Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Viele Betroffene suchen nach alternativen oder ergänzenden Behandlungsmethoden, um die Häufigkeit und Intensität ihrer Migräneattacken zu reduzieren. In diesem Zusammenhang rücken pflanzliche Mittel wie Mutterkraut, Pestwurz, Ingwer und Curcuma in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Mutterkraut bei Migräne, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungsberichten.
Was ist Mutterkraut?
Mutterkraut (Tanacetum parthenium), auch bekannt als "falsche Kamille" oder Fieberkraut, gehört zur Familie der Korbblütler und ähnelt optisch der Kamille. Der Name "Mutterkraut" deutet auf die traditionelle Verwendung bei gynäkologischen Beschwerden hin, während der wissenschaftliche Artname (parthenium) aus dem Griechischen stammt und "Jungfrau" bedeutet, was ebenfalls auf die Anwendung bei Frauenleiden hinweist. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem östlichen Mittelmeerraum, wird aber mittlerweile in vielen Teilen der Welt als Zier- und Kräuterpflanze kultiviert.
Traditionelle Anwendung und Inhaltsstoffe
Bereits seit vielen Jahrhunderten wird Mutterkraut zur Linderung von Kopfschmerzen und Fieber eingesetzt. Auch bei Bauch- und Zahnschmerzen findet es Verwendung. Die Pflanze enthält verschiedene Inhaltsstoffe, darunter Sesquiterpenlactone (vor allem Parthenolid), ätherisches Öl (mit Campher als Hauptkomponente) und Flavonoide. Parthenolid gilt als Hauptverantwortlicher für die schmerzlindernde, entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung des Mutterkrauts.
Wie wirkt Mutterkraut bei Migräne?
Mutterkraut wirkt entzündungshemmend, antioxidativ, schmerzlindernd und fiebersenkend. Verantwortlich für diese Effekte sind die enthaltenen Parthenolide, die entzündungsfördernde Enzyme hemmen und die Aktivität pro-inflammatorischer Mediatoren beeinflussen. Diese Mediatoren werden bei Entzündungen im Körper freigesetzt und fördern die Aktivität von Abwehrzellen. Dieser Mechanismus ist auch für Migräne relevant.
Die genauen Wirkmechanismen von Mutterkraut bei Migräne sind bisher noch ungeklärt. Es wird angenommen, dass Parthenolide die Freisetzung des proinflammatorischen Neuropeptids „Calcitonin Gene-Related Peptide“ (CGRP) im Gehirn hemmen, was zu einer Vasokonstriktion führt. Zudem desensibilisiert es Membrankanäle, wodurch die Reizschwelle von Migränetriggern erhöht wird. Serotonin besitzt eine zentrale Funktion in der Ausbildung einer Migräne - dabei ist bekannt, dass eine hohe Serotoninkonzentration im Blut die Entstehung einer Migräne mit Aura begünstigen kann. Die in Mutterkraut enthaltenen Parthenolide können die Ausschüttung von Serotonin auf verschiedenen Wegen hemmen und somit der Entstehung einer Migräne entgegenwirken.
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Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit
Wissenschaftliche Untersuchungen konnten dem Mutterkraut eine schmerzlindernde und antientzündliche Wirkung bestätigen, das gilt vor allem für den Inhaltsstoff Parthenolid. Eine 2004 durchgeführte und 2015 aktualisierte Analyse mehrerer Studien deutet zudem darauf hin, dass das Mutterkraut auch in der Migränevorbeugung eine gewisse Wirksamkeit besitzt. Jedoch ist der bislang nachgewiesene Effekt verglichen mit einem wirkungslosen Scheinarzneimittel (Placebo) als gering einzustufen. In der eben genannten Analyse mehrerer Studien wurden keine ernsthaften Nebenwirkungen bei der Einnahme von Mutterkraut als Migränevorbeugung festgestellt.
Eine placebokontrollierte klinische Studie zeigte, dass die regelmäßige Anwendung von Mutterkraut über einen Zeitraum von 6 Monaten die Häufigkeit der Migräneattacken um 67% reduzierte. In Form eines Extraktes war es in zwei Studien als Migräne-Prophylaktikum wirksam und senkte die Migränetage um ca. 1,8 Tage im Monat gegenüber eines Placebos.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Studienlage zur Wirkung von Mutterkraut bei Migräne nicht eindeutig ist. Einige aktuelle Forschungsergebnisse aus Humanstudien zeigen, dass Mutterkraut bei der Behandlung und Vorbeugung von Migräne nur geringfügig wirksamer ist als ein Placebo. Andere Studien stellten keinen Effekt fest. Es ist deshalb weitere Forschung notwendig.
Erfahrungsberichte von Anwendern
Viele Migränepatienten berichten von positiven Erfahrungen mit Mutterkraut. So schreibt ein Nutzer: „Wirkung bei starker Migräne echt phänomenal. Das Präparat wirkt nicht wie ein „Ein- / Ausschalter“ sondern wie ein Dimmer. Über einen längeren Zeitraum eingenommen, werden die Migräneanfälle deutlich weniger und schwächer.“
Ein anderer Erfahrungsbericht schildert den Verlauf einer Migräneerkrankung und die Wirkung von Mutterkraut: "Seit Ende Jänner 2016 und nach ärztlicher Anweisung nimmt Frau Dr. Freitag nun Mutterkraut. Bis etwa Anfang März 2016, so berichtete sie uns, mehrten die Attacken sich noch, danach stellte sich eine deutliche Verbesserung ein. Die Häufigkeit der Attacken sank stark, aber auch die Intensität dieser ließ merklich nach."
