Die Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen und wird oft auch als Fallsucht oder Krampfleiden bezeichnet. Der Name Krampfleiden ist dabei dem Hauptsymptom geschuldet: Epileptischen Anfällen, sogenannten Krämpfen, die in verschiedenen Ausprägungen auftreten können und das Leben der Betroffenen meist maßgeblich beeinträchtigen.
Was ist Epilepsie?
Der Begriff Epilepsie entstammt dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Überfall“ oder „Angriff“. In Deutschland wird die Erkrankung auch Fallsucht genannt. Gemeint ist damit ein zerebrales Krampfleiden, das von immer wieder spontan auftretenden epileptischen Anfällen gekennzeichnet ist. Bei diesen Anfällen kommt es zu abrupt einsetzenden elektrischen Entladungen der Nervenzellen. Die unkontrollierten Impulse werden von den Zellen für kurze Zeit synchron abgegeben. Die Fallsucht gehört zu den Behandlungsfeldern von Neurologie und Psychiatrie.
Die Epilepsie lässt sich am ehesten als eine Art Funktionsstörung des Gehirns bezeichnen. Aus bisher teils unerklärlichen Gründen zeigt das Gehirn eine plötzliche und unerwartete Überreaktion und entsendet vollkommen unkontrolliert Impulse. Es gibt zahlreiche Epilepsie-Arten: Von einem einfachen Muskelzucken über eine zeitlich begrenzte geistige Abwesenheit bis hin zu schweren körperlichen Krämpfen wie dem Grand-Mal-Anfall oder dem gefährlichen Status Epilepticus.
Die Epilepsie ist eine Erkrankung mit einem vielseitigen Erscheinungsbild. Die fokale Epilepsie entsteht hingegen zunächst nur in einem Teil des Gehirns. Von der Störung können die Nervenzellen betroffen sein, die beispielsweise für Sprache, Sehen oder Motorik verantwortlich sind. Dies äußert sich mitunter durch Zucken einer Hand oder Gesichtshälfte, Seh- oder Gefühlsstörungen. Einige Epilepsie-Patienten sehen ihre Umwelt während eines Anfalls verändert. Das heißt sie nehmen zum Beispiel Gegenstände größer wahr oder hören Stimmen. Andere ziehen Grimassen, stammeln oder laufen ziellos umher. Fokale Anfälle können aber auch mit Zuckungen oder Krämpfen einhergehen. Bei einigen Betroffenen breitet sich die fokale Form auf das gesamte Gehirn aus und wird zu einem generalisierten Anfall. Es gibt zudem Anfälle, die sich bei einigen Patienten durch bestimmte Sinneswahrnehmungen ankündigen.
Die Unterteilung der verschiedenen Anfälle richtet sich dabei nach der Größe des Gehirnareals, das während des Anfalls betroffen ist.
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Fokale Epilepsie: Wenn nur ein Teil des Gehirns betroffen ist
Die fokale Epilepsie beschreibt eine Epilepsieform, bei der die Krämpfe nur in vereinzelten Arealen des Gehirns entstehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die dazugehörigen epileptischen Anfälle von weniger intensiver Natur sein müssen. Unter Umständen können Sie sich sogar in einen generalisierten Krampfanfall entwickeln. Daher sollte in jedem Fall immer eine neurologische Abklärung erfolgen.
Fokale Epilepsien können in zwei verschiedenen Varianten auftreten: Ohne oder mit Bewusstseinsstörung. Der epileptische Anfall mit Bewusstseinsstörung nennt sich auch komplex-fokaler Krampfanfall. Bei ihm leiden Betroffene unter einem Gefühl der Benommenheit oder Abwesenheit, das bis zum Gedächtnisverlust reichen kann.
Oft geht einem fokalen Anfall zudem eine Aura voraus. Die ist eine teils als merkwürdig empfundene Gefühlsregung oder Sinneswahrnehmung, die meist einen epileptischen Anfall ankündigt.
Fokale Epilepsie-Syndrome
Zusätzlich zu den normalen fokalen und komplex-fokalen Krampfanfällen gibt es noch andere Formen, die alle verschiedenste Symptome und Eigenarten aufweisen:
- Temporallappen-Epilepsie
- Frontallappen-Epilepsie
- Parietallappen-Epilepsie
- Okzipitallappen-Epilepsie
- Rolando-Epilepsie
- Epilepsie des Kindesalters mit okzipitalen Paroxysmen
- Primäre Lese-Epilepsie
Generalisierte Epilepsie: Wenn das ganze Gehirn betroffen ist
Bei der generalisierten Epilepsie ist während eines Krampfanfalls immer das ganze Gehirn betroffen. Aufgrunddessen ist diese Form der Epilepsie auch deutlich häufiger von Bewusstseinsstörungen begleitet.
