Migräne bei Kindern: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke und wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und von einer Vielzahl weiterer Symptome begleitet sein kann. Entgegen vieler Meinungen, nur Erwachsene wären von Kopfschmerzen betroffen, leiden vier bis fünf Prozent aller Kinder an Migräne.

Definitionen

Nach den Vorschlägen der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) lassen sich im Wesentlichen unterscheiden:

  • Episodische Kopfschmerzen vom Spannungstyp mit < 15 Kopfschmerzereignissen pro Monat
  • Chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp mit größer ≥ 15 Kopfschmerzereignissen pro Monat
  • Migräne ohne Aura, also ohne neurologische Symptomatik, aber mit Übelkeit und/oder Erbrechen bzw.
  • Migräne mit Aura

Ursachen

Wie eine Migräne genau entsteht, ist noch nicht vollständig erforscht. Indes sind sich die Wissenschaftler einig, dass eine Migräneneigung vererbt werden kann: Leiden also Mutter oder Vater unter der Kopfschmerzkrankheit, besteht auch für Kinder ein erhöhtes Risiko für Migräne. Der genetische Aspekt könne auch der Grund dafür sein, dass es familiäre Häufungen gibt. Aktuell seien an die 40 Gene bekannt, die Einfluss auf die Stellschrauben für eine Migräne hätten, erklärt Michaela Bonfert.

Die Migräne bei Kindern wird häufig durch eine Vielzahl von Triggern ausgelöst, die individuell variieren können. Ein zentraler Auslöser ist die Unregelmäßigkeit im Alltag, die zu einer Überforderung der Nervenzellen führt. Faktoren wie Stress, ein ungeordneter Lebensstil, übermäßige Anforderungen, plötzlich auftretende Reize oder eine übermäßige Reizvielfalt können Migräne begünstigen. Das kindliche Gehirn reagiert auf viel mehr Reize und Ereignisse mit einem Migräne-Anfall als das Gehirn von Erwachsenen.

Häufige Trigger für Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind:

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  • Stress: Schon die Kleinsten sind dem engen Takt des Lebens unterworfen: Leistungsdruck in der Schule, lange Betreuungszeiten in der KITA, Kurse und Programme am Nachmittag - Kinder mit Neigung zu Migräne verkraften solche Tage oftmals schlecht. Auch Fernsehen und Computerspiele gönnen dem Kopf keine Pause, sondern reizen die Nerven übermäßig. Psychische Belastungen, Trennung der Eltern, Probleme in der Schule oder einen Umzug und damit verbundene Veränderungen können Migräne begünstigen.
  • Unregelmäßiger Tagesablauf: Bei abweichenden Essenszeiten und zu wenig Schlaf reagieren viele Kinder mit Kopfschmerzen. Grund sind ein schwankender Blutzuckerspiegel und Übermüdung. Ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus sollte eingehalten werden. Die Einnahme von Mahlzeiten zu festen Zeiten ist ebenfalls wichtig. Insbesondere sollte auf ein ausreichendes kohlenhydratreiches Frühstück in Ruhe geachtet werden.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel, z.B. Koffein, fermentierte Kuhmilchprodukte (zum Beispiel Käse, Butter oder Sahne), Schokolade oder Glutamat können als Auslöser infrage kommen. Auch eine Unverträglichkeit bestimmter Stoffe ist ein möglicher Grund, etwa die Eiweißstoffe Tyramin und Histamin. Wissenschaftliche Belege dazu fehlen jedoch noch. Folgende Lebensmittel werden als mögliche Auslöser von Migräne bei Kindern diskutiert: Kuhmilch, Eier, Käse, Schokolade, kakaohaltige Produkte, Koffein, glutenhaltige Getreidesorten (z. B. Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste), Tomaten, Zitrusfrüchte (z. B. Zitronen, Orangen), Fettige Speisen wie Wurst, Schinken, Salami, Schweinefleisch.
  • Wetter: Wie auch bei Erwachsenen besteht bei einigen Kindern eine Wetterfühligkeit. Besonders auf Umschwünge und schwül-heißes Klima können die Kleinen reagieren. Vor allem Kinder reagieren auf bestimmte Wetterlagen sensibel. Oft lösen ein plötzlicher Temperaturwechsel (meist ein Temperaturanstieg) und eine hohe Luftfeuchtigkeit Migräne bei Kindern aus. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang zwischen dem Wetter und Migräne bislang nicht wissenschaftlich belegt.
  • Physikalische und chemische Reize: Laute Geräusche, etwa von einer Baustelle, oder helles Licht können ebenso Trigger für Migräne sein wie starke Gerüche von Zigaretten, Klebstoffen oder Benzin. Kinder reagieren häufig sehr sensibel auf chemische Reizstoffe. Typische kopfschmerzauslösende Substanzen sind beispielsweise: Abgase von Autos, Farb- und Klebstoffe (z. B. beim Basteln), Parfums und Deodorants, Wohngifte (z. B. Holzschutzmittel oder Lösungsstoffe in Möbeln oder Fußböden), Zigarettenrauch.

