Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die mit wiederkehrenden Anfällen einhergeht. Die Anfälle können unterschiedliche Auswirkungen auf die Betroffenen haben, von kurzzeitigen Bewusstseinsveränderungen bis hin zu Krampfanfällen mit Sturzgefahr. Um die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie zu verbessern und ihnen ein selbstständigeres Leben zu ermöglichen, gibt es verschiedene Hilfsmittel, insbesondere im Bereich der Sitz- und Mobilitätshilfen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte dieser Hilfsmittel und gibt einen Überblick über die Möglichkeiten, die sie bieten.
Hilfsmittel als medizinische Leistungen
Hilfsmittel sind im Allgemeinen sächliche medizinische Leistungen, zu deren Bereitstellung Krankenkassen ihren Mitgliedern im Bedarfsfall verpflichtet sind. Die Indikation für ein Hilfsmittel wird von Vertragsärzten der Kassen festgelegt. Dies gilt auch für spezielle Hilfsmittel, die für Menschen mit Epilepsie in Frage kommen.
Therapie- und Unterstützungsangebote für Kinder mit Epilepsie
Für Kinder mit Epilepsie gibt es eine Reihe von Therapie- und Unterstützungsangeboten, die darauf abzielen, ihre Entwicklung zu fördern und ihre Teilhabe am Familienleben und der Gesellschaft zu ermöglichen.
Therapiestühle
Ab dem ersten Lebensjahr sollten auch Kinder mit Epilepsie sitzen lernen. Am besten eignet sich dafür ein Therapiestuhl, in dem Ihr Kind sicher und in einer guten Haltung sitzen kann. Diese Stühle haben verschiedene Funktionen und können der Entwicklung Ihres Kindes angepasst werden. Wenn Sie Ihr Kind in den Therapiestuhl setzen möchten, stellen sie die sogenannten „Seitenpiloten“ und die Fußstützen auf die richtige Höhe ein. Legen Sie Ihrem Kind anfangs den Brustgurt um, damit es stabil sitzt und sich sicher fühlt. Kündigen Sie Ihrem Kind an, dass sie den Gurt gleich schließen werden. Sitzt Ihr Kind schon sicherer im Stuhl, können Sie den Brustgurt öffnen. Der Beckengurt sollte zur Sicherung aber geschlossen bleiben. Es ist auch für Kinder mit Epilepsie sehr wichtig, am Familienleben teilnehmen zu können. Gemeinsame Zeit fördert die soziale und sprachliche Entwicklung Ihres Kindes. Ihr Kind sollte sich mit seinen Unterarmen abstützen können, um eine bessere Kontrolle über seinen Körper zu haben. Damit Ihr Kind nicht vom Tisch wegrollt und deshalb ängstlich wird, sollte die Bremse des Therapiestuhls aktiv sein. Wenn Ihr Kind die Bewegungen seines Kopfes und Körpers schon gut kontrollieren kann, können Sie den Brustgurt auch abnehmen. Um sich mit Ihrem Kind zu unterhalten oder mit Ihm zu spielen, sprechen Sie es von vorne an. Weisen Sie jedem Familienmitglied einen festen Platz zu. Die Sitzmöglichkeit kann auch zu anderen Gelegenheiten, nicht nur beim Essen, angeboten werden. Lassen Sie Ihr Kind zum Beispiel zusehen, wie sie etwas reparieren oder kochen. Ihr Kind sollte nie länger als 30 Minuten bis maximal 45 Minuten in der Sitzposition bleiben, um Verkürzungen und Überlastungen zu vermeiden.
Weitere Hilfsmittel für Kinder
- Rehabuggy: Spezielle Kinderwagen für den Transport von Kindern oder Jugendlichen mit Behinderung. Bei der Wahl des Rollstuhls ist es wichtig, die Entwicklung und Mobilität des Kindes zu berücksichtigen.
- Therapiefahrräder: Besonders geeignet für Kinder, die aufgrund von Gleichgewichtsstörungen keine handelsüblichen Fahrräder nutzen können. Dreiräder sind hierbei besonders empfehlenswert, da sie nicht so leicht umkippen.
- Pflegebetten: Dienen der Sicherheit der Kinder, da sie ein Herausfallen verhindern.
- Puls-Oximeter: Ermöglicht die Überwachung von Puls und Sauerstoffsättigung des Kindes.
- Epicare: Ein Alarmgerät, das unter der Matratze des Kindes angebracht wird.
- Auto-Rehasitz: Vor allem für ältere Kinder sinnvoll.
- Epilepsiehelm: Schützt vor Kopfverletzungen.
- Spezielle Sonnenbrillen: Bei starker Fotosensibilität können polarisierende Gläser erforderlich sein, die das Licht nur in einer Ebene passieren lassen und die Diffusion, insbesondere des reflektierenden Lichts, reduzieren.
