Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die bei Hunden auftritt und durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Obwohl konventionelle Medikamente wie Antiepileptika häufig zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, suchen viele Tierhalter nach alternativen oder ergänzenden Therapieansätzen, darunter die Homöopathie. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die homöopathische Behandlung von Epilepsie bei Hunden, einschließlich wichtiger Konstitutionsmittel, Fallbeispiele und Überlegungen zur Anwendung.
Einleitung
Die Homöopathie ist eine alternative medizinische Praxis, die auf dem Prinzip "Ähnliches mit Ähnlichem heilen" basiert. Dabei werden stark verdünnte Substanzen eingesetzt, um die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. In den letzten Jahren hat die homöopathische Konstitutionstherapie in der Behandlung von Hunden und Katzen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Tierheilpraktiker, die klassisch homöopathisch arbeiten, benötigen jedoch fundierte Kenntnisse der Arzneimittelbilder, um eine erfolgreiche Behandlung durchführen zu können.
Grundlagen der Homöopathie bei Epilepsie
Bei der homöopathischen Behandlung von Epilepsie wird nicht die Krankheit selbst behandelt, sondern der Hund als Individuum. Es wird versucht, das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und die Anfallsfrequenz zu reduzieren oder die Anfälle ganz zu verhindern. Die Auswahl des geeigneten homöopathischen Mittels basiert auf einer gründlichen Anamnese und Untersuchung des Hundes, wobei sowohl körperliche als auch psychische Symptome berücksichtigt werden.
Konstitutionelle Behandlung vs. Organotrope Behandlung
In der Homöopathie gibt es zwei Hauptansätze zur Behandlung von Epilepsie:
- Konstitutionelle Behandlung: Hierbei wird das Mittel ausgewählt, das am besten zum Gesamtbild des Hundes passt, einschließlich seiner Persönlichkeit, Verhaltensweisen und körperlichen Symptome. Ziel ist es, die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes zu verbessern und seine Widerstandsfähigkeit gegen Anfälle zu stärken.
- Organotrope Behandlung: Dieser Ansatz konzentriert sich auf die spezifischen Symptome der Anfälle, wie z.B. Art der Krämpfe, Begleiterscheinungen und Auslöser. Ein Krampftagebuch, in dem die Anfälle genau dokumentiert werden, ist hierbei unerlässlich.
Wichtige Homöopathische Konstitutionsmittel bei Epilepsie
Es gibt eine Vielzahl von homöopathischen Mitteln, die bei Epilepsie eingesetzt werden können. Im Folgenden werden einige der wichtigsten Konstitutionsmittel und ihre charakteristischen Merkmale beschrieben:
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1. Arsenicum album: Der Angsthase
Dieser Typ Hund ist oft ängstlich, unruhig und geräuschempfindlich. Er kann auch unter Verdauungsstörungen und Hautproblemen leiden. Die Beschwerden verschlimmern sich typischerweise zwischen Mitternacht und 3 Uhr.
Leitsymptome:
- Angst und Unruhe
- Starker Durst, trinkt in kleinen Mengen
- Verschlimmerung der Beschwerden zwischen Mitternacht und 3 Uhr
- Leichenartiger Geruch aller Körperausscheidungen
- Haut ist kühl, trocken und schilfrig
- Mangel an Lebenswärme
- Appetitlosigkeit
Indikationen:
- Angstzustände
- Verdauungsstörungen (Durchfall, Erbrechen, Inappetenz)
- Chronische Niereninsuffizienz
- Hautbeschwerden (Ekzeme, Allergien)
- Leckekzem aufgrund von Stress und Angst
Modalitäten:
- Verschlimmerung durch Kälte und Liegen auf der kranken Seite
- Besserung durch Wärme, Bewegung und Frischluft
2. Ignatia: Das Sensibelchen
Ignatia-Hunde sind hypersensibel, widersprüchlich und launisch. Sie reagieren stark auf Stress und Veränderungen im Alltag und können unter psychosomatischen Beschwerden leiden.
Leitsymptome:
- Beschwerden als Folge von Stress oder einschneidenden Veränderungen
- Trauma und Verlust
- Beschwerden nach Bestrafung
- Beschwerden v.a. morgens stärker ausgeprägt
- Paradoxe Symptome
Indikationen:
- Psychosomatische Beschwerden (Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall)
- Unsauberkeit
- Psychogene Leckdermatitis
- Scheinschwangerschaft
Modalitäten:
- Verschlimmerung bei Aufregung, Schreck, Angst, körperlicher Anstrengung, durch Kälte und Berührung
- Besserung durch langsame Bewegung, äußere Wärme und leichten Druck
3. Lycopodium: Der Griesgram
Dieser Typ Hund ist intelligent, aber scheu und reizbar. Er kann aggressiv auf Widerspruch reagieren und neigt zu Leber- und Nierenschwäche.
