Epilepsie ist keine einzelne Krankheit, sondern eine Folge verschiedener Hirnerkrankungen, die durch eine erhöhte Anfallsneigung gekennzeichnet sind. Dabei senden Nervenzellen im Gehirn gleichzeitig große Mengen elektrischer Signale. Die Erscheinungsformen von Epilepsie sind vielfältig und reichen von leichten Wahrnehmungsstörungen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Krämpfen.
Was ist Epilepsie?
Der Begriff „Epilepsie“ beschreibt keine einzelne Krankheit, sondern die Folge einer Vielzahl von Hirnerkrankungen. Gemeinsames Merkmal ist eine erhöhte Neigung zu Anfällen, bei denen Nervenzellen im Gehirn gleichzeitig große Mengen elektrischer Signale senden. Epilepsien haben sehr vielfältige Erscheinungsformen, die von leichten Wahrnehmungsstörungen oder einem Kribbeln an Armen und Beinen bis hin zur Bewusstlosigkeit, Stürzen, Krampfen und Zucken der Gliedmaßen reichen können. Einzige Vorboten eines epileptischen Anfalls können eine kurze Unaufmerksamkeit von fünf bis zehn Sekunden Dauer oder ein kurzes Zucken der Augenlider oder eines Armes sein.
Anfallsarten
Je nachdem, wo die betroffenen Nervenzellen im Gehirn liegen oder wie viele Nervenzellen an diesem Geschehen beteiligt sind, unterscheiden Ärztinnen und Ärzte zwischen drei wesentlichen Anfallsarten:
Fokale Anfälle: Diese beginnen an einer konkreten Stelle im Gehirn und können bei vollem Bewusstsein der betroffenen Person ablaufen. Typische Merkmale sind Zuckungen der Gliedmaßen, wiederkehrende starke Missempfindungen oder Sprachausfälle. Eine spezielle Form sind die sogenannten komplex-fokalen Anfälle, bei denen für Minuten bis Stunden eine Wesensänderung mit bizarrem Verhalten auftritt, an die sich die betroffene Person nicht erinnern kann.
Sekundär-generalisierte Anfälle: Diese beginnen ebenfalls lokal, breiten sich dann allerdings auf das ganze Gehirn aus. Bewusstlosigkeit mit längerer anschließender Desorientiertheit sind typische Merkmale.
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Generalisierte Anfälle: Diese zeigen sich oft in Form von Bewusstseinspausen, in denen die Betroffenen für mehrere Sekunden bis Minuten geistig abwesend sind und sich später an diesen Aussetzer nicht mehr erinnern können. Dazu zählen auch die sogenannten Grand mal-Anfälle mit Bewusstlosigkeit und Verkrampfungen des ganzen Körpers. Eine sehr milde Form des generalisierten Anfalls ist die sog. Absence, die oft als "Verträumtheit" oder "Aussetzer" verkannt wird. Dabei setzt das Bewusstsein kurz aus und die Betroffenen halten in ihrer momentanen Tätigkeit inne. Manchmal zucken die Augenlider leicht. Stürze und ausgeprägte Krämpfe kommen nicht vor. Absencen sind bei Kindern und Jugendlichen besonders häufig.
Ursachen von Epilepsie
Epilepsien sind manchmal auf konkrete Ursachen zurückzuführen. Es können Missbildungen im Gehirn, eine genetische Veränderung, eine Narbe nach einer Hirnverletzung, ein Schlaganfall, eine Hirnhautentzündung oder ein Hirntumor sein. Aber nicht immer lässt sich die Ursache genau klären, wenn sich keine fassbare oder vermutete Grundkrankheit diagnostizieren lässt.
