Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch eine erhöhte Anfälligkeit für epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Die Diagnose wird anhand verschiedener Kriterien gestellt, darunter das Auftreten von mindestens zwei nicht provozierten Anfällen im Abstand von mehr als 24 Stunden, ein nicht provozierter Anfall mit einem hohen Rückfallrisiko oder eine typische Befundkonstellation, die die Diagnose eines Epilepsie-Syndroms erlaubt. Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine wichtige Rolle in der Diagnostik und im Management von Epilepsie. Dieser Artikel beleuchtet, wann eine Wiederholung einer MRT-Untersuchung bei Epilepsiepatienten notwendig ist.
Epilepsie: Eine Übersicht
Epilepsien sind mit einer Prävalenz von 5-9 pro 1.000 Einwohner relativ häufige chronische neurologische Erkrankungen. Ein Erkrankungsmaximum findet man in den ersten Lebensjahren und dann wieder bei Älteren jenseits des 50. - 60. Lebensjahres. Es gibt verschiedene Klassifikationen von Epilepsien, darunter generalisierte und fokale Epilepsien.
Klassifikation von Epilepsien:
Generalisierte Epilepsien oder Epilepsiesyndrome:
- Symptomatisch oder kryptogen (z.B. West-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom)
- Idiopathisch-generalisiert (z.B. Absence-Epilepsie des Schulalters, juvenile myoklonische Epilepsie, juvenile Absence-Epilepsie, Aufwach-Grand mal-Epilepsie)
Idiopathische fokale Epilepsien oder Epilepsiesyndrome:
- Gehören überwiegend in den Bereich der benignen Partialepilepsien (z.B. Rolando-Epilepsie, idiopathische occipitale Epilepsien) des Kindes- und Jugendalters
- Selten auch familiäre fokale Epilepsien ohne Altersbindung (z.B. nächtliche Frontallappenepilepsie und familiäre Temporallappenepilepsie)
Symptomatische oder kryptogene fokale Epilepsien:
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- Können in jedem Teil des Gehirns entstehen (vor allem Temporallappen, Frontallappen, Parietallappen oder Okzipitallappen)
Ursachen von Epilepsie:
Epilepsien und die damit verbundenen Anfälle können eine Vielzahl von Ursachen haben. Dazu gehören genetische Dispositionen, strukturelle Ursachen (z.B. Hirntumore, Hirninfarkte), infektiöse Ursachen (z.B. Neurozystizerkose, Tuberkulose), metabolische Ursachen (z.B. Hypoparathyreoidismus, Hämochromatose) und immunologische Ursachen (z.B. Kalium-Kanal-Antikörper (LGI1)-bedingte limbische Enzephalitis).
Die Rolle der MRT in der Epilepsiediagnostik
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein bildgebendes Verfahren, das ohne ionisierende Strahlung auskommt und hochauflösende Bilder des Gehirns liefert. Sie ist besonders geeignet für die Untersuchung von Gehirn, Rückenmark, Gelenken, Weichteilen und Blutgefäßen. In der Epilepsiediagnostik dient die MRT dazu, strukturelle Ursachen für die Anfälle zu identifizieren, wie z.B. Hirntumore, vaskuläre Malformationen, fokale kortikale Dysplasien oder eine Hippocampussklerose.
Gründe für die Wiederholung einer MRT-Untersuchung
Es gibt verschiedene Situationen, in denen die Wiederholung einer MRT-Untersuchung bei Epilepsiepatienten angezeigt sein kann:
1. Unzureichende Auflösung der initialen Untersuchung:
Manchmal reicht die Auflösung der ersten MRT-Aufnahmen nicht aus, um alle relevanten Details darzustellen. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn sehr kleine Läsionen vermutet werden oder wenn Bewegungsartefakte die Bildqualität beeinträchtigen. In solchen Fällen kann eine Wiederholung mit angepassten Protokollen und höherer Auflösung notwendig sein.
2. Veränderung des klinischen Bildes:
Wenn sich die Anfallssituation des Patienten ändert, z.B. durch eine Zunahme der Anfallshäufigkeit oder das Auftreten neuer Anfallstypen, kann eine Wiederholung der MRT sinnvoll sein, um nach neuen oder sich verändernden Läsionen zu suchen.
