Ergotherapie bei Epilepsie in Lemgo: Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine übermäßige Aktivierung von Nervenzellgruppen im Gehirn. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von plötzlichen Zuckungen oder Krämpfen über Sprachschwierigkeiten und unwillkürliche Bewegungen bis hin zu kurzen Bewusstseinsstörungen. Ergotherapie kann eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Menschen mit Epilepsie spielen, insbesondere wenn zusätzliche Beeinträchtigungen vorliegen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Ergotherapie bei Epilepsie, insbesondere im Kontext der Versorgung in Lemgo und Umgebung.

Epilepsie: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein epileptischer Anfall muss nicht zwangsläufig zur Diagnose Epilepsie führen. Auch Übermüdung, Gehirnverletzungen, Entzündungen oder Alkoholkonsum können Anfälle auslösen. Es ist wichtig, die Ursache der Anfälle zu diagnostizieren, um die richtige Behandlung einzuleiten.

Diagnostik

Die Diagnostik umfasst in der Regel:

  • Ausführliches ärztliches Gespräch (Anamnese): Abgrenzung zu Synkopen oder psychogenen Anfällen. Eine ausführliche Anamnese mit Kind und Eltern ist dabei entscheidend.
  • Neurologische Untersuchung: Messungen in der neurologischen Funktionsabteilung mit EEG, EP, Doppler- sowie Duplexsonographie, ENG/EMG und Nerven- und Muskelsonographie. Zusätzlich findet meist ein Schlafentzugs-EEG statt.
  • Bildgebende Verfahren: CT und MRT, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Therapie

Die Wahl der Medikamente hängt von der Form und Ursache der Epilepsie, dem Lebensalter, Begleiterkrankungen und einem möglichen Kinderwunsch ab. Die regelmäßige Einnahme der Medikamente ist von großer Bedeutung, auch wenn nur an wenigen Tagen ein Anfall aufgetreten ist. In einigen Fällen kann eine Operation oder eine Vagusnerv-Stimulation in Betracht gezogen werden.

Ergotherapie bei Epilepsie: Ziele und Methoden

Ergotherapie unterstützt Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind. Ziel ist es, die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern. Bei Epilepsie kann Ergotherapie in verschiedenen Bereichen helfen:

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  • Förderung der Selbstständigkeit im Alltag: Entwicklung und Training von Strategien zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben trotz der Epilepsie.
  • Verbesserung der sensorischen Integration: Behandlung von Wahrnehmungsstörungen, die im Zusammenhang mit Epilepsie auftreten können.
  • Strukturierung des Tagesablaufs: Entwicklung von Routinen und Strukturen, die Sicherheit geben und Anfälle reduzieren können.
  • Psychosoziale Unterstützung: Stärkung des Selbstbewusstseins und der Krankheitsbewältigung.
  • Entdeckung von Nebenwirkungen: Die Ergotherapie dient insbesondere der Erfassung der Fähigkeiten der Patienten und einer möglichen Änderung im Rahmen einer medikamentösen Umstellung sowie der Entdeckung von Nebenwirkungen, die der Betroffene selbst aufgrund seiner Behinderung nicht angeben kann.
  • Biofeedback und Neurofeedback: Diese Methoden zielen darauf ab, die Verbindung zwischen Körper und Geist bewusst zu machen und die Selbstregulation zu fördern. Neurofeedback kann zur Verbesserung der Konzentration und Merkfähigkeit eingesetzt werden. Bei Epilepsie liegen hierzu zahlreiche Studien vor.

Ergotherapeutische Methoden im Überblick

  • Sensorische Integrationstherapie: Behandlung von Wahrnehmungsstörungen, die sich auf die Handlungsfähigkeit auswirken.
  • Motorisch-funktionelle Behandlung: Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, z.B. bei Koordinationsstörungen.
  • Psychisch-funktionelle Behandlung: Stärkung der psychischen Stabilität und des Selbstbewusstseins.
  • Hirnleistungstraining/Neuropsychologisch orientierte Behandlung: Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Konzentration.
  • Biofeedback/Neurofeedback: Training der Selbstregulation von Körperfunktionen und Gehirnaktivität.

Ergotherapie im Kontext von Mehrfacherkrankungen

Viele Menschen mit Epilepsie haben zusätzliche Beeinträchtigungen, wie z.B. geistige oder körperliche Behinderungen. In diesen Fällen ist eine spezialisierte ergotherapeutische Behandlung besonders wichtig.

Besonderheiten bei Menschen mit Behinderung

  • Eingeschränkte Ausdrucksmöglichkeiten: Angehörige und Betreuer müssen besonders aufmerksam sein, um Anfälle und Nebenwirkungen von Medikamenten zu erkennen.
  • Körperliche Beeinträchtigungen: Lähmungen, Schluckstörungen oder Bewegungsstörungen erfordern eine besondere ergotherapeutische Intervention.
  • Individuelle Therapieziele: Die Therapieziele werden gemeinsam mit Patienten, Angehörigen und Betreuern festgelegt und können z.B. eine Verbesserung der Anfallssituation oder die Verringerung von Nebenwirkungen sein.

