Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Tieren, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Ein epileptischer Anfall ist die Folge einer plötzlichen Störung der Gehirnfunktion. Diese Anfälle können verschiedene Ursachen haben, darunter genetische Veranlagung, Hirnschäden oder Stoffwechselstörungen. In einigen Fällen kann auch Sauerstoffmangel während der Geburt oder durch andere Ereignisse zu Hirnschäden führen, die später Epilepsie auslösen können. Es ist wichtig, die verschiedenen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Epilepsie zu verstehen, um betroffenen Tieren bestmöglich zu helfen.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Ein Anfall ist eine plötzliche Störung der Gehirnfunktion, die zu unkontrollierten Muskelkrämpfen, Bewusstseinsverlust oder anderen neurologischen Symptomen führen kann.
Jedes Tier wird von seinem Gehirn gesteuert. Ohne diese Steuerung können Gliedmaßen sich nicht bewegen und die Sinne, wie Hören, Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken, würden nicht funktionieren. Auch die Atmung würde aussetzen. Das Gehirn besteht aus Milliarden Nervenzellen, die einander über elektrische Ströme (Impulse) und chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) permanent Nachrichten übermitteln. Wenn dieses System auf irgendeine Weise gestört wird, kann eine Art "Kurzschluss" entstehen. Ein Anfall ist also ein plötzlicher Kurzschluss bzw. eine Störung im Gehirn, weshalb das normale Funktionieren kurzfristig unterbrochen wird. Man spricht bei einem Tier erst dann von Epilepsie, wenn die Anfälle immer wieder auftreten.
Arten von Anfällen
Es gibt viele verschiedene Arten von Anfällen, die in zwei Hauptkategorien unterteilt werden können: generalisierte Anfälle und partielle Anfälle.
- Generalisierte Anfälle: Hier sind große Teile sowohl der linken als auch der rechten Gehirnhälfte oder das ganze Gehirn betroffen. Die bekannteste Form ist der Grand-Mal-Anfall, der gekennzeichnet ist durch Bewusstseinsverlust, Umfallen, heftige Muskelkrämpfe, Schaum vor dem Mund und möglicherweise Harnverlust. Während des Anfalls ist das Tier nicht ansprechbar.
- Partielle Anfälle: Hier ist ein bestimmtes Hirnareal betroffen. Äußere Kennzeichen dieser sog. Partiellen Epilepsie können sein: Klappern mit dem Unterkiefer, Zucken mit einer oder mehreren Pfoten, Schlagen mit dem Schwanz.
Symptome eines epileptischen Anfalls
Die Symptome eines epileptischen Anfalls können je nach Art des Anfalls und dem betroffenen Hirnareal variieren. Einige häufige Symptome sind:
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- Bewusstseinsverlust
- Umfallen
- Heftige Muskelkrämpfe
- Schaum vor dem Mund
- Unkontrollierter Harn- und/oder Kotabsatz
- Zähneklappern
- Speichelfluss
- Verhaltensänderungen
- Zielloses Umherlaufen
- Verringerung oder Verlust des Bewusstseins
- Desorientierung oder kurzfristige Erblindung nach dem Anfall
Ein Tier hat während des Anfalls keine Schmerzen. Nach dem Anfall kann das Tier für eine Periode von einigen Minuten bis mehreren Stunden ein anderes, häufig unsicheres und ängstliches Verhalten zeigen.
Diagnose von Epilepsie
Für die Diagnose ist es wichtig zu wissen, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Epilepsie handelt. Alter; Häufigkeit der Anfälle; wie lange sie dauern, wie ernst sie sind; ob es andere Beschwerden gibt. Informationen über Wurfgeschwister; zu welcher Tageszeit treten die Anfälle auf; gibt es einen Zusammenhang mit Anstrengung oder Mahlzeiten. Ist das Tier bei Bewusstsein? (dies können Sie testen indem Sie vorsichtig in den Fußballen kneifen). Eine Untersuchung wird darauf ausgerichtet sein, mögliche Ursachen auszuschließen.
Primäre vs. Sekundäre Epilepsie
Es ist wichtig, zwischen primärer und sekundärer Epilepsie zu unterscheiden, da dies die Behandlung beeinflusst.
- Primäre Epilepsie: Primäre Epilepsie ist angeboren und wird wahrscheinlich vererbt. Bei primärer Epilepsie manifestiert sich der erste Anfall überwiegend schon zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr. Die Anfälle wiederholen sich meistens mit Zwischenzeiträumen von einigen Wochen bis einigen Monaten. Bei primärer Epilepsie hat das Tier, außer den Anfällen, keine anderen Beschwerden.