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Die wohl bekannteste Form des generalisierten Anfalls ist der sogenannte Grand-Mal-Anfall. Dieser beginnt meist mit einer verstärkten Anspannung von Armen und Beinen, auf welche die bekannten Zuckungen folgen, die im Verlauf immer heftiger werden. Teils so heftig, dass die Betroffenen im Anschluss völlig erschöpft sind.
Wichtige Information: Wenn Sie einem Grand-Mal-Anfall beiwohnen, sorgen Sie unbedingt dafür, dass die betroffene Person sich nicht verletzt. Bleiben Sie bei ihr, und versuchen Sie, behutsam und beruhigend auf sie einzuwirken.
Absencen der Epilepsie: Die kleinen Formen der generalisierten Epilepsie
Ein anderes Beispiel für einen generalisierten Anfall ist die sogenannte Absence - eine kurze Periode der geistigen Abwesenheit. Sie gilt als die leichteste Form des generalisierten Anfalls und kommt ohne Muskelkontraktionen aus. Sie wird oft auch als Petit-Mal-Anfall bezeichnet.
Absence-Betroffene blicken meist plötzlich starr ins Leere, wirken abwesend und sind während dieser Phase nicht ansprechbar.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen der Epilepsie sind vielfältiger Natur. So können zum einen unfallbedingte Verletzungen des Gehirns zu epileptischen Symptomen führen, aber auch Verletzungen, die aus anderen Krankheiten entstehen. Zu letzteren zählen beispielsweise Schlaganfälle oder Gehirntumore.
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In vielen Fällen ist der neurologischen Erkrankung jedoch kein erkennbarer Auslöser zuzuschreiben. Ein Anfall kann bei Epileptikern durch unterschiedliche Auslöser (Trigger) hervorgerufen werden: Bei einigen spielen flackerndes Licht, Videospiele oder laute Geräusche eine Rolle. Darüber hinaus sind auch die körperliche Verfassung (zum Beispiel Schlafmangel, hormonelle Schwankungen) und der Gemütszustand (wie Ärger, Angst) für die Entstehung eines Anfalls verantwortlich. Ein Krampfanfall kann ebenfalls durch Stress hervorgerufen werden.
Während Epilepsie als Erkrankung durch viele verschiedene Ursachen entstehen kann, entstehen epileptische Anfälle immer als elektrische Entladungen im Gehirn. Die meisten epileptischen Anfälle entstehen aufgrund eines neurologischen Schadens. Ein höchst überforderter Sinn kann bei fast allen Menschen einen epileptischen Anfall auslösen. Typischerweise ist dies bei Blitzlichtern und anderen schnellen visuellen Wechseln von Hell-Dunkel oder Farben der Fall, weswegen inzwischen vor Filmen und Fernsehübertragungen eine entsprechende Warnung erfolgt.
Zu den Ursachen zählen:
- Hirnblutungen
- Gehirnverletzungen durch Unfälle
- Durchblutungsstörungen des Gehirns durch einen Schlaganfall
- Entzündungen des Gehirns
- Störungen des Stoffwechsels
- Sauerstoffmangel im Gehirn während Geburt oder Schwangerschaft
- Missbildungen der Gefäße
So kommt es durch diese Ereignisse gewissermaßen zu einer Narbenbildung im Gehirn. Weil dies zu Irritationen der benachbarten Nervenzellen führt, treten in den betroffenen Hirnbereichen häufiger epileptische Anfälle auf.
Unklar sind die Ursachen der idiopathischen Epilepsieform. Welche Faktoren sie auslösen, ist noch immer Gegenstand der medizinischen Forschung.
Auslösende Faktoren (Trigger)
Ein Anfall kann bei Epileptikern durch unterschiedliche Auslöser (Trigger) hervorgerufen werden: Bei einigen spielen flackerndes Licht, Videospiele oder laute Geräusche eine Rolle. Darüber hinaus sind auch die körperliche Verfassung (zum Beispiel Schlafmangel, hormonelle Schwankungen) und der Gemütszustand (wie Ärger, Angst) für die Entstehung eines Anfalls verantwortlich. Ein Krampfanfall kann ebenfalls durch Stress hervorgerufen werden.
