Die Neuroonkologie, ein spezialisiertes Feld der Medizin, das sich mit Tumoren im Bereich des Gehirns befasst, hat am Universitätsklinikum Erlangen einen wichtigen Standort. Hier konzentriert man sich vor allem auf hirneigene Tumoren, d. h. Tumore, die im Gehirn und dessen Anhangsgebilden entstehen. Durch die enge räumliche Beziehung der Kliniken für Neurologie und Neurochirurgie in den Kopfkliniken wird das gesamte Spektrum der modernen Tumortherapie angeboten.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Die Neuroonkologie 2.0 in Erlangen setzt auf eine interaktive Vernetzung der beteiligten Fachgebiete, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Dabei werden Patienten und ihre Angehörigen in alle Aspekte der Erkrankung einbezogen. Dieser Ansatz betont die Bedeutung der Zusammenarbeit und des Austauschs von Wissen und Erfahrungen zwischen verschiedenen Disziplinen.
Die interdisziplinäre neuroonkologische Ambulanz
Die interdisziplinäre neuroonkologische Ambulanz im Erdgeschoss der Kopfkliniken des Uniklinikums Erlangen bietet umfassende Betreuung in den Bereichen Diagnose, Therapie, Nachsorge und Zweitmeinung. Experten der Neurologischen Klinik und der Neurochirurgischen Klinik nehmen sich ausreichend Zeit, um auf die Fragen der Patienten einzugehen. Für zeitaufwendige Konsultationen wird um telefonische Anmeldung gebeten. Bei langen Krankheitsverläufen und komplizierten Zweitmeinungen ist es oft vorteilhaft, Befunde und Unterlagen vorab zukommen zu lassen, damit diese bearbeitet und im interdisziplinären Tumorboard diskutiert werden können. Die Empfehlungen des Expertengremiums werden dann persönlich mit den Patienten besprochen.
Stationäre Behandlung und unterstützende Angebote
Auch wenn das Bestreben darin besteht, fast alle Aspekte der Diagnostik und Therapie ohne belastende stationäre Behandlung zu organisieren, ist diese manchmal unumgänglich. Die neurologisch geführte Schwerpunktstation N52 in den Kopfkliniken bietet die Möglichkeit, medizinische, soziale oder psychoonkologische Probleme auf die Bedürfnisse der Patienten angepasst und herausgelöst vom Alltag besser zu lösen. Unterstützung erfahren die Patienten durch die Teams der Logopädie, der Physio- und Ergotherapie sowie des Sozialdienstes. In Fällen, in denen eine tumorspezifische Therapie nicht mehr sinnvoll erscheint und die symptomorientierte Behandlung im Vordergrund steht, besteht eine enge Kooperation mit der Palliativmedizinischen Abteilung am Universitätsklinikum.
Innovative Therapiestudien für Risikopatienten
Nicht für alle Tumore im Bereich des Gehirns ist die Therapie befriedigend. In dieser Situation kann es sinnvoll sein, an einer klinischen Studie teilzunehmen. In Erlangen bemüht man sich vor allem, für Risikopatienten interessante experimentelle Therapiestudien anzubieten, welche eine bisher ungünstige Standardtherapie mit einem neuen innovativen Ansatz vergleichen. Auch wenn dies nicht immer für alle Tumorentitäten und Patienten gelingt, werden Patienten ermutigt, sich danach zu erkundigen oder das Studiensekretariat zu kontaktieren.
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Aktuelle Studien in der Neuroonkologie Erlangen
Aktuell gibt es für Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom die Möglichkeit, an zwei Immuntherapie-Studien teilzunehmen.
- Checkmate 498 Studie: Diese Studie untersucht die Wirksamkeit des Checkpointinhibitors Nivolumab bei nicht methyliertem MGMT Promoter im Vergleich zur Standardtherapie.
- Checkmate 548 Studie: Diese Schwesterstudie untersucht bei methyliertem MGMT Promoter die Wirksamkeit von Nivolumab zusätzlich zur Radio-/Chemotherapie mit Temozolomid.
