Das Gehirn, ein hoch spezialisiertes Organ, steuert komplexe Körperfunktionen wie Sinnesreize, Gedächtnis, Lernprozesse, Bewegungen, Sprache und Gefühle. Es liegt geschützt im knöchernen Schädel, was jedoch bei Erkrankungen mit Zunahme der Gehirnmasse den Druck im Schädelinneren lebensbedrohlich erhöhen kann. Hirntumoren, Wucherungen im Gehirn, können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Sie entstehen entweder im Gehirngewebe selbst (primäre Hirntumoren) oder durch Metastasen anderer Krebsarten (sekundäre Hirntumoren).
Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Epilepsie
Neurologen beschäftigen sich schon lange mit dem Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Epilepsie. Es ist bekannt, dass Patienten mit einem Hirntumor an epileptischen Anfällen leiden können, insbesondere wenn der Tumor in einem anfälligen Bereich des Gehirns sitzt, wie beispielsweise im inneren Anteil des Schläfenlappens. In vielen Fällen sind diese unterschiedlich stark ausgeprägten "Kurzschlüsse" im Gehirn das erste und einzige Anzeichen für einen Tumor.
Auf der anderen Seite wird bei langjährigen Epilepsie-Patienten häufiger die Diagnose "Hirntumor" gestellt als bei Personen ohne Anfallsleiden. Eine Studie analysierte die Daten von mehr als 11.000 Epilepsie-Patienten über einen Zeitraum von 35 Jahren. Dabei stellte sich heraus, dass das Risiko von Epilepsie-Patienten, an einem Hirntumor zu erkranken, rund 20 Mal so hoch war wie bei Nicht-Epilepsie-Patienten. Das höchste Risiko trugen dabei Patienten, die zum Zeitpunkt der Diagnose der Epilepsie zwischen 15 und 44 Jahre alt waren. Dieses höhere Risiko bleibt den Forschern zufolge über mehrere Jahre bestehen. Für Epilepsie-Patienten ist daher eine MRT-Untersuchung zu empfehlen, um den Verdacht auf einen Tumor im Gehirn auszuschließen.
Arten von Hirntumoren
Nach Untersuchung von Gewebeproben können histopathologisch über hundert Arten von Hirntumoren unterschieden werden. Tumore entstehen aus entarteten, gewuchterten Nervenzellen und können aus Hirn- oder Rückenmarksgewebe entstehen, daher werden sie primäre Tumore des Zentralnervensystems genannt. Davon abzugrenzen sind wachsende, gestreute Zellstrukturen, die Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, eines anderen Tumors darstellen, zum Beispiel von Lungenkrebs oder Brustkrebs.
Die Funktionen des zentralen Nervensystems können auch durch anderes Tumorwachstum beeinträchtigt werden. Hier können zum Beispiel die Hirnhäute eine Wucherung ausbilden, die auf Hirngewebe drückt, oder frei schwimmende Tumorzellen im Nervenwasser vorhanden sein, das die Nervenstrukturen umfließt (Meningeosis carcinomatosa). Auch das periphere Nervensystem kann eine Nervenzellentartung zeigen und Tumore ausbilden.
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Je nach Ausgangsgewebe werden die Tumore unterschiedlich bezeichnet:
- Gliome: Sie gehen von den Stützzellen (Gliazellen) aus (z. B. Glioblastome, Oligodendrogliome). Gliome sind mit etwa 50 Prozent aller primären Tumoren des zentralen Nervensystems die häufigsten Hirntumoren. Sie leiten sich von den Gliazellen ab. Da das Gehirn mehrere Arten dieser Stützzellen enthält, lassen sich Gliome wiederum in verschiedene Untergruppen einteilen.
- Astrozytome: Sie entstehen aus den sternförmigen Stützzellen des Gehirns (Astrozyten). Sie sind die häufigsten Gliome und können in allen vier WHO-Graden auftreten. Dabei ist das pilozytische Astrozytom (WHO-Grad 1) ein gutartiger Hirntumor, an der überwiegend Kinder und junge Erwachsene erkranken. Diffuse Astrozytome der WHO-Grade 2 und 3 wachsen langsam und haben keine deutliche Grenze zum umliegenden Gewebe. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie zunächst wenig bösartig (maligne) sind, im Laufe der Erkrankung aber bösartiger werden können. Sorgfältige und regelmäßige Nachuntersuchungen sind daher besonders wichtig. Das bösartigste Gliom ist das Glioblastom (Glioblastoma multiforme - WHO-Grad 4).
- Oligodendrogliome: Sie entstehen aus den Stützzellen, welche die Markscheiden bilden (Oligodendrozyten).