Oft führt nicht ein Auslöser allein zu den Anfällen. Es müssen meist mehrere zusammenkommen, wie z.B. Überanstrengung, wenig Schlaf bzw. Schlafstörungen, Angst, Ärger, Stress, Alkohol, Medikamente und Drogen, zu hohe oder zu niedrige Blutzuckerwerte, Schwankungen des Hormonspiegels bei Frauen (während oder vor der Periode), flackerndes Licht, laute Geräusche, Farben, Fernsehen und Videospiele. Bei manchen Menschen ist allerdings auch gar kein Auslöser zu erkennen, die Anfälle treten spontan auf.
Symptome von Epilepsie
Die Epilepsie-Symptome sind so zahlreich wie die unterschiedlichen Arten der Epilepsie. Sie reichen von geistiger Abwesenheit wie bei der Absence bis hin zu starken körperlichen Zuckungen und Verkrampfungen.
Geprägt werden die Epilepsie Symptome durch einen Epilepsie Anfall. Dabei besteht eine übermäßige Aktivität der Gehirnnervenzellen. Die Auswirkungen sind unterschiedlich und hängen von den jeweils betroffenen Gehirnarealen ab.
Der Spezialist für Neurologie unterscheidet zwischen fokalen und generalisierten epileptischen Anfällen. Ein Epilepsie Anfall kann sich auch bereits im Vorfeld durch Kopfschmerzen, Nervosität oder Verstimmung bemerkbar machen. Nicht selten zeigt sich eine Aura, in deren Rahmen der Patient etwas hört oder sieht, das gar nicht vorhanden ist. Manche Patienten erleben ihre Umwelt verzerrt oder verspüren Angst. Mitunter setzt die Aura ohne epileptischen Anfall ein.
Hier ein Überblick der möglichen Symptome:
- Geistige Abwesenheit
- Auren (merkwürdig empfundene Sinneswahrnehmungen wie beispielsweise ein metallischer Geschmack im Mund)
- Schwindel
- Angstgefühle
- Vermehrter Speichelfluss
- Muskelzuckungen (bei klonischen Anfällen)
- Muskelversteifungen (bei tonischen Anfällen)
- Muskelzuckungen und -versteifungen in Kombination (bei tonisch-klonischen Anfällen)
- Tiefer Schlaf (meist im Anschluss an einen starken epileptischen Anfall)
- Missempfindungen (Kribbelgefühle, Kältegefühle etc.)
- automatisierte Handlungen (unbewusst ablaufende Bewegungen wie beispielsweise das Öffnen und Schließen der Hand)
Viele dieser Symptome können bei einem Krampfanfall auftreten. Meist jedoch nicht gleichzeitig, sondern nacheinander.
Fokale Anfälle
Bei einem fokalen Anfall sind Beschwerden möglich wie:
- Verkrampfungen
- das Zucken von Gliedmaßen
- Missempfindungen wie Wärme, Kälte, Brennen oder Kribbeln
- Halluzinationen
- Schwindelgefühle
- Angstzustände
- Benommenheit
- Verwirrung
Generalisierte Anfälle
Bei generalisierten epileptischen Anfällen zeigen sich verschiedene motorische Attacken wie Verkrampfungen oder Versteifungen. Ebenso sind Bewusstseinstrübungen, das Nachlassen der Muskelspannung sowie langsame oder schnelle Zuckungen möglich. Außerdem kann der Patient bewusstlos werden.
Diagnose von Epilepsie
Nach einem epileptischen Anfall sollte unbedingt eine Untersuchung durch einen Facharzt erfolgen. Ein Spezialist für Neurologie befragt den Patienten zunächst nach denkbaren Grunderkrankungen oder ob bestimmte Auslöser wie flackerndes Licht bestanden.
Eine Beschreibung der Anfälle sowohldurch den Betroffenen selbst als auch durch Angehörige (Fremdbeschreibung) sind für die Diagnostik von enormer Bedeutung. Hilfreich können in diesem Zusammenhang auch Videoaufzeichnungen des epileptischen Anfalls oder die Beobachtung in einer spezialisierten Klinik sein.
Teil der Epilepsie Diagnose sind auch diverse Tests durch einen Facharzt wie das Messen der Hirnströme (EEG). Als sinnvoll gilt zudem eine Kernspintomographie, bei der Schnittaufnahmen des Gehirns gemacht werden, um mögliche Fehlbildungen aufzuspüren. Weitere hilfreiche Diagnoseverfahren sind Blutuntersuchungen zur Diagnose von Stoffwechselstörungen sowie die Entnahme von Nervenflüssigkeit am Rücken bei Verdacht auf eine Gehirnentzündung.