Grundsätzlich gilt, dass jedes Ereignis, das einen Schaden im Gehirn verursacht, ein potenzieller Auslöser für ein epileptisches Anfallsleiden sein kann. Die Medizin unterscheidet hier zurzeit strukturelle, infektiöse, metabolische, genetische und immunologische Ursachen. Strukturelle Veränderungen am Gehirn entstehen beispielsweise durch Schlaganfälle oder Tumore. Infektionen des Gehirns können unter anderem durch Borreliose hervorgerufen werden. Metabolische Veränderungen, also solche, die den Stoffwechsel betreffen, stehen z. B. mit seltenen Stoffwechselerkrankungen, wie der Phenylketonurie* in Verbindung. Bei den immunologischen Ursachen handelt es sich um Entzündungsvorgänge im Gehirn, z. B. wenn die eigene Körperabwehr (Immunsystem) das Hirngewebe angreift und es zu einer Hirnhautentzündung kommt. Zusätzlich gibt es sogenannte kryptogene Epilepsien, die heute schlichtweg als Epilepsie mit unbekannter Ursache bezeichnet werden. Sie erfüllen also zum Beispiel die Kriterien wie Anfallshäufigkeit von nicht-provozierten Anfällen, nach denen eine Epilepsie laut Leitlinie definiert und von anderen Anfallsleiden abgrenzt wird. Jedoch ohne erkennbare strukturelle, immunologische, genetische, metabolische oder infektiöse Ursache.
Die häufigsten Ursachen sind die genetischen oder auch idiopathischen Epilepsieursachen. Genetisch bedingt haben manche Menschen eine stärkere Veranlagung zu epileptischen Anfällen als andere. Die Forschung geht heute davon aus, dass bei diesen Patienten ein oder mehrere Gene defekt sind, die als Ursache der Epilepsie anzusehen sind. Häufig sind die betroffenen Gene nicht bekannt, und es müssen bestimmte Gen-Konstellationen vorliegen, damit es zu einer Epilepsie kommt. Daher sind diese Epilepsie-Ursachen meist nicht vererbbar, auch wenn sie neuerdings als genetische Epilepsien bezeichnet werden. Bei Kindern treten Erkrankungen mit erkennbarer Epilepsie-Ursache in der Regel ähnlich häufig auf wie Epilepsien ohne erkennbare Ursache. Bei Ersterkrankung im (höheren) Erwachsenenalter verschiebt sich das Bild ein wenig. Je älter der Mensch wird, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit für Kopfverletzungen oder metabolische Erkrankungen, die, wie oben beschrieben, als Ursache epileptischer Anfälle ausgemacht werden können. So treten die strukturellen Epilepsien mit steigendem Alter häufiger auf.
Es gibt auch sogenannte kryptogene Epilepsien, die heute schlichtweg als Epilepsie mit unbekannter Ursache bezeichnet werden. Sie erfüllen also zum Beispiel die Kriterien wie Anfallshäufigkeit von nicht-provozierten Anfällen, nach denen eine Epilepsie laut Leitlinie definiert und von anderen Anfallsleiden abgrenzt wird. Jedoch ohne erkennbare strukturelle, immunologische, genetische, metabolische oder infektiöse Ursache.
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Genetische Epilepsie
Genetische Epilepsie: Früher auch als idiopathische Epilepsie bezeichnet. Es wird eine genetische Ursache vermutet. Häufig ist der Gendefekt schon identifiziert.
Strukturelle Epilepsie
Strukturelle Epilepsie: Früher auch als symptomatische Epilepsie bezeichnet, ist sie als Folge einer bekannten Ursache wie einem Schlaganfall, Hirntumor oder einer Kopfverletzung bzw. Hirnverletzung entstanden. Die strukturellen Veränderungen können mitunter zu einem erhöhten Hirndruck oder Durchblutungsstörungen führen, die dann epileptische Anfälle begünstigen.
Infektiöse Epilepsie
Infektiöse Epilepsie: Auch die infektiösen Epilepsien wurden früher als strukturell bezeichnet. Ihnen liegt eine infektiöse Erkrankung (hervorgerufen durch Viren oder Bakterien) des Gehirns zugrunde, wie z. B.
Metabolische Epilepsie
Metabolische Epilepsie: Die metabolische Epilepsie wurde ebenfalls lange zu den strukturellen Epilepsien gezählt. Sie gehen aus Veränderungen im Stoffwechsel (Metabolismus) hervor, z. B.
Immunologische Epilepsie
Immunologische Epilepsie: Ebenfalls bis vor Kurzem zu den strukturellen Epilepsien gezählt, unterscheidet man heute die immunologischen Epilepsien dahingehend, dass ihnen eine chronische Entzündung des Gehirns zugrunde liegt. Verursacht wird die Entzündung durch eine Autoimmunkrankheit, also eine Krankheit, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift.
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Unbekannte Ursache
Unbekannte Ursache: Früher auch als kryptogen bezeichnet.