Symptome

Migräne äußert sich bei Kindern oft anders als bei Erwachsenen. Bei Erwachsenen sind die Kopfschmerzen meist einseitig, pulsierend oder pochend, während sie bei Kindern oft beidseitig oder mittig an der Stirn auftreten und eher als drückend beschrieben werden. Zudem kann die Dauer der Attacken bei Kindern kürzer sein. Kinder sprechen oft vom „bösen Kopf“.

Bestimmte Migräne-Symptome einer Migräne bei Kindern sind ähnlich zu denen Erwachsener. Dennoch ergeben sich einige Besonderheiten. So wirken Kinder während einer Migräneattacke oft abwesend, sie erscheinen blass oder weisen Hautrötungen auf. Vermehrter Harndrang, Durst, eine erhöhte Temperatur oder Müdigkeit kommen ebenfalls vor. Nicht selten schlafen die betroffenen Kinder ein und erwachen nach einigen Stunden wieder beschwerdefrei.

Weitere typische Symptome einer Migräne bei Kindern sind:

  • Der Schmerz betrifft meistens beide Kopfseiten und die Stirn.
  • Eine Kindermigräne dauert häufig ein bis zwei Stunden.
  • Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sind Begleiterscheinungen, die auch ohne Kopfschmerzen auftreten können. Hier ist bei der Diagnose Vorsicht geboten: Oft werden die Beschwerden mit einem entzündeten Blinddarm verwechselt.
  • Schwindelattacken sind möglich.
  • Lärm- oder Lichtempfindlichkeit, die bei Erwachsenen typisch sind, können bei Kindern fehlen.
  • Rund 70% der Kinder empfinden während der Migräneattacke sogenannte autonome Symptome. Solche Symptome werden im Erwachsenenalter mehr bei Clusterkopfschmerzen beschrieben. Im Kindesalter können sie auch bei Migräne beobachtet werden. Diese Symptome schließen Gesichtsschwitzen oder Gesichtsröte ein. Das Auge kann gerötet sein oder tränen. Die Nase kann laufen oder verstopft sein. Die Augenlider können angeschwollen sein und auch ein Augenlid kann eine Schwäche aufweisen.

Außerdem ist bei Kindern mit Migräne eine Aura in Form von neurologischen Ausfällen bekannt. Diese Erscheinung wird als Alice-im-Wunderland-Syndrom bezeichnet: Gegenstände oder Teile des eigenen Körpers können größer oder kleiner erscheinen, die Kinder wirken verwirrt. Ein verändertes Geräusch- und Tastempfinden sowie Halluzinationen sind möglich. Auch Sehstörungen, Lichtblitze oder flimmernde Muster treten auf. Mediziner sprechen dabei auch vom „Alice-im-Wunderland-Syndrom“.

Migränevarianten im Kindesalter

Es gibt im Kindesalter sogenannte Migränevarianten. Dabei handelt es sich um periodisch auftretende Symptome in der Kindheit. Dazu gehören die episodische Reiseübelkeit, periodische Schlafstörungen wie Schlafwandeln, Sprechen im Schlaf, Aufschrecken im Schlaf und Zähneknirschen. Prägnant sind auch das periodisch auftretende Erbrechen oder periodische Bauchschmerzen.

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Phasen einer Migräneattacke

Die Kopfschmerzen während einer Migräneattacke laufen in 4 Phasen ab.