- STELLAR-Studie: Diese Studie untersucht Eflornithin im ersten Rezidiv eines anaplastischen Astrozytoms, das primär mit einer kombinierten Radiochemotherapie mit Temozolomid behandelt wurde. Der Wirkstoff Eflornithin ist ein zugelassener Hemmer der Onithine-Decarboxylase und wird zur Behandlung der afrikanischen Schlafkrankheit eingesetzt.
Das Tumorboard als zentrale Entscheidungsinstanz
Zentraler Schnittpunkt aller wichtigen Therapieentscheidungen ist das Tumorboard. Hier treffen sich die Experten der Neuroradiologie, Neuropathologie, Neurologie, Neurochirurgie und Strahlenklinik und besprechen die weiteren diagnostischen und therapeutischen Schritte. Die Entscheidungen sollen zum einen auf den Patienten zugeschnitten und zum anderen an den Therapieleitlinien der Fachgesellschaft angepasst sein. Das Tumorboard tagt jeden Donnerstagabend, und die Patienten werden in der Regel am Folgetag telefonisch über die Entscheidungen informiert.
Zweitmeinung und interdisziplinäre Empfehlungen
Falls Patienten eine Zweitmeinung wünschen, werden sie gebeten, alle vorliegenden Unterlagen und Bilder zunächst im Tumorboard zu besprechen, um dann in einem persönlichen Gespräch die Empfehlungen mitzuteilen.
Science Slam zur Neurologie: Hirnforschung für Jedermann
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat einen Science Slam zur Neurologie ins Leben gerufen, um zukünftigen Wissenschaftlern ebenso wie erfahrenen Forschern und Neurologen eine Bühne zu bieten, um auch Laien die aktuelle Hirnforschung näherzubringen und andere Nachwuchswissenschaftler für die Neurologie zu begeistern.
Teilnehmer und Vorbereitung
Unter den sieben Science-Slam-Teilnehmern, die nach ihrer Bewerbung durch eine Jury der DGN ausgewählt wurden, finden sich renommierte Forscher genauso wie vielversprechende Nachwuchswissenschaftler: Prof. Dr. Christian E. Elger, Prof. Dr. Dr. Berend Feddersen, Ossama Khalaf, Dr. Anne Katharina Moos, Dr. Dr. Christian Porsche, Wiebke Schick und Dr. Martin Uhl. In einem vorangegangenen Workshop wurden die Kandidaten auf ihren Bühnenauftritt vorbereitet.
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Moderation und Zielsetzung
Durch den Abend führt Dong-Seon Chang. Der Science Slam soll zukünftigen Wissenschaftlern ebenso wie erfahrenen Forschern und Neurologen eine Bühne bieten, um auch Laien die aktuelle Hirnforschung näherzubringen und andere Nachwuchswissenschaftler für die Neurologie zu begeistern.
Forschungsschwerpunkte und klinische Studien
Neben der klinischen Versorgung engagiert sich das Uniklinikum Erlangen auch in der Forschung im Bereich der Neuroonkologie. Ein Beispiel hierfür ist das "Advanced Clinician Scientist Program iIMMUNE_ACS", das sich mit Immuntherapie bei verschiedenen Krebsarten und chronisch-entzündlichen Erkrankungen beschäftigt.
Vielfältige Forschungsthemen
Die Forschungsthemen umfassen unter anderem:
- Immuntherapie bei verschiedenen Krebsarten (Brustkrebs, Darmkrebs, Blasenkrebs, Kopf-Hals-Tumore, Lymphome und Leukämie, Lungenkrebs, Melanom, neuroendokrine Tumore, Nierenkrebs, Prostatakrebs)
- Chronisch-entzündliche Erkrankungen (allergische Erkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, juvenile idiopathische Arthritis, Multiple Sklerose, Myasthenia Gravis, Neurodermitis, Psoriasis, rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, Graft-versus-Host-Disease)
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