Epilepsie Medikamente und Gewichtszunahme: Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Die Behandlung von Epilepsie umfasst in der Regel die Einnahme von Antiepileptika (AEDs). Diese Medikamente können jedoch verschiedene Nebenwirkungen haben, darunter auch Gewichtszunahme oder -abnahme. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den Zusammenhang zwischen Epilepsie-Medikamenten und Gewichtsschwankungen.

Einführung

Die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie wird maßgeblich durch die Verträglichkeit der eingesetzten Antiepileptika beeinflusst. Während einige Medikamente gewichtsneutral sind, können andere zu einer unerwünschten Gewichtszunahme oder -abnahme führen. Diese Gewichtsschwankungen sind nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern können auch die Gesundheit und das Wohlbefinden der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Valproinsäure und Gewichtszunahme

Valproinsäure ist ein Antiepileptikum, das häufig zur Behandlung verschiedener Anfallsformen eingesetzt wird. Eine der häufigsten Nebenwirkungen von Valproinsäure ist die Gewichtszunahme. Studien haben gezeigt, dass Patienten, die Valproinsäure einnehmen, im Durchschnitt mehr Gewicht zunehmen als Patienten, die andere Antiepileptika einnehmen.

Mechanismus der Gewichtszunahme

Der genaue Mechanismus, der zur Gewichtszunahme unter Valproinsäure führt, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass Valproinsäure den Appetit steigern und den Stoffwechsel beeinflussen kann. Darüber hinaus kann Valproinsäure zu Wassereinlagerungen im Körper führen, was ebenfalls zu einer Gewichtszunahme beitragen kann.

Klinische Bedeutung

Die Gewichtszunahme unter Valproinsäure kann erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Patienten haben. Übergewicht und Adipositas sind Risikofaktoren für verschiedene Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten. Darüber hinaus kann die Gewichtszunahme das Selbstwertgefühl der Patienten beeinträchtigen und zu psychischen Problemen führen.

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Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

Valproinsäure kann bei Frauen das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) auslösen oder verschlimmern. PCOS ist eine Hormonstörung, die mit Unregelmäßigkeiten des Menstruationszyklus, Akne, Hirsutismus (vermehrte Körperbehaarung) und Unfruchtbarkeit einhergehen kann. PCOS ist auch mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht, Insulinresistenz und Diabetes verbunden.

Andere Antiepileptika und Gewichtszunahme

Neben Valproinsäure können auch andere Antiepileptika zu Gewichtszunahme führen, darunter:

  • Gabapentin: Gabapentin wird häufig zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen und Angststörungen eingesetzt. Es kann jedoch auch zu Gewichtszunahme führen, insbesondere bei höheren Dosen.
  • Pregabalin: Pregabalin ist ein ähnliches Medikament wie Gabapentin und wird ebenfalls zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen und Angststörungen eingesetzt. Es hat ein ähnliches Nebenwirkungsprofil wie Gabapentin, einschließlich Gewichtszunahme.
  • Carbamazepin: Carbamazepin ist ein älteres Antiepileptikum, das zur Behandlung verschiedener Anfallsformen eingesetzt wird. Es kann in einigen Fällen zu Gewichtszunahme führen, aber weniger häufig als Valproinsäure, Gabapentin und Pregabalin.

Antiepileptika und Gewichtsabnahme

Einige Antiepileptika können im Gegenteil zu einer Gewichtsabnahme führen. Dazu gehören:

  • Topiramat: Topiramat ist ein Antiepileptikum, das häufig zur Behandlung von Migräne und zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird. Es kann den Appetit unterdrücken und den Stoffwechsel erhöhen, was zu einer Gewichtsabnahme führen kann.
  • Zonisamid: Zonisamid ist ein weiteres Antiepileptikum, das zu Gewichtsabnahme führen kann. Es wirkt ähnlich wie Topiramat, indem es den Appetit unterdrückt und den Stoffwechsel erhöht. In Epilepsie-Studien betrug der mittlere Gewichtsverlust nach sechs Monaten Zonisamid-Therapie knapp zwei Kilogramm. Nach 16 Wochen betrug der Gewichtsverlust mit Zonisamid sechs Kilogramm, mit Placebo hingegen ein Kilogramm.
  • Felbamat: Felbamat ist ein Antiepileptikum, das selten eingesetzt wird, da es schwere Nebenwirkungen verursachen kann. Es kann jedoch zu Gewichtsabnahme führen.
  • Rufinamid: Rufinamid ist ein neueres Antiepileptikum, das zur Behandlung des Lennox-Gastaut-Syndroms eingesetzt wird. Es kann in einigen Fällen zu Gewichtsabnahme führen.
  • Stiripentol: Stiripentol ist ein weiteres Antiepileptikum, das in Kombination mit anderen Medikamenten zur Behandlung von schwer behandelbaren Epilepsieformen eingesetzt wird. Es kann ebenfalls zu Gewichtsabnahme führen.