  • Vorphase: In der Phase vor der Kopfschmerzattacke zeigen sowohl Kinder als auch Erwachsene Stimmungsveränderungen wie z.B. Reizbarkeit. Kinder zeigen zudem im höheren Ausmaß Blässe oder entwickeln dunkle Augenränder. Die Kinder berichten dabei auch häufiger Bauchschmerzen, Durchfall oder Verdauungsschwierigkeiten. Auch muskuläre Steifheit, Müdigkeit und Gähnen können auftreten. Meist wird der Anfall durch eine Vorphase angekündigt, die durch eine depressive Verstimmung, aber auch durch Überaktivität und Euphorie gekennzeichnet ist. Dazu kommen Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, Durst, Einlagerung von Wasser im Gewebe (Ödeme), Durchfall oder Verstopfung. Es wird vermutet, dass mit den Symptomen in dieser Vorphase eine starke körperliche Belastung verbunden ist, auf die der Körper mit dem eigentlichen Migräneanfall reagiert, um eine Erholung zu erzwingen.
  • Auraphase: In der sogenannte Auraphase, können häufig Sehstörungen und andere neurologische Symptome auftreten. Kindern fällt es schwer, diese Veränderungen zu beschreiben. Daher können sie z.B. Zickzacklinien im Gesichtsfeld, Kribbelmissempfindungen, Schwindel oder Sprachstörungen nur sehr schwer kommunizieren. In 10 bis 15 % der Fälle tritt eine halbe Stunde vor dem Anfall eine ”Aura” als zweite Phase auf (Sehstörung mit Flimmern und farbigen Schlieren vor den Augen, Sprach- und Sprechstörungen). Es wird angenommen, dass es in diesen beiden ersten Phasen zu einer immer schlechteren Durchblutung einzelner Hirnabschnitte kommt, die mit einer Gefäßverengung einhergeht.
  • Kopfschmerzphase: Während der Kopfschmerzphase sind die Kinder auch nur sehr schwer in der Lage, die Schmerzcharakteristika zu beschreiben. Auch hierzu fehlen ihnen noch die Vokabeln, um z.B. einen pulsierenden Schmerz in der Kommunikation mitzuteilen. Auch die Schwere der Schmerzen können sie nur schlecht in Worte fassen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, durch Beobachtung des Verhaltens und auch durch Wahrnehmung von Veränderungen des Effektes bei Kindern die Schmerzen zu erfassen. Kinder können z.B. den Beginn von Schmerzen nur schwer kommunizieren. Sie hören jedoch auf zu spielen oder zu essen, sie können weinen, gereizt sein oder auch Wutanfälle haben. Diese Veränderungen können nicht die Diagnose einer Migräne begründen. Sie sind jedoch Hinweise auf den Beginn und Ablauf einer Migräne. Erst dann tritt die eigentliche Kopfschmerzphase auf, in der die Gefäße sich wieder erweitern und die Durchblutung steigt. Die Arterien pumpen das Blut stärker durch die Gefäße, wodurch die heftigen, hämmernden Schmerzen zu erklären sind.
  • Schlafphase/Nachphase: Nach Abklingen der Kopfschmerzen schließt sich die sogenannte Nachphase der Migräne an. Im Erwachsenenalter finden sich hier häufig Müdigkeit, Schwäche, Stimmungsänderungen, Schmerzen im Nacken, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schwindel. An die Kopfschmerzphase schließt sich oft noch eine Schlafphase an. Nicht alle vier Phasen treten bei jedem Patienten und bei jedem Anfall auf.

Bauchmigräne

Als Bauchmigräne, auch abdominelle Migräne genannt, bezeichnen Ärzte Bauchschmerzen, die in regelmäßigen Abständen und anfallsartig auftreten. Eine solche Migräne-Attacke kann sich von einer Stunde bis zu drei Tagen erstrecken. Zwischen den Attacken herrscht eine völlige Beschwerdefreiheit. Etwa ein bis vier Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von einer Bauchmigräne betroffen - wobei sie meist im Grundschulalter sind. Häufig klingt die Bauchmigräne mit der Pubertät ab und geht in eine Kopfmigräne über.