- Sekundäre Epilepsie: Bei bestimmten Krankheiten können Anfälle auftreten, die epileptischen Anfällen ähnlich sehen (z.B. auch durch Sauerstoffmangel bei einer schwierigen Geburt können kleine Verletzungen des Gehirns auftreten. bei älteren Tieren können durch einen Hirninfarkt (Verstopfung eines Blutgefäßes im Gehirn) oder eine Hirnblutung Probleme entstehen, die u.a.
Was tun während eines Anfalls?
Während eines Anfalls braucht und sollte man nichts machen. Sorgen Sie nur dafür, dass das Tier sich nicht verletzen kann und dass Sie, als Besitzer, nicht verletzt werden. Sehen Sie zu, dass Ihre Hände sich nicht in der Nähe der Schnauze befinden und versuchen Sie auch nicht, irgendwelche Medikamente zu verabreichen; durch die krampfartige Bewegungen könnte Ihr Tier Sie ungewollt beißen. Obwohl es beängstigend aussieht, wird ein Tier während eines epileptischen Anfalls nicht akut sterben. Wenn der Anfall länger als 5-10 Minuten dauert, sollten Sie den Tierarzt anrufen, damit er mit Hilfe einer Injektion den Anfall unterbrechen kann.
Sehen Sie auf die Uhr und versuchen Sie zu notieren, wie lange der Anfall dauert. Bleiben Sie ruhig, damit Sie besser helfen können. Bleiben Sie bei Ihrem Tier und versuchen Sie etwas Weiches (kleines Kissen, Jacke, Handtuch) unter den Kopf zu legen. Sorgen Sie dafür, dass das Tier an einem sicheren Platz liegt, also nicht in der Nähe von Wasser, Feuer, der Fahrbahn usw. Sorgen Sie dafür, dass die Atmung so wenig wie möglich behindert wird; entfernen Sie Leine und Halsband. Versuchen Sie niemals etwas Hartes zwischen die Zähne zu schieben um einen Zungenbiss zu verhindern; einen Biss auf die Zunge kann man meistens nicht verhindern. Außerdem besteht die Gefahr, dass Sie die Zähne beschädigen (oder Ihre eigene Finger!). Versuchen Sie nicht den Anfall aufzuhalten, indem Sie die heftigen Bewegungen der Pfoten unterbinden; die Bewegungen sind zu stark; Sie können Knochenbrüche oder Muskelrisse verursachen. Geben Sie kein Futter oder Trinken bevor das Tier wieder ganz wach ist.
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Behandlung von Epilepsie
Epilepsie kann man nicht heilen, aber mit Medikamenten können die Anfälle in den meisten Fällen erheblich reduziert werden. Wenn die Zeit zwischen zwei Anfällen vier Wochen oder länger beträgt und die Anfälle mild sind, ist keine Behandlung notwendig.
Die Schulmedizin hat in vielen Fällen eine gute Wirkung. In niedriger Dosierung sind die Nebenwirkungen gering.
Medikamentöse Behandlung
Die Standardtherapie sieht den Langzeiteinsatz von antiepileptischen Medikamenten (Antiepileptika) vor. Hiermit sollen Anfälle vermieden bzw. unterdrückt werden. Die Dosierung wird dabei experimentell ermittelt und kann individuell sehr unterschiedlich sein. Die in der Tiermedizin eingesetzten Hauptwirkstoffe Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, und Kaliumbromid werden jedoch in der Humanmedizin aufgrund der schlechten Verträglichkeit und Nebenwirkungen kaum noch eingesetzt.
Alternative und unterstützende Behandlungen
Neben der schulmedizinischen Behandlung gibt es auch alternative und unterstützende Behandlungen, die in Betracht gezogen werden können.
- Chinesische Materia Medica: Anti-convulsive effects of Chinese Materia Medica. China Bulletin of Pharmacology. Chinese Materia Medica effect on the central nervous system. China Bulletin of Pharmacology.
- Homöopathie: Einige Tierhalter berichten von positiven Erfahrungen mit homöopathischen Mitteln zur Beruhigung und Unterstützung der Behandlung.
- Schüssler-Salze: Einige Therapeuten empfehlen Schüssler-Salze zur Unterstützung der Nervenfunktionen und zur Regulation des Stoffwechsels.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit der Atemwege unterstützen.
- Stressreduktion: Stress kann eine Rolle bei Atemproblemen spielen. Es ist wichtig, eine ruhige und stressfreie Umgebung für das Tier zu schaffen.
Sauerstoffmangel als Ursache von Epilepsie
Sauerstoffmangel, auch Hypoxie genannt, kann eine schwerwiegende Ursache für Hirnschäden sein, die zu Epilepsie führen können. Sauerstoffmangel kann während der Geburt, durch Unfälle oder andere medizinische Probleme auftreten.
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Sauerstoffmangel bei der Geburt
Bei einer schwierigen Geburt kann es zu Sauerstoffmangel beim Welpen oder Kätzchen kommen. Dies kann zu kleinen Verletzungen des Gehirns führen, die später Epilepsie auslösen können.
