Epilepsie und Synkopen, insbesondere solche mit Aura und Ohnmachtsanfällen, stellen komplexe medizinische Herausforderungen dar. Die Unterscheidung zwischen beiden Zuständen ist entscheidend für die richtige Diagnose und Behandlung. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze von Epilepsie mit Aura und Ohnmachtsanfällen, um ein umfassendes Verständnis für Betroffene und medizinisches Fachpersonal zu schaffen.
Einführung
Bewusstseinsverlust, ob durch Epilepsie oder Synkopen verursacht, kann beängstigend sein und erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben. Es ist wichtig, die zugrunde liegenden Ursachen zu verstehen und geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch abnorme elektrische Entladungen im Gehirn, die zu vorübergehenden Störungen der Gehirnfunktion führen.
Aura bei Epilepsie
Eine Aura ist ein Warnsignal, das manchen epileptischen Anfällen vorausgeht. Sie kann sich in verschiedenen Formen äußern, wie z.B. sensorische Wahrnehmungen (z.B. Gerüche, Geschmäcker, visuelle oder auditive Halluzinationen), psychische Veränderungen (z.B. Angst, Déjà-vu-Erlebnisse) oder vegetative Symptome (z.B. Übelkeit, Bauchbeschwerden). Das Auftreten einer Aura kann dem Betroffenen ermöglichen, sich auf einen bevorstehenden Anfall vorzubereiten und Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Formen der Epilepsie
Auch manche Formen der Epilepsie äußern sich in relativ kurzen Ohnmachtsanfällen. Die Betroffenen sind dann während alltäglicher Handlungen für einige Sekunden nicht mehr ansprechbar und reaktionslos. Der Blick ist oft starr, die Augäpfel sind vielfach verdreht. Im Gegensatz zu einer Synkope haben diese sogenannten Absencen nichts mit einem Kreislaufzusammenbruch zu tun, sondern nehmen ihren Ursprung in den Nervenzellen (Neuronen) des Gehirns.
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Was sind Synkopen?
Eine Synkope ist eine kurzzeitige Ohnmacht, auch Kreislaufkollaps genannt. Die Betroffenen verlieren für wenige Sekunden bis Minuten das Bewusstsein. Die Ursache ist eine Mangeldurchblutung des Gehirns, die oft harmlose Gründe hat. Manchmal steckt jedoch auch eine ernsthafte Grunderkrankung dahinter.
Ursachen von Synkopen
Synkopen können verschiedene Ursachen haben, die in neurogene und kardiale Ursachen unterteilt werden können.
- Neurogene Synkopen: Diese entstehen durch eine Fehlregulation des autonomen Nervensystems, die zu einer plötzlichen Erweiterung der Blutgefäße und einem Blutdruckabfall führt. Eine Form ist die vasovagale Synkope.
- Orthostatische Synkopen: Diese treten auf, wenn der Blutdruck beim Aufstehen aus einer liegenden Position zu stark abfällt.
- Kardiale Synkopen: Diese werden durch Herzrhythmusstörungen oder andere Herzerkrankungen verursacht, die die Sauerstoffversorgung des Gehirns beeinträchtigen.
Formen von Synkopen
Grundsätzlich lassen sich Synkopen in verschiedene Formen einteilen:
- Vasovagale Synkope: Fehlregulation des autonomen Nervensystems, bei der sich plötzlich die Gefäße weiten und zu wenig Blut ins Gehirn gelangt.
- Konvulsive Synkope: Bewusstlosigkeit, die von krampfartigen Bewegungen der Arme und Beine, manchmal auch von Zuckungen begleitet wird.
- Orthostatische Synkope: Kreislaufkollaps bei zu schnellem Aufstehen aus einer liegenden Position.
- Kardiale Synkope: Verminderte Sauerstoffversorgung des Gehirns infolge von Herzrhythmusstörungen oder anderen Herzerkrankungen.
- Zerebrovaskuläre Synkope: Durch Anzapfphänomene ("Steal-Syndrome") verursachte Minderdurchblutung des Gehirns.
Symptome einer Synkope
Erstes Symptom in der präsynkopalen Phase ist oft ein Erleben, das als Unwohlsein, Benommenheit, „ein flaues Gefühl im Kopf“ oder als ungerichteter Schwindel beschrieben wird. Es entwickelt sich dann eine zunehmende körperliche Schwäche und ein Verlust des Realitätsempfindens. Kurz vor der Ohnmacht finden sich häufig auditive Symptome wie Ohrensausen oder Entfernthören oder visuelle Symptome wie Verschwommensehen oder Schwarzwerden vor den Augen.