Eine abdominelle Migräne geht typischerweise mit plötzlich auftretenden Bauchschmerzen einher. Doch auch weitere Symptome begleiten eine Bauchmigräne, zum Beispiel: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe (manchmal auch Gesichtsröte), dunkle Augenringe, Lichtscheue. Kinder lokalisieren die Magenschmerzen meist im Bereich des Bauchnabels sowie entlang der Mittellinie des Bauches.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Kopfschmerzen im Leben neu auftreten und noch keine Klarheit zur Entstehung und Art der Kopfschmerzen besteht, sollte eine ärztliche Diagnostik und ein ärztlicher Behandlungsplan erarbeitet werden. Daher sollten Kinder eingehend ärztlich untersucht werden.

Treten plötzliche Kopfschmerzen bei Ihrem Kind häufiger auf, dauern sie länger an oder verstärken sie sich, gehen Sie möglichst rasch zum Arzt.

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Diagnose

Ärzten fällt es oft schwer, eine Migräne bei Kindern zu erkennen. Hauptsächlich liegt das an den Symptomen, die sich - abhängig vom Alter - deutlich unterscheiden können. So beschreiben Jugendliche während oder nach der Pubertät beispielsweise eine Kopfschmerzverstärkung bei Anstrengung, bei Kindern bleibt dieses Phänomen meistens aus. Auch der Geschlechtsunterschied macht sich vor der Pubertät nicht bemerkbar: Die Kindermigräne tritt bei Jungen und Mädchen gleichermaßen häufig auf. Erst während der Pubertät leiden Mädchen aufgrund der Hormonumstellung vermehrt an Migräne.

Da sich kleine Kinder meist noch nicht entsprechend ausdrücken können, gestaltet sich die Diagnostik bei einer kindlichen Migräne oft schwierig. In vielen Fällen wird eine Migräne erst relativ spät festgestellt. Wenn Sie Migräne bei Ihrem Kind vermuten, lassen Sie Ihr Kind möglichst rasch ärztlich untersuchen. Der Kinder- oder Hausarzt ist Ihr erster Ansprechpartner. Bei Bedarf oder für weitere Untersuchungen überweist er Ihr Kind gegebenenfalls weiter an einen Neurologen oder Kinderneurologen.

Zur Migräne-Diagnose benötigt der Arzt viele Informationen: Wie lange, wie oft und wann tauchen die Beschwerden auf? Gibt es neben den Kopfschmerzen weitere Symptome? Eine Untersuchung der geistigen und motorischen Entwicklung steht ebenso auf dem Plan wie der Ausschluss von körperlichen Erkrankungen. Dabei hilft beispielsweise eine Hirnstrommessung (EEG) oder eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT). Nasennebenhöhlenentzündung auszuschließen. Hirnstromkurve abgeleitet (EEG). (MRT) bzw. werden.

Kopfschmerzkalender/Migräne-Tagebuch

Ein Kopfschmerz-Tagebuch, in dem das Kind jede Episode protokolliert, unterstützt den Arzt dabei, die individuellen Stressfaktoren zu erkennen. Fragebogenteil des Kopfschmerzkalenders. etwa 3 Monate dokumentiert werden. Der Verein MigräneLiga e.V. Deutschland bietet unter www.migraeneliga.de > Migräne & Kopfschmerz > Ratgeber und Bücher > Seite 2 einen Kopfschmerzkalender für Kinder und den Ratgeber „Migräne und Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen“ zum Download an.

Um den Trigger der Kindermigräne herauszufinden, hat sich das Ausfüllen eines Migränetagebuchs als sinnvoll erwiesen. Kinder und Jugendliche probieren am besten selbst oder zusammen mit ihren Eltern aus, worauf sie empfindlich reagieren. Dabei kann es helfen, für einige Zeit ein Migräne-Tagebuch zu führen und darin zum Beispiel festzuhalten, was in der Zeit vor einem Migräneanfall passiert ist, wann die Migräne anfing und wann sie wieder vorbei war, wie stark die Schmerzen waren, ob Medikamente genommen wurden und wenn ja, welche und wie viele. Wer auf einen möglichen Auslöser verzichtet, um zu testen, ob er die Migräne beeinflusst, kann dies ebenfalls im Tagebuch notieren. Es ist wichtig, das Kopfschmerz-Tagebuch über mehrere Wochen oder Monate sehr sorgfältig zu führen.

