Epilepsie ganzheitlich behandeln: Ursachen, Diagnose und Therapieansätze

Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen, von denen in Deutschland schätzungsweise 400.000 bis 800.000 Menschen betroffen sind. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter beginnen und manifestiert sich durch wiederholte epileptische Anfälle. Die Diagnose wird gestellt, wenn mindestens zwei unprovozierte Anfälle aufgetreten sind oder nach einem ersten Anfall ein deutlich erhöhtes Risiko für weitere Anfälle besteht (mehr als 60 %).

Epilepsie: Ein vielfältiges Krankheitsbild

Epilepsie ist ein sehr vielfältiges Krankheitsbild. Einige Patienten erleiden starke Anfälle mit Bewusstseinsverlust, Stürzen und generalisierten Krämpfen (generalisierte Anfälle, die beide Hirnhälften betreffen). Andere erleben sogenannte fokale Anfälle, die in bestimmten Hirnregionen auftreten.

Bei fokalen Epilepsien entstehen epileptische Anfälle immer wieder an ein und derselben Stelle im Gehirn. Bei der klinisch häufigsten Form, der sogenannten Schläfenlappenepilepsie, liegt der Fokus sehr oft im Hippocampus, wo Lernen, Gedächtnis und Emotionskontrolle gesteuert werden.

Fokale Anfälle

Bei dieser Form beschränkt sich die abnorme elektrische Aktivität auf einen bestimmten Bereich des Gehirns. Die Symptome hängen davon ab, welche Hirnregion betroffen ist. Diese Anfälle betreffen nur einen kleinen Teil des Gehirns und verursachen Symptome wie unwillkürliches Zucken, veränderte Sinneswahrnehmungen (z. B. ungewöhnliche Geruchs- oder Geschmackswahrnehmung) und veränderte Emotionen. Während eines fokalen Anfalls mit Bewusstseinsstörung starren die Betroffenen möglicherweise ins Leere und reagieren nicht in der für sie typischen Weise auf ihre Umgebung. Sie können auch sich wiederholende Bewegungen ausführen, z. B. die Hände reiben, kauen, schlucken oder im Kreis gehen. Die betroffene Person kann sich im Anschluss ggf. nicht an den Anfall erinnern.

Generalisierte Anfälle

Bei diesen Anfällen ist eine größere Hirnregion betroffen. Die Anfälle gehen mit einer Veränderung oder einem Verlust des Bewusstseins einher. Diese Form betrifft das gesamte Gehirn von Beginn an und führt zu einem Bewusstseinsverlust. Kurze Bewusstseinsaussetzer, die oft nur wenige Sekunden dauern. Die betroffene Person starrt ins Leere und reagiert nicht auf äußere Reize. Tonisch-klonische Anfälle sind die dramatischste Form epileptischer Anfälle. Sie können zu einem plötzlichen Bewusstseinsverlust sowie zu Körpersteifigkeit, Zuckungen und Schütteln führen. Manchmal kommt es dabei auch zu einem Verlust der Blasenkontrolle oder zum Beißen auf die Zunge. Tonische Anfälle verursachen steife Muskeln und können das Bewusstsein beeinträchtigen. Atonische Anfälle, auch als Sturzanfälle bekannt, führen zu einem Verlust der Muskelkontrolle. Klonische Anfälle sind mit wiederholten oder rhythmischen Muskelzuckungen verbunden.

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Epilepsie kann sehr unterschiedliche Symptome haben, die von der Art der Anfälle und der betroffenen Hirnregion abhängen.

Ursachen und Risikofaktoren

Epilepsie kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden. Die „klassischen“ Ursachen beziehen sich vor allem auf das Gehirn selbst (Traumatische Hirnverletzungen, genetischer Einfluss).

Verschiedene Umgebungsfaktoren oder Lebensumstände können bei Personen mit Epilepsie das Auftreten von Anfällen begünstigen. Einige der genannten Trigger spielen auch bei der Entstehung der Epilepsie aus ganzheitlicher Sicht eine Rolle. Mögliche Trigger für Anfälle sind z. B. ungesunde Ernährung, bestimmte Lebensmittel.

Neben den genannten Ursachen gibt es noch weitere ursächliche Faktoren, die zur Entstehung von Epilepsien und weiteren chronischen Erkrankungen beitragen können.

Umwelteinflüsse und Toxine

Unsere Umwelt und Nahrung sind heutzutage stark mit Schadstoffen belastet. Hierzu zählen z. B. Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle, Mikroplastik, Aluminium, Medikamentenrückstände und vieles mehr. Es gibt unzählige Untersuchungen, die belegen, wie diese Substanzen bzw. Einflüsse unsere Gesundheit schädigen können und so auch zur Entstehung der Epilepsie beitragen können. Mögliche Schadeffekte sind z. B.:

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  • Schwächung und Störung des Immunsystems mit erhöhtem Risiko für eine Fehlregulation des Immunsystems
  • Entzündungen
  • Oxidativer Stress
  • Schädigung der Mitochondrien
  • Störung der Darmflora

In Bezug auf das Gehirn und die Entstehung von neurologischen Erkrankungen, sind wichtige Beispiele, u. a. die Schadwirkungen des Unkrautvernichters Glyphosat und des toxischen Leichtmetalls Aluminium auf das Gehirn. Untersuchungen zeigen wiederum, dass Personen, die an Demenz erkrankt sind, höhere Aluminiumkonzentrationen im Gehirn aufweisen als gesunde Kontrollpersonen.

Ernährung

Die Ernährung vieler Menschen ist neben der Toxinbelastung der Umwelt eine weitere zentrale Ursache bei der Entstehung von chronischen Erkrankungen. stark verarbeitete Lebensmittel mit schädlichen Zusatzstoffen. Diese Faktoren versetzen den Körper in eine proentzündliche Lage, schädigen den Darm, schwächen die Immunabwehr usw. Diese Lebensmittel sind nicht nur ursächlich an der Krankheitsentstehung beteiligt, sondern sind im Fall der Epilepsie auch dafür bekannt, dass sie bei bereits Erkrankten Anfälle nach ihrem Verzehr auslösen bzw. begünstigen können.

Chronischer Stress und Schlafmangel

Chronischer Stress hat vielfältige negative Auswirkungen auf die Gesundheit und ist einer der größten Schadfaktoren in der heutigen Zeit. Mögliche Folgen von chronischem Stress sind z. Schwächung der Immunabwehr und begünstigtes Auftreten von Infektionen oder der Reaktivierung von persistierenden Infektionserregern. Chronischer Stress erhöht folglich das Risiko für sämtliche „Zivilisationskrankheiten“. Medizinisch gesichert durch unzählige Patientenbeispiele ist, dass Stress das Auftreten von Anfällen begünstigt.

Häufiger Schlafmangel oder Schlaf mit zu wenig Tiefschlafphasen hat erhebliche Schadwirkungen auf das Immunsystem und die Darmflora. Weiterhin kann die körperliche Regeneration und Entgiftung nicht korrekt ablaufen, wodurch der Organismus anfälliger wird für andere Schadfaktoren. Aus ganzheitlicher Sicht ist häufiger Schlafmangel ein wichtiger Faktor für die Entstehung von chronischen Erkrankungen und kann somit auch bei der Epilepsie eine Rolle spielen.

Infektionen

Verschiedene Infektionserreger, insbesondere virale Erreger.

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HPU (Hämopyrrollaktamurie)

In Zusammenhang mit einer erhöhten Toxinbelastung des Körpers ist auch die Stoffwechselstörung HPU anzusprechen. Die HPU geht mit einer Störung des Häm-Stoffwechsels einher und kann weitreichende Folgen für die Betroffenen haben. Das Häm-Molekül hat zahlreiche Funktionen im menschlichen Körper. So ist es z. B. ein wichtiger Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Bei HPU-Betroffenen kommt es zu einem Mangel an Häm und wichtigen Mikronährstoffen, insbesondere Mangan, Vitamin B6 und Zink. Die Symptome und Folgeerkrankungen der HPU sind vielfältig. Ein zentrales Prinzip bei der Krankheitsentstehung ist eine Schädigung der Mitochondrien (dies betrifft auch die Energiegewinnung im Gehirn) und eine starke Beeinträchtigung der körpereigenen Entgiftung. Letztlich haben HPU-Betroffene eine deutlich verminderte „Krankheitsschwelle“. Damit ist gemeint, dass Schadfaktoren wie Umwelttoxine, chronischer Stress, Schlafmangel usw. schneller zu Beschwerden und Erkrankungen führen.

Impaktierte Weisheitszähne

Insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen können auch impaktierte Weisheitszähne eine Ursache für Epilepsie sein. Diese Zähne können aufgrund einer schiefen Wachstumsrichtung nicht vollständig in den Mundraum durchbrechen. Der ausgelöste Druck auf sensible, gehirnnahe Bereiche mit vielen Nerven und Blutgefäßen, die dort verlaufen, kann zur Entstehung von Anfällen führen.

Mitochondriale Dysfunktion

Eine Funktionsstörung der Mitochondrien im Gehirn führt auch zu einer Funktionsstörung der Nervenzellen bzw. zu einer erhöhten Anfallsbereitschaft. Neben den genannten toxischen Einflüssen und Mikronährstoffmängeln, kann auch ein Halswirbelsäulentrauma zu einer mitochondrialen Dysfunktion führen.

Darmgesundheit und Darm-Hirn-Achse

Eine gestörte Darmflora und ein durchlässiger Darm führen dazu, dass vermehrt Toxine aus dem Darm in den Körper gelangen und dort u. a. chronische Entzündungsvorgänge auslösen und die Belastung an oxidativem und nitrosativem Stress im Körper erhöhen. Dies ist wiederum eine wichtige Ursache für eine Schädigung der Mitochondrien. Zwischen dem Darm und dem Gehirn besteht eine enge Verbindung, die man als Darm-Hirn-Achse bezeichnet. Bei einem geschädigten Darm ist das Gehirn auf vielfältige Weise mitbetroffen.

Insulinresistenz

Bei einer Insulinresistenz sprechen die Zellen schlechter auf Insulin an und können weniger effizient Glucose aus dem Blut aufnehmen. Dadurch kann eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) entstehen. Auch dies ist eine mögliche Ursache bzw. Ein Trigger für Anfälle. Eine Insulinresistenz wird u. a. verursacht durch ein Leaky-Gut-Syndrom und bakterielle Toxine.

Medikamenten-Nebenwirkungen

Eine Ursache, warum es zu bestimmten Nebenwirkungen kommt, liegt darin begründet, dass verschiedene Epilepsie-Medikamente die Vitamin-D-Bildung hemmen. Damit zusammenhängen könnten z. B. Weiterhin können einige dieser Wirkstoffe auch die Aufnahme und Verstoffwechslung verschiedener Mikronährstoffe beeinträchtigen.

Diagnose

Die Diagnose von Epilepsie umfasst mehrere Schritte und beginnt normalerweise mit einer gründlichen Befragung und körperlichen Untersuchung durch einen Neurologen. Um die Diagnose zu bestätigen und andere mögliche Ursachen auszuschließen, werden verschiedene diagnostische Tests durchgeführt. Dazu gehören z. B.:

  • Elektroenzephalographie (EEG): Dies ist der wichtigste Test zur Diagnose von Epilepsie. Das EEG misst die elektrische Aktivität im Gehirn über Elektroden, die auf der Kopfhaut platziert werden.
  • Bildgebende Verfahren: Methoden wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Computertomographie (CT) können verwendet werden, um strukturelle Veränderungen oder Abnormalitäten im Gehirn zu erkennen, die Anfälle verursachen könnten, wie z. B. Tumore, Narben oder Gefäßfehlbildungen.
  • Blutuntersuchungen: Diese können helfen, andere Erkrankungen auszuschließen, die Anfallsleiden imitieren könnten.

Therapieansätze

Für die Behandlung von Epilepsien stehen heute zahlreiche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Die bekannteste Therapie ist die Einnahme von Medikamenten, den Anfallssuppressiva. Doch auch Operationen wie die Vagusnerv-Stimulation (Neurostimulation) stehen zur Verfügung, ebenso wie die ketogene Ernährungstherapie (KET). Welche Therapie für die jeweiligen Patientinnen und Patienten geeignet ist, hängt vor allem vom individuellen Krankheitsbild, der Anfallsform und den damit verbundenen Besonderheiten ab.

Die Behandlung von Epilepsie zielt nicht nur auf die Kontrolle epileptischer Anfälle ab, sondern berücksichtigt den gesamten Menschen in seiner individuellen Lebenssituation. Es geht darum, die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern und ihnen trotz der Erkrankung ein erfülltes Leben zu ermöglichen. Dabei stehen nicht nur medizinische Aspekte im Vordergrund, sondern auch psychologische, soziale und emotionale Faktoren. Die Epilepsie wird als Systemerkrankung betrachtet, die nicht nur Anfälle verursacht, sondern auch andere Bereiche des Lebens beeinflussen kann. Daher ist ein ganzheitlicher, interdisziplinärer Ansatz in der Behandlung essentiell. Die Beziehung zwischen Ärztinnen und Ärzte und Patientinnen und Patienten ist zentral. Es geht nicht nur darum, eine Krankheit zu behandeln, sondern einen Menschen in einer bestimmten Lebensphase mit all seinen Ängsten, Hoffnungen und Wünschen.

Medikamentöse Therapie

Ist eine Epilepsie diagnostiziert und die Form der epileptischen Anfälle genau charakterisiert, kann eine passende Therapie angewandt werden. Diese beginnt meist mit Medikamenten (Anfallssuppressiva / Antikonvulsiva), mit deren Hilfe etwa zwei von drei Patientinnen und Patienten anfallsfrei werden. Allerdings müssen die Medikamente dafür häufig über Jahre, oder sogar ein Leben lang eingenommen werden. Zudem wirken die verschiedenen Wirkstoffe nicht bei allen Betroffenen gleichermaßen und gehen oft mit unterschiedlichsten Nebenwirkungen einher. Die genaue Auswahl und Einstellung der Medikation kann deshalb oft Monate oder sogar Jahre dauern und erfordert regelmäßige Untersuchungen und vor allem ein großes Vertrauen zwischen Angehörigen, Ärztinnen und Ärzte und Patientinnen und Patienten.

Die verwendeten Anfallssuppressiva und Medikamente werden immer in enger Abstimmung mit Arzt oder Ärztin gewählt.

Die Monotherapie, bei der nur ein Antikonvulsivum eingesetzt wird, ist in der Regel der erste Schritt in der Behandlung von Epilepsie. Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Einfachheit: Es gibt eine klare Übersicht über Wirksamkeit und Nebenwirkungen, und die Medikamenten-Compliance der Patientinnen und Patienten ist am höchsten. Bei Epilepsien fokalen Ursprungs sind beispielsweise Carbamazepin, Lamotrigin, Levetiracetam, Topiramat und Valproinsäure Mittel der ersten Wahl.

Die Kombinationstherapie kommt ins Spiel, wenn die Monotherapie nicht den gewünschten Erfolg bringt. Hier werden zwei oder mehr Antikonvulsiva kombiniert, um verschiedene, sich ergänzende Wirkmechanismen zu nutzen. Dies kann die Wirksamkeit der Behandlung erhöhen.

Die Entscheidung zwischen Mono- und Kombinationstherapie sollte immer individuell getroffen werden, basierend auf dem klinischen Bild der Patientinnen und Patienten, den bisherigen Therapieerfahrungen und den potenziellen Nebenwirkungen der Medikamente. Oberstes Ziel einer jeden antiepileptischen Therapie muss Anfallsfreiheit oder doch wenigstens Anfallskontrolle sein und zwar mit möglichst geringen Nebenwirkungen.

Gentherapie

Am heutigen Tag der Epilepsie berichtet Prof. Dr. Regine Heilbronn, von EpiBlok Therapeutics GmbH, von einer neuen Gentherapie, bei der ein Adeno-assoziiertes Virus (AAV) das Gen für das Neuropeptid Dynorphin gezielt in Neurone der betroffenen Hirnregion bringt. Ziel ist eine langfristige Unterdrückung von Anfällen, indem die Nervenzellen Dynorphin auf Vorrat produzieren und bei Bedarf ausschütten. EpiBlok entwickelt einen Genvektor, der epileptische Anfälle am Ort der Entstehung verhindern kann. Die schonende Einmaltherapie wird nur zum Zeitpunkt der Anfallsentstehung aktiviert. Es handelt sich um einen AAV-basierten Genvektor, der schützende Neuropeptide fokal produziert und speichert. Diese werden nur bei starker Erregung freigesetzt, wie zu Beginn eines Anfalls. Gefördert durch das GO-Bio-Förderprogramm validieren wir derzeit den Genvektor, um ihn als minimalinvasive Einmaltherapie klinisch zu prüfen und zulassungsfähig zu machen. Unsere Vision ist es, die heute üblichen Therapien von fokalen Epilepsien mit antiepileptischen Medikamenten mit starken Nebenwirkungen oder mittels invasiver Operationen in Zukunft durch unsere lokale, minimal-invasive, und ‚on demand‘ erfolgende Therapie abzulösen.

Chirurgische Eingriffe und Neurostimulation

Bei Patienten, bei denen die medikamentöse Epilepsie-Therapie nicht wirkt, können weiterführende Maßnahmen eingesetzt werden. Dazu zählen chirurgische Eingriffe, bei denen bestimmte Hirnareale entfernt werden oder Nervenbahnen gezielt durchtrennt werden. Weiterhin gibt es die Möglichkeit elektrische Geräte zu implantieren, die z. B. den Vagusnerv stimulieren (Vagusnervstimulation).

Stellt sich allerdings nach mindestens einem Jahr, unter maximal möglicher Dosierung und der Verabreichung von mindestens zwei unterschiedlichen Anfallssuppressiva (entweder in Mono- oder Kombinationstherapie) noch immer kein Behandlungserfolg ein, also eine Verbesserung des Anfallsgeschehens, handelt es sich eventuell um eine pharmakoresistente Epilepsie (Epilepsie spricht nicht auf Medikamente an). Dann gibt es weitere Optionen. In diesem Fall können unter Umständen andere Behandlungsmöglichkeiten greifen, zum Beispiel die Epilepsiechirurgie und Neurostimulation (Vagusnervstimulation).

Ernährungstherapie

Die Ernährung ist ein zentrales Element bei der Behandlung der Epilepsie. Lebensmittel, die antientzündlich wirken und reichlich Vitalstoffe liefern, sowie ballaststoffreiche Lebensmittel, die die Darmgesundheit fördern, sollten die Basis der Ernährung darstellen. Nüsse, Mandeln, Samen, gesunde Öle, Fisch bzw. Fleisch. Vermieden werden sollten z. B. zuckerreiche oder stark verarbeitete Produkte mit vielen Zusatzstoffen sowie ungesunden Fetten. Weiterhin ist es wichtig auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, da Dehydratation Anfälle auslösen kann.

Für Epileptiker wird immer wieder die ketogene Ernährung empfohlen, da Studien gezeigt haben, dass diese Art der Ernährung die Anfallshäufigkeit bei Epilepsie reduzieren kann. Die ketogene Ernährungsweise ist sehr fettreich und gleichzeitig arm an Kohlenhydraten. Etwa 90 % der täglichen Kalorien werden in Form von Fetten aufgenommen. Proteine werden im Erhaltungsbedarf zugeführt. Die ketogene Ernährung bewirkt, dass der Körper in den Zustand der Ketose wechselt. Durch den Entzug von Kohlenhydraten beginnen die Zellen Fett anstelle von Glukose als Brennstoff einzusetzen. Einige Zelltypen, darunter die Nervenzellen des Gehirns, rote Blutkörperchen und die Zellen des Nierenmarks, sind nicht in der Lage Fett als Energiequelle heranzuziehen.

Forscher erklären die Erfolge der ketogenen Ernährung dadurch, dass eine Glukose-unabhängige Energieversorgung des Gehirns sichergestellt ist. Epilepsie geht in vielen Fällen mit einer Störung des Energie- bzw. des Kohlenhydratstoffwechsels und einer Insulinresistenz einher. Verdauungsprobleme.

Eine strenge ketogene Ernährungsweise ist letztlich nicht für eine dauerhafte Ernährung geeignet, insbesondere nicht für Kinder. Die im Abschnitt „Ernährung bei Epilepsie“ aufgeführten Lebensmittel stellen eine vollwertige Ernährung dar und versorgen den Körper mit hochwertigen Fetten und Eiweißen und komplexen Kohlenhydraten. Dadurch werden Blutzuckerspitzen und eine Unterzuckerung vermieden.

Darmsanierung

Idealerweise wird dazu im Vorfeld eine mikrobiologische Untersuchung des Stuhls durchgeführt. Diese sollte u.a. eine DNA-Analyse der Darmbakterien, Bestimmung von Verdauungsrückständen (z. B. Fette, Zucker), den pH-Wert des Stuhls und die Darmwandparameter (z. B. Zonulin, Calprotectin, beta-Defensin) beinhalten. Die Behandlung besteht aus verschiedenen Prä- und Probiotika sowie verschiedenen weiteren Stoffen, die die Darmschleimhaut schützen oder ernähren (z. B. Glycin, Glutamin, kurzkettige Fettsäuren) oder den pH-Wert im Darm regulieren (z. B. rechtsdrehende Milchsäure).

Nahrungsergänzungsmittel

Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel können die Therapie sinnvoll ergänzen. Im Folgenden wird eine Auswahl davon vorgestellt. Ein niedriger Magnesiumwert kann das Auftreten von Anfällen begünstigen und kommt häufiger bei Epilepsie-Patienten vor. Glutamat ist ein wichtiger erregender Neurotransmitter. Bei chronischem Stress kommt es zu einer übermäßigen Ausschüttung.

Verhaltensorientierte Strategien

Verhaltensorientierte Strategien werden meist ergänzend zu Ihrer medikamentösen Therapie eingesetzt und in der Regel von Ihrer Krankenkasse bezahlt. ​​​​​​​Nach und nach lernen Sie, Ihre Krankheit besser zu verarbeiten, zu akzeptieren und mit ihr umzugehen. Durch die psychische Entlastung kann es zu einer deutlichen Verbesserung der Anfallssituation kommen, besonders dadurch, dass die Angst vor der Krankheit gemildert wird.

Anfallstagebuch und Anfallsunterbrechung

Bei manchen Menschen führen bestimmte Auslöser, wie ein Schreck oder Flackerlicht, fast immer zu einem Anfall. Manche anfallsfördernde Faktoren erhöhen erst in Kombination die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls: Hier führt dann ein Schreck zum Beispiel nur bei zusätzlicher Anspannung oder Müdigkeit zu einem Anfall. Um solche Zusammenhänge zuverlässig zu entdecken, ist eine genaue Beobachtung erforderlich, am besten in Form eines Tagebuchs. Hier halten Sie fest, welche Faktoren Ihre Anfälle fördern, wie diese aussehen und wie oft und in welchen Formen sie auftreten, aber auch, in welchen Situationen selten oder nie Anfälle auftreten. Diese „stabilen Lebenssituationen“ sind für die Behandlung sehr wichtig.

Wenn wir anfallsfördernde Faktoren ermittelt haben, erarbeiten wir gemeinsam mit Ihnen einen gesundheitsfördernden Umgang mit diesen Situationen. Anfallsauslöser wie Flackerlicht können Sie zum Beispiel durch das Tragen einer dunklen Brille vermeiden. Faktoren, wie Schreck oder Wetterwechsel, sind unvermeidlich. Wenn man allerdings herausgefunden hat, dass zusätzliche Risikofaktoren, wie Schlafmangel oder Stress, eine Rolle spielen, kann man versuchen, diese zu beeinflussen.

Wenn der Anfall mit einer Aura beginnt, gibt es eine weitere Möglichkeit der Anfallsabwehr: die Unterbrechung der Aura. Die Grundregel für ein wirksames „Gegenmittel“ lautet, dass das „Gegenteil“ der Anfallssymptome versucht werden sollte: Einem „epileptischen Kribbeln“ wird durch Reiben der betroffenen Körperstelle begegnet, ein komischer Geschmack im Mund kann durch Einnahme einer Prise Salz unterbrochen werden, bei plötzlicher und intensiver Wahrnehmung der Farbe Rot wird intensiv an die Farbe Grün gedacht. Das Gegenmittel aktiviert gezielt die Nervenzellen, die dem epileptischen Herd benachbart sind, und verhindert so die Ausbreitung der Anfallsaktivität im Gehirn. Die Entwicklung von Strategien der Anfalls-Unterbrechung kann durch EEG-Biofeedback-Verfahren unterstützt werden.

Leben mit Epilepsie

Die Prognose variiert dabei je nach Form der Epilepsie stark. Fest steht aber, dass eine Epilepsie fast immer behandelt werden muss. Obwohl es gelegentlich vorkommt, dass eine Epilepsie ohne Therapie ausheilt, ist in der Regel eine Behandlung erforderlich. Es besteht die Möglichkeit, dass sich die abnorme Reaktion des Anfalls im Gehirn immer mehr „einschleift“ und so ein Anfall den Weg für den nächsten ebnet („Bahnung“). Eine Besserung kann hier nur eintreten, wenn dieser ungünstige Kreislauf durchbrochen wird. Deshalb ist es wichtig, dass auf die Frühdiagnose die Frühbehandlung erfolgt. Oft kommen zu sogenannten "kleinen Anfällen" (zum Beispiel Absencen und Auren) später "große Anfälle" (Grand-mal-Anfall) hinzu - gelegentlich erst viele Monate oder gar Jahre nach dem Beginn der Epilepsie. Da die meisten Anfälle ohne Vorwarnung auftreten, sind epilepsiekranke Menschen bei Anfällen, die mit Bewusstlosigkeit, Umdämmerung, Gleichgewichtsstörungen oder Sturz einhergehen, unfallgefährdet - z. B. beim Klettern, im Straßenverkehr, beim Radfahren, auf Treppen, in der Badewanne oder beim Schwimmen. In der Regel tritt durch die epileptischen Anfälle selbst - gleichgültig, ob es sich um kleine oder große Anfälle handelt - keine Schädigung von Hirnzellen ein. Nur bei einem Status epilepticus, bei häufigen Serien und bei einer absolut hohen Zahl von „großen“ Anfällen (z. B. 100 und mehr im Jahr) kann es als Folge von Sauerstoffmangel und anderen Störungen zu einer Hirnzellen-Schädigung kommen.

Notfallausweis und Anfallskalender

Einen Anfallskalender zu führen kann insbesondere in Phasen der Umstellung der Medikation sehr hilfreich sein, um zu schauen, welchen Effekt die Umstellung der Medikation hat. Ich empfehle in der Regel bei meinen Patienten immer, in bestimmten Phasen, aber nicht zwangsläufig dauerhaft Anfallskalender zu führen. Das ist individuell etwas unterschiedlich - der eine möchte gerne dauerhaft die Anfälle protokollieren, der andere fühlt sich dadurch eher eingeschränkt. Insofern ist das Führen eines Anfallskalenders zwischen den empfohlenen Zeiten eine freiwillige Sache - während einer Therapieumstellung oder beim Auseinanderhalten von bestimmten Anfallstypen ist es jedoch wichtig und sinnvoll. Weiters macht das auch über eine bestimmte Zeit Sinn, um eine Erhebung zu haben, wie viel Anfälle im Schnitt als Grundaussage vorkommen. Das macht Sinn, wenn man z.B. die Therapie umstellt.

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