ERA-NET NEURON: Förderung der neurowissenschaftlichen Forschung in Deutschland

Das ERA-NET NEURON (Network of European Funding for Neuroscience Research) ist ein europäisches Netzwerk, das darauf abzielt, Forschungsaktivitäten und -programme im Bereich der krankheitsbezogenen Neurowissenschaften zu koordinieren. Durch die Förderung transnationaler Verbundvorhaben trägt ERA-NET NEURON dazu bei, die Lebensqualität von Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems zu verbessern.

Hintergrund und Ziele von ERA-NET NEURON

Erkrankungen des zentralen Nervensystems stellen eine erhebliche Belastung für die Gesellschaft dar. Weltweit leiden schätzungsweise über eine Milliarde Menschen an solchen Erkrankungen, die in Europa fast ein Drittel der gesamten Krankheitslast verursachen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, diese Erkrankungen zu erforschen und Forschungsergebnisse in verbesserte diagnostische und therapeutische Maßnahmen umzusetzen.

ERA-NET NEURON wurde gegründet, um die Forschungsanstrengungen und Förderprogramme der beteiligten europäischen Länder im Bereich der psychischen und neurologischen Störungen sowie der Erkrankungen der Sinnessysteme zu koordinieren und zu optimieren. Ziel ist es, das Verständnis der Ursachen und Krankheitsmechanismen dieser Erkrankungen zu fördern und innovative Ansätze für Prävention, Diagnose und Therapie zu entwickeln.

Schwerpunkte der Förderung

Die Fördermaßnahmen von ERA-NET NEURON konzentrieren sich auf verschiedene Schwerpunkte, darunter:

  • Psychische Gesundheit: Förderung von Forschungsprojekten zu psychischen Störungen wie Depressionen, bipolaren Störungen, Angststörungen, Autismus-Spektrum-Störungen und Substanzgebrauchsstörungen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung neuer Strategien zur Diagnose sowie pharmakologischer, Psycho- und Hirnstimulationstherapien zur Verbesserung der psychischen Gesundheit junger Menschen.
  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen: Unterstützung von Forschungsvorhaben, die sich mit den Ursachen und Krankheitsmechanismen von Schlaganfällen und anderen zerebrovaskulären Erkrankungen befassen, einschließlich Mikroangiopathien und Störungen der Hirnschranken. Ziel ist es, die Erkenntnisse in eine verbesserte Prävention, Diagnose und Therapie zu überführen.
  • Neurowissenschaft des Schmerzes: Förderung interdisziplinärer Forschungsansätze zur Erforschung der neurowissenschaftlichen Aspekte von Schmerz. Dies umfasst die Untersuchung von Biomarkern, klinischer Phänotypisierung, intra- und interindividuellen Unterschieden, der Rolle der Neuroplastizität, Neuroinflammation sowie genetischer, epigenetischer und molekularer Mechanismen.
  • Resilienz und Vulnerabilität: Verbesserung des Verständnisses der neurobiologischen Mechanismen, die an der Entwicklung von Resilienz oder Vulnerabilität gegenüber widrigen Umwelteinflüssen im Bereich der psychischen Gesundheit beteiligt sind. Ziel ist es, das Behandlungsrepertoire erfolgversprechender therapeutischer Ansätze zu erweitern, die Diagnosemöglichkeiten zu präzisieren und die Prävention zu verbessern.

Förderrichtlinien und -voraussetzungen

Die Förderrichtlinien von ERA-NET NEURON legen großen Wert auf transnationale Zusammenarbeit und Interdisziplinarität. Gefördert werden in der Regel Verbundvorhaben, an denen Forschungsgruppen aus mindestens drei verschiedenen Ländern beteiligt sind. Die Projekte sollen einen klaren Mehrwert durch die internationale Kooperation aufweisen und innovative, ehrgeizige Ideen verfolgen.

