Epileptische Anfälle bei Tieren: Ursachen, Symptome und Behandlung

Epilepsie, eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist, betrifft nicht nur Menschen, sondern auch Tiere. Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu einer plötzlichen Störung der Gehirnfunktion, die sich in verschiedenen Symptomen äußern kann. Eines der bekanntesten Symptome ist das Auftreten von Schaum vor dem Mund.

Was ist ein epileptischer Anfall?

Ein epileptischer Anfall ist eine Funktionsstörung des Gehirns, bei der sich die Nervenzellen unkontrolliert entladen. Dieses "Gewitter im Gehirn" beeinträchtigt die Wahrnehmung der Außenwelt, trübt das Bewusstsein und nimmt dem Tier die Kontrolle über Teile oder seinen ganzen Körper.

Ursachen von epileptischen Anfällen bei Tieren

Die Ursachen für epileptische Anfälle bei Tieren sind vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen primärer (idiopathischer) und sekundärer (symptomatischer) Epilepsie.

Primäre (idiopathische) Epilepsie

Bei der primären oder idiopathischen Epilepsie ist die Ursache für die Anfälle unbekannt. Es wird vermutet, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Diese Form der Epilepsie tritt häufiger bei bestimmten Rassen auf, wie z. B. Golden Retriever, Labrador Retriever, Beagle, Collie, Pudel, Berner Sennenhund und Schäferhund. Die ersten Anfälle treten meist im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren auf.

Sekundäre (symptomatische) Epilepsie

Bei der sekundären oder symptomatischen Epilepsie werden die Anfälle durch andere Erkrankungen verursacht. Dazu gehören:

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  • Schlaganfall
  • Verletzungen des Gehirns
  • Altersbedingte Gehirnveränderungen
  • Tumore
  • Angeborene Missbildungen des Gehirns
  • Infektionen (z. B. FIP, FIV, Bakterien)
  • Leberschäden
  • Nierenschäden
  • Unterzuckerung
  • Sauerstoffmangel
  • Kalziumunterversorgung
  • Vergiftungen (z.B. durch Pflanzen wie Weihnachtsstern oder Buchsbaum, oder durch falsche Mittel gegen Endo- oder Ektoparasiten)
  • Stoffwechselerkrankungen

Symptome eines epileptischen Anfalls bei Tieren

Die Symptome eines epileptischen Anfalls können je nach Art und Schwere des Anfalls variieren. Ein klassischer Anfall besteht aus drei Stadien: Aura, Grand Mal (oder Iktus) und postiktale Phase.

Aura (Vorbereitungsphase)

Während der Aura, der "Vorbereitungsphase", zeigt das Tier ein verändertes Wesen. Es verhält sich ungewöhnlich, ist unruhig, anhänglich, sabbert, atmet unruhig oder hat einen veränderten Blick. Manche Tiere ziehen sich zurück oder suchen die Nähe des Menschen.

Grand Mal (Iktus)

Beim eigentlichen Anfall oder dem Grand Mal stürzt das Tier urplötzlich, verliert das Bewusstsein und krampft. Eventuell sträubt sich sein Fell. Sehr oft speichelt das Tier stark und verliert Kot und Harn. Auch Kau- und Laufbewegungen kann man häufig beobachten. Schaum vor dem Mund kann auftreten. Einige Tiere äußern Lautäußerungen wie Jaulen oder Schreien, die jedoch nicht von Schmerzen herrühren. Die Beine können steif werden oder rudernde Bewegungen ausführen.

Postiktale Phase (Nachanfallsphase)

Die Nachanfalls- oder postiktale Phase ist unterschiedlich lang. Tiere können noch Stunden nach einem Anfall benommen, desorientiert, aggressiv oder ängstlich wirken. Bewegungsstörungen und abnormer Hunger treten in dieser Zeit regelmäßig auf.

Partielle (fokale) Anfälle

Neben den generalisierten Anfällen (Grand Mal) gibt es auch partielle oder fokale Anfälle. Hierbei ist nur ein bestimmter Teil des Gehirns betroffen. Die Symptome sind entsprechend unterschiedlich und können sein:

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  • Muskelzuckungen
  • Krämpfe einzelner Muskelgruppen
  • Schnappen nach eingebildeten Fliegen
  • Rennanfälle
  • Sehstörungen
  • Glasiger Blick
  • Juckreiz
  • Klappern mit dem Unterkiefer
  • Zucken mit einer oder mehreren Pfoten
  • Schlagen mit dem Schwanz
  • Unmotiviertes Bellen
  • Zwanghaftes im Kreis Laufen

Was tun bei einem epileptischen Anfall?

Während eines Anfalls sollten Sie vor allem ruhig bleiben. Hektische Bewegungen, laute Geräusche oder auch Festhalten können den Anfall verstärken. Fassen Sie das Tier nicht an, schützen Sie es aber vor Verletzungen, indem Sie gefährliche Gegenstände beiseite räumen oder abpolstern. Wenn sich ein Anfall ankündigt, sollten Sie das Tier in einem sicheren Raum einsperren.

Es ist sehr wichtig, die Anfälle Ihres Tieres zu protokollieren. Machen Sie Notizen, wann und wie oft sie im Monat auftreten, wie sie verlaufen und wie lange sie dauern. Notieren sie auch, falls möglich, den Auslöser des Anfalls und den Verlauf der Aufwachphase. Ein Film des Anfalls kann für Ihren Tierarzt sehr wertvolle Information liefern.

