Zerspanungsmechaniker mit Epilepsie: Berufliche Möglichkeiten und Inklusion

Die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker bietet die Möglichkeit, Werkzeuge selbst zu formen und Bauteile für verschiedene Bereiche herzustellen. Nach der Ausbildung können Zerspanungsmechaniker Bauteile für Maschinen, Präzisionsteile für feinmechanische Geräte oder auch Teile für Großanlagen herstellen. Die Ausbildung erfolgt an konventionellen und CNC-gesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen. Doch was passiert, wenn eine Epilepsie-Erkrankung die Ausübung dieses Berufs erschwert oder gar unmöglich macht? Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen und Chancen für Zerspanungsmechaniker mit Epilepsie und zeigt Lösungsansätze für eine erfolgreiche berufliche Inklusion auf.

Herausforderungen durch Epilepsie im Beruf des Zerspanungsmechanikers

Epilepsie kann mit Krampfanfällen und Verwirrtheitszuständen einhergehen, die in bestimmten Arbeitsumgebungen ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen können. Im Beruf des Zerspanungsmechanikers, der mit schweren Maschinen und Werkzeugen arbeitet, ist dies besonders relevant. Die Gefahr von Verletzungen durch laufende Maschinen bei einem Anfall muss unbedingt ausgeschlossen werden.

Ein konkretes Beispiel: Ein gelernter Zerspanungsmechaniker, der in der Instandhaltung eines Unternehmens für Getränkedosen arbeitet, bedient Dreh-, Fräs- und Rollenschleifmaschinen. Eine Gefährdungsbeurteilung ergab, dass an allen drei Maschinen ein Gefährdungspotenzial aufgrund der Anfallsmöglichkeit besteht.

Gesetzliche Rahmenbedingungen und Sicherheitsvorschriften

In Deutschland gibt es strenge Sicherheitsvorschriften, die darauf abzielen, die Gesundheit und Sicherheit von Arbeitnehmern zu gewährleisten. Diese Vorschriften können dazu führen, dass Menschen mit Epilepsie in bestimmten Berufen nicht mehr arbeiten dürfen, wenn ein unvertretbares Risiko für sie selbst oder andere besteht. Dies kann frustrierend sein, insbesondere wenn man seinen erlernten Beruf gerne ausüben möchte.

Möglichkeiten zur beruflichen Inklusion von Zerspanungsmechanikern mit Epilepsie

Trotz der Herausforderungen gibt es verschiedene Möglichkeiten, Zerspanungsmechanikern mit Epilepsie eine berufliche Perspektive zu bieten.

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Arbeitsplatzanpassung

Eine Möglichkeit ist die Anpassung des Arbeitsplatzes, um das Gefährdungspotenzial zu minimieren. Im oben genannten Beispiel wurden folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Rollenschleifmaschine: Installation einer zusätzlichen Schutzhaube und Entfernung vorstehender Griffbolzen an den Handrädern.
  • Fräsmaschine: Höherstellung der Maschine, um bei einem Anfall ein Abgleiten nach unten zu ermöglichen, und Entfernung vorstehender Griffbolzen an den Handrädern.
  • Drehmaschine: Austausch der vorhandenen Drehmaschine durch eine neue mit einer Schutzhaube und einem Kontaktschalter, der die Bearbeitung nur bei geschlossener Haube ermöglicht.
  • Persönliche Schutzausrüstung: Einsatz einer geeigneten Schutzkappe zur Vermeidung von Kopfverletzungen.
  • Überwachungssystem: Einsatz einer persönlichen Überwachungsanlage in Verbindung mit der Maschine, um im Falle eines Anfalls einen sofortigen Stopp auszulösen.

Umschulung und alternative Berufsfelder

Wenn eine Arbeitsplatzanpassung nicht ausreicht, um die Sicherheit zu gewährleisten, kann eine Umschulung in ein anderes Berufsfeld in Betracht gezogen werden. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der neue Beruf den Interessen und Fähigkeiten des Betroffenen entspricht. Es gibt auch Berufe im Metallbereich, die weniger risikoreich sind als die direkte Arbeit an Dreh- und Fräsmaschinen.

Unterstützung durch Inklusionsämter und Beratungsstellen

Inklusionsämter und Beratungsstellen bieten Unterstützung bei der beruflichen Inklusion von Menschen mit Behinderung. Sie können bei der Arbeitsplatzanpassung, der Umschulung und der Suche nach geeigneten Arbeitgebern helfen. Das LWL-Inklusionsamt Arbeit bietet beispielsweise folgende Leistungen an:

  • Individuelle und kontinuierliche Beratung von Unternehmen, die Inklusionsbetriebe oder -abteilungen gründen möchten.
  • Unterstützung bei der behinderungsbedingten Ausstattung von Arbeitsplätzen.
  • Unterstützung für die Anleitung und Begleitung von Beschäftigten mit Behinderung.

Mut der Unternehmen

Es ist wichtig, dass Unternehmen mutig sind und Menschen mit Behinderung eine Chance geben. Oftmals können diese Mitarbeiter aufgrund ihrer Erfahrungen und Fähigkeiten einen wertvollen Beitrag leisten. Karin Kirchner, die sich bei einem Metallbaubetrieb um die Belange der Beschäftigten mit Behinderung kümmert, empfiehlt Unternehmen, mutig zu sein.

Erfolgsbeispiele und positive Erfahrungen

Es gibt zahlreiche Beispiele für Zerspanungsmechaniker mit Behinderung, die erfolgreich in ihrem Beruf arbeiten. Ein Beispiel ist ein Zerspanungsmechaniker mit einer Armamputation, dessen Arbeitsplatz durch die Installation eines Wand-Schwenkkrans angepasst wurde. Durch diese Anpassung konnte er weiterhin seine Tätigkeit ausüben und seine Fähigkeiten einbringen.

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