Die Ergotherapie spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Menschen mit Parkinson-Demenz. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten und zu fördern. Dieser Artikel beleuchtet die spezifischen Herausforderungen der Parkinson-Demenz, die ergotherapeutischen Ansätze und die vielfältigen Möglichkeiten, wie Ergotherapie den Alltag erleichtern und die kognitiven sowie motorischen Fähigkeiten verbessern kann.
Was ist Parkinson-Demenz?
Der Begriff "Demenz" beschreibt einen Zustand, in dem die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen beeinträchtigt sind. Zu diesen Fähigkeiten gehören unter anderem das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache, das Denkvermögen und die Orientierung. Auch Emotionen spielen eine wesentliche Rolle in den kognitiven Prozessen. Die Parkinson-Demenz ist eine spezielle Form der Demenz, die in Verbindung mit der Parkinson-Krankheit auftritt.
Ursachen und Formen der Demenz
Demenzen können verschiedene Ursachen haben und werden in unterschiedliche Formen unterteilt:
- Degenerative Demenzen: Diese Form zeichnet sich durch den Abbau von Nervenzellen im Gehirn aus. Bekannte Beispiele sind die Alzheimer-Krankheit und die Lewy-Körperchen-Demenz.
- Vaskuläre Demenzen: Sie entstehen durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zu Schädigungen der Nervenzellen führen. Mit zunehmendem Alter treten häufig Mischformen aus vaskulären und degenerativen Demenzen auf.
- Sekundäre Demenzen: Diese selteneren Formen können durch Medikamentenvergiftungen, Gifte (z.B. Alkohol oder Drogen) oder auch Depressionen ausgelöst werden.
Symptome der Parkinson-Demenz
Es gibt keine spezifischen Demenzsymptome, die ausschließlich bei der Parkinson-Demenz auftreten. Allerdings gibt es bestimmte Merkmale, die in Kombination mit der Parkinson-Diagnose auf eine Parkinson-Demenz hindeuten können:
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsverlust
- Beeinträchtigung der Exekutivfunktionen (Planen, Handeln, Entscheidungen treffen)
- Räumliche Orientierungsschwierigkeiten
- Psychische Auffälligkeiten (verringerter Antrieb, Motivations- und Interessenverlust)
- Im späteren Verlauf auch Gedächtnisschwierigkeiten
Entscheidend für die Diagnose einer Demenz ist, dass die Beschwerden so schwerwiegend sind, dass der Betroffene seinen gewohnten Alltagstätigkeiten nicht mehr wie bisher nachkommen kann. Im Gegensatz zu einem Delir entwickelt sich die Parkinson-Demenz schleichend über Monate bis Jahre. Einige Symptome können mit einer depressiven Phase verwechselt werden, wobei sich diese meist schneller entwickelt als eine Demenz. Sogar Gedächtnisstörungen sind im Rahmen einer depressiven Pseudodemenz möglich.
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Ergotherapie bei Parkinson-Demenz: Ziele und Ansätze
Die Ergotherapie bei Parkinson-Demenz zielt darauf ab, die Selbstständigkeit, Handlungsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten und zu fördern. Dabei werden verschiedene Ansätze verfolgt, die individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Patienten abgestimmt sind.
Erhaltung und Förderung kognitiver Fähigkeiten
Ein wichtiger Schwerpunkt der Ergotherapie liegt auf der Erhaltung und Förderung der kognitiven Fähigkeiten. Dies kann durch verschiedene Übungen und Aktivitäten erreicht werden:
- Gedächtnistraining: Übungen zur Verbesserung des Gedächtnisses und der Merkfähigkeit.
- Orientierungshilfen: Einsatz von Hilfsmitteln zur Verbesserung der Orientierung in Zeit und Raum.
- Strukturierung des Tagesablaufs: Entwicklung und Einhaltung eines strukturierten Tagesablaufs, um Sicherheit und Routine zu gewährleisten.
- Anleiten zu früheren Tätigkeiten: Der Demenzkranke soll sich möglichst lange noch selbst spüren z.B. Anleiten des dementen Menschen zu früheren Tätigkeiten des täglichen Lebens. Dabei ist darauf zu achten, dass die an Demenz erkrankten Menschen nicht überfordert werden und es zu keinem Negativerleben kommt!
Verbesserung der motorischen Fähigkeiten
Parkinson-Patienten leiden häufig unter motorischen Einschränkungen wie Zittern, Steifigkeit und verlangsamten Bewegungen. Die Ergotherapie kann helfen, diese Symptome zu lindern und die motorischen Fähigkeiten zu verbessern:
- Gezielte Übungen: Stärkung der Muskeln, Verbesserung der Koordination und Feinmotorik, Training wichtiger Bewegungsabläufe.
- Alltagsorientiertes Training: Übungen zu Essen, Anziehen, Körperpflege und Hausarbeit, um die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten.