Behandlung

Eine komplette Heilung ist nicht möglich. Doch was hilft gegen Migräne bei Kindern? Die Attacken können reduziert werden. Gerade bei Kindern sind die Auslöser der Migräne meist alltägliche Dinge wie ein unregelmäßiger Tagesablauf oder Bewegungsmangel.

Die Therapie von Migräne bei Kindern unterscheidet sich von der Behandlung bei Erwachsenen. Ärzte empfehlen, eine Migräne bei Kindern zunächst nur mit unterstützenden Maßnahmen ohne Medikamente zu behandeln. Diese Maßnahmen sind bei Kindern erfahrungsgemäß viel wirkungsvoller als bei Erwachsenen. Lassen sich die Beschwerden so nicht ausreichend lindern oder hat das Kind starke Schmerzen, verordnen Ärzte bei Bedarf auch Medikamente. Allerdings bekommen Kinder andere Arzneimittel als Erwachsene.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Eine nicht-medikamentöse Therapie ist bei Kindern mit Migräne von zentraler Bedeutung. Sie stellt oft den ersten Behandlungsschritt dar und umfasst Maßnahmen wie Entspannungstechniken, Stressmanagement, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.

  • Allgemeine vorbeugende Maßnahmen: Kinder, als auch Eltern sollten eine Beratung über Lebensstilfaktoren, die die Migräne verstärken können, sowie den Umgang mit Migräneauslösern erhalten. Alles zu Schnelle, alles zu Unregelmäßige, alles zu Plötzliche und alles zu Häufige sollten im Alltag vermieden werden. Gleichtakt und Regelmäßigkeit im Alltag ist das Prinzip. Ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus sollte eingehalten werden. Die Einnahme von Mahlzeiten zu festen Zeiten ist ebenfalls wichtig. Insbesondere sollte auf ein ausreichendes kohlenhydratreiches Frühstück in Ruhe geachtet werden. Ausreichendes Trinken im Tagesablauf ist ebenfalls bedeutsam. Insbesondere sollten Kinder Zeit haben für Entspannung und Ruhe am Tag.
  • Entspannungsverfahren: Kindern mit Migräne helfen meist bereits einfache Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson. Dabei lernen sie, bestimmte Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen. Auch autogenes Training ist gut geeignet. Die Kinder sagen sich wiederholt Gedankenformeln vor (z.B. „Mein Arm wird ganz schwer“) und entspannen sich dadurch. Bei beiden Methoden ist es allerdings wichtig, dass die Kinder die Übungen regelmäßig - am besten täglich - durchführen. Zur Vorbeugung können Kinder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson durchführen. Das Verfahren kann z.B. mit Hilfe der Migräne-App (kostenlos in den Appstores für IOS und Android) geübt werden.
  • Physikalische Therapie: Die physikalische Therapie beinhaltet Wärmeanwendungen oder Massagen von Hals, Nacken, Kopf und Gesicht sowie Akupunktur. Diese Maßnahmen können starke Kopfschmerzen bei Kindern lindern. insbesondere einseitige Kopfschmerzen machen u. U. Funktionsstörungen der Halswirbelsäulengelenke erforderlich.
  • Biofeedback: Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist insbesondere das sogenannte Biofeedback bei Kindern und Jugendlichen sehr wirkungsvoll. Über Elektroden auf der Haut lassen sich verschiedene Körperfunktionen messen, beispielsweise Anspannung oder Entspannung der Kopfmuskulatur oder auch die Weit- und Engstellung der Arterien im Gehirn. Diese Messungen werden durch Ton- und Lichtsignale sichtbar gemacht. Die Betroffenen lernen so, diese Funktionen absichtlich und gezielt zu beeinflussen. Dadurch können sie einen akuten Migräne-Anfall abschwächen und den Attacken vorbeugen (Prophylaxe). Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind nicht-medikamentöse Verfahren bei Kindern meist ähnlich wirksam wie Medikamente.
  • Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen. Dahinter steht die Theorie, dass bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen zur Entstehung von Migräneanfällen beitragen. Dies können etwa ungünstige Schlafgewohnheiten oder Probleme beim Umgang mit Stress sein. Im Rahmen der Behandlung lernen Kinder zum Beispiel, wie sie sich von den Schmerzen ablenken können.
  • Ernährungsumstellung: Eine Ernährungsumstellung kann bei ca. 90% der Kinder zum Erfolg führen.
  • Stressmanagement: Bei häufigem Stress kann es sich lohnen, ein Entspannungsverfahren zu erlernen, um besser damit zurechtzukommen. Dies hilft manchen Kindern und Jugendlichen auch, Anfällen vorzubeugen oder sie zumindest abzuschwächen. Für Heranwachsende, die auf Stress mit Kopfweh oder Migräne reagieren, ist es außerdem wichtig, allgemein auf ausreichend Pausen im Tagesablauf zu achten. Auch Bewegung und Sport können helfen, Stress abzubauen - vorausgesetzt, er macht Spaß und es besteht kein Leistungsdruck.
  • Regelmäßiger Tagesablauf: Konstante Schlafenszeiten und eine strukturierte Tagesplanung reduzieren Schwankungen, die Migräne begünstigen könnten.
  • Begrenzung der Medienzeit: Die Zeit, die Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher oder Computer verbringen, sollte ihrem Alter angemessen sein.
  • Wechselnde Lichtverhältnisse meiden: Der Schreibtisch des Kindes sollte idealerweise an einer Wand platziert werden, um gleichmäßige Lichtverhältnisse sicherzustellen und Blendungen durch wechselndes Licht zu vermeiden.
  • Bewegung: Moderate körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen an der frischen Luft fördern die allgemeine Gesundheit und wirken entspannend.

