Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die auch bei Hunden auftreten kann und zu wiederholten Anfällen führt. Diese Anfälle können unterschiedlich stark und in ihrer Häufigkeit variieren, aber sie sind immer eine Herausforderung für die betroffenen Hunde und ihre Besitzer. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Epilepsie bei Hunden, einschließlich Ursachen, Diagnose, Behandlung und der Rolle der BARF-Ernährung (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter).
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der es zu wiederholten, unkontrollierbaren Anfällen kommt. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche elektrische Entladungen im Gehirn, die das normale Gehirnaktivitätsmuster stören. Bei einem klassischen Anfall von Epilepsie verlieren die Vierbeiner das Bewusstsein, sie fallen in die Seitenlage und krampfen am ganzen Körper. Ruderbewegungen und Streckkrämpfe sind typisch bei einem Krampfanfall. Häufig verlieren die Hunde auch Kot und Urin oder speicheln vermehrt. Die Krämpfe dauern oft nur ein paar Sekunden, manchmal auch länger und hören meistens von alleine wieder auf.
Epilepsie kann verschiedene Formen annehmen, wobei die Anfälle in Bezug auf Stärke, Dauer und Form unterschiedlich sein können. Einige Hunde zeigen nur leichte Symptome, während andere schwere Krampfanfälle erleiden. Es ist wichtig, die verschiedenen Arten von Anfällen zu erkennen, um die richtige Diagnose und Behandlung zu gewährleisten.
Ursachen von Epilepsie bei Hunden
Die Ursachen von Epilepsie bei Hunden sind vielfältig und können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden: idiopathische Epilepsie und sekundäre Epilepsie.
Idiopathische Epilepsie
Diese Form ist die häufigste und hat keine erkennbare Ursache. Sie tritt meist bei jungen bis mittelalten Hunden auf und ist genetisch bedingt. Bei einigen Rassen, wie z.B. dem Australian Shepherd, sind bestimmte Rassen, wie z.B. der Australian Shepherd, sind besonders häufig betroffen, sodass bei diesen Tieren wahrscheinlich eine erbliche Veranlagung besteht. Da es keine Untersuchungen oder Tests gibt, die die idiopathische Epilepsie zweifelsfrei nachweisen können, müssen für eine eindeutige Diagnose erst alle anderen möglichen Anfallsursachen ausgeschlossen werden.
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Sekundäre Epilepsie
Sekundäre Epilepsie tritt aufgrund einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung auf. Die Ursachen können im Gehirn selber liegen, aber auch außerhalb. Während Anfallsursachen wie Infektionen, Parasiten oder Kopfverletzungen durch eine entsprechende Behandlung in vielen Fällen geheilt werden können, ist das bei einer idiopathischen Epilepsie nicht möglich.
Einige der häufigsten Ursachen für sekundäre Epilepsie sind:
- Tumoren
- Infektionen im Gehirn
- Stoffwechselstörungen
- Verletzungen des Gehirns
- Parasiten
Symptome von Epilepsie bei Hunden
Die häufigsten Symptome einer Epilepsie bei Hunden sind die epileptischen Anfälle selbst. Ein epileptischer Anfall beginnt meist ganz plötzlich und ohne Vorwarnung. Die Dauer eines solchen Anfalls liegt meist um die zwei Minuten, allerhöchstens fünf. Nach einem Anfall verhalten sich einige Hunde völlig normal. Gehen mehrere Krampfanfälle ineinander über, liegt der lebensbedrohliche "Status epilepticus" vor. In diesem Fall müssen Sie sofort einen Tierarzt aufsuchen! Dies gilt auch für sogenannte Clusteranfälle.
Ein typischer epileptischer Anfall dauert meist nur 1 bis 3 Minuten. Der Hund kann zu Boden fallen, unkontrolliert mit den Beinen strampeln, hecheln oder sogar Speichel oder Schaum absondern.
