Ernährung bei Multipler Sklerose: Einfluss auf den Krankheitsverlauf

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch das körpereigene Immunsystem verursacht wird, das gesunde Nervenzellen angreift. Die Ursachen für MS sind noch weitgehend unklar, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Obwohl die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V. und die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie keinen direkten Zusammenhang zwischen der Entstehung der Erkrankung und Ernährungs- oder anderen Umweltfaktoren sehen, deuten Erfahrungen von Patienten, ärztliche Beobachtungen und epidemiologische Erkenntnisse darauf hin, dass die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung des Krankheitsverlaufs spielen kann.

Einfluss von Lebensstilfaktoren auf den Krankheitsverlauf

Eine schwedische Forschergruppe untersuchte in einer groß angelegten Analyse, welche Faktoren mit einem gutartigen Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) assoziiert sind. Unter ‚benigner MS‘ versteht man Krankheitsverläufe, bei denen Patienten auch nach vielen Jahren nur geringe körperliche Einschränkungen aufweisen. Trotz der günstigen Prognose bleibt der Begriff umstritten, da die Erkrankung auch nach langer Stabilität fortschreiten kann. Die Analyse umfasste Daten von über 6.000 Patienten aus landesweiten Fall-Kontroll-Studien, darunter 2.040 mit benignem und 4.283 mit nicht-benignem Verlauf. Ziel war es, den Einfluss von Umwelt- und Lebensstilfaktoren auf den Krankheitsverlauf zu bewerten.

EBV-Infektion

Patienten mit einer durchgemachten infektiösen Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber), einer Folge der Epstein-Barr-Virus-(EBV)-Infektion, hatten ein geringeres Risiko für einen benignen Verlauf der MS. Die Autoren errechneten eine Odds Ratio von 0,54 (95 %-KI 0,45-0,65). Diese Beobachtung legt nahe, dass eine frühere EBV-Infektion nicht nur das Risiko für die Krankheitsentstehung, sondern auch deren Langzeitverlauf beeinflusst. Die Forscher vermuten, dass immunologische Veränderungen infolge der EBV-Infektion langfristig zur Krankheitsprogression beitragen könnten. Patienten mit einer entsprechenden Anamnese könnten daher von einer engmaschigeren Verlaufskontrolle profitieren.

Fischkonsum und Körpergewicht

Auch Lebensstilfaktoren zeigten deutliche Zusammenhänge mit dem Krankheitsverlauf. Jugendliche mit Übergewicht (OR 0,69; 95 %-KI 0,56-0,85) oder Adipositas (OR 0,46; 95 %-KI 0,32-0,66) hatten ein signifikant geringeres Risiko, im späteren Leben eine benigne Verlaufsform zu entwickeln. Ein niedriger Fischkonsum war ebenfalls mit einem ungünstigeren Verlauf assoziiert (OR 0,72; 95 %-KI 0,60-0,88). Regelmäßiger Fischverzehr scheint dagegen protektiv zu wirken. Die Autoren führen dies auf die entzündungsmodulierenden Effekte von Omega-3-Fettsäuren zurück, die möglicherweise den Krankheitsprozess günstig beeinflussen.

Rauchen und Sonneneinstrahlung

Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen zeigte sich in dieser Analyse kein signifikanter Zusammenhang zwischen Rauchen oder geringer Sonnenexposition und einem benignen Verlauf. Die Autoren betonen jedoch, dass dies nicht bedeutet, dass diese Faktoren keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Möglicherweise wurden die Effekte durch Veränderungen des Lebensstils im Verlauf der langen Beobachtungszeit überlagert.

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Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung modifizierbarer Lebensstilfaktoren im Management der MS. Eine gesunde Ernährung mit regelmäßigem Fischkonsum, Gewichtskontrolle und gegebenenfalls engmaschige Beobachtung nach durchgemachter EBV-Infektion könnten dazu beitragen, Krankheitsverläufe günstiger zu beeinflussen. Ob diese Assoziationen kausal sind, bleibt offen. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, können andere Einflussfaktoren nicht ausgeschlossen werden.

Ernährungskonzepte und Diäten bei MS

Eine gezielte Lebensmittelauswahl kann den Verlauf einer Multiplen Sklerose beeinflussen. Das zeigen Erfahrungen naturheilkundlicher Ernährungskonzepte sowie zahlreiche Studien. Betroffene sollten daher die Möglichkeiten der Ernährungstherapie nutzen, um die konventionelle Behandlung sinnvoll zu ergänzen. Seit der Zeit von Max Bircher-Benner (1867-1939) gab es mehrere Bewegungen, die für Frischkostkonzepte bei chronischer Entzündung eintraten, vor allem bei Rheuma. Die Konzepte wurden trotz ihrer Erfolge kaum wissenschaftlich untermauert.

Öl-Eiweiß-Ernährung nach Johanna Budwig

In Europa hat die von der deutschen Apothekerin und Chemikerin Johanna Budwig (1908-2003) begründete Öl-Eiweiß-Ernährungsform in jüngster Vergangenheit größere Popularität erfahren. Die Diät soll anti-entzündlich, aber auch krebshemmend wirken und sieht einen hohen Anteil an pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl vor. Zentraler Bestandteil ist die Budwig-Crème oder Varianten wie die Budwig-Mayonnaise, die überwiegend aus Leinsamen, kaltgepresstem Leinöl, Quark und Hüttenkäse hergestellt wird, ergänzt durch frisches Obst. Die Budwig-Diät wird in Einzelfällen von Patienten mit Multiple Sklerose oder Rheuma praktiziert.

Kousmine-Diät

Die Schweizer Ärztin Dr. Catherine Kousmine (1904-1992) entwickelte eine weitere Ernährungsform für MS und chronische Polyarthritis, die ebenfalls krebshemmend, aber auch anti-entzündlich wirken soll. In der Kousmine-Diät spielt die Budwig-Crème eine wichtige Rolle. Darüber hinaus kommen Elemente wie Darmhygiene, Säure-Basen-Gleichgewicht, Nahrungsergänzungsmittel mit hoch dosierten Vitaminen und Spurenelementen sowie psychosoziale Betreuung zum Einsatz. Kousmine ging davon aus, dass viele Krankheiten auf einen zu hohen Säureanteil im Körper aufgrund von falscher Ernährung zurückzuführen seien. Patienten sollten regelmäßig den pH-Wert des Urins ermitteln und bei Unterschreiten eines festgelegten Werts basische Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

Evers-Diät

Eine naturbelassene Vollwertkost wurde von Dr. med. Joseph Evers (1894-1975) speziell für MS-Kranke entwickelt und über viele Jahre in der nach ihm benannten Spezialklinik praktiziert. Er betreute dort ab 1940 über 12.000 MS-Patienten und stellte seine Frischkost in den Mittelpunkt der Therapie. Durch die vorwiegend vegetