Musikinstrumente lernen bei Epilepsie: Möglichkeiten, therapeutische Effekte und innovative Ansätze

Die Integration von Musik und Musikinstrumenten in das Leben von Menschen mit Epilepsie bietet vielfältige Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verbessern. Neben dem reinen Musikgenuss können das Erlernen und Spielen von Musikinstrumenten therapeutische Effekte haben und zur Förderung von Kreativität und Entspannung beitragen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Musizierens bei Epilepsie, von den potenziellen Vorteilen bis hin zu innovativen Ansätzen, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zugeschnitten sind.

Musizieren als Recht und Chance zur Teilhabe

Auch Menschen mit leichten wie schweren Behinderungen wollen musizieren. Es ist gesetzlich verankert: Auch Menschen mit Behinderungen haben das Recht, an Kultur teilzuhaben. Das aktive Musizieren gehört aus meiner Sicht zur Bildung und zur musikalischen Bildung dazu. Musik berührt und bewegt seit Jahrtausenden die Menschen. Für das klangliche und musikalische Erleben besteht weitgehende Unabhängigkeit von körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen.

Die therapeutische Wirkung von Musik bei Epilepsie

Vor Jahren schon kam ich mit seiner Mutter ins Gespräch, und sie erzählte, dass ihr Kind unter Epilepsie leide. Seitdem er nun bei mir im Unterricht war, verbesserte sich der Zustand mehr und mehr. Der behandelte Arzt konnte das nur staunend beobachten, dass das Klavierspiel solch einen therapeutischen Effekt auslöste und es begrüßte, dass durch die Musik gute Fortschritte im Krankheitszustand zu beobachten waren. Die Anfälle kamen immer seltener.

Musik wirkt immer sofort, nicht erst nach mehreren Sitzungen. Ängste und Trauer, gesundheitliche Einschränkungen wie Sprach- und Bewegungsstörungen, z.B. bei Schlaganfallpatienten überbrückt sie, aktiviert Menschen mit kognitiven Einschränkungen, wie beispielsweise bei Multipler Sklerose oder Demenz. Uns allen hilft Musik vorbehaltlos in krisenhaften und tragischen, herausfordernden Lebenslagen.

Der Mozart-Effekt

Auch die wohltuende Wirkung bei Epilepsie ist bereits länger bekannt. Um die Wirkmechanismen zu untersuchen, haben US-amerikanische Forscher jetzt die Gehirne von 16 Patienten mit Epilepsie genau überwacht. Für die Beobachtung der Gehirnfunktionen wurden sie mit EEG-Gehirnimplantaten ausgestattet. Nachdem sie die Sonate mindestens 30 Sekunden lang gehört hatten, stellten die Wissenschaftler bereits eine Abnahme von IED statt. Diese Buchstaben bezeichnen intrakranielle interiktale epileptiforme Entladungen. Diese potenziell schädliche Aktivität der Neuronen findet bei Epileptikern zwischen Anfällen statt. Außerdem verzeichneten die Wissenschaftler eine Erhöhung der Theta-Aktivität bei längeren musikalischen Übergängen im Musikstück. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: „Diese Ergebnisse legen nahe, dass der „Mozart K-448-Effekt“ von der Expositionsdauer abhängt und bevorzugt die Aktivität in frontalen emotionalen Netzwerken modulieren kann, was einen Einblick in den dieser Reaktion zugrunde liegenden Mechanismus ermöglicht. Der von Wissenschaftlern belegte K-448-Effekt zeigt, dass die Klänge dieser Sonate das räumliche Denken vorteilhaft beeinflussen - allerdings nur vorübergehend.

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Musik als Entspannungstechnik und Stressabbau

Ein ganzes Wochenende lang haben sich die Teilnehmer beim Workshop mit den Themen Stress, Entspannung und Musik beschäftigt. Alle kennen den Teufelskreis, dass Stress Anfälle auslösen und ein Anfall mit seinen Folgen wiederum zum Stress werden kann, genauso wie die Angst vor den Anfällen. In der Gruppe erfuhren die Teilnehmer viel über die Hintergründe dieses Phänomens und lernten Möglichkeiten kennen, Musik zur Entspannung zu nutzen.

Die Musik stand im Mittelpunkt der Entspannungsmethoden. Neben dem gemeinsamen aktiven Musizieren lernten die Teilnehmenden auch sehr unterschiedliche Musik vom Band kennen, konnten ihre Vorlieben für Musikstile und Klänge kennen lernen und bekamen Tipps, wie sie Musik zur Entspannung zu Hause nutzen können.

Die Rolle der Musiktherapie

Von Henrike Staab-Kupke, Dipl. Soz.päd., Musiktherapeutin, erfuhren die Teilnehmer, wie Musik wirkt und welche Unterstützungsmöglichkeiten die Musiktherapie für Menschen mit Epilepsie anbietet.

Mit Hilfe einer Musiktherapie können Klänge daher helfen bei Gedächtnisverlust, bei der Parkinson-Krankheit oder dem Tourette-Syndrom.

Innovative Instrumente und inklusive Musikpädagogik

Die Praxis sieht anders aus, wie die empirischen Untersuchungen von Andreas Förster deutlich machen: Er hat sich mit dem Thema Musik in deutschen Förderschulen beschäftigt und schnell festgestellt, dass digitale Instrumente hier sehr selten sind. „Anders als im Ausland kommen fast nur akustische Instrumente zum Einsatz“, sagt Andreas Förster. Schülerinnen und Schüler, die nicht die entsprechenden Fertigkeiten mitbringen, können somit nicht selbst musizieren. Im Rahmen seiner Dissertation hat Andreas Förster deshalb gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und dem Team einer Förderschule digitale Instrumente entwickelt, die auf die körperlichen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder abgestimmt wurden. Es entstanden zwanzig Prototypen - Gitarreninstrumente und loopbasierte Instrumente für elektronische Musik, wie beispielsweise Techno.

