Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen und kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien erheblich beeinträchtigen. Die Behandlung von Epilepsie erfordert oft einen multidisziplinären Ansatz, und in manchen Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig, um eine umfassende Diagnostik und Therapie sicherzustellen. Dieser Artikel beleuchtet die Gründe für einen stationären Aufenthalt, die typische Dauer und die verschiedenen Aspekte der Behandlung im Krankenhaus.
Gründe für einen stationären Aufenthalt bei Epilepsie
Ein Krankenhausaufenthalt kann bei Epilepsie aus verschiedenen Gründen erforderlich sein:
- Abklärung neu aufgetretener Anfälle: Bei Menschen, die zum ersten Mal einen Anfall erleiden, ist eine stationäre Aufnahme sinnvoll, um den Verdacht auf Epilepsie zu bestätigen und andere mögliche Ursachen für anfallsartige Attacken auszuschließen. Dazu ist in der Regel eine Langzeit-EEG-Aufzeichnung über mehrere Tage und Nächte erforderlich.
- Ursachendiagnostik: Bei Menschen mit bereits bekannter Epilepsie kann ein stationärer Aufenthalt notwendig sein, um die Ursache der Epilepsie zu diagnostizieren. Bestimmte Ursachen erfordern möglicherweise andere Behandlungsansätze als eine rein medikamentöse Therapie, wie z.B. eine Operation oder Immuntherapie.
- Schwer behandelbare Epilepsie: Patienten mit schwer behandelbarer Epilepsie, bei denen mehrere Medikamente gleichzeitig eingesetzt werden oder die Anfallssituation nicht zufriedenstellend ist, können von einem stationären Aufenthalt profitieren. In diesem Rahmen kann eine Medikamentenumstellung erfolgen, die ambulant nicht möglich oder zu riskant ist.
- Prächirurgische Anfallsdiagnostik: Wenn eine medikamentöse Behandlung nicht zu Anfallsfreiheit führt, kann eine prächirurgische Anfallsdiagnostik durchgeführt werden, um zu klären, ob eine epilepsiechirurgische Behandlung in Frage kommt.
- Komplexe Behandlung: Für Menschen mit schwer behandelbarer Epilepsie, die keine Kandidaten für eine epilepsiechirurgische Behandlung sind oder diese nicht wünschen, kann eine stationäre Komplexbehandlung angeboten werden.
Die Epilepsy Care Unit (ECU)
Viele Krankenhäuser verfügen über spezielle Stationen für die Behandlung von Epilepsie, sogenannte Epilepsy Care Units (ECU). Diese Stationen sind auf die besonderen Bedürfnisse von Epilepsiepatienten zugeschnitten und bieten eine umfassende Überwachung und Betreuung.
In einer ECU können über einen Zeitraum von mehreren Stunden bis zu mehreren Tagen kontinuierlich die Hirnströme der Patienten gemessen werden (Langzeit-EEG). Parallel dazu erfolgt eine Videoaufzeichnung, manchmal auch eine Audioaufzeichnung (Video-EEG). Dies ermöglicht es, Anfälle aufzuzeichnen und zu analysieren, um die Diagnose zu sichern und den Anfallsursprung zu lokalisieren.
Die ECU steht auch Patienten zur Verfügung, bei denen eine schwer behandelbare Epilepsie besteht. Werden beispielsweise mehrere Medikamente zur Behandlung der Epilepsie gleichzeitig eingesetzt, können unerwünschte (Neben-)Wirkungen auftreten, die die Lebensqualität beeinträchtigen.
Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?
Dauer des Krankenhausaufenthalts
Die Dauer eines Krankenhausaufenthalts bei Epilepsie kann stark variieren und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B.:
- Grund für die Aufnahme: Eine einfache Abklärung neu aufgetretener Anfälle erfordert in der Regel einen kürzeren Aufenthalt als eine umfassende prächirurgische Diagnostik oder eine Medikamentenumstellung bei schwer behandelbarer Epilepsie.
- Komplexität der Diagnostik: Je umfangreicher die erforderlichen Untersuchungen sind, desto länger dauert der Aufenthalt.
- Ansprechen auf die Therapie: Wenn eine Medikamentenumstellung erforderlich ist, kann die Dauer des Aufenthalts davon abhängen, wie schnell der Patient auf die neuen Medikamente anspricht und wie gut die Anfälle kontrolliert werden können.
- Individuelle Bedürfnisse des Patienten: Manche Patienten benötigen möglicherweise eine längere Betreuung und Unterstützung, um mit ihrer Erkrankung umzugehen und die Therapie in ihren Alltag zu integrieren.
Im Allgemeinen kann die Dauer eines stationären Aufenthalts bei Epilepsie zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen liegen. Eine stationäre Komplexbehandlung erfordert in der Regel einen Aufenthalt von mindestens einer Woche.