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Diese Berichte deuten darauf hin, dass Mutterkraut bei manchen Menschen eine positive Wirkung auf die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken haben kann. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirkung individuell unterschiedlich sein kann und nicht jeder Patient von Mutterkraut profitiert.
Anwendung von Mutterkraut
Verwendet wird das zur Blütezeit gesammelte Kraut (Tanaceti parthenii herba) bestehend aus den Stängeln, Blättern und Blüten. Es wird entweder als Tee zubereitet oder in Form von Fertigpräparaten wie Mutterkraut-Kapseln, -Tabletten, -Tinkturen und -Salben genutzt.
Für einen Tee übergießen Sie etwa 150 Milligramm pulverisiertes Mutterkraut mit einer Tasse kochendem Wasser. Nach zehn Minuten können Sie über einen Filter das Pulver abseihen. Trinken Sie idealerweise über mehrere Monate täglich zwei bis drei Tassen vor den Mahlzeiten, bevor Sie die Dosis reduzieren. Auf diese Weise soll Mutterkraut Migräne vorbeugen.
Allerdings wird die Wirkung von Mutterkraut-Tee als gering eingestuft, da die wirksamen Inhaltsstoffe kaum ins Wasser übergehen. Stattdessen wird empfohlen, die Heilpflanze in Form von standardisierten Fertigpräparaten einzunehmen.
Formen und Dosierung
Mutterkraut ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter:
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- Tee: Die Konzentration des Mutterkrauts in Tees ist jedoch deutlich geringer als in den Fertigpräparaten.
- Kapseln und Tabletten: Diese enthalten in der Regel eine standardisierte Menge an Mutterkraut-Extrakt.
- Tinkturen und Salben: Diese werden seltener zur Migräneprophylaxe eingesetzt.
- CO2-Extrakt: In Form eines Extraktes war es in zwei Studien als Migräne-Prophylaktikum wirksam und senkte die Migränetage um ca. 1,8 Tage im Monat gegenüber eines Placebos. In Deutschland wird Mutterkraut allerdings nicht als Extrakt vertrieben, sondern kann in anderen Formen eingenommen werden, die nicht ausreichend zur Migräneprophylaxe untersucht sind. Daher empfehlen die aktuellen Leitlinien zur Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne keine Verwendung von Mutterkraut.
Die Dosierung von Mutterkraut-Präparaten variiert je nach Produkt und Hersteller. Es ist wichtig, die Anweisungen auf der Packungsbeilage oder die Empfehlungen Ihres Arztes oder Apothekers zu befolgen.
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Worauf sollte man bei der Anwendung achten?
Verzichten Sie auf Mutterkraut, wenn Sie allergisch gegen Korbblütler wie Arnika, Ringelblume und Kamille reagieren.
Es gibt nicht viel Erfahrung mit der Anwendung von Mutterkraut während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen. Besprechen Sie deshalb die Anwendung der Heilpflanze zuerst mit einem Arzt oder einer Ärztin.
Mögliche Nebenwirkungen
Nach der Einnahme von Mutterkraut können Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen im Bereich der Haut, des Mundes und der Zunge auftreten. Manche Menschen klagen auch über leichte Magen-Darm-Beschwerden. In den erwähnten Studien wurden keine ernsthaften Nebenwirkungen bei der Einnahme von Mutterkraut als Migränevorbeugung festgestellt.
Weitere pflanzliche Mittel gegen Migräne
Neben Mutterkraut gibt es auch andere pflanzliche Mittel, die bei Migräne eingesetzt werden können:
- Pestwurz: Für ein Pestwurz-Extrakt ist die Wirksamkeit in der Vorbeugung der Migräne in zwei Studien belegt worden. Allerdings sind in der Pflanze sogenannte Pyrrolizidinalkaloide nachweisbar, die als potenziell leberschädigend eingestuft werden.
- Ingwer: Die Inhaltsstoffe des Ingwers werden traditionell als krampflösend, entzündungshemmend und schmerzstillend beschrieben. Deshalb wenden manche Personen mit Migräne Ingwer-Zubereitungen bei akuten Migräneanfällen als Hausmittel an. Ob Ingwer gegen akute Migräne helfen kann, ist noch nicht ausreichend erforscht und beantwortet.
- Curcuma: Für eine mögliche Wirkung von Curcuma gegen Migräne und hier vor allem in der Migränevorbeugung untersuchen Forschende den Inhaltsstoff Curcumin. Curcumin ein „vielversprechender Kandidat in der Vorbeugung und Kontrolle der Migräne“ sei - unter anderem wegen seiner antientzündlichen und schmerzlindernden Eigenschaften.
In der geltenden ärztlichen Leitlinie zur Therapie und Prophylaxe der Migräne werden daher als pflanzliche Optionen nur Pestwurz und Mutterkraut zur Migränevorbeugung erwähnt.
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