- Windelversorgung: Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Windelversorgung bereits ab dem 3. oder 4. Geburtstag.
Mobilitätshilfen für Erwachsene mit Epilepsie
Auch für erwachsene Menschen mit Epilepsie gibt es verschiedene Mobilitätshilfen, die ihnen mehr Sicherheit und Selbstständigkeit ermöglichen können.
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Gehwagen und Gehtrainer
Ein Gehwagen kann eine wertvolle Unterstützung für Menschen mit Epilepsie sein, insbesondere wenn sie sturzgefährdet sind oder Schwierigkeiten haben, sich sicher fortzubewegen.
Der "Johnny" Gehwagen: Ein Gehwagen, der die Pflegenden entlastet, das Rollstuhlsyndrom und Fixierungen vermeiden hilft und damit die Lebensqualität verbessert. Er ist leicht und wendig. Ein bestellbares Gleiterpaar soll den Wagen hinten etwas aufbocken, um ein Zurückrollen beim Aufstehen zu verhindern. Das passiert, wenn eine Person nicht ohne Hilfe aufstehen kann. Sie werden anstelle der hinteren Rollen montiert. "Gehwagen sind sehr wendig, leicht und trotzdem kippsicher. Sie wirken in einer engeren Wohnung natürlich sperrig.Ich empfehle den GW 120 mit dem Extrakippschutz oder den Combo Walker für Menschen mit wenig Armkraft.Die Wohnung sollte möglichst schwellenfrei sein, störendes Mobiliar und andere Gegenstände verräumt werden. Der Gehwagen GW 120 kann allerdings von einer zierlichen Person über einen Rasen getragen und gewendet werden. Das habe ich beobachtet, als ich am Garten eines Pflegeheims vorbeifuhr.
Funktionsweise und Vorteile:
- Sicherheit: Der Gehwagen bietet dem Nutzer rundum Sicherheit und nimmt ihm die Angst vor einem Sturz.
- Mobilität: Er regt zur Eigenmobilität an.
- Ruhepausen: Auf dem integrierten Sitz kann sich der Patient jederzeit nach Belieben ausruhen.
- Zusätzlicher Schutz: Ein Sicherheitsgurt und ein Frontbügel bieten zusätzlichen Schutz. Der Sicherheitsgurt schützt vor Stürzen, der mit einem Handgriff zu öffnende Frontbügel macht das Ein- und Aussteigen einfach.
- Kippsicherer Gehwagen mit Sitz und erweiterten Kippschutz. Kippsicherer Gehwagen mit Sitz, für kleine Personen bis 1,60 m.
Zubehör:
- Fussstütze GFT (verschieb- und abnehmbar)
- Polster für Sicherheitsgurt GGP
- Infusionsflaschenhalter GIH
- Gelkissen GKGW
- Servierbrett / Therapietisch GSB, abnehmbar (nicht für den Maxi)
- Gleiterpaar GL
Gehtrainer: Dieser Gehtrainer wird insbesondere bei solchen Patientenzum Mobilitätstraining eingesetzt, die sich nicht mehr ausreichendsicher mit den Händen abstützen können. Die gepolsterte Unterarmauflage ist so positioniert, dass die Unterarme bis zum Ellbogen optimal abgestützt sind. Falls erforderlich kann der Patient mittels eines Gurtes mit integriertem Sitz zusätzlich gesichert werden, wodurch auch die Möglichkeit eines Intervalltrainings - abwechselnd gehen und sitzen - ermöglicht wird. Der obere Rahmen mit Polsterauflage und Sitzgurtaufhängung ist höhenverstellbar von 1120 mm bis 1270 mm in 25 mm Schritten.
Tipps für die Nutzung von Gehwagen
- Die Wohnung sollte möglichst schwellenfrei sein.
- Störendes Mobiliar und andere Gegenstände sollten verräumt werden.
- Zum Schwellen entfernen und Durchgänge verbreitern (ca.
Weitere unterstützende Maßnahmen
Neben den genannten Hilfsmitteln gibt es weitere Maßnahmen, die Menschen mit Epilepsie und ihre Angehörigen unterstützen können:
- Epilepsiehund: Obwohl viele Hunde Anfälle schon von Natur aus spüren können, müssen sie für den Einsatz als Epilepsiehund noch extra ausgebildet werden. Das dauert zwei Jahre. Nicht alle Hunderassen sind für den Einsatz als Epilepsiehund geeignet.
- Informationen für Ersthelfer: Bei einem Autounfall ist es wichtig, dass die Ersthelfer schnell wissen, dass sie es mit einem Dravet-Patienten zu tun haben.
- Bewegungstherapie: Durch Bewegungstherapie können die Eigenwahrnehmung, die Koordination, das Gleichgewicht und damit das Ausführen von Bewegungen und die Beweglichkeit der Gelenke gefördert werden.
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