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3. Operationsvorbereitung und Therapieplanung:
Bei Patienten, die für eine Epilepsiechirurgie in Frage kommen, ist eine detaillierte MRT-Untersuchung unerlässlich, um den genauen Ort des epileptogenen Fokus zu lokalisieren und die Operation optimal zu planen. In manchen Fällen sind zusätzliche Aufnahmen aus anderen Blickwinkeln oder mit speziellen Kontrastmitteln erforderlich.
4. Verlaufskontrolle der Behandlung:
Nach einer Operation oder anderen Therapie kann eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden, um den Erfolg der Behandlung zu beurteilen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
5. Technische Gründe:
Auch technische Faktoren können eine Wiederholung der MRT erforderlich machen. So können Atembewegungen beispielsweise zu Bewegungsartefakten führen, die die Bildqualität beeinträchtigen. Ein weiterer Punkt: Nicht immer zeigen die Aufnahmen aus der Radiologie alle Informationen, etwa aufgrund einer zu geringen Feldstärke. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, radiologische Untersuchungen mit angepassten Protokollen zu wiederholen.
6. Patientenindividuelle Gründe:
Der Einfluss des Patienten auf die Qualität der radiologischen Befunde wird besonders durch einen Blick auf die Inhalte der Patientenaufklärung deutlich. Themen wie Nahrungskarenz oder das Tragen von Schmuck haben an dieser Stelle Bedeutung. So können bei einer MRT Gegenstände aus Metall die Aussagekraft der Untersuchung beeinträchtigen, da dabei starken Magnetfeldern zum Einsatz kommen. Aus diesem Grund sollte bei einer MRT auf Schmuck oder Kleidung mit Metallapplikationen verzichtet werden. Weniger bekannt ist, dass auch Makeup-Produkte Metallpigmente enthalten können, die die Informationsqualität beeinträchtigen. Darüber hinaus können Bewegungen die Bildqualität ebenfalls stören. Zudem können auch individuelle Faktoren wie Adipositas die Qualität der Untersuchungen beeinflussen. Insbesondere bei sonographischen Untersuchungen kann dies zu Einschränkungen führen und auch die Anfertigung von MRT-Scans kann dadurch erschwert werden.
Zeitliche Abstände zwischen MRT-Untersuchungen
Da bei der MRT keine Strahlung eingesetzt wird, können Untersuchungen häufiger wiederholt werden als bei Röntgen- oder CT-Untersuchungen. Dennoch sollte auf einen ausreichend großen zeitlichen Abstand zwischen den Untersuchungen geachtet werden, insbesondere wenn gadoliniumhaltige Kontrastmittel verwendet werden. Aktuell beschäftigen sich Studien mit der Frage, wie sich Gadolinium im Gewebe, insbesondere im Gehirn, anreichert. Parallel gibt es Kontraindikationen bezüglich erneuter Untersuchungen, wenn bei Patienten zwischenzeitlich Implantate eingesetzt wurden und diese nicht als MRT-kompatibel ausgewiesen sind.
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Fallbeispiele
Fall 1: Ein 26-jähriger Patient mit pharmakoresistenter fokaler Epilepsie unterzog sich einer prächirurgischen Diagnostik. Das Video-EEG-Monitoring zeigte ein Anfallsmuster links temporo-anterior. Das cerebrale MRT und eine Glucose-PET-Untersuchung waren unauffällig. Mit Hilfe subduraler Streifen- und Plattenelektroden konnte ein umschriebener Anfallsbeginn im Bereich des linken Hippokampus gesehen werden. Dieser Fall zeigt, dass selbst eine auf eine fokale kortikale Dysplasie verdächtige Struktur nicht immer der epileptogene Fokus sein muss und eine weitere Diagnostik notwendig sein kann.
Fall 2: Eine 83-jährige Patientin erlitt ihre ersten beiden fokalen Anfälle mit Bewusstseinsstörung. Im cCT zeigte sich eine moderate vaskuläre Leukenzephalopathie. Der Patientin wurde Valproinsäure gegeben, die Dosis wurde schrittweise auf 1.200 mg pro Tag erhöht. Die Familie fiel dann zeitnah auf, dass die Patientin deutlich verlangsamt und mnestisch eingeschränkt war. In diesem Fall illustriert die Limitationen von Valproinsäure und die Notwendigkeit, die Therapie entsprechend anzupassen.