Differenzialdiagnose: Epilepsie vs. Synkope
Die Unterscheidung zwischen Epilepsie und Synkope ist entscheidend, da die Behandlungen unterschiedlich sind. Anamnese, körperliche Untersuchung und zusätzliche Tests können helfen, die richtige Diagnose zu stellen.
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Anamnese
Die Anamnese zielt zunächst einmal darauf ab, eine möglichst genaue Beschreibung des aktuellen Anfalls und ggf. auch früher stattgehabter Anfälle entsprechend der oben aufgeführten Dimensionen zu bekommen. Der Patient und mögliche Anfallszeugen sollten dafür nacheinander interviewt werden. Dabei sollte der Patient (oder der Zeuge) erst einmal ausreichend Gelegenheit bekommen, seine Erinnerungen an das Anfallsgeschehen mit seinen eigenen Worten zu schildern, ohne dass der Untersucher schon gezielt nach bestimmten Kontextmerkmalen oder Symptomen fragt. So kann verhindert werden, dass wichtige Umstände, die der Patient vielleicht spontan berichtet hätte, im Rahmen eines zu früh begonnenen hypothesengeleiteten Vorgehens gar nicht erst zur Sprache kommen.
Sheldon-Score I
Um bereits aus der Anamnese eine zuverlässige Verdachtsdiagnose stellen zu können, ist der Einsatz des Sheldon-Scores I hilfreich. Damit konnten in der Untersuchungsstichprobe von 671 Patienten jeweils 94 % der Synkopen-Patienten und 94 % der Epileptiker richtig zugeordnet werden.
Sheldon-Score I zur Differenzierung von Epilepsie und Synkope:
| Merkmal | Punkte (Epilepsie) | Punkte (Synkope) |
|---|---|---|
| Zungenbiss | 2 | 0 |
| Kopfverdrehen während des Anfalls | 2 | 0 |
| Verletzung während des Anfalls | 1 | 1 |
| Vorwarnung (Aura) | 1 | 0 |
| Postiktale Verwirrung | 1 | 0 |
| Stereotype Anfälle | 1 | 0 |
| Familiäre Anamnese für Epilepsie | 1 | 0 |
| Auslösender Faktor (z. B. Stehen) | 0 | 2 |
| Herz-Kreislauf-Erkrankung in Anamnese | 0 | 1 |
Ein Score von ≥3 deutet auf eine hohe Wahrscheinlichkeit für Epilepsie hin, während ein Score von ≤-3 auf eine Synkope hindeutet.
Wichtige Unterscheidungsmerkmale
- Aura: Typisch für Epilepsie, kann aber auch bei manchen Synkopen auftreten.
- Anfallsdauer: Epileptische Anfälle dauern oft länger als Synkopen.
- Begleitsymptome: Stuhl- oder Harnverlust sind eher typisch für epileptische Anfälle.
- Postiktale Phase: Nach einem epileptischen Anfall herrscht oft Verwirrung und Schläfrigkeit, während Betroffene nach einer Synkope meist schnell wieder wach und orientiert sind.
Diagnostische Verfahren
Zur Abklärung von Epilepsie und Synkopen stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung.
Elektroenzephalografie (EEG)
Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann helfen, abnorme Entladungen zu identifizieren, die auf Epilepsie hindeuten.
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Elektrokardiogramm (EKG)
Das EKG zeichnet die Herzaktivität auf und kann Herzrhythmusstörungen erkennen, die Synkopen verursachen können.
Stehtest und Kipptischuntersuchung
Diese Tests werden durchgeführt, um orthostatische Hypotonie oder vasovagale Synkopen zu diagnostizieren.
Bildgebende Verfahren
In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT des Gehirns erforderlich sein, um strukturelle Ursachen für Epilepsie oder Synkopen auszuschließen.
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Antiepileptische Medikamente (AED)
AED sind dieStandardtherapie für Epilepsie. Sie wirken, indem sie die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduzieren und so die Wahrscheinlichkeit von Anfällen verringern. Es gibt viele verschiedene AED, und die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von der Art der Epilepsie, dem Alter des Patienten und anderen individuellen Faktoren ab.
Chirurgische Behandlung
In einigen Fällen, in denen AED nicht ausreichend wirksam sind, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist es, den Bereich im Gehirn zu entfernen, der für die Anfälle verantwortlich ist.