Leitsymptome:
- Mäkeliger Appetit
- Leber-/Nierenschwäche
- Rechtsseitiges Mittel, Beschwerden wandern von rechts nach links
- Geringer Durst
- Chronische Verdauungsstörungen mit Blähungen
- Harnsaure Diathese
- Trockenes und stumpfes Fell, Haarbruch und Hautausschläge
Indikationen:
- Leberstörungen
- Verdauungsstörungen
- Hautprobleme
- Rechtsseitig beginnende Tonsillitis
Modalitäten:
- Verschlimmerung zwischen 16 und 20 Uhr, nach dem Schlaf oder durch zu viel Futter
- Besserung durch Bewegung, nach Mitternacht sowie im Freien
4. Natrium chloratum: Das "chronische Ignatia"
Natrium chloratum-Hunde leiden unter tiefem Kummer aufgrund eines lang zurückliegenden Traumas. Sie ziehen sich zurück, wollen allein sein und können ängstlich-aggressiv werden.
Leitsymptome:
- Folge von Verlust, Kummer, Stress, Heimweh
- Trauma in der fernen Vergangenheit
- Aggression gegen Artgenossen
- Abmagerung v.a. im Halsbereich
- Starker Durst, Verlangen nach Salz
- Mangel an Selbstvertrauen, Niedergeschlagenheit
Indikationen:
- Verhaltensprobleme im Zusammenhang mit Traumata
- Trockene Haut und Haarausfall
- Juckreiz ohne erkennbare Grunderkrankung
- Ekzeme nach einseitiger Fütterung
- Unsauberkeit
- Beschwerden mit wässrigen Absonderungen
- Harnträufeln und Harninkontinenz nach Kastration
- Hinterhandschwäche
Modalitäten:
- Verschlimmerung durch Stress und Kummer, Trost und Gesellschaft, Wärme und Sonne
- Besserung durch Alleinsein und Bewegung im Freien
5. Nux vomica: Der Choleriker
Dieser Typ Hund ist oft männlich, unsicher und überempfindlich auf Sinnesreize. Er kann aggressiv reagieren und leidet unter Verdauungsstörungen.
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Leitsymptome:
- Hyperästhesie der Sinne (Geräusche, Licht, Berührung)
- Angst vor dem Alleinsein
- Eifersucht
- An- und Verspannung, Krampf
- Reizbarkeit und Streitsucht
- Folge von Reiz- und Arzneimittelunverträglichkeiten
- Beschwerden frühmorgens schlimmer, abends besser
Indikationen:
- Nervöse Magen-Darm-Störungen durch Stress
- Futterwechsel und Arzneimittelbelastung
- Reisekrankheit
- Bandscheibenvorfall
- Epilepsie
- Neuralgien
Modalitäten:
- Verschlimmerung durch Kälte, Überanstrengung, psychische Belastungen und äußere Reize
- Besserung durch Ruhe und Wärme
6. Phosphor: Der Neurotiker
Phosphor-Hunde sind freundlich, verspielt und lebhaft, können aber durch Stress und traumatische Erfahrungen ängstlich und neurotisch werden. Sie haben eine Neigung zu Phobien und können unter nervösen Verdauungsbeschwerden leiden.
Leitsymptome:
- Überempfindlichkeit der Sinnesorgane
- Hektik, Hyperaktivität, Schreckhaftigkeit
- Angst und Unruhe, Neigung zu Neurosen und Phobien
- Brennen
- Blutungsneigung mit hellrotem Blut
- Jungtier, das rasch wächst
- Produziert mehr Kot als gefressen wird
Indikationen:
- Ängste, Panikattacken und Phobien
- Stressbedingte Verhaltensstörungen
- Nervöse Verdauungsbeschwerden
- Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Blut in Erbrochenem, Stuhl und Urin
- Herzschwäche
- Erkältungen, Bronchitiden und Lungenentzündungen
- Beschwerden aufgrund des schnellen Wachstums beim Jungtier
7. Pulsatilla: Der Wetterhahn
Pulsatilla ist ein Mittel für das weibliche Tier, das treuherzig, geduldig und anschmiegsam ist. Die Symptome sind wechselhaft und widersprüchlich.
Leitsymptome:
- Alles wechselt hin und her
- Stimmungsschwankungen
- Unwillkürlicher Harnabgang aus Angst oder Freude
- Kein Durst
- Entzündungen mit reichlichen, dicken, gelb-grünen Ausscheidungen
- Beschwerden abends besser
Indikationen:
- Mangelndes Selbstbewusstsein, Depressionen, Ängste und Launenhaftigkeit
- Augenentzündungen
- Ohrenentzündungen
- Schnupfen
- Beschwerden des Urogenitalsystems (Blasenentzündungen, Inkontinenz, Scheidenentzündungen, Gebärmutterentzündungen)
- Hormonell bedingte Hautbeschwerden
- Scheinschwangerschaft
- Akute Gastroenteritiden
Modalitäten:
- Verschlimmerung durch Wärme, Wetterwechsel, vor und nach der Läufigkeit
- Besserung durch frische Luft und Kühle
8. Sulfur: Der Ungezähmte
Der Sulfur-Typ ist selbstbewusst und hat eine Vorliebe für Einsamkeit. Er hält sich bevorzugt im Freien auf und wirkt unsauber und ungepflegt.