Phasen eines epileptischen Anfalls
Ein epileptischer Anfall lässt sich grob in drei Phasen einteilen:
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- Vorboten (Aura): Manche Hunde zeigen vor einem Anfall Anzeichen wie Unruhe, Zittern oder einen starren Blick.
- Der Anfall: Während des Anfalls verliert der Hund möglicherweise das Bewusstsein, krampft am ganzen Körper, rudert mit den Beinen, speichelt stark oder verliert Kot und Urin.
- Postiktale Phase: Nach einem Anfall ist der Hund oft erschöpft und desorientiert.
Diagnose von Epilepsie bei Hunden
Die Diagnose von Epilepsie bei Hunden ist oft ein Ausschlussverfahren. Da es keine spezifischen Tests gibt, um Epilepsie direkt nachzuweisen, muss der Tierarzt andere mögliche Ursachen für die Anfälle ausschließen.
Die Diagnose setzt sich zusammen aus dem Vorbericht (Alter, Rasse, usw.), einer klinischen sowie einer speziell neurologischen Untersuchung. Je nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen wird deine Tierärztin oder dein Tierarzt wahrscheinlich weiterführende Diagnostik vorschlagen. Dazu zählen eine Blutuntersuchung und in vielen Fällen bildgebende Verfahren wie MRT oder CT, wodurch strukturelle Gehirnveränderungen dargestellt werden. Man kann auch die Gehirnflüssigkeit auf Entzündungen und Krankheitserreger untersuchen. Je nach Ergebnis all dieser Untersuchungen wird dann eine Diagnose für deinen Liebling gestellt. Es kann für dich frustrierend sein, wenn keine Ursache festgestellt wird und deine Fellnase dann die Diagnose idiopathische Epilepsie erhält. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass es keine strukturellen Veränderungen im Gehirn deines Vierbeiners gibt, was auch eine positive Sache ist.
Behandlung von Epilepsie bei Hunden
Epilepsie bei Hunden ist nicht heilbar, aber sie kann in den meisten Fällen gut kontrolliert werden. Die Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität des Hundes zu verbessern.
Medikamentöse Behandlung
Antiepileptische Medikamente sind die häufigste Behandlungsoption. Diese Medikamente helfen, die elektrischen Entladungen im Gehirn zu kontrollieren und die Anfälle zu reduzieren. Es gibt mittlerweile eine Reihe an Medikamenten, die gut wirksam sind, wie beispielsweise Phenobarbital oder Levetiracetam. Die Auswahl der Arzneimittel und die Ermittlung der Dosierung müssen für jeden Hund individuell erfolgen, denn nicht jedes Medikament wirkt bei jedem Hund.
Diät und Nahrungsergänzungsmittel
Eine ausgewogene Ernährung und bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können die Gesundheit des Gehirns unterstützen und dazu beitragen, die Häufigkeit von Anfällen zu verringern. BARF (Biologisch Artgerechtes Rohfutter) kann dabei eine gute Wahl sein, da es eine natürliche und nahrhafte Ernährungsweise bietet.
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Vermeidung von Auslösern
Bei einigen Hunden können bestimmte Umweltfaktoren oder Auslöser die Häufigkeit von Anfällen erhöhen. Es ist wichtig, diese Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.
Die Rolle der BARF-Ernährung bei Epilepsie
BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter) ist eine Fütterungsmethode, die sich an der natürlichen Ernährung von Hunden orientiert. Sie besteht hauptsächlich aus rohem Fleisch, Knochen, Innereien, Gemüse und Obst. BARF kann eine positive Wirkung auf Hunde mit Epilepsie haben, da sie eine natürliche und nahrhafte Ernährungsweise bietet.
Vorteile von BARF bei Epilepsie
- Natürliche Ernährung: BARF ist eine natürliche Ernährungsweise, die frei von künstlichen Zusatzstoffen, Konservierungsstoffen und Getreide ist.