Diagnose von Epilepsie
Meist bleibt die Erkrankung bis zum ersten Anfall unentdeckt. Wer bereits einen epileptischen Anfall erlitten hat, sollte unbedingt eine haus- oder fachärztliche Praxis zur gründlichen Untersuchung aufsuchen. Wenn die Vorgeschichte des Betroffenen geklärt ist, werden üblicherweise die Hirnaktivität und Reaktion auf verschiedene Reize gemessen und Aufnahmen des Gehirns per Magnetresonanztomographie oder Computertomographie angefertigt. Nur so können die Ärztinnen und Ärzte eine Ursache für den epileptischen Anfall ermitteln.
Die Diagnose eines Krampfanfalls erfordert viel Sorgfalt, damit die therapeutischen Weichen nicht falsch gestellt werden. Erster Ansprechpartner ist oft die hausärztliche Praxis. Sie kann an Spezialisten wie Neuropädiater oder Neurologen überweisen, die den Betroffenen nach einem ersten epileptischen Anfall genau untersuchen.
EEG und MRT
Viele Organe erzeugen elektrische Signale. Zum Beispiel senden die Nervenzellen im Gehirn Ströme aus, die sich mit Elektroden messen lassen. Diese Messung heißt Elektroenzephalographie. Dabei entsteht dann auf Papier oder Bildschirm das Elektroenzephalogramm (EEG). Das Elektroenzephalogramm ist also das Produkt bzw. die Daten, die daraus gewonnen werden. Beim EEG werden Elektroden am Kopf angebracht und mit einem Gerät verbunden. Die Elektroden messen die Aktivität des Gehirns. Die Aktivität wird als Kurve auf einem Monitor dargestellt. Das EEG ist eine große Hilfe, weil es Veränderungen im Gehirn widerspiegelt und dazu beiträgt, die Epilepsie auch in ihrer speziellen Form (Syndrom) zu diagnostizieren. Im EEG wird nach epilepsietypischen Potenzialen gesucht. Darüber hinaus bekommen die Ärzte einen Hinweis auf den Zustand des Gehirns. Ein unauffälliges EEG schließt allerdings eine Epilepsie nicht aus. Es muss unter Umständen wiederholt und durch Langzeitableitungen - auch unter stationären Bedingungen - ergänzt werden. Vor allem im Kindesalter macht es Sinn, ein EEG während des Schlafs durchzuführen, da spezielle EEG-Veränderungen erst dann sichtbar werden. Besteht der Verdacht auf eine infektiöse Erkrankung, wird oft Gehirnwasser untersuchtmittels einer Lumbalpunktion. Sollte eine Entzündung (Enzephalitis/Meningitis) vorliegen, muss sie rasch behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden.
Mit der Magnetresonanztomografie des Gehirns (MRT) lassen sich krankhafte Veränderungen im Körper in hochauflösenden Bildern sichtbar machen. Dazu wird zum Beispiel der Oberkörper in die Röhre des MRT gefahren, um das Gehirn zu untersuchen. Beim Verdacht Auf Epilepsie werden mittels MRT strukturelle Auffälligkeiten des Gehirns erkannt. Dies können Hirntumore sein, Folgen von Schädel-Hirn-Verletzungen oder Entzündungen, Zustände nach Schlaganfällen, Missbildungen des Gehirns, oder andere Erkrankungen des Gehirns, die ursächlich infrage kommen.
Es gibt akute Ursachen einer Epilepsie, die eine schnelle Behandlung erfordern und chronische Ursachen, die außer der unten aufgeführten medikamentösen Behandlung zunächst keine Konsequenz haben.
EEG und MRT sind nach einem epileptischen Anfall wichtige Entscheidungshilfen, ob zu diesem Zeitpunkt bereits mit einer Therapie begonnen werden soll. Sind beide Untersuchungen unauffällig, sollte in der Regel ein zweiter Anfall abgewartet werden.
Eine wichtige Ausnahme: Bei klinischem Verdacht auf eine Hirnhautentzündung, also eine Meningitis (z. B. Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteife nach Anfall) sollte man nicht abwarten, sondern zur Sicherheit eine Lumbalpunktion durchführen. Betroffene sollten sich dazu aber individuell von ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten beraten lassen.