Vagusnervstimulation (VNS)
Die VNS ist eine alternative Behandlungsmethode für Epilepsie. Dabei wird ein kleines Gerät unter die Haut im Brustbereich implantiert, das elektrische Impulse an den Vagusnerv sendet. Diese Impulse können helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
Ketogene Diät
Die ketogene Diät ist eine spezielleForm der Ernährung, die reich an Fetten und arm an Kohlenhydraten ist. Sie kann bei manchen Menschen mit Epilepsie helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
Behandlung von Synkopen
Die Behandlung von Synkopen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
Vasovagale Synkopen
- Vermeidung auslösender Faktoren: Dazu gehören langes Stehen,Hitze, Dehydration und Stress.
- Körperliche Gegenmaßnahmen: Das Anspannen der Beinmuskulatur oder das Überkreuzen der Beine kann helfen, den Blutdruck zu stabilisieren.
- Flüssigkeitszufuhr undSalzzufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeits- und Salzzufuhr kann helfen, das Blutvolumen zu erhöhen und den Blutdruck zu stabilisieren.
- Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente wie Midodrin oder Fludrocortison eingesetzt werden, um den Blutdruck zu erhöhen.
Orthostatische Synkopen
- LangsameLagewechsel: Das langsame Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen kann helfen, einen plötzlichen Blutdruckabfall zu verhindern.
- Kompressionsstrümpfe: Kompressionsstrümpfe können helfen, den Blutfluss in den Beinen zu verbessern und den Blutdruck zu stabilisieren.
- Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um den Blutdruck zu erhöhen.
Kardiale Synkopen
Die Behandlung kardialer Synkopen richtet sich nach der zugrunde liegenden Herzerkrankung. Dies kann die Implantation eines Herzschrittmachers, die Einnahme von Medikamenten oder eine Operation umfassen.
Prävention von Synkopen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um einer Synkope vorzubeugen. Besonders wenn Sie häufiger in Ohnmacht fallen, sind folgende Tipps oft hilfreich:
- Versuchen Sie, auslösende Faktoren zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise langes Stehen, längere Aufenthalte in warmen und stickigen Räumen, Stress, aber auch Alkohol.
- Besser ist es, wenn Sie Ihre Nase nicht zu heftig schnäuzen und beim Stuhlgang nicht zu stark pressen. Vermeiden Sie es auch, schwere Lasten ruckartig anzuheben.
- Mit regelmäßigem Ausdauersport sowie einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme helfen Sie, Ihren Kreislauf zu stabilisieren. Das verhindert unter Umständen die eine oder andere Synkope.
- Auch mit Wechselbädern nach Kneipp lässt sich der Kreislauf ankurbeln.
- Kompressionsstrümpfe unterstützen den Rückfluss des Blutes aus den Beinen zum Herzen. Gerade bei Tätigkeiten und Berufen, die längeres Stehen erfordern, sind sie ein wirksames Hilfsmittel, um einer Synkope vorzubeugen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Eine kurze Ohnmacht infolge eines Kreislaufkollapses ist in den meisten Fällen harmlos. Dennoch ist es grundsätzlich sinnvoll, eine Ohnmacht beim Arzt oder im Krankenhaus abklären zu lassen. Dort lässt sich herausfinden, ob die Synkope eine ernste Ursache hat, die behandelt werden muss. Auch wenn Sie beobachten, dass ein Betroffener durch einfache Maßnahmen wie Hinlegen oder das Hochlagern der Beine nicht wieder zu sich kommt, empfiehlt es sich unbedingt, den Notarzt zu rufen.
Selbst wenn eine Synkope für gewöhnlich harmlos ist und/oder zumindest keinen Notfall darstellt - beim Umkippen passiert es leicht, dass der Betroffene gefährlich stürzt oder einen Unfall verursacht (etwa bei einer Ohnmacht beim Rad- oder Autofahren).
Die wohl gefährlichste Variante stellt die kardiale Synkope dar. Die zugrunde liegenden Herzprobleme sind nämlich potenziell lebensbedrohlich. Das gilt besonders, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt und behandelt werden.
Tritt eine Synkope zusammen mit Schmerzen oder Druckgefühl in der Brust auf, ist sofort der Notarzt zu rufen. Möglicherweise handelt es sich um einen Herzinfarkt.
Auch bei einer Synkope in Verbindung mit blasser, kaltschweißiger Haut sowie bläulichen Lippen gehören Betroffene in die Notaufnahme. Die Symptome zeigen möglicherweise einen Schock und ernsten Sauerstoffmangel an.
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