- Ependymome: Sie entwickeln sich aus der Wand der Gehirnkammern.
- Meningeome: Sie entwickeln sich aus Zellen der Hirnhäute. Sie machen etwa 20 Prozent aller Hirntumoren aus. Betroffen sind überwiegend Menschen im mittleren und höheren Lebensalter, vor allem Frauen. In 85 Prozent der Fälle werden Meningeome als gutartige Hirntumoren in den WHO-Grad 1 eingestuft und können durch operative Entfernung geheilt werden. Etwa zehn Prozent der Meningeome sind jedoch sogenannte atypische Meningeome (WHO-Grad 2). Sie wachsen verstärkt und neigen dazu, nach der Behandlung wiederaufzutreten (Rezidiv). Allerdings haben auch diese Meningeome in der Regel eine günstige Prognose. Bösartige Meningeome (WHO-Grad 3) werden nur bei etwa fünf Prozent der Betroffenen beobachtet. Sie müssen gewöhnlich zusätzlich zur Operation mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Auch gutartige Meningeome können nicht immer vollständig entfernt werden. Sie können dann erneut wachsen. Bei diesen Betroffenen, aber auch bei solchen, bei denen der Tumor komplett entfernt werden konnte, sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich.
- Neurinome: Sie bilden sich aus den die markscheidenbildenden Schwann-Zellen der Hirn- und Rückenmarknerven. Sie entstehen meist in der hinteren Schädelgrube, wo sie Strukturen des Hirnstamms und des Kleinhirns in Mitleidenschaft ziehen können. Am häufigsten ist der achte Gehirnnerv betroffen, der für den Gehör- und Gleichgewichtssinn zuständig ist (Akustikus-Neurinom oder Vestibularis-Schwannom). Auch Neurinome sind gutartige Hirntumoren, die in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle dem WHO-Grad 1 entsprechen.
- Lymphome: Obwohl das Gehirn kein lymphatisches Organ ist, können im Gehirngewebe Tumoren aus Lymphzellen entstehen. Das sind Zellen, die an der körpereigenen Abwehr beteiligt sind und zum Beispiel in Lymphknoten, Milz und Blut vorkommen. Warum diese Tumorform im zentralen Nervensystem entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt.
- Hypophysenadenome: Sie zählen im engeren Sinn nicht zu den Hirntumoren. Diese entstehen im Bereich der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und können sich gegen den Sehnerv sowie Anteile der Gehirnbasis ausdehnen. Manche der Hypophysenadenome zeichnen sich dadurch aus, dass sie Hormone bilden. Die Folge sind Störungen in den Hormonfunktionen, etwa Menstruationsstörungen, Wachstumsstörungen oder andere. In den meisten Fällen sind Hypophysenadenome gutartige Tumoren (WHO-Grad 1) mit günstiger Prognose. In der Regel werden Hypophysenadenome operiert. Manchmal ist auch eine alleinige medikamentöse Behandlung möglich und erfolgreich.
- Gehirnmetastasen: Krebserkrankungen anderer Organe können auch im Gehirn Tochtergeschwülste bilden (Gehirnmetastasen). Diese Metastasen im Kopf sind im Erwachsenenalter häufiger als primäre Tumoren des Gehirns.
Ob ein Tumor ein gutartiges oder ein bösartiges Verhalten zeigt, kann nur mit einer Gewebsentnahme sicher geklärt werden. Über die Hälfte der primären Tumore werden als gutartig klassifiziert.
Symptome von Hirntumoren
Die Symptome von Tumoren im Gehirn hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab. Folgende Symptome können auf einen Tumor im Gehirn hinweisen, aber auch Symptome anderer Erkrankungen sein:
- Kopfschmerzen: Sie sind das häufigste Erstsymptom bei Hirntumoren. Etwa die Hälfte aller Betroffenen mit einem Tumor im Kopf klagt bei Diagnosestellung darüber. Typischerweise treten diese Kopfschmerzen während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich zunächst im Lauf des Tages. Die Kopfschmerzen können - ebenfalls in den frühen Morgenstunden - von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein. Kopfschmerzen als Folge eines Gehirntumors werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer stärker. Sie lassen sich durch normale Schmerzmittel nur kurz oder gar nicht beeinflussen und nehmen zu, wenn der Betroffene liegt.
- Epileptische Anfälle: Etwa 20 Prozent der von einem Gehirntumor Betroffenen erleiden ohne Vorwarnung, das heißt aus völligem Wohlbefinden heraus, epileptische Anfälle. Dabei kann es sich um fokale Anfälle oder um generalisierte Anfälle handeln. Fokale Anfälle gehen von einer bestimmten Hirnregion aus - gewöhnlich, weil der wachsende Hirntumor diese reizt. Bei generalisierten Anfällen sind mehrere Hirnregionen und schließlich das gesamte Großhirn beteiligt.