Therapiemöglichkeiten bei Epilepsie
Epileptische Anfälle sind medikamentös meist gut behandelbar. Hierzu stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die individuell eingesetzt werden. Dabei wird auf eine optimale Verträglichkeit geachtet, da die Medikamente über lange Zeit, in manchen Fällen sogar lebenslang, eingenommen werden müssen.
Die Therapie wird individuell abgestimmt und richtet sich unter anderem nach der Art der Anfälle sowie den diagnostischen Befunden. Bei etwa zwei Drittel der Patientinnen und Patienten können die Anfälle durch eine optimale medikamentöse Therapie dauerhaft unterdrückt oder zumindest befriedigend kontrolliert werden.
Neben einer medikamentösen Behandlung sind Operationen oder eine gezielte Stimulation von Nerven möglich. Heilbar ist Epilepsie derzeit noch nicht. Patientinnen und Patienten können durch ausreichend Schlaf, geringen oder keinen Alkoholkonsum und die Behandlung psychischer Probleme zu einem „normalen“ Alltag trotz Erkrankung beitragen.
Eine Epilepsie kann sich erheblich auf das Leben eines Betroffenen auswirken. Eine ausführliche individuelle Beratung, insbesondere zu Themen wie Führerschein, Ausbildung, Arbeitsplatz, ist deshalb wichtig.
Informationen und gegenseitige Unterstützung bieten auch Selbsthilfegruppen, zum Beispiel www.epilepsie-vereinigung.de, www.epilepsie-online.de, www.epilepsiebayern.de.
Epilepsie bei Kindern
Frühkindliche Epilepsie kann sich auf verschiedene Arten zeigen. Eine der häufigsten Arten ist die Absence-Epilepsie. Bis zu 100 Mal am Tag kommt es zu den kurzen Anfällen - meistens beginnt es im Schulalter. Etwa 50 von 100.000 Kindern sind jedes Jahr von der Diagnose betroffen. Krampfanfälle mit Zucken des Körpers - sogenannte Grand-Mal-Anfälle - wie sie allgemein mit Epilepsie in Verbindung gebracht werden, sind dagegen selten.
Eine gute Nachricht gibt es für Eltern: In den meisten Fällen kann den jungen Patientinnen und Patienten geholfen werden. Durch spezielle Medikamente können die Anfälle ausbleiben. „Einige Epilepsie-Arten hören mit dem Teenager-Alter auf“, erklärt Prof. Block.
Verletzungsrisiko bei epileptischen Anfall vermeiden
Manche Anfälle wirken vor allem auf Anwesende dramatisch. Ein einzelner Anfall ist nicht gefährlich für das Gehirn und hört üblicherweise nach ein bis zwei Minuten von selbst wieder auf. Dabei besteht ein hohes Verletzungsrisiko. Beim Auftreten eines epileptischen Anfalls geht es vor allem darum, anfalls-bedingte Verletzungen zu vermeiden. Gefahr droht unter anderem beim Hinfallen durch dabei entstehende Verletzungen oder durch falsche „Hilfeleistung“. Wenn ein Grand mal-Anfall länger als drei Minuten dauert, kann es gefährlich werden. Die betroffene Person muss dann unbedingt ins Krankenhaus gebracht werden. Sehr selten kommt es zu einem Herz-Kreislaufversagen.
Tipps für die Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
- Ruhe bewahren!
- Unerfahrene Ersthelfer:innen sollten den Rettungsdienst rufen
- Die Dauer des Anfalls registrieren
- Die betroffene Person liegend aus einer Gefährdungssituation bringen und vor Verletzungen schützen
- Beengende Kleidungsstücke (Schal, Halstücher etc.) sollten gelockert bzw. geöffnet und ggf.
Epilepsie: Risiken und Umgang im Alltag
Epileptische Anfälle können zu Verletzungen und sogar zum Tod führen. Außerdem besteht ein gewisses Risiko, bei einem Status epilepticus oder durch SUDEP (siehe unten) zu versterben oder Langzeitschäden davon zu tragen.
Wenn Sie Epilepsie haben, oder z.B. Ihr Kind, Partner oder Elternteil, wollen Sie vielleicht sehr viel tun, um diese Risiken zu senken.
Als Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie sollten Sie bedenken: Kinder mit Epilepsie brauchen genau wie andere Kinder auch Freiräume und Zeiten, in denen sie unbeobachtet sein können. Überbehütung und übersteigerte Sicherheitsmaßnahmen können die Entwicklung beeinträchtigen.
Als Angehörige von Erwachsenen mit Epilepsie sollten Sie beachten: Erwachsene haben ein Recht darauf, selbstbestimmt mit dem durch Epilepsie erhöhten Risiko umzugehen, solange sie nur sich selbst gefährden. Wer die Risiken einschätzen und verstehen kann, kann sich ggf. in einigen Situationen für mehr Lebensqualität und weniger Sicherheit entscheiden, auch wenn Ihnen das Sorgen bereitet. Umgekehrt kann ein Mensch mit Epilepsie sich mehr Sicherheit von Ihnen wünschen, als Sie geben können oder wollen, und/oder sich von gemeinsamen Aktivitäten stark zurückziehen. In offenen Gesprächen können Sie das Ausmaß der Sicherheitsmaßnahmen besprechen, ggf.
Als Mensch mit Epilepsie sollten Sie sich aus mehreren Quellen informieren, welche Risiken in welchem Umfang tatsächlich bestehen, um weder übervorsichtig Ihre Lebensqualität zu sehr einzuschränken, noch fahrlässig Ihre Gesundheit und Ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Angehörigen können Sie offen sagen, dass Sie deren Sorgen - oder Leichtsinn - verstehen, aber über Ihre Sicherheit und Ihre Lebensqualität selbst entscheiden.
Beim Autofahren mit Epilepsie geht es nicht nur um Ihre eigene Sicherheit, sondern auch um die Sicherheit anderer Menschen. Als Elternteil mit Epilepsie können Anfälle Ihre Kinder gefährden, vor allem wenn diese noch sehr klein sind, z.B. bei einem Sturz mit dem Kind auf dem Arm. Deshalb können Sie eine sog. Elternassistenz beantragen.
Ein epileptischer Anfall kann Betroffene in gefährliche Situationen bringen. Epileptische Anfälle können sogar in der Badewanne zum Ertrinken führen. Beim Rauchen besteht bei einem Anfall Brandgefahr. Scharfe Kanten und Gegenstände in der Wohnung sichern bzw.
Einen Anfallskalender verwenden, um ggf. vorhandene Anfallsauslöser zu erkennen und die Behandlung zu verbessern.
SUDEP
SUDEP ist die Abkürzung für "sudden unexpected death in epilepsy". Übersetzt heißt das "plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie". Wie auch beim sog. plötzlichen Kindstod können Menschen mit Epilepsie plötzlich und unerwartet versterben. Meistens werden Betroffene morgens tot im Bett gefunden. Die Todesursache lässt sich oft nicht klären. Das passiert zwar nur sehr selten, aber bei Menschen mit Epilepsie häufiger als bei Menschen ohne Epilepsie. Bei tonisch-klonischen Anfällen (Grand-mal-Anfällen) ist das Risiko besonders hoch, besonders wenn diese im Schlaf kommen.
Wahrscheinlich lässt sich SUDEP oft verhindern, wenn Betroffene nach einem tonisch-klonischen Anfall nicht allein bleiben. Anwesende können den Menschen nach dem Anfall ansprechen, berühren, rütteln, umdrehen und in die stabile Seitenlage bringen. Bei Atemaussetzern und Herzstillstand können sie einen Notruf absetzen und Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Diese Maßnahmen können z.B.
Was tun bei einem Anfall?
- Betroffene Person auf den Boden legen, um einem Sturz vorzubeugen (ggf.
- Alle Gegenstände entfernen, die zu Verletzungen oder Gefahren führen könnten, z.B.
- Seltsame Körperhaltungen und freie Zuckungen ermöglichen und möglichst Platz dafür schaffen, falls noch nicht geschehen, sonst drohen Verletzungen. Die Muskelspannung bei Krampfanfällen ist so hoch, dass beim Festhalten oder bei Versuchen Körperteile (z.B. Arme, Beine oder Finger) zu bewegen Knochenbrüche und andere Verletzungen sehr wahrscheinlich sind.
- Zungenbisse passieren wenn dann gleich zu Beginn eines Anfalls. Es ist schädlich und sinnlos zu versuchen, sie während des Anfalls zu verhindern.