Leitsymptome:
- Zentrifugale Wirkung: von innen nach außen
- Chronisches Mittel
- Durchfälle am Morgen
- Ausscheidungen haben üblen Geruch
- Hitze und Brennen mit Juckreiz
- Unangenehmer Haut- und Körpergeruch
- Abneigung gegen Wasser
- Haut trocken und schuppig
Fallbeispiele
Die folgenden Fallbeispiele verdeutlichen die Anwendung der Homöopathie bei Epilepsie:
Fallbeispiel 1: Foxterrier Hündin Sina
Die acht Jahre alte Foxterrier Hündin Sina hatte einmal im Monat einen Krampfanfall. Die Anfälle traten eher nachmittags oder am frühen Abend auf und wurden durch Hitze verstärkt. Sina war seit eineinhalb Jahren schreckhafter und zeigte Angst vor Geräuschen. Nach einer ausführlichen Anamnese wurde das homöopathische Arzneimittel in einer Q-Potenz täglich verabreicht. Nach dem Beginn der Arzneimittelgabe trat kein Krampfanfall mehr auf. Ein halbes Jahr später war Sina läufig.
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Fallbeispiel 2: Schäferhund Dasko
Der fünfjährige Schäferhund Dasko litt unter immer schlimmer werdenden epileptischen Anfällen. Trotz tierärztlicher Fütterungsempfehlungen und Tabletten zur Regulierung der Anfälle wurde es nicht besser. Nach einer Haaranalyse im Tierheilkundezentrum Nehls und anschließender homöopathischer Behandlung war Dasko sechs Monate anfallsfrei.
Fallbeispiel 3: Westhighlandterrier Willi
Der 14-jährige Westhighlandterrier Willi hatte drei Mal nachts einen Anfall. Er saß vollkommen desorientiert und panisch an der Bettkante, rannte die ganze Nacht im Schlafzimmer hin und her und reagierte nicht auf Ansprache. Nach Anwenden der vorgeschlagenen homöopathischen Behandlung hörten sämtliche Anfälle auf.
Zusätzliche Homöopathische Mittel
Neben den oben genannten Konstitutionsmitteln gibt es noch weitere homöopathische Mittel, die bei Epilepsie eingesetzt werden können, wie z.B. Epileptyl. Epileptyl ist ein homöopathisches Medikament, das als Grundbehandlung bei epileptiformen Anfällen bei Hunden und Katzen eingesetzt wird. Es enthält eine Kombination verschiedener homöopathischer Inhaltsstoffe, die auf unterschiedliche Aspekte der Epilepsie abzielen.
Die Rolle des Tierhalters
Die Mitarbeit des Tierhalters ist entscheidend für den Erfolg der homöopathischen Behandlung. Der Tierhalter muss sein Tier genau beobachten und alle Veränderungen an Körper und Gemüt des Tieres dem Tierarzt mitteilen. Ein Krampftagebuch, in dem Zeitpunkt, Dauer und Charakteristik der Anfälle sowie das Verhalten vor und nach dem Anfall dokumentiert werden, ist ebenfalls sehr hilfreich.
Abgrenzung der Epilepsie von anderen Ursachen für Krampfanfälle
Es ist wichtig, die Epilepsie von anderen Ursachen für Krampfanfälle abzugrenzen. Krampfanfälle können auch durch verschiedene andere Faktoren ausgelöst werden, wie z.B.:
- Bakterien und Viren
- Entzündungen des Gehirns
- Sauerstoffunterversorgung
- Traumata
- Vergiftungen
- Unterzuckerung
- Organveränderungen
Eine gründliche tierärztliche Untersuchung ist daher unerlässlich, um die Ursache der Krampfanfälle zu ermitteln und die geeignete Therapie einzuleiten.
Schulmedizinische Therapie vs. Homöopathie
Die schulmedizinische Therapie von Epilepsie basiert in der Regel auf der Gabe von Antiepileptika, die die Anfallsfrequenz reduzieren oder die Anfälle ganz verhindern sollen. Diese Medikamente können jedoch Nebenwirkungen haben und die Lebensqualität des Tieres beeinträchtigen.
Die Homöopathie bietet eine alternative oder ergänzende Therapieoption, die darauf abzielt, die Ursache der Störung zu behandeln und die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Die homöopathische Therapie kann auch parallel zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt werden, um Nebenwirkungen abzumildern und die Lebensqualität des Tieres zu verbessern.
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