Um herauszufinden, ob der Anfall einer Epilepsie oder einer anderen Erkrankung zuzuordnen ist, sollte ein Neurologe (Facharzt für Erkrankungen des Nervensystems) aufgesucht werden. Eine behandlungsbedürftige Epilepsie liegt dann vor, wenn dem ersten Anfall weitere folgen oder ein erhöhtes Risiko hierfür gegeben ist.
Diagnoseverfahren
- Elektroenzephalographie (EEG): Mithilfe der Elektroenzephalographie (EEG) wird die elektrische Gehirnaktivität aufgezeichnet. Bestimmte Muster lassen auf eine erhöhte Anfallsneigung schließen. Allerdings genügt das EEG allein nicht, um eine Epilepsie zu diagnostizieren. Da die Auswertung eines EEGs komplex ist und viel Erfahrung braucht, bietet die DGKN entsprechende Weiterbildungskurse bzw. Prüfungen an.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die Magnetresonanztomographie (MRT) - auch Kernspintomogramm genannt - macht hirnorganische Veränderungen sichtbar, die wiederum Hinweise auf die Ursache geben können.
- Computertomographie (CT): Die CT ist eine weitere nützliche Bildgebungsmethode, mit der wir strukturelle Anomalien im Gehirn und somit auch im Rahmen einer Epilepsie erkennen können. Sie verwendet Röntgenstrahlen, um detaillierte Bilder des Gehirns zu erstellen. Die Computertomographie ist besonders nützlich bei der Darstellung von Knochenstrukturen im Gehirn. Eine der wichtigsten Stärken der Computertomografie liegt in der schnellen Erkennung von Hirnblutungen. Gerade bei einem plötzlich aufgetretenen Krampfanfall ist es entscheidend zu klären, ob eine Blutung die Ursache sein könnte - denn in solchen Fällen ist oft ein sofortiges medizinisches Handeln erforderlich. Eine CT ist außerdem besonders hilfreich, wenn der Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma besteht.
- Liquoruntersuchung: In einigen Fällen untersucht der Arzt zudem das Hirnwasser (Liquor), beispielsweise, wenn der Verdacht auf eine Hirn- oder Hirnhautentzündung vorliegt.
- Blutuntersuchung: Auch die Blutuntersuchung kann dabei helfen, mögliche Ursachen für einen Krampfanfall oder eine Epilepsieerkrankung aufzuspüren. Manchmal wird eine genetische Testung veranlasst.
Behandlung von Epilepsie
Eine längere Epilepsie Behandlung sollte durch einen erfahrenen Neurologen erfolgen. Allerdings ist eine Therapie nicht in jedem Fall erforderlich. Fand bislang nur ein einziger epileptischer Anfall statt, ist es oft besser, mit der Behandlung zu warten und die entsprechenden Auslöser zu meiden. Auch eine gesunde Lebensweise mit genügend Schlaf und Alkoholverzicht gilt als hilfreich. Kommt es zu einem zweiten Epilepsie Anfall, sollte jedoch eine medizinische Therapie stattfinden.
So vielseitig sich die Erkrankung selbst zeigt, so unterschiedlich sind auch die Möglichkeiten der Therapie. Am Beginn der Behandlung steht meist ein medikamentöser Ansatz, der bei optimaler Einstellung bei bis zu 70 Prozent aller Betroffenen zu einer Anfallsfreiheit führt.7 Patient und behandelnder Arzt wägen gemeinsam Nutzen und Risiken der Medikamente - sogenannte Antiepileptika - ab. Es sind Mittel auf dem Markt, die bei vielen Epilepsieformen wirksam sind. Bei der Epilepsie-Behandlung ist es möglich, nur ein Medikament (Monotherapie) oder mehrere als Kombinationstherapie zu verabreichen. Die Dosierung erfolgt individuell und startet meist niedrig. In den meisten Fällen sind Antiepileptika gut verträglich. Dennoch sind Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Müdigkeit, Schwindel oder verlangsamtes Denken nicht auszuschließen. Zeigt die medikamentöse Behandlung Erfolg, sollten Patienten trotz Anfallsfreiheit regelmäßig einen Arzt zur Kontrolle aufsuchen.