Akutbehandlung mit Medikamenten

Die medikamentöse Behandlung von Migräne bei Kindern ist nicht das erste Mittel der Wahl. Die ärztliche Empfehlung lautet, zuerst nicht-medikamentöse Methoden auszuprobieren. Medikamente dienen bei Kindern mit Migräne eher als Reservemaßnahme, wenn die anderen Methoden nicht erfolgreich sind. Werden die Schmerzmittel frühzeitig eingenommen, lassen sich die Migräne-Attacken manchmal noch stoppen. Da Migräne-Anfälle bei Kindern meist kürzer sind als bei Erwachsenen, wirken die Medikamente oft erst dann, wenn die Attacke schon vorbei ist. Allerdings gibt es auch Kinder, die sehr starke Schmerzen haben und dringend Medikamente benötigen. Ob und in welcher Dosis Ihr Kind Schmerzmittel einnehmen sollte, erklärt Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin.

  • Schmerzmittel: Bei einem akuten Migräne-Anfall empfehlen Ärzte Schmerzmittel wie Ibuprofen (10 mg/kg Körpergewicht) oder Paracetamol (15 mg/kg Körpergewicht) für Kinder. Lokales Kühlen mit einem Coolpack von Stirn und Schläfen, die Möglichkeit zum Rückzug und Schlaf reicht bei einem Teil der Kinder zur Therapie einer akuten Migräneattacke bereits aus. Dies stellt die Basistherapie dar.
  • Antiemetika: Um Erbrechen zu vermeiden bzw. Domperidon-Tropfen geeignet.
  • Triptane: Zur Behandlung der Migräne bei Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr sind Sumatriptan 10 mg und Zolmitriptan 5 mg als Nasenspray zugelassen. Es liegen auch mittlerweile umfangreiche Daten vor, um bei nichtausreichendem Ansprechen auf die Akuttherapie mit Schmerzmitteln den Einsatz von Triptanen in Form von Sumatriptan 10 mg oder 20 mg als Nasenspray, Zolmitriptan 2,5 oder 5 mg in Tablettenform, Rizatriptan 5 oder 10 mg in Tablettenform und Almotriptan 12,5 mg in Tablettenform bei entsprechender Aufklärung auch vor dem 12. Lebensjahr zu rechtfertigen. Sollten sich akute Migräneattacken bei Kindern und Jugendlichen nicht ausreichend wirksam behandeln lassen, kann auch die Therapie mit subkutan injiziertem Sumatriptan nach entsprechender Aufklärung nach den aktuellen Leitlinien erwogen werden.

Viele Medikamente gegen Migräne (z. B. Metoclopramid oder Steroide), die Erwachsenen helfen, richten bei Kindern unter Umständen schwere Schäden an. Geben Sie Ihrem Kind niemals Medikamente, die Sie selbst einnehmen!