- Neurologische Ausfälle: In einigen Fällen sind neurologische Herdzeichen erste Anzeichen der Tumorerkrankung, ohne dass die Betroffenen unter Kopfschmerzen leiden. Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, aber auch Gedächtnisstörungen sind typische Anzeichen.
- Persönlichkeitsveränderungen: Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann ein Gehirntumor uncharakteristische Beschwerden auslösen. So können Tumoren im Stirnlappen des Gehirns zu Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensstörungen und Änderungen im Antrieb führen. Schon vorhandene Persönlichkeitsmerkmale können sich verstärken oder abnehmen.
- Weitere Symptome: Schwindel, Erbrechen, Sprach-, Seh- und Bewegungsstörungen, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche.
Epileptische Anfälle im Detail
Ein Krampfanfall wird auch als epileptischer Anfall bezeichnet. Die Betroffenen verlieren vorübergehend die Kontrolle über ihren Körper oder/und ihr Bewusstsein. Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn sich Nervenzellen im Gehirn unkontrolliert und plötzlich elektrisch entladen. Die Folge ist ein Anfall mit Krämpfen einzelner oder vieler Muskelgruppen. Auch Änderungen von Sinneswahrnehmungen und Bewusstsein sind möglich.
Grundsätzlich wird zwischen fokalen und generalisierten Anfällen unterschieden.
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- Fokale Anfälle: Beim fokalen Anfall befindet sich die Störung in einem kleinen Bereich in einer der beiden Hirnhälften. Einfach-fokale Anfälle sind z.B. motorische Zuckungen oder Kribbeln einer Extremität, Geschmacks- oder Geruchswahrnehmungen oder ein merkwürdiges Gefühl in der Magengrube. Komplex-fokale Anfälle kommen überwiegend bei einer Lokalisation des Tumors im Schläfenlappen vor. Diese Anfälle haben häufig ein typisches klinisches Erscheinungsbild: Betroffene Patienten können zunächst ein merkwürdiges Gefühl in der Bauchregion empfinden (epigastrische Aura), eine Geruchswahrnehmung haben (olfaktorische Aura) oder vegetative Symptome (z.B. Herzrasen) spüren. Mitunter führen Betroffene stereotype, wiederkehrende, unsinnige Handlungen durch und zeigen dabei unzureichende oder fehlende Reaktionsfähigkeit auf Umgebungsreize. Für diese komplex-fokalen Anfälle besteht dann häufig eine zumindest partielle Gedächtnislücke, während des Anfalls wird die Umgebung als merkwürdig fremd oder vertraut erlebt, das Zeitempfinden kann verändert sein. Diese Zeichen sind Ausdruck einer Bewusstseinsstörung.
- Generalisierte Anfälle: Generalisierte Krampfanfälle können im Erscheinungsbild sehr unterschiedlich sein. Teilweise handelt es sich um kurze „Aussetzer“ (sogenannte Absencen oder Bewusstseinsstörungen). Die betroffene Person kann auch länger ohnmächtig werden und stürzen. Es folgt eine Verkrampfung am ganzen Körper mit Zuckungen der Arme und der Beine. Am häufigsten ist ein tonisch-klonischer Anfall. Durch die Anspannung aller Muskeln wird der Körper plötzlich steif (tonische Phase). Es folgt ein Bewusstseinsverlust - und danach kommt die klonische Phase. Dabei zucken die Muskeln krampfartig durch abwechselndes An- und Entspannen. Beim tonisch-klonischen epileptischen Anfall kommt es manchmal zu Zungen- oder Wangenbiss und Einnässen.
Bei einem Hirntumorpatienten können auch episodisch Zustände auftreten, die mit einer Verwirrtheit, mit inadäquaten Reaktionen auf die Umgebung, verlangsamten Denk- und Handlungsabläufen und offensichtlich unsinnigen Handlungen einhergehen können. Bei solchen episodischen „Dämmerzuständen“ ist immer an einen Status komplex-fokaler Anfälle zu denken. Ein solcher nicht-konvulsiver (nicht krampfartiger) Status, bzw. geordneter Dämmerzustand, wird häufig durch einen Tumor im Schläfenlappen ausgelöst. Die einzige Möglichkeit, einen solchen Status komplex-fokaler Anfälle zu diagnostizieren, ist das EEG.
