampus, einem Bereich des Gehirns, der im Schläfenlappen liegt und u. a. für das Gedächtnis zuständig ist. Im MRT erkennt man diese Veränderung daran, dass der betroffene Bereich geschrumpft und oft heller dargestellt ist als das umliegende Gewebe.
  • Kortikale Dysplasien: Hierbei handelt es sich um angeborene Fehlbildungen der Hirnrinde, bei denen sich das Gehirn bereits in der frühen Kindheit nicht ganz typisch entwickelt hat. Diese Veränderungen betreffen die äußerste Schicht des Gehirns, die Hirnrinde. Im MRT zeigen sich solche Dysplasien oft durch eine verdickte Hirnrinde, unscharfe Übergänge zwischen grauer und weißer Substanz und ungewöhnlich verlaufenden Hirnfurchen (Sulci). Kortikale Dysplasien gehören zu den häufigeren Ursachen für therapieresistente Epilepsien, also Formen, bei denen Medikamente allein nicht ausreichen.
  • Narben und alte Schäden im Gehirn: Epileptische Anfälle können auch durch Narben oder alte Schäden im Gehirn ausgelöst werden, z. B. nach einem Unfall, einer Hirnhautentzündung oder einem Schlaganfall. Typisch sind in diesen Fällen veränderte Gewebestrukturen, hellere oder dunklere Areale und zum Teil Gewebeschwund in bestimmten Regionen des Gehirns.
  • Raumforderungen und Gefäßmissbildungen: Mit der MRT können Raumforderungen oder Gefäßmissbildungen gut erkannt werden. Dazu zählen z. B. Gangliogliome (gutartige Tumoren des Nervengewebes) oder Kavernome (erweiterte Blutgefäße, die Blutungen verursachen können).

Die Wahl zwischen MRT und CT hängt von den individuellen Umständen und den klinischen Verdachtsmomenten ab.

Fieberkrämpfe

Manche Säuglinge bzw. Kleinkinder durchleben im Zusammenhang mit einer Erhöhung der Körpertemperatur einen sogenannten Fieberkrampf. Ein Fieberkrampf ähnelt von den Symptomen einem epileptischen Anfall: Der Körper zuckt unkontrolliert und Ihr Kind verliert das Bewusstsein, ist also nicht ansprechbar. Fieberkrämpfe stehen meist in Zusammenhang mit hohem oder schnell ansteigendem Fieber, können aber auch schon bei einer erhöhten Körpertemperatur unter der Fieberschwelle auftreten. Für Sie als Eltern ist ein solcher Anfall natürlich eine sehr erschreckende, angsteinflößende Situation, gerade, wenn ein Fieberkrampf zum ersten Mal auftritt. In der weit überwiegenden Mehrheit der Fälle ist ein Fieberkrampf aber harmlos und hinterlässt keinerlei Schäden. Dies gilt insbesondere für sogenannte unkomplizierte Fieberkrämpfe: Diese treten typischerweise zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr auf, enden nach weniger als 15 Minuten und wiederholen sich nicht innerhalb von 24 Stunden. Sollte Ihr Kind einen Fieberkrampf erlitten haben, auf den diese Beschreibung passt, suchen Sie gern Ihren Kinderarzt auf eine weitergehende Abklärung mit den Untersuchungsmöglichkeiten des Kinderkrankenhauses ist nicht erforderlich. Anders verhält es sich bei sogenannten komplizierten Fieberkrämpfen: Diese treten vor dem sechsten Lebensmonat oder nach dem fünften Geburtstag auf, dauern oft länger als 15 Minuten und können sich an einem Tag mehrfach wiederholen. Auch ein solcher komplizierter Fieberkrampf hinterlässt meist keine bleibenden Schäden allerdings kann er bei einigen wenigen Kindern (etwa vier von 100) ein erstes Anzeichen für eine Epilepsie sein. Unter Umständen kann auch eine entzündliche Erkrankung des Gehirns einen Fieberkrampf auslösen. Daher sollten Sie einen komplizierten Fieberkrampf immer ärztlich abklären lassen insbesondere, wenn der Anfall nur einzelne Körperpartien bzw. eine Körperseite betrifft. Um festzustellen, ob der Fieberkrampf bei Ihrem Kind eventuell durch eine Grunderkrankung ausgelöst wurde und den Fieberkrampf von einer beginnenden Epilepsie abzugrenzen, führen wir zunächst ein ausführliches Gespräch über Auftreten und Symptome des Krampfes. Außerdem fragen wir Sie nach dem familiären Auftreten von Fieberkrämpfen, da eine erbliche Veranlagung besteht. Zur genauen Abklärung führen wir außerdem eine körperliche Untersuchung sowie ein EEG, meist unter Einsatz eines leichten, kindgerechten Betäubungsmittels, durch. Im Anschluss besprechen wir die Untersuchungsergebnisse mit Ihnen. Außerdem erklären wir Ihnen, wie Sie sich beim erneuten Auftreten eines Fieberkrampfes verhalten sollten: Selbst häufige Fieberkrämpfe erfordern meist keine dauerhafte medikamentöse Behandlung; Sie erhalten aber ein krampflösendes Notfall-Medikament von uns, das Sie Ihrem Kind beim erneuten Auftreten eines Fieberkrampfes geben können.

tags: #epilepsie #auf #turkisch