- Es ist sinnlos und eventuell schädlich zu versuchen einen Anfall zu beeinflussen oder zu beenden, z.B. durch kaltes Wasser oder Schütteln.
- Auf die Uhr schauen und Notfallmedikamente erst nach der ärztlich angegebenen Zeit geben, weil sie erhebliche Nebenwirkungen haben. Normalerweise enden epileptische Anfälle von allein während 2 bis höchstens 3 Minuten. Notfallmedikamente sind dafür da, einen Status epilepticus bzw. eine Anfallsserie zu beenden.
- Dauer und Begleiterscheinungen des Anfalls beobachten. Auf die Augen achten: Sind sie geschlossen, offen, starr oder verdreht?
- 112) rufen - auch, wenn schon ein Notfallmedikament gegeben wurde! Das gilt auch, wenn ein 2.
- Auf einen Anfall folgt in der Regel eine kurze Schlaf- bzw. Erholungsphase. Unbedingt dabeibleiben, bis die betroffene Person wieder vollständig orientiert ist. Dies ist durch einfache Fragen, wie z.B. "Wie heißt du? Wo bist du?
- Wenn möglich den Anfall dokumentieren: Wann ist er passiert? Wie lange hat er gedauert? Wie ist er abgelaufen? Waren die Augen offen, geschlossen, starr oder verdreht?
- Wenn der Mensch vorher noch nie einen epileptischen Anfall hatte, nach dem 3. Anfall einer Anfallsserie (siehe oben) und/oder bei Verletzungen bzw.
Epilepsie-Überwachungsgeräte
Gerade bei einem ersten Epilepsieanfall stehen behandelnden Ärzten nur wenige Informationen über die Symptome des Anfalls zur Verfügung. Zwar beinhaltet eine erste körperliche Untersuchung u.a. technische Hilfsmittel wie die Elektroenzephalographie (EEG) und die Magnetresonanztomographie (MRT, besonders bei Kindern), aber es kann ratsam sein, das Gesicht des Betroffenen während des Anfalls zu fotografieren. Besonders die Augen des Betroffenen liefern wichtige Hinweise: Sind die Augen zu Beginn eines Anfalls geschlossen, stehen die Chancen gut, dass es sich nicht um einen epileptischen Anfall handelt. Auch Videoaufnahmen von Anfällen können helfen. Bei einem erkannten Anfall löst das Gerät einen Alarm aus, z.B. bei den Eltern, beim Partner, anderen Angehörigen oder in einer Notrufzentrale. So ist eine sichere Betreuung möglich. Der Anfall wird zudem aufgezeichnet und mit Dauer und Stärke dokumentiert. Epilepsie-Überwachungsgeräte können ärztlich verordnet und von der gesetzlichen Krankenversicherung als Hilfsmittel übernommen werden. Im Hilfsmittelverzeichnis haben sie die Pos.-Nr. 21.46.01 und heißen dort "Überwachungsgeräte für Epilepsiekranke". Sturzmelder können bei Anfällen mit Bewusstseinsverlust und Sturz helfen. Dieses zweistufige System verhindert Fehlalarme. Voraussetzung dafür ist, dass Patienten über ein Hausnotrufgerät verfügen, damit ein Alarm an Angehörige oder an eine Notrufzentrale abgesetzt werden kann. Haben Betroffene einen Pflegegrad, übernimmt die Pflegekasse auf Antrag den Basispreis für Hausnotrufgeräte mit Kassenzulassung. Die Kosten für Zusatzleistungen (z.B. für einen Hintergrunddienst, der bei Bedarf hilft, wenn der Einsatz des Rettungsdiensts unnötig ist, und für eine Schlüsselhinterlegung) oder für nicht zugelassene Hausnotrufgeräte müssen Pflegebedürftige selbst tragen.
Epilepsie-Hunde
Im Gegensatz zu anderen Führ- oder Servicehunden wachsen künftige Epilepsiehunde meist beim Patienten und seiner Familie auf und werden dort ausgebildet. Warnhunde haben die Fähigkeit, einen kommenden Anfall zu spüren und warnen dann den Betroffenen, sodass dieser Zeit hat, sich z.B. vor Verletzungen zu schützen. Anzeigehunde lernen, einen tatsächlichen Anfall zu erkennen und dann in vorher geübter Art und Weise zu helfen, z.B.