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Ziel ist es, ein modulares System zu entwickeln, bei dem digitale Musikinstrumente an die individuellen Fähigkeiten der unterschiedlichen Personen angepasst werden können - ohne besondere technische und musikpädagogische Kenntnisse.

Das SnoeSky-Projekt

Das erste Instrument, das Andreas Förster gebaut hat, kann weit mehr als nur Klänge erzeugen: „SnoeSky“ ist eine Art Sternenhimmel, bei dem Sternbilder aus LED-Lichtern mit Sensoren bestückt wurden. Richtet man das Licht einer Taschenlampe auf sie, leuchten sie auf und lösen zugleich Klänge aus. Für Schülerinnen und Schüler, die auf Interaktionen nur begrenzt reagieren, hat Andreas Förster auch maßgeschneiderte Instrumente entwickelt - und nutzte zum Beispiel eine Rassel, mit der ein Junge häufig spielte. Förster integrierte in ein identisches Modell einen Sensor, der die Bewegung der Rassel per WLAN an den Computer sendet und Klänge auslöst.

Gitarreninstrumente für Menschen mit Behinderungen

Viele Schülerinnen und Schüler, die Andreas Förster im Zuge seines Entwicklungsprojekts befragte, wünschten sich vor allem Gitarreninstrumente. Für den Prototyp seiner Gitarre nutzte er das Gehäuse eines Playstation-Controllers in Form einer Gitarre. Die bereits vorhandenen Buttons auf dem Hals ersetzte er durch eigene Elektronik und installierte sogenannte „Touch Slider“, die das Zupfen der Saiten simulieren. Außerdem lassen sich die Klänge über einen weiteren Hebel umstellen.

Forschung und Entwicklung für inklusive Musikinstrumente

Auf seine Initiative hin wurden an der Universität Köln bereits digitale Instrumente angeschafft, die es schon auf dem Markt gibt, „damit die Studierenden sie nutzen und in ihrem Praxissemester Erfahrungen sammeln können“, sagt er. Die Ergebnisse sollen einfließen in didaktische Konzepte und weitere Forschungsprojekte.

Wir planen gemeinsam mit der Hochschule Furtwangen zunächst eine Pilotstudie. Danach wollen wir versuchen, eine dreijährige Großförderung zu bekommen, und dann würde ich das Projekt als Postdoc begleiten. Langfristig kann ich es noch nicht sagen, aber wir sind gerade auch dabei, zwei der Instrumente so weiterzuentwickeln, dass wir sie Schulen anbieten können. Dabei werden wir durch ein EXIST-Gründerstipendium gefördert.

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Die Bedeutung der Klangumgebung

Aber nicht nur unser Beruf nimmt Einfluss auf die Ausprägung unseres Gehirns, sondern auch unsere alltägliche Klangkulisse spielt dafür eine entscheidende Rolle, meint Sacks. Die Klingeltöne von Handys, aber auch die Melodien in Werbung und TV-Serien sind ja gerade dafür konzipiert, sich als leicht wiedererkennbare Jingles im Gehirn festzukrallen wie Angelhaken.

Musikogene Epilepsie und musikalische Halluzinationen

Einen Ohrwurm kennt fast jeder. Aber schon mal von musikogener Epilepsie, musikalischen Krampfanfällen oder musikalischen Halluzinationen gehört?

Getoppt wird dieses Krankheitsbild in negativer Hinsicht vielleicht nur noch von Epilepsien und Krampfanfällen, die durch Musik ausgelöst werden. Für den 45-jährigen Jon S. etwa war eine (eingebildete) schöne, melancholische Geigenmelodie der trügerische Vorbote zu einem heftigen Krampfanfall, der ihn ins Krankenhaus beförderte. Solche drastischen Fehlzündungen der Musik, die Sacks in seinem Buch anschaulich darstellt und aus neurologischer Perspektive kommentiert, sind zum Glück sehr selten.

Die Stimme als Spiegel des Körpers

Die Stimme ist das Fenster zu allem, was in unserem Körper vor sich geht. Das ist wichtig zu wissen, da unser Körper von unseren Emotionen bestimmt wird. AO SCAN INNER VOICE analysiert in 10 Sekunden über 10.000 Frequenzen von denen 2 000 für die Stimme relevant sind und identifiziert Bereiche des Körpers, die energetisch beeinträchtigt sind.

Weitere Aspekte und Forschungsbereiche

  • Obertonmusik: Informationen über verschiedene obertonreiche Instrumente; Entstehung und Wirkung von Obertönen; Selbsterfahrung mit ausgesuchten Instrumenten; Obertoninstrumente in der Heilpädagogik; Therapieansätze, Forschungsprojekte und Literatur.
  • Herzfrequenzvariabilität (HRV): Die Herzratenvariabilitätsmessung (HRV) sagt viel aus über den Gesundheitszustand und hilft die richtigen Maßnahmen zu treffen, um auch im Alter fit zu bleiben (inkl. Biologischem Alter, Bioenergie­feld, Chakras und Meridiane).
  • Quantenmotorik: Jürgen Woldt ist Pionier in der praktischen Bewegungsforschung und Begründer der Quantenmotorik, die den Einfluss von Körperfeldenergien in Zusammenhang mit Bewegung und Natur betrachtet. Sein neuer Denkansatz in der Beeinflussung der formgebenden Körperfelder durch uns selbst, mit Auswirkung auf die Gesundheit, ist weltweit einmalig.

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