Um epileptischen Anfällen entgegenzuwirken, ist die Einnahme von Antikonvulsiva bzw. Antiepileptika sinnvoll. Sie besitzen die Eigenschaft, die Anfälle zu blockieren. Damit sie ihre Wirkung entfalten können, ist ihre regelmäßige Gabe notwendig.
Welche Medikamente sich letztlich am besten eignen, richtet sich nach der Epilepsieart sowie der Verträglichkeit des Arzneimittels. Die Dauer der Einnahme nimmt mehrere Jahre in Anspruch. Führen die Medikamente nicht zur Besserung, kann in einigen Fällen ein operativer Eingriff angebracht sein.
Behandlungsmethoden
- Medikamentöse Therapie: Um epileptischen Anfällen entgegenzuwirken, ist die Einnahme von Antikonvulsiva bzw. Antiepileptika sinnvoll. Sie besitzen die Eigenschaft, die Anfälle zu blockieren. Damit sie ihre Wirkung entfalten können, ist ihre regelmäßige Gabe notwendig. Welche Medikamente sich letztlich am besten eignen, richtet sich nach der Epilepsieart sowie der Verträglichkeit des Arzneimittels. Die Dauer der Einnahme nimmt mehrere Jahre in Anspruch.
- Chirurgische Behandlung: Führen die Medikamente nicht zur Besserung, kann in einigen Fällen ein operativer Eingriff angebracht sein. Die Behandlungsmethode kommt ausschließlich für die fokale Epilepsie infrage und auch nur, wenn sich feststellen lässt, welcher Bereich im Gehirn für die Anfälle verantwortlich ist. Dann ist es unter Umständen möglich, diesen chirurgisch zu entfernen (resektive Operation). Weitere Punkte, der vor der Entscheidung für eine Epilepsiechirurgie beachtet werden müssen, sind inakzeptable Nachteile: Die Operation darf keine ernste Beeinträchtigung bestimmter Hirnfunktionen nach sich ziehen. Ob ein operativer Eingriff infrage kommt, muss daher immer individuell entschieden werden. In seltenen Fällen kann bei schweren Epilepsien noch eine andere Operation durchgeführt werden, nämlich die sogenannte Balkendurchtrennung (Kallosotomie). Der Eingriff wird beispielsweise in Erwägung gezogen, wenn der Betroffene häufig schwere Sturzanfälle hat. Durch die Trennung des Balkens (Corpus callosum) im Gehirn, der die linke und rechte Gehirnhälfte verbindet, kann die Häufigkeit der Sturzanfälle verringert werden. Allerdings sind im Anschluss kognitive Beeinträchtigungen nicht auszuschließen.
- Neurostimulation: Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, gibt es alternativ die Möglichkeit der Neurostimulation. Hierbei werden bestimmte Gehirnstrukturen oder solche, die dort hinführen (zum Beispiel der Vagus-Nerv) mit niedriger Stromstärke stimuliert. Allerdings wird mit dieser Methode keine Anfallsfreiheit erreicht. Die Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) ist die am weitesten verbreitete Methode. Dem Patienten wird eine Art Schrittmacher unterhalb des linken Schlüsselbeins unter die Haut gepflanzt und mittels Kabel (ebenfalls unter der Haut) mit dem linken Vagusnerv am Hals verbunden. Bei der transkutanen Vagus-Nerv-Stimulation erfolgt eine Reizung des Vagus-Nervs in der Ohrmuschel. Hierfür ist keine Operation notwendig. Eine andere Möglichkeit stellt die transkranielle Magnetstimulation dar. Bei dieser wirken Magnetfelder auf das Gehirn, wodurch die übererregten Gehirnstrukturen erreicht werden sollen. Für die tiefe Hirnstimulation werden dem Patienten kleine Elektroden in bestimmte Gehirnstrukturen implantiert. Mithilfe von elektrischen Impulsen stimulieren sie das Nervengewebe.
- Ketogene Diät: Bei der ketogenen Diät handelt es sich um eine Art Low Carb Ernährung, die sich auf die Zufuhr von vielen gesunden Fetten und wenig Kohlenhydraten fokussiert. Dem Körper wird so beigebracht, seine Energie nicht aus Kohlenhydraten, sondern aus den zugeführten Fetten zu gewinnen. Im Zusammenhang mit Epilepsien wird vermutet, dass dem Gehirn durch den veränderten Stoffwechsel mehr Energie zur Verfügung steht, die es zum Stabilisieren der hirnelektrischen Aktivitäten verwendet.