- Anpassung des Umfelds: Anpassung des häuslichen und beruflichen Umfelds an die Bedürfnisse des Patienten (z.B. Installation von Haltegriffen, Anpassung von Möbeln, Verwendung von Hilfsmitteln).
Förderung der Körperwahrnehmung
Die Körperwahrnehmung kann bei Demenz und Parkinson beeinträchtigt sein. Ergotherapie kann helfen, diese Wahrnehmung zu verbessern:
- Körperwahrnehmungsübungen: Übungen zur Förderung der Körperwahrnehmung und des Körpergefühls.
- Sensorische Stimulation: Einsatz von verschiedenen Materialien und Texturen zur Anregung der Sinne.
- Das Perfetti-Konzept: Das Perfetti-Konzept orientiert sich an der physiologischen Funktionsweise des Gehirns und seinen Möglichkeiten zur Reorganisation. Wichtig sind die gezielte Aufmerksamkeit des Patienten sowie ein zielgerichteter, sinnvoller Bewegungsauftrag. Ohne diese Kombination ist das Erlernen bzw. Wiedererlernen von Bewegungen nicht möglich.
Emotionale Unterstützung und Beratung
Die Ergotherapie bietet auch emotionale Unterstützung und Beratung für Patienten und Angehörige:
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- Aufklärung über die Krankheit: Informationen über die Parkinson-Demenz, ihre Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.
- Umgang mit den Symptomen: Strategien zur Bewältigung der körperlichen und psychischen Herausforderungen der Krankheit.
- Vermittlung von Selbsthilfegruppen: Kontakt zu anderen Betroffenen und Angehörigen zum Austausch von Erfahrungen und zur gegenseitigen Unterstützung.
- Entspannungstechniken: Methoden wie progressive Muskelentspannung oder Atemübungen, um Stress zu reduzieren und Muskelsteifigkeit zu lindern.
Ergotherapeutische Behandlungsmethoden in der Geriatrie
Bei den ergotherapeutischen Behandlungsmethoden im Bereich der Geriatrie geht es um den Menschen mit Alterserkrankungen. Patienten die an Parkinson, Alzheimer oder Demenz erkranken, leiden zusätzlich darunter, in ihrer Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit oftmals stark eingeschränkt zu sein. Selbst Mehrfacherkrankungen sind beim alternden Menschen keine Seltenheit.
Als Ergotherapeut ist man sich bewusst, dass die meist langjährigen Folgen einer Krankheit zu Veränderungen sowohl im psychischen, physischen und sozialen Bereich führen können. Umso wichtiger ist es daher, im Rahmen der Therapie auf die individuellen Besonderheiten des Patienten einzugehen. Aufgrund der ärztlichen Diagnose und der persönlichen Befundaufnahme durch den Ergotherapeuten erfolgt demzufolge eine speziell auf den Patienten abgestimmte Behandlungstherapie.
Das eigentliche Ziel bleibt dabei stets, die Selbstständigkeit zu verbessern, um endlich wieder mehr Lebensqualität zu erlangen.
Beispiele für Verbesserungen durch die Behandlung
- Das eigene Leben wieder aktiv mitgestalten können.
- Sich trauen, wieder auf die Straße zu gehen.
- Teils gelähmte Gliedmaßen wie Arme oder Beine einsetzen zu können.
- Kleinere Schreibarbeiten wie z. B. Unterschriften selbst zu erledigen.
- Den Alltag in der eigenen Wohnung bewältigen zu können.
- Bereiche der Körperpflege (Anziehen, Duschen) wieder selbst zu übernehmen.
- Selber zu kochen.
- Gegen das wiederkehrende Stimmungstief ankämpfen zu können.
Die Ergotherapie ist zumindest auch als eine Hilfe zur Selbstständigkeit zu verstehen. Angehörige, die sich ergänzend um die Betreuung und Pflege kümmern können, sollen bestmöglich in den Heilungsprozess mit einbezogen werden.
Selbstverständlich sind die Anforderungen eines Demenzkranken an andere Voraussetzungen geknüpft als bei einem jungen Mann, der nach einer Hüftoperation wieder den beruflichen Einstieg sucht. Aber in beiden Fällen geht es um eingeschränkte körperliche und/oder kognitive Funktionen, die es für mehr Lebensqualität zu verbessern gilt. Der unterschiedliche Krankheitszustand bzw. die Krankheitsfolgen bestimmen letztendlich die Art und Weise der patientenbezogenen, ergotherapeutischen Behandlungsmaßnahmen.
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Spezialisierte Ergotherapie bei Parkinson
Parkinson ist eine komplexe neurodegenerative Erkrankung, die sowohl motorische als auch nicht-motorische Symptome mit sich bringt. Diese können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Spezialisierte Ergotherapie kann Betroffenen helfen, ihre Unabhängigkeit zu bewahren und ihre Alltagsaktivitäten bestmöglich zu meistern.