Andere Ursachen für Sauerstoffmangel
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen können die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigen, was zu Atemproblemen führt.
- Atemwegserkrankungen: Erkrankungen der Atemwege können die Sauerstoffaufnahme beeinträchtigen und zu Sauerstoffmangel führen.
- Vergiftungen: Einige Vergiftungen können die Atmung beeinträchtigen und zu Sauerstoffmangel führen.
Kurzzeitiges Aussetzen der Atmung (Apnoe) bei Katzen
Ein kurzzeitiges Aussetzen der Atmung bei Katzen, auch als Apnoe bezeichnet, ist ein vorübergehender Stillstand der Atmung, bei dem die Katze für einige Sekunden oder Minuten keine Atembewegungen zeigt.
Ursachen von Apnoe
Das Atmungssystem der Katze ist ein komplexes Zusammenspiel von Lunge, Atemwegen, Muskeln und neurologischen Steuerungsmechanismen. Ein Aussetzen der Atmung kann durch Störungen in einem oder mehreren dieser Systeme verursacht werden.
- Neurologische Kontrolle der Atmung: Das Gehirn steuert den Atemrhythmus durch Signale an die Atemmuskulatur.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bei Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen kann die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigt sein, was zu Atemproblemen führt.
- Schlaf-Apnoe-Syndrom: Bei dem die Atemwege während des Schlafs kollabieren, was zu wiederholten Atemaussetzern führt.
Was tun bei Apnoe?
Es ist wichtig, sofortige tierärztliche Hilfe zu suchen, wenn die Katze Anzeichen von Atemnot zeigt, wie starkes Hecheln, Einziehen des Bauches beim Atmen oder ein deutlicher Atemgeräusch.
Als Tierhalter können Sie einige Maßnahmen ergreifen, um Ihre Katze zu unterstützen und größere Schäden zu vermeiden.
- Stellen Sie sicher, dass Ihre Katze in einer ruhigen und stressfreien Umgebung ist.
- Beobachten Sie die Atmung Ihrer Katze genau.
- Geben Sie Ihrer Katze keine Medikamente ohne Rücksprache mit einem Tierarzt.
- Stellen Sie sicher, dass Ihre Katze jederzeit Zugang zu frischem Wasser hat und dass ihre Umgebung gut belüftet ist.
- Wenn Ihre Katze an Übergewicht leidet, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über einen geeigneten Diät- und Bewegungsplan.
Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen sind wichtig, um potenzielle Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Fallbeispiel: Katze Jellybean
Ein Fallbeispiel verdeutlicht die Komplexität der Diagnose und Behandlung von Epilepsie und den möglichen Einfluss von Sauerstoffmangel bei der Geburt.
Die Geschichte von Jellybean, einer 1,5-jährigen Katze, zeigt, wie Sauerstoffmangel bei der Geburt und mögliche Epilepsie zu Verhaltensänderungen und Aggression führen können. Jellybean hatte bei ihrer Geburt einen kurzen Sauerstoffmangel erlitten und entwickelte sich langsamer als ihre Geschwister. Später zeigten sich Anzeichen von Epilepsie, und sie wurde mit Luminaletten behandelt. Nach der Aufnahme einer neuen Katze zeigte Jellybean plötzlich Aggressionen, die möglicherweise auf einen Hirntumor oder umgeleitete Aggression zurückzuführen waren.
Die Herausforderungen der Diagnose
Die Diagnose von Epilepsie und die Abgrenzung zu anderen Ursachen für Anfälle können eine Herausforderung sein. Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen auszuschließen, bevor eine Diagnose gestellt wird.
- Blutuntersuchungen: Ein Blutbild kann helfen, Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen zu erkennen, die Anfälle verursachen können.
- Urinuntersuchungen: Eine Urinuntersuchung kann helfen, Nierenerkrankungen oder andere Erkrankungen zu erkennen, die Anfälle verursachen können.
- Bildgebende Verfahren: Computer-/Kernspin-/Magnetresonanztomographie können helfen, Hirntumore oder andere strukturelle Veränderungen im Gehirn zu erkennen.
- Liquorpunktion: Eine Untersuchung des Gehirnwassers kann helfen, Entzündungen oder andere Erkrankungen des Gehirns zu erkennen.
Die Bedeutung der Zusammenarbeit mit dem Tierarzt
Die Behandlung von Epilepsie erfordert eine enge Zusammenarbeit mit dem Tierarzt. Der Tierarzt kann die richtige Diagnose stellen, die geeigneten Medikamente verschreiben und die Behandlung überwachen.
Es ist wichtig, dem Tierarzt alle relevanten Informationen über die Anfälle des Tieres mitzuteilen, einschließlich der Häufigkeit, Dauer und Art der Anfälle. Auch Videoaufzeichnungen von Anfällen können dem Tierarzt bei der Diagnose helfen.
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