Wenn sich die hirnelektrische Aktivität eines fokalen Anfalls auf das gesamte Gehirn ausbreitet, kann dies zu einen sogenannten sekundären generalisierten Anfall (Grand mal) führen. Dieser zeigt sich häufig durch rhythmische Zuckungen der Arme und Beine. Der Patient ist während des Anfalls bewusstlos und nimmt den großen Anfall an sich daher weder wahr, noch kann er sich in der Regel später daran erinnern. Ein Anfall dauert meist nur wenige Minuten, danach erlangt der Patient langsam das Bewusstsein wieder, oft in einem vorerst verwirrten Zustand. Dauern die Krampfanfälle deutlich länger an, ohne dass der Patient zwischendurch das Bewusstsein erlangt, könnte ein Grand-mal-Status vorliegen, also eine Serie der generalisierten Anfälle.
Epileptische Anfälle bei Hirntumorpatienten
Bei 60 Prozent der Patienten mit einem primären Hirntumor sind epileptische Anfälle das Erstsymptom der Erkrankung. Bei weiteren 10 bis 20 Prozent der Hirntumorpatienten treten im weiteren Verlauf der Erkrankung Anfälle auf. Bestimmte Hirntumoren sind häufiger mit Anfällen verbunden als andere. So sind mindestens 75 Prozent der Patienten mit Oligodendrogliomen und Gangliogliomen von epileptischen Anfällen betroffen, 60 bis 70 Prozent der Patienten mit differenzierten Astrozytomen, 15 bis 20 Prozent mit cerebralen Metastasen und 15 Prozent der Patienten mit primären ZNS-Lymphomen.
Epileptische Anfälle bei Hirntumorpatienten sind generell fokale Anfälle, da sie von einem umschriebenen Herd (latinisch „focus“) ausgehen, dem Hirngewebe um den Tumor. Ein Anfall selbst dauert meist nicht länger als 30 bis 90 Sekunden. Da jedoch oft im Anschluss an einen Anfall eine Funktionsstörung des Gehirns bestehen kann, die z.B. eine Phase der Reorientierung oder einen „Terminalschlaf“ nach einem großen Anfall bedingt, empfinden Beobachter die Zeitdauer des Anfalls oftmals als länger.
Diagnose von Hirntumoren
Wenn bei Ihnen Hirntumor-Symptome vorliegen, ist zunächst eine fachärztliche Untersuchung nötig. Schon Ihre Krankengeschichte kann oft wichtige Informationen geben, die den Neurologen zur Diagnose Gehirntumor führen können. Die körperliche Untersuchung gibt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Hinweise darauf, dass eine Erkrankung des Gehirns vorliegt.
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Folgende Diagnoseverfahren kommen zum Einsatz:
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt wird in einem ausführlichen Gespräch nach Ihren aktuellen Beschwerden fragen und wie lange Sie diese schon haben. Er wird sich auch danach erkundigen, welche Krankheiten Sie früher bereits hatten und welche Sie vielleicht gerade haben. Denken Sie daran, dass Sie Ihrem Arzt sagen, welche Medikamente Sie einnehmen, auch ergänzende Mittel, die Ihnen kein Arzt verordnet hat (zum Beispiel Johanniskraut, Ginkgopräparate oder grüner Tee). Denn auch diese Substanzen können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen.
- Computertomographie (CT): Sie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die den Körper im Querschnitt zeigt und darüber informiert, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Sie sichert die Diagnose, ob ein Hirntumor vorliegt, ab.
- Positronenemissionstomographie (PET): Sie ist ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht. Mit der PET lassen sich beispielsweise Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktiven Zellen unterscheiden.
- Liquorpunktion (Lumbalpunktion): In manchen Fällen ist bei Verdacht auf einen Gehirntumor eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich. Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen. Bei der Liquorpunktion wird im Bereich der Lendenwirbelsäule der Rückenmarkkanal mit einer feinen Nadel zwischen zwei Lendenwirbelkörpern punktiert. Der Neuropathologe untersucht dann das entnommene Nervenwasser unter dem Mikroskop auf Tumorzellen.
Eine definitive Diagnose ist jedoch meist erst durch die neuropathologische Untersuchung des Tumorgewebes nach operativer Entfernung oder einer Gewebeentnahme möglich.
Behandlung von Hirntumoren
Die Therapie richtet sich nach der diagnostischen Zuordnung, nach der Aggressivität und nach der Lokalisation des Tumors. Nach der Diagnose werden dann die verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie geklärt, um die Gehirntumore zu bekämpfen. Neben einer Operation sind auch Chemotherapie und eine Therapie durch Strahlung möglich. In manchen Fällen von Tumoren im Gehirn wird auch abgewartet, wie sich der Gehirntumor entwickelt.