- Individuelle Anpassung: Die BARF-Ration kann individuell an die Bedürfnisse des Hundes angepasst werden.
- Kontrolle über Inhaltsstoffe: Bei BARF hat der Besitzer die volle Kontrolle über die Inhaltsstoffe des Futters.
- Entzündungshemmende Wirkung: BARF kann entzündungshemmend wirken und das Risiko für neurologische Reizungen verringern.
Wichtige Aspekte der BARF-Ernährung bei Epilepsie
- Getreidefreies Futter: Getreide enthält Gluten und bestimmte Aminosäuren, die Anfälle auslösen können. Daher sollte bei Epilepsie auf getreidefreies Futter geachtet werden.
- Vermeidung von Zucker: Zucker kann das Wachstum von Tumorzellen fördern und sollte daher vermieden werden.
- Hochwertige Proteine: Hochwertige tierische Proteine liefern wichtige Bausteine für das Nervensystem.
- Gesunde Fette: Gesunde Fette, insbesondere Omega-3-Fettsäuren aus Lachsöl, wirken stabilisierend auf das Gehirn.
- Vermeidung von bestimmten Kräutern: Einige Kräuter wie Salbei, Rosmarin, Ysop und Fenchel können Anfälle auslösen.
- Knochenfütterung: Bei der Knochenfütterung ist Vorsicht geboten, da das Risiko für Fehlverdauung oder eine Magenumdrehung besteht. Es empfiehlt sich, auf weichere Knochen umzusteigen oder gewolfte Knochen zu füttern.
BARF-Beispielration für einen Hund mit Epilepsie
Die folgende Beispielration ist für einen erwachsenen Hund mit einem Gewicht von 15 kg ohne starke sportliche Aktivität gedacht. Die genauen Mengen sollten jedoch individuell an die Bedürfnisse des Hundes angepasst werden.
- Fleisch: 300g pro Tag
- Tierische Ration (70-80% der Gesamtmenge): 210-240g
- Innereien (10% der tierischen Ration): 21-24g
- Knochen (10% der tierischen Ration): 21-24g
- Muskelfleisch (Rest der tierischen Ration): 168-192g
- Pflanzliche Ration (20-30% der Gesamtmenge): 60-90g
- Obst (30% der pflanzlichen Ration): 18-27g
- Gemüse (70% der pflanzlichen Ration): 42-63g
- Grünes Gemüse (50% des Gemüses): 21-31,5g
- Buntes Gemüse (50% des Gemüses): 21-31,5g
Was tun bei einem Anfall?
Ein epileptischer Anfall ist in den meisten Fällen nicht lebensbedrohlich. Normalerweise dauert er 2 bis 3 Minuten. Dauert der Anfall länger, dann sollten Sie sich an Ihren Tierarzt wenden. Handelt es sich um einen längeren Anfall, dann müssen Sie den Hund sofort zum Tierarzt bringen.
Es ist wichtig, während eines Anfalls ruhig zu bleiben und dem Hund nicht zu nahe zu kommen, da er in diesem Moment möglicherweise nicht in der Lage ist, auf seine Umgebung zu reagieren. Vermeide es, den Hund zu bewegen, und sorge dafür, dass er sich nicht verletzen kann.
Leben mit einem Hund mit Epilepsie
Es kann eine Herausforderung sein, mit einem Hund zu leben, der an Epilepsie leidet, aber mit der richtigen Pflege und Behandlung ist es möglich, dass dein Hund ein glückliches und gesundes Leben führt. Wichtig ist, die Medikamente regelmäßig zu verabreichen, Auslöser zu vermeiden und eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten.
Anfallstagebuch
Es ist sehr hilfreich, wenn du ein Anfallstagebuch führst und genau dokumentierst, wann und wie oft Anfälle auftreten und wie lange diese dauern. Das kann deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt helfen, die Therapie und Medikamente anzupassen.