Prophylaktische Behandlung mit Medikamenten

  • Betablocker: Wirksam gelten heute Propranolol und Metoprolol. in einer Dosis eingenommen, sind fast nebenwirkungsfrei.
  • Flunarizin: Flurirtin (Katadolon ) zur Verfügung. Kapsel zu 5mg, ab einem Körpergewicht von 40kg 10mg abends. Wochen kann sogar auf die Hälfte zurückgegangen werden. geringfügig und therapeutisch in der Regel nicht belastend.
  • Azetylsalizylsäure: dosierte Azetylsalizylsäure (z.B. mg/kg Körpergewicht d.h. einmal abends genauso gut abgeschnitten. wurde gut vertragen.
  • Topiramat: 25-50mg Topiramat abends eine gut abgesicherte Alternative darstellen. Höhere Dosen sind zu stark mit Nebenwirkungen belastet.

Hausmittel

Bei einem akuten Migräne-Anfall ist es wichtig, dass die Kinder Ruhe bekommen. Selbst kleinste Tätigkeiten wie Umherlaufen oder Fernsehen verstärken oft die Migräne bei Kindern. Bringen Sie Ihr Kind in einen wohltemperierten und abgedunkelten Raum. Schirmen Sie es vor störenden Reizen und Geräuschquellen wie Radio oder Fernsehen ab. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Wasser trinkt.

Auch einige Stunden Schlaf, ein kühles Tuch auf der Stirn oder eine Nackenmassage mit Pfefferminzöl sorgen in den meisten Fällen dafür, dass sich Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern schnell wieder bessern. Pfefferminzöl verwenden: 1-2 Tropfen auf ein Tuch geben und sanft Nacken und Schläfen einreiben. Alternativ 5 Tropfen auf den Fingern verteilen und die Kopfhaut von der Stirn bis zum Nacken mehrmals vorsichtig massieren.

Pfefferminzöl darf bei Säuglingen und Kleinkindern nicht angewendet werden!

Gerade kleine Kinder mit Migräne schlafen auch beim Spielen ein. Lassen Sie Ihr Kind in diesem Fall am besten einfach weiterschlafen. Der Schlaf tut Ihrem Kind gut, und es wacht möglicherweise ohne Kopfschmerzen wieder auf.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin aufsuchen.

Unterstützung und Begleitung

Eltern spielen eine zentrale Rolle dabei, Migräneauslöser zu erkennen und ihrem Kind zu helfen, besser damit umzugehen. Besonders wichtig ist es, das Kind ernst zu nehmen und ihm Geborgenheit zu vermitteln. Einfühlsames Zuhören: Es ist wichtig, die Beschwerden des Kindes ernst zu nehmen und Verständnis für das Leiden zu zeigen, auch wenn es schwerfällt, die Schmerzen nachzuvollziehen. Vertrauen stärken: Es ist hilfreich, dem Kind altersgerecht zu erklären, was während einer Migräneattacke passiert. Mit einem einfühlsamen und unterstützenden Umgang können Eltern dazu beitragen, dass sich das Kind während eines Migräneanfalls sowohl körperlich als auch emotional besser aufgehoben fühlt.

Im Gespräch mit den Eltern ist es wichtig, einfühlsam und verständnisvoll auf die verschiedenen Therapiemöglichkeiten für Migräneattacken einzugehen. Die Eltern sollten über die Bedeutung einer frühzeitigen Einnahme von Akutmedikamenten informiert werden, um den Kindern schnelle Linderung zu verschaffen. Gleichzeitig sollte auf das Risiko von Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch hingewiesen werden, der durch eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln oder Triptanen entstehen kann. Zudem sollte im Gespräch auf Lebensstilfaktoren eingegangen werden, die Migräne verstärken können.

Verlauf und Prognose

Migräne bei Kindern ist nicht heilbar, lässt sich jedoch meist gut behandeln. Bei der Hälfte der Kinder verschwindet die Migräne in der Pubertät, bei den anderen bleibt sie bestehen. Die meisten Kinder können jedoch mit einer Kombination aus Medikamenten und Änderungen des Lebensstils ein normales Leben führen.

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