- Operation: Fast alle Gehirntumore können heute operiert werden, nicht alle müssen operiert werden. Die Lage eines Hirntumors beeinflusst die Behandlung maßgeblich. Tumoren in gut erreichbaren Bereichen lassen sich oft operativ entfernen, was die besten Heilungschancen bietet. Befindet sich der Tumor nahe an wichtigen Hirnregionen - etwa für Sprache, Bewegung oder Atmung - kann eine vollständige Entfernung zu riskant sein.
- Chemotherapie: Auch andere bösartige Tumore, wie die seltenen Lymphome, sind heute unter Umständen durch eine Chemotherapie allein heilbar.
- Strahlentherapie: Sie wird gewöhnlich zusätzlich zur Operation bei bösartigen Meningeomen (WHO-Grad 3) angewendet.
Behandlung epileptischer Anfälle
Durch die Gabe von Antiepileptika wird das Wiederholungsrisiko für weitere Anfälle verringert. Häufig ist es jedoch ein langer Weg, bis der Betroffene das für ihn richtige Medikament in der optimalen Dosierung gefunden hat. Dieser Weg sollte gemeinsam mit einem erfahrenen Neurologen oder Epileptologen gegangen werden.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Beim Auftreten eines epileptischen Anfalls geht es vor allem darum, anfalls-bedingte Verletzungen zu vermeiden.
- Ruhe bewahren!
- Unerfahrene Ersthelfer:innen sollten den Rettungsdienst rufen
- Die Dauer des Anfalls registrieren
- Die betroffene Person liegend aus einer Gefährdungssituation bringen und vor Verletzungen schützen
- Beengende Kleidungsstücke (Schal, Halstücher etc.) sollten gelockert bzw. geöffnet werden.
Wenn ein Grand mal-Anfall länger als drei Minuten dauert, kann es gefährlich werden. Die betroffene Person muss dann unbedingt ins Krankenhaus gebracht werden. Sehr selten kommt es zu einem Herz-Kreislaufversagen.
Fallbeispiel
Die 34-jährige Angelika W. hat erstmals einen epileptischen Anfall erlitten. Ihr Mann beschreibt, dass zunächst der rechte Arm angefangen habe zu zucken und dieser wenige Minuten später schlaff heruntergehangen sei. Seine Frau sei aber stets ansprechbar gewesen. In den Monaten vor diesem Vorfall sei ihm eine Wesensänderung und erhöhte Ermüdbarkeit aufgefallen. Manchmal verhalte seine Ehefrau sich ihren Kindern gegenüber merkwürdig, gebe teilweise unpassende Antworten. Sie habe ständig über Kopfschmerzen geklagt. In einer ersten Untersuchung seien dem Hausarzt eine leichte Kraftlosigkeit im rechten Arm und Bein sowie ein leicht hängender rechter Mundwinkel aufgefallen.
Die Kombination aus spezifischen neurologischen Ausfällen - nicht zuletzt dem epileptischen Anfall - und seit längerem bestehenden, wenig fassbaren Beschwerden haben bei Angelika W. zur Diagnose eines Glioblastoms geführt.
Glioblastom: Eine besonders aggressive Form
Das Glioblastom, lateinisch Glioblastoma multiforme, ist ein sehr aggressiver Tumor des Gehirns. Dieser Hirntumor wuchert schnell in das gesunde Gewebe hinein und infiltriert es, so dass eine vollständige Entfernung des Tumors quasi nicht möglich ist. Die Prognosen bei einem Glioblastom sind daher sehr schlecht. Meist beträgt die Überlebenszeit nach der Diagnose nur wenige Monate. Weniger als drei Prozent der Glioblastom Patienten überleben die folgenden fünf Jahre.
Auf Grund des aggressiven Wachstums zeigen sich die ersten Symptome beim Glioblastom-Patienten oft frühzeitig. Schwere Kopfschmerzen stehen häufig am Anfang. Epileptische Anfälle, Lähmungen und Sprach- und Sehstörungen kommen als Symptome bei diesem Hirntumor hinzu. Typischerweise bilden sich Hirnödeme. Der wachsende Druck im Gehirn aufgrund des Hirntumors kann schließlich zum Koma führen.
Die Diagnose auf einen Tumor erfolgt mit Hilfe bildgebender Verfahren. Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zeigen dem Arzt das Glioblastom. Nach der Diagnose folgt eine Operation. Der Neurochirurg verringert zunächst die Tumormasse. Anschließend folgen Chemotherapie und Bestrahlung als Behandlung. Eine vollständige Heilung und Therapie ist bei diesem Hirntumor bisher nicht möglich.