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Zu den wichtigsten Fördervoraussetzungen gehören:

  • Transnationale Forschungsverbünde: Es werden nur Forschungsvorhaben im Rahmen transnationaler Forschungsverbünde gefördert. Eine gemeinschaftliche Bewerbung aller Verbundpartner wird vorausgesetzt.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Antragstellende müssen die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit mitbringen.
  • Qualität der Methodik: Voraussetzung für eine Förderung ist die hohe Qualität der Methodik des beantragten Projekts.
  • Zugänglichkeit und langfristige Sicherung von Forschungsdaten und -ergebnissen: Forschungsergebnisse sollen als Open Access-Veröffentlichung publiziert und Forschungsdaten zur Nachnutzung bereitgestellt werden.
  • Verwertungs- und Nutzungsmöglichkeiten: Die zu erwartenden Ergebnisse müssen einen konkreten Erkenntnisgewinn für künftige Verbesserungen der Gesundheitsförderung, Prävention, Diagnose, Therapie und/oder Rehabilitation von psychischen Störungen erbringen.

Förderempfänger

Antragsberechtigt sind in der Regel deutsche staatliche und nicht-staatliche Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit Forschungs- und Entwicklungskapazität. Zum Zeitpunkt der Auszahlung einer gewährten Zuwendung wird das Vorhandensein einer Betriebsstätte oder Niederlassung in Deutschland verlangt.

Ablauf des Förderverfahrens

Das Förderverfahren ist in der Regel dreistufig angelegt:

  1. Einreichung von Projektskizzen (Pre-Proposals): In der ersten Stufe werden zunächst Projektskizzen beim gemeinsamen "Joint Call Secretariat" eingereicht.
  2. Begutachtung der Projektskizzen: Die eingereichten Projektskizzen werden von externen, internationalen Expertinnen und Experten begutachtet.
  3. Einreichung von ausführlichen Projektbeschreibungen (Full Proposals): Ausgewählte Projektvorschläge werden zur Einreichung von ausführlichen Projektbeschreibungen aufgefordert.
  4. Erneute Begutachtung und Auswahl: Nach einer erneuten externen Begutachtung werden die transnationalen Verbundvorhaben für eine Förderung ausgewählt.
  5. Einreichen förmlicher Förderanträge: Die deutschen Projektpartner der ausgewählten transnationalen Verbünde werden aufgefordert, förmliche Förderanträge einzureichen.

Beispiele für geförderte Forschungsprojekte

ERA-NET NEURON hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche Forschungsprojekte in Deutschland gefördert. Dazu gehören beispielsweise:

  • Forschungsprojekte zu zerebrovaskulären Erkrankungen: Im Rahmen der Förderrichtlinie vom 20. Januar 2022 wurden 14 transnationale Verbundvorhaben mit insgesamt 58 beteiligten Forschungsgruppen für eine Förderung ausgewählt. Dreizehn Forschungsgruppen kommen aus Deutschland. Das BMBF fördert hierbei die deutschen Forschungsgruppen mit rund 2,8 Millionen Euro.
  • Forschungsprojekte zu Resilienz und Vulnerabilität: Im Rahmen der Förderrichtlinie vom 16. März wurden 15 transnationale Verbundvorhaben mit insgesamt 75 beteiligten Forschungsgruppen für eine Förderung ausgewählt. Die Fördersumme beträgt insgesamt etwa 16,8 Millionen Euro.

Bedeutung für den Forschungsstandort Deutschland

Die Fördermaßnahmen von ERA-NET NEURON tragen maßgeblich zur Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland im Bereich der Neurowissenschaften bei. Durch die Förderung transnationaler Zusammenarbeit und interdisziplinärer Forschung werden Synergieeffekte geschaffen und innovative Forschungsansätze gefördert. Die Ergebnisse der geförderten Projekte tragen dazu bei, das Verständnis von Erkrankungen des zentralen Nervensystems zu verbessern und neue Möglichkeiten für Prävention, Diagnose und Therapie zu entwickeln.

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