Epilepsie und das Reizdarmsyndrom (RDS) sind zwei weit verbreitete Gesundheitsprobleme, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben scheinen. Neuere Forschungsergebnisse deuten jedoch auf eine komplexere Verbindung zwischen diesen beiden Erkrankungen hin, die sowohl neurologische als auch gastrointestinale Aspekte umfasst.
Das "Bauchhirn" und seine Verbindung zum Gehirn
Das vegetative Nervensystem des Magen-Darm-Trakts, oft als "Bauchhirn" bezeichnet, spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Nahrungstransports und der Verdauungsfunktionen. Dieses System ist eng mit dem zentralen Nervensystem verbunden, insbesondere über den Vagusnerv, der eine wichtige Kommunikationsverbindung zwischen Darm und Gehirn darstellt. Störungen in diesem komplexen Netzwerk können sich in verschiedenen gastrointestinalen Symptomen äußern, darunter chronische Verstopfung, Durchfall und das Reizdarmsyndrom.
Die Magen- und Darmtätigkeit beruht auf Reflexen, welche durch das enterische Nervensystem, d.h. das Nervensystem des Darmes vermittelt und durch den Vagusnerven sowie Impulse des Sympathikusnerven kontrolliert werden. Der obere Gastrointestinaltrakt (GI-Trakt) von Speiseröhre bis Dünndarm wird durch den Hirnstamm, den dort befindlichen Vaguskern und seine Nervenbahn kontrolliert. Im unteren Anteil, nämlich im Dünndarm und Dickdarm wird die Peristaltik, d.h. der Nahrungstransport durch lokale enterische Reflexe in Gang gehalten.
Reizdarmsyndrom: Mehr als nur Verdauungsbeschwerden
Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine funktionelle Magen-Darm-Erkrankung, die durch wiederkehrende Bauchschmerzen oder -beschwerden gekennzeichnet ist, die mit Veränderungen der Stuhlgewohnheiten einhergehen. Zu den typischen Symptomen gehören Blähungen, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung oder eine Kombination aus beidem. Das RDS wird heute als eine Störung der Darm-Hirn-Interaktion verstanden, die sich sehr vielgestaltig zeigen kann. Weltweit leiden durchschnittlich 11 Prozent an der Verdauungsstörung, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.
Die Diagnose des RDS ist oft eine Ausschlussdiagnose, d.h., andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen müssen zunächst ausgeschlossen werden. Dazu gehören beispielsweise Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Zöliakie und entzündliche Darmerkrankungen.
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Ursachen und Auslöser des RDS
Die genauen Ursachen des RDS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus verschiedenen Faktoren eine Rolle spielt, darunter:
- Störungen im Immun- und Nervensystem: Die Immunzellen der Darmschleimhaut zeigen ein anderes Verteilungsmuster als bei Gesunden. Dies könnte beispielsweise die Ursache dafür sein, dass unterschwellige Entzündungen in der Darmschleimhaut entstehen. Eingeleitet werden diese Entzündungen durch fehlgeleitete Immunantworten. Das Gehirn versteht Antworten auf solche Reize aus dem Darm falsch. Betroffene entsenden und empfangen im Vergleich zu Gesunden andere Signalstärken. Dies beeinträchtigt wiederum die Darmmuskulatur, die Psyche und die gesamte Verdauung.
- Viszerale Hypersensitivität: Die Nervenzellen des Darms reagieren bei RDS-Patienten überempfindlich auf Reize aus dem Darminneren.
- Gestörter Gallensäurestoffwechsel: Ein gestörter Gallensäurestoffwechsel kann die Ursache für den Reizdarm sein.
- Überstandene Infektionen: Eine vorausgegangene Darminfektion kann das Risiko für die Entwicklung eines RDS erhöhen.
- Genetische Veranlagung: Es gibt Hinweise darauf, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen kann.
- Lebensstil: Stress, Ernährung und andere Lebensstilfaktoren können die Symptome des RDS beeinflussen.
- Veränderte Darmflora: Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ein verändertes Mikrobiom bei RDS-Patientinnen und -Patienten gegenüber Gesunden.
Diagnose des RDS
Die Diagnose Reizdarm-Syndrom (RDS) sollte möglichst früh nach zuverlässigem Ausschluss der wichtigen Differenzialdiagnosen erfolgen. Wenn die Diarrhoe als Symptom dominiert, sind der Leitlinie zufolge ausführlichere Untersuchungen notwendig. Die Lebensqualität kann, ähnlich einer „echten“ Allergie, deutlich reduziert sein. Ein RDS kann sich vielfältig äußern. Kennzeichnend sind chronische Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfall (Diarrhoe) und/oder Verstopfung (Obstipation), die im Wechsel auftreten können, ebenso wie Schmerzen oder Druckgefühl im Bauch sowie Blähungen. Sie werden von Betroffenen überwiegend im Zusammenhang mit ausgewählten Lebensmitteln wahrgenommen und können einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Nahrungsmittelintoleranz ähnlich sein, aber nur in wenigen Fällen können sie objektiviert werden. Betroffene profitieren von einer individualisierten Therapie, dies gilt auch für Ernährungsempfehlungen.
Die sichere RDS-Diagnostik wird aktuell anhand der ROM IV-Kriterien definiert. Vor der Festlegung der Diagnose RDS sollte eine gründliche Basisdiagnostik durchgeführt werden. Dabei sollen die ausgewählten Untersuchungen individuell angepasst werden. Das Vorliegen von Magen-Darm-Beschwerden während der letzten sechs Monate vor Diagnosestellung gilt als Standardkriterium.
Behandlung des RDS
Die Behandlung des RDS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Da die Ursachen des RDS vielfältig sein können, ist die Behandlung oft individuell und umfasst verschiedene Ansätze:
- Ernährungsumstellung: Eine Anpassung der Ernährung kann helfen, die Symptome zu reduzieren. Häufig werden eine FODMAP-arme Ernährung oder der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel empfohlen.
- Medikamente: Je nach Symptomen können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, darunter Abführmittel, Antidiarrhoika, krampflösende Mittel und Antidepressiva.
- Psychotherapie: Psychotherapeutische Hilfe und angeleitete Selbsthilfestrategien können jeden RDS-Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.
- Probiotika: Probiotika sind definitionsgemäß Bakterienstämme, deren gesundheitlicher Nutzen in Studien oder durch klinische Untersuchungen nachgewiesen wurde. In der aktuellen Leitlinie Reizdarmsyndrom werden nur ausgewählte einzelne Stämme diskutiert, denn speziell für das Reizdarm-Syndrom sind bisher nur wenige Stämme als wirksam erforscht.
- Sport und Bewegung: Körperliche Bewegung (3-5 Tage pro Woche für 20-60 Minuten bei mäßiger bis intensiver körperlicher Aktivität) zeigen eine deutliche Verbesserung auch für die Lebensqualität.
Epilepsie: Eine neurologische Erkrankung mit vielfältigen Erscheinungsformen
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine plötzliche, unkontrollierte Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Die Symptome eines epileptischen Anfalls können sehr unterschiedlich sein und reichen von kurzen Bewusstseinsverlusten (Absencen) bis hin zu generalisierten Anfällen mit Krämpfen und Bewusstseinsverlust.
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Ursachen und Auslöser von Epilepsie
Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig und können genetisch bedingt sein oder durch Hirnschäden, Infektionen, Tumore oder Schlaganfälle verursacht werden. In vielen Fällen bleibt die Ursache jedoch unbekannt.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie basiert in der Regel auf der Anamnese (Krankengeschichte) des Patienten, der Beschreibung der Anfälle und den Ergebnissen neurologischer Untersuchungen, insbesondere des Elektroenzephalogramms (EEG).
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die häufigste Behandlungsform ist die medikamentöse Therapie mit Antiepileptika. In einigen Fällen kann auch eine Operation oder eine Vagusnervstimulation in Betracht gezogen werden.
Der Zusammenhang zwischen Epilepsie und Reizdarmsyndrom
Obwohl Epilepsie und das Reizdarmsyndrom auf den ersten Blick unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es zunehmend Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Epilepsie häufiger unter gastrointestinalen Beschwerden leiden als die Allgemeinbevölkerung. Umgekehrt scheint auch das Risiko für Epilepsie bei Menschen mit RDS erhöht zu sein.
Mögliche Erklärungsansätze für den Zusammenhang
Es gibt verschiedene Theorien, die versuchen, den Zusammenhang zwischen Epilepsie und RDS zu erklären:
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- Gemeinsame neurologische Grundlagen: Sowohl Epilepsie als auch das RDS sind mit Störungen der neuronalen Erregbarkeit und der Signalübertragung im Gehirn verbunden.
- Darm-Hirn-Achse: Die Darm-Hirn-Achse spielt eine wichtige Rolle bei der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn. Störungen in dieser Achse können sowohl zu neurologischen als auch zu gastrointestinalen Symptomen führen.
- Entzündung: Chronische Entzündungen im Darm können das Gehirn beeinflussen und umgekehrt.
- Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, können gastrointestinale Nebenwirkungen verursachen. Umgekehrt können auch Medikamente gegen RDS neurologische Auswirkungen haben.
- Zöliakie: Zöliakie ist eine systemische Erkrankung. Sie kann auch in Verbindung mit neurologischen Störungen stehen, zu denen u. a. die Epilepsie zählt. Im Rahmen der in Norditalien durchgeführten Kohortenstudie wurde das Epilepsierisiko von 1215 Kindern und Jugendlichen mit Zöliakie analysiert und mit 6075 Kontrollen gleichen Alters und Geschlechts verglichen. Die Studie bestätigte die Assoziation zwischen Zöliakie und Epilepsie. Epilepsie trat bei Kindern und Jugendlichen mit Zöliakie doppelt so häufig auf wie in der Vergleichsgruppe (2,6% im Vergleich zu 1,3%), mit einem höheren Risiko vor der Zöliakiediagnose. Nur bei Mädchen blieb das Risiko auch nach der Zöliakiediagnose erhöht. Insgesamt war bei Mädchen mit Zöliakie das Epilepsierisiko signifikant erhöht. Bei Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie sollte auch ohne Vorliegen klarer Symptome auf Zöliakie getestet werden.
Klinische Bedeutung des Zusammenhangs
Die Erkenntnis, dass ein Zusammenhang zwischen Epilepsie und RDS bestehen könnte, hat wichtige klinische Implikationen. Ärzte sollten bei Patienten mit Epilepsie auf gastrointestinale Symptome achten und umgekehrt. Eine gezielte Diagnostik und Behandlung beider Erkrankungen kann die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.
Ernährung und Darmgesundheit bei Epilepsie
Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Epilepsie. In einigen Fällen kann eine ketogene Diät, die reich an Fetten und arm an Kohlenhydraten ist, die Anfallshäufigkeit reduzieren. Auch die Darmgesundheit kann bei Epilepsie eine Rolle spielen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Ballaststoffen und Probiotika kann die Darmflora positiv beeinflussen und möglicherweise auch die neurologischen Symptome verbessern.
Ein Patient namens Florian berichtete, dass er gehört habe, dass man mit einer bestimmten Ernährung etwas gegen weitere Anfälle tun kann. Die ketogene Diät baut darauf auf, dass der Körper normalerweise seine Energie aus Kohlenhydraten bezieht, was ein Risiko für die Überreaktion der Nervenzellen darstellen kann. Die Energiegewinnung unseres Körpers wird dadurch auf die Verstoffwechslung sogenannter Ketonkörper umgestellt, die sich als gute Strategie gegen epileptische Anfälle herausgestellt haben.
Die Darm-Hirn-Achse und Epilepsie
Erste Untersuchungen der Darmbakterien von Epilepsie-Patient:innen zeigten deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung im Vergleich zu gesunden Proband:innen. „Eine gesunde Ernährung - erstmal möglichst ketogen - und eine gezielte Unterstützung Ihres Darmmikrobioms mit Probiotika.“ So lautete zusammengefasst mein Rat. Die Leitkeimstämme in dem Probiotikum OMNi-BiOTiC® SR-9 sind speziell auf die Unterstützung der Darm-Hirn-Achse ausgelegt und wirken darüberhinaus anti-entzündlich. Ergänzend dazu habe ich ihm das Präbiotikum OMNi-LOGIC® PLUS empfohlen. Die darin enthaltenen Fructo-Oligosaccharide (FOS) und Galacto-Oligosaccharide (GOS) sind Leckerbissen insbesondere für die Darmbakterien Akkermansia muciniphila und Faecalibacterium prausnitzii. Akkermansia muciniphila und Faecalibakterium prausnitzii sind jedoch anaerob, d. h. sie vertragen keinen Sauerstoff und können daher nicht einfach eingenommen werden.
Weitere Faktoren, die Epilepsie und RDS beeinflussen können
Neben den bereits genannten Faktoren gibt es noch weitere Aspekte, die sowohl Epilepsie als auch das RDS beeinflussen können:
- Stress: Stress kann sowohl epileptische Anfälle als auch RDS-Symptome auslösen oder verstärken.
- Schlaf: Schlafstörungen können sich negativ auf beide Erkrankungen auswirken.
- Psychische Gesundheit: Depressionen, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen treten häufiger bei Menschen mit Epilepsie und RDS auf.