- Anfallsselbstkontrolle: Voraussetzung für das Erlernen der Anfallsselbstkontrolle ist die Bereitschaft, sich intensiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Im Vordergrund steht dahingehend die Frage, was den eigenen Anfall begünstigt. Das können bestimmte Zeiten, Orte, Tätigkeiten oder auch Situationen sein. Darauf aufbauend können Betroffene Strategien entwickeln, die dabei helfen sollen, Anfälle zu verhindern. Denn wer weiß, welche Faktoren (beispielsweise Alkoholgenuss) einen Anfall begünstigen, muss diese nicht zwingend meiden. Effektiver ist es, einen positiven Umgang mit diesen zu finden. Ein weiterer Aspekt der Anfallsselbstkontrolle ist es, Warnzeichen eines epileptischen Anfalls zu erkennen und zu versuchen, diesen abzuwehren. Das kann über das Entwickeln und Einüben bestimmter Verhaltensweisen geschehen: Macht sich ein Anfall beispielsweise über ein Kribbeln in der Hand bemerkbar, wird diese zur Faust geballt. So ist es möglich, die für die Motorik verantwortlichen Gehirnzellen anderweitig zu beschäftigen. Auf diese Weise sollen sie daran gehindert werden, dem Kribbeln nachzugeben.
Alternative Behandlungsmethoden
Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten haben Patienten die Möglichkeit, auf alternative Methoden zurückzugreifen. Für die alternativen Behandlungsansätze liegt derzeit kein Wirkungsnachweis vor. Dennoch berichten einige Menschen mit Epilepsie, dass ihnen Akupressur und Co. helfen.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen geht es vor allem darum, anfallsbedingte Verletzungen zu vermeiden. Falls der Betroffene Gegenstände in der Hand hält, sollten Sie diese an sich nehmen. Während eines Anfalls sollten Sie auf keinen Fall versuchen, den Kiefer des Patienten gewaltsam zu öffnen und ihm Gegenstände zwischen die Zähne zu schieben, damit er sich nicht auf die Zunge beißt. Hier sind schwere Verletzungen möglich.
Die Apotheken Umschau empfiehlt, den Betroffenen umgehend in die stabile Seitenlage oder Bauchlage zu bringen. Wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, sollten Sie unbedingt einen Notarzt rufen.
Was tun bei einem Anfall?
- Bleiben Sie ruhig
- Schützen Sie den Kopf des Betroffenen
- Entfernen Sie gefährliche Gegenstände aus der Umgebung
- Versuchen Sie nicht, den Anfall zu unterdrücken
- Legen Sie den Betroffenen nach dem Anfall in die stabile Seitenlage
- Rufen Sie einen Notarzt, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder sich der Betroffene verletzt hat
Leben mit Epilepsie
In den meisten Fällen ist durch eine Behandlung die Epilepsie gut kontrollierbar, sodass der Patient größtenteils ein ganz normales Leben führt. Den meisten beruflichen Tätigkeiten können Epileptiker ohne Einschränkungen nachgehen. Es gibt jedoch bestimmte Berufsgruppen, die Betroffenen nur schwer oder gar nicht zugänglich sind, beispielsweise Pilot oder Busfahrer. Die berufliche Eignung ist immer auf den Einzelfall zu beziehen, sprich, es müssen Faktoren wie die Art der Anfälle, deren Häufigkeit sowie Schweregrad bei der Berufswahl berücksichtigt werden.
Die Lebenserwartung von Menschen mit Epilepsie ist grundsätzlich nicht herabgesetzt. Ein epileptischer Anfall kann dann lebensgefährdend sein, wenn der Betroffene beispielsweise infolge eines Anfalls einen Autounfall verursacht und sich schwerwiegende Verletzungen zuzieht.
Hausnotruf
Ein Hausnotruf kann im Ernstfall lebensrettend sein. Wenn Sie alleine sind und einen epileptischen Anfall erleiden, können Sie sich oft nicht selbst helfen. Schon ein leichter Anfall kann gefährlich werden: Sie könnten stürzen, sich verletzen oder das Bewusstsein verlieren. Auch das Risiko zu ersticken, zum Beispiel bei Erbrechen, ist nicht zu unterschätzen.
Viele Menschen mit Epilepsie spüren einen Anfall im Voraus. Wenn Sie in diesem Moment ein Hausnotrufsystem zur Hand haben, können Sie noch rechtzeitig Hilfe holen. So erreichen Rettungskräfte oder Angehörige Sie schnell, und Sie bleiben auch in kritischen Situationen nicht auf sich allein gestellt.
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