Das Behandlungsangebot im Epilepsiezentrum Bethel

Das Epilepsiezentrum Bethel bietet eine spezialisierte Station für Menschen mit Epilepsie und Mehrfacherkrankungen. Hier arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegekräften, Ergotherapeuten, Krankengymnasten, Sozialarbeitern und Psychologen zusammen, um eine umfassende Behandlung zu gewährleisten.

  • Ergotherapie: Erfassung der Fähigkeiten der Patienten, Strukturierung des Tagesablaufs, Entdeckung von Nebenwirkungen.
  • Krankengymnastik: Behandlung von körperlichen Behinderungen und Einschränkungen.
  • Psychoedukative Programme: Information und Motivation zur Auseinandersetzung mit der Krankheit.
  • Epilepsy Nurse: Schnittstellenfunktion zwischen Patienten, Angehörigen, Ärzten und Pflegekräften.

Ergotherapie in Lemgo und Umgebung

In Lemgo und Umgebung gibt es verschiedene Möglichkeiten, ergotherapeutische Leistungen in Anspruch zu nehmen. Neben niedergelassenen Ergotherapeuten bieten auch Kliniken und Frühförderstellen ergotherapeutische Behandlungen an.

Inklusive Kita "Villa Kunterbunt" in Lemgo

Die inklusive Kita "Villa Kunterbunt" des Kreises Lippe setzt beim Therapiereiten besondere Akzente und fördert mit der Unterstützung der Osthushenrich-Stiftung Koordination, Wahrnehmung und andere Eigenschaften. Ein Beispiel dafür ist David, der Epilepsie hat. Allein durch die Nähe der Pferde kommt er aber ganz schnell wieder zurück ins Hier und Jetzt, zum Anfall kommt es dann oft gar nicht erst. Das Therapiereiten hilft ihm enorm.

Weitere Anlaufstellen

  • Klinikum Lippe-Detmold: Bietet eine Neuropädiatrische Ambulanz zur Diagnostik und Betreuung sämtlicher neurologischer Krankheitsbilder und Entwicklungsstörung im Kindesalter. Krankengymnastik und Ergotherapie sind Teil des Angebots.
  • Frühförderstellen: Bieten ambulante und mobile Frühförderung für Kinder mit Entwicklungsstörungen und Behinderungen an, oft mit ergotherapeutischen Angeboten. Beispiele sind die Frühförderstelle der Lebenshilfe Lemgo e.V. und die Frühförder- und Beratungsstelle in Detmold.
  • Spastikerhilfe Bad Oeynhausen e.V.: Bietet ambulante Beratung, Elternanleitung, Reiten und Schwimmtherapie.
  • Kliniken im Mühlenkreis -Früherkennungs- und Behandlungszentrum-Klinikum Minden: Bietet Diagnostik sämtlicher Behinderungen und Entwicklungsstörungen, deren Rehabilitation und Hilfe zur Integration, interdisziplinäre Frühförderung.

Die Rolle der Ergotherapie in der neurologischen Rehabilitation

Die neurologische Frührehabilitation zielt darauf ab, die gesundheitlichen Schäden und nachfolgenden Behinderungen nach neurologischen Ereignissen wie Schlaganfall, Schädelhirntrauma oder entzündlichen Erkrankungen zu minimieren. Ergotherapie ist ein wichtiger Bestandteil dieser Rehabilitation.

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Ziele der neurologischen Frührehabilitation

  • Wiedererlernen grundlegender Fähigkeiten
  • Anleitung der Angehörigen für die häusliche Pflege
  • Engmaschige Betreuung und Anpassung der nicht-/medikamentösen Behandlung
  • Einleitung ergänzender diagnostischer Schritte

Ergotherapeutische Inhalte in der neurologischen Rehabilitation

  • Diagnostik neurokognitiver Fähigkeiten (Orientierung, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Kommunikation und sozialer Interaktion)
  • Gezieltes Training beeinträchtigter Funktionen

Ergotherapeutische Schwerpunkte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie spielt die Ergotherapie eine wichtige Rolle. Sie wird hier eingesetzt, um psycho-, senso- und soziomotorische Leistungs-, Wahrnehmung- und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen zu behandeln.

Einsatz ergotherapeutischer Methoden

  • Integration der Behandlung in ein multimodales, multiprofessionelles, teambasiertes medizinisches, milieutherapeutisches, psycho- und sozialtherapeutisches Behandlungssetting und -konzept
  • Ergotherapie vorwiegend getragen durch persönliche Kommunikation in Einzel-, aber auch in Gruppentherapie
  • Nutzung pädagogischer und psychologischer Ansätze in der Therapie mit positivem Einfluss auf emotionales Erleben, Bewegungsverhalten und motorisches Selbstwirksamkeitserleben

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