Beurteilung und individuelle Therapieplanung
Zu Beginn jeder Therapie wird eine umfassende Beurteilung der Fähigkeiten und Einschränkungen des Patienten durchgeführt. Auf dieser Grundlage wird ein individueller Therapieplan erstellt, der die spezifischen Bedürfnisse und Ziele des Patienten berücksichtigt.
Verbesserung der motorischen Fähigkeiten
Ein wichtiger Schwerpunkt der Ergotherapie bei Parkinson liegt auf der Verbesserung der motorischen Fähigkeiten. Mit gezielten Übungen werden die Muskeln gestärkt, die Koordination und Feinmotorik verbessert sowie wichtige Bewegungsabläufe trainiert. Aktivitäten wie An- und Ausziehen, Schreiben oder das Greifen und Heben von Gegenständen stehen hierbei im Fokus.
Übungen gegen Mikrographie
Eine besondere Störung in der Beweglichkeit ist für Parkinsonpatienten die Mikrographie. Das bedeutet die Schrift wird kleiner und die Schreibgeschwindigkeit nimmt ab. Durch ein gezieltes Schreibtraining können Ergotherapeuten dazu beitragen die Schreibfähigkeit zu erhalten. Wieder steht am Beginn der Therapie die Bewegungsanalyse (wie hat sich die Schrift verändert) gefolgt von der Zielfindung (wie soll die Schrift aussehen) und dem intensiven Training. Vor und nach dem Schreibtraining können Schreibproben zum Vergleich durchgeführt werden um den fortschritt der Behandlung zu Dokumentieren.
Alltagsorientiertes Training
Die Ergotherapie unterstützt Patienten bei den Herausforderungen des täglichen Lebens. Dazu gehören Übungen zu Essen, Anziehen, Körperpflege und Hausarbeit. Durch Training in einer realitätsnahen Umgebung wird die Übertragung der erlernten Fähigkeiten in den Alltag erleichtert.
Anpassung des Umfelds
Ergotherapeuten helfen Patienten, ihr häusliches und berufliches Umfeld optimal an ihre Bedürfnisse anzupassen. Dies kann die Installation von Haltegriffen, die Anpassung von Möbeln oder die Verwendung von Hilfsmitteln umfassen, um die Selbstständigkeit und Sicherheit zu erhöhen.
Kognitives Training
Um kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Problemlösungsfähigkeiten zu erhalten oder zu verbessern, bieten Ergotherapeuten spezielle Übungen und Trainingsprogramme an.
Emotionale Unterstützung und Beratung
Die Ergotherapie bietet emotionale Unterstützung und Beratung, um die psychologischen Herausforderungen der Krankheit zu bewältigen. Dazu gehören Aufklärung über die Krankheit, Umgang mit den Symptomen und Vermittlung von Selbsthilfegruppen. Methoden wie progressive Muskelentspannung oder Atemübungen können eingesetzt werden, um Stress zu reduzieren und Muskelsteifigkeit zu lindern.
Hausbesuche und Wohnraumanpassung
Niedergelassene Ergotherapeuten können Hausbesuche durchführen und im häuslichen Wohnumfeld beraten. Das bedeutet mit welchen Veränderungen in der Wohnung lassen sich ein sicheres (Sturzvermeidung) und selbständiges Leben in der gewohnten Umgebung führen. Eine weitere Strategie zum Erhalt der Selbständigkeit ist es die Bewegungsabläufe mit einen Hilfsmittel einzuüben.
Ergotherapie als Heilmittel
Ergotherapeutische Behandlungen gehören als Heilmittel zu den Leistungsangeboten im Gesundheitswesen. Der Hausarzt oder der Facharzt stellt die Verordnung aus. Für Ergotherapeuten beginnt eine Behandlung von Parkinsonpatienten immer mit einer Erhebung des „Ist- Zustands“ (Befunderhebung) um gemeinsam mit dem Patienten den Soll - Zustand (Therapieziel) festzulegen. Die Behandlung von chronisch Kranken unterscheidet sich von der Therapie mit Patienten die an einer reversiblen Erkrankung leiden.
Kritische Betrachtung der Wirksamkeit
Eine Studie aus Birmingham (JAMA Neurology, 2016) untersuchte die Wirksamkeit von Physio- und Ergotherapie bei Patienten mit Morbus Parkinson im Frühstadium der Erkrankung. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Therapie in diesem Stadium keine signifikanten Auswirkungen auf die alltäglichen Fähigkeiten der Patienten hatte. Die Autoren der Studie wiesen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse möglicherweise durch die geringe Anzahl an Therapiestunden (vier einstündige Übungen über acht Wochen verteilt) beeinflusst wurden.
Ein Editorial in der Mayo Clinic empfiehlt Aerobic-Übungen für Parkinson-Patienten und betont, dass bestimmte Symptome der Erkrankung eigentlich auf eine Physiotherapie ansprechen müssten.
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