Sollte ein Anfall länger als fünf Minuten dauern oder wenn mehrere Anfälle nahezu gleichzeitig auftreten, sollten Sie sofort Ihren Tierarzt verständigen. Dies kann zu einem Status epilepticus führen, einem lebensbedrohlichen Zustand, der das Gehirn nachhaltig schädigen kann.

Diagnose von Epilepsie bei Tieren

Um die Ursache für die Anfälle zu finden, wird der Tierarzt verschiedene Untersuchungen durchführen. Dazu gehören:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung
  • Neurologische Untersuchung
  • Blutuntersuchung (um andere Erkrankungen wie Leber- oder Nierenschäden auszuschließen)
  • Urinuntersuchung
  • Liquoruntersuchung (Untersuchung der Hirnflüssigkeit)
  • Elektroenzephalografie (EEG) zur Messung der Gehirnströme
  • Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zur Darstellung des Gehirns

Tatsächlich muss der Tierarzt durch Untersuchungen erst alle anderen Faktoren ausschließen, bevor er die Diagnose primäre Epilepsie stellen kann. Denn es gibt noch keinen direkten "Epilepsie-Test".

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Behandlung von Epilepsie bei Tieren

Eine idiopathische primäre Epilepsie ist unheilbar, ist in vielen Fällen aber durch so genannte Anti-Epileptika in den Griff zu bekommen. Bei der Katze kommen vor allem Phenobarbital, Kaliumbromid und im Notfall Diazepam zum Einsatz. Sie unterdrücken die unkontrollierte Nervenaktivität. Allerdings dauert es meist eine Weile, bis der Tierarzt die richtige Wirkstoffkombination und Dosierung für das Tier ermittelt hat. Das ist wegen der schweren Nebenwirkungen (z.B. Leberschäden), die die Medikamente haben können, besonders wichtig. Zu Beginn der Therapie sind die Tiere häufig müde und lustlos. Doch das hört meist nach zwei bis drei Wochen wieder auf. Wenn Sie mit der Behandlung unzufrieden sind, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt oder konsultieren Sie einen zweiten, aber handeln Sie nicht eigenmächtig. Das Absetzen der Medikamente könnte einen schweren Anfall provozieren.

Empfehlenswert ist das Führen eines Epilepsie-Tagebuchs, in dem Sie die Dauer und Stärke eines Anfalls festhalten sowie seine Begleitumstände und seine Vorboten. Eventuell kommen Sie so auslösenden Faktoren, z.B. bestimmten Geräuschen, auf die Spur. Diese Faktoren können Sie dann ausschalten oder reduzieren. Dies heilt das Tier zwar nicht, kann aber die Anfallshäufigkeit vermindern. Das Registrieren der ersten Anzeichen bzw. der Vorboten hilft Ihnen, einen drohenden Anfall rechtzeitig zu erkennen und Vorsichtsmaßnahmen, z.B. Einsperren, zu ergreifen.

Ernährung und Umgebung

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung können auch Anpassungen der Ernährung und der Umgebung helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.

  • Ernährung: Das Tierfutter sollte getreidefrei sein, da das im Getreide enthaltene Gluten die Blut-Hirnschranke überwinden kann. Getreide steht im Verdacht, entzündliche Prozesse auszulösen. Genauso kann Zucker zu einem Anfall führen, da er den Stoffwechsel erheblich stört. Das Futter sollte also keinen Reis, Mais, Weizen, keine Kartoffeln oder Erbsen enthalten, da die darin enthaltene Stärke zu Zucker umgebaut wird. Achten Sie auf eine möglichst naturnahe und ausgewogene Fütterung mit Fleisch ohne synthetische Zusätze.
  • Umgebung: Die Umgebung eines an Epilepsie erkrankten Tieres sollte strukturiert und reizarm sein, denn Tiere sind Gewohnheitstiere, jede Veränderung bereitet ihnen Stress. Ebenso sollte auf den Einsatz parfümierter Raumsprays oder Kerzen verzichtet werden. Sorgen Sie für feste Tagesabläufe und eine ruhige und stressfreie Umgebung. Vermeiden Sie Stressoren wie häufige Besuche, laute Geräusche oder fremde Umgebungen.

Alternative Behandlungsmethoden

Neben der konventionellen Behandlung mit Medikamenten gibt es auch alternative Behandlungsmethoden, die in einigen Fällen unterstützend eingesetzt werden können. Dazu gehören:

  • Homöopathie: In der Homöopathie kommen bei einer Epilepsie u. a. Carduus Marianus D6, Lycopodium D6 und Causticum D30 zum Einsatz. Ihre Anwendung sollte unbedingt mit einem Tierheilpraktiker oder Tierarzt mit homöopathischer Erfahrung besprochen werden. Durch die homöopathischen Mittel können die Medikamente langsam reduziert werden, somit minimiert sich das Risiko der krankmachenden Nebenwirkungen.
  • Kräutertherapie: Nehls individuelle Kräuter können in einigen Fällen helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
  • Bioresonanz-Haaranalyse: Diese Methode kann helfen, individuelle Unverträglichkeiten und Belastungen zu identifizieren und die Therapie entsprechend anzupassen.

Es ist wichtig zu beachten, dass alternative Behandlungsmethoden nicht wissenschaftlich bewiesen sind und nicht als Ersatz für eine konventionelle Behandlung angesehen werden sollten. Sie können jedoch in Absprache mit dem Tierarzt oder Tierheilpraktiker unterstützend eingesetzt werden.

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