Gewichtsneutrale Antiepileptika

Einige Antiepileptika gelten als gewichtsneutral, d.h. sie haben keinen signifikanten Einfluss auf das Körpergewicht. Dazu gehören:

  • Lamotrigin: Lamotrigin ist ein Antiepileptikum, das häufig zur Behandlung von fokalen und generalisierten Anfällen eingesetzt wird. Es gilt als gewichtsneutral und ist daher eine gute Option für Patienten, die auf ihr Gewicht achten müssen.
  • Levetiracetam: Levetiracetam ist ein weiteres Antiepileptikum, das häufig zur Behandlung von fokalen und generalisierten Anfällen eingesetzt wird. Es gilt ebenfalls als gewichtsneutral.
  • Lacosamid: Lacosamid ist ein neueres Antiepileptikum, das zur Behandlung von fokalen Anfällen eingesetzt wird. Es gilt als gewichtsneutral.
  • Oxcarbazepin: Oxcarbazepin ist ein Antiepileptikum, das zur Behandlung von fokalen Anfällen eingesetzt wird. Es gilt im Allgemeinen als gewichtsneutral, obwohl es in einigen Fällen zu leichten Gewichtszunahme kommen kann.
  • Phenytoin: Phenytoin ist ein älteres Antiepileptikum, das zur Behandlung verschiedener Anfallsformen eingesetzt wird. Es gilt als gewichtsneutral.
  • Barbiturate: Barbiturate sind eine Klasse von Antiepileptika, die selten eingesetzt werden, da sie starke Nebenwirkungen haben. Sie gelten als gewichtsneutral.

Ketogene Diät

Die ketogene Diät ist eine spezielle Diät, die reich an Fetten und arm an Kohlenhydraten ist. Sie wird seit den 1920er Jahren zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, insbesondere bei Kindern, die auf Medikamente nicht ansprechen. Die ketogene Diät versetzt den Körper in einen Zustand der Ketose, in dem er Fett anstelle von Glukose als Hauptenergiequelle nutzt.

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Wirkmechanismus

Der genaue Mechanismus, wie die ketogene Diät Anfälle reduziert, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass Ketonkörper, die während der Ketose produziert werden, eine neuroprotektive Wirkung haben und die Erregbarkeit der Nervenzellen reduzieren können. Eine Studie identifizierte das Protein BAD als möglicherweise verantwortlich für die Wirkung der ketogenen Diät.

Anwendung

Die ketogene Diät ist eine anspruchsvolle Diät, die sorgfältige Planung und Überwachung erfordert. Sie sollte nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden. Die Diät kann Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit und Nierensteine verursachen.

Umgang mit Gewichtsschwankungen unter Antiepileptika

Wenn Sie unter der Einnahme von Antiepileptika Gewichtsschwankungen feststellen, gibt es verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können:

  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Informieren Sie Ihren Arzt über Ihre Gewichtsschwankungen. Er kann möglicherweise die Dosis Ihres Medikaments anpassen oder auf ein anderes Medikament umstellen, das weniger wahrscheinlich Gewichtsschwankungen verursacht.
  • Ernährungsumstellung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann helfen, das Gewicht zu kontrollieren. Vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerhaltige Getränke und übermäßige Mengen an gesättigten und ungesättigten Fetten.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Kalorien zu verbrennen und den Stoffwechsel anzukurbeln. Versuchen Sie, mindestens 30 Minuten moderate Bewegung an den meisten Tagen der Woche zu machen.
  • Psychologische Unterstützung: Wenn Sie unter den psychischen Auswirkungen der Gewichtsschwankungen leiden, kann Ihnen eine psychologische Beratung helfen, Ihr Selbstwertgefühl zu stärken und Strategien zur Bewältigung der Situation zu entwickeln.

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