Ablauf eines stationären Aufenthalts
Ein stationärer Aufenthalt bei Epilepsie umfasst in der Regel die folgenden Schritte:
- Aufnahmegespräch: Am Tag der Aufnahme findet ein Aufnahmegespräch mit Arzt, Pflegepersonal und gegebenenfalls Psychologen statt. Dabei werden die Krankengeschichte, die aktuellen Beschwerden und die Ziele des Aufenthalts besprochen.
- Diagnostische Maßnahmen: Je nach Grund für die Aufnahme werden verschiedene diagnostische Maßnahmen durchgeführt, wie z.B. EEG, Video-EEG, MRT, neuropsychologische Untersuchungen und andere bildgebende Verfahren.
- Therapieplanung: Auf Grundlage der Diagnose wird ein individueller Therapieplan erstellt, der Medikamentenumstellung, nicht-medikamentöse Behandlungen (z.B. Stimulationsverfahren, ketogene Diät) und supportive Maßnahmen umfassen kann.
- Therapiedurchführung: Die Therapie wird unter engmaschiger Überwachung durchgeführt. Bei einer Medikamentenumstellung werden die Medikamente schrittweise angepasst und die Anfallssituation sowie mögliche Nebenwirkungen beobachtet.
- Begleitende Therapien: Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung können begleitende Therapien wie Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und Neuropsychologie in Anspruch genommen werden.
- Entlassungsplanung: Vor der Entlassung findet ein Abschlussgespräch statt, in dem die Ergebnisse des Aufenthalts, die weitere Therapie und die notwendigen Maßnahmen für den Alltag besprochen werden.
Mögliche Behandlungen und Therapien im Krankenhaus
Während eines stationären Aufenthalts bei Epilepsie können verschiedene Behandlungen und Therapien zum Einsatz kommen:
- Medikamentöse Therapie: Die meisten Epilepsiepatienten werden mit Medikamenten (Antiepileptika) behandelt. Ziel ist es, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern. Die Auswahl des geeigneten Medikaments und die Dosierung werden individuell auf den Patienten abgestimmt.
- Chirurgische Behandlung: In manchen Fällen kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, um den Epilepsieherd im Gehirn zu entfernen. Dies kommt besonders für Patienten in Frage, die trotz Behandlung mit mindestens zwei Medikamenten nicht anfallsfrei geworden sind (Pharmakoresistenz).
- Stimulationsverfahren: Bei Patienten, bei denen eine Operation nicht möglich oder nicht gewünscht ist, können Stimulationsverfahren wie die Vagusnerv-Stimulation eingesetzt werden. Dabei wird ein kleines Gerät implantiert, das elektrische Impulse an den Nervus vagus sendet, um die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
- Ketogene Diät: In bestimmten Fällen kann eine Ernährungsumstellung, wie z.B. die ketogene Diät, epileptische Anfälle verringern.
- Psychologische Betreuung: Epilepsie kann psychische Belastungen verursachen. Eine psychologische Betreuung kann helfen, mit der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Sozialberatung: Eine Sozialberatung kann bei Fragen zu sozialen Leistungen, beruflicher Wiedereingliederung und Sicherstellung der Lebensgrundlagen unterstützen.
Besonderheiten während des stationären Aufenthalts
Während des stationären Aufenthalts gibt es einige Besonderheiten zu beachten:
Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail
- Bettruhe: Im Rahmen der prächirurgischen Diagnostik kann es notwendig sein, die anfallsschützenden Medikamente vorübergehend zu reduzieren oder zu pausieren. Aus Sicherheitsgründen wird in diesem Fall Bettruhe verordnet.
- Freizeitaktivitäten: In Absprache mit dem Arzt können Freizeitaktivitäten wie Spaziergänge im Klinikgelände oder die Teilnahme an Veranstaltungen im Krankenhaus möglich sein.
- Besuchszeiten: Die Besuchszeiten sind in der Regel festgelegt. Es ist ratsam, sich vorab über die geltenden Regelungen zu informieren.
- Wertsachen: Wertsachen sollten sicher aufbewahrt werden, entweder im Wertfach des Wäscheschranks oder im Tresor der Hauptkasse.
- Rauchen und Alkohol: Alkoholische Getränke sind während des stationären Aufenthalts nicht gestattet. Rauchen ist nur außerhalb des Gebäudes an dafür vorgesehenen Plätzen erlaubt.
Nach dem Krankenhausaufenthalt
Nach dem Krankenhausaufenthalt ist eine kontinuierliche ambulante Betreuung wichtig, um die Therapie fortzusetzen und den Behandlungserfolg zu sichern. Dazu gehören regelmäßige Arztbesuche, die Einnahme der Medikamente gemäß Verordnung und die Teilnahme an begleitenden Therapien.
Lesen Sie auch: Ein umfassender Leitfaden zur idiopathischen generalisierten Epilepsie
tags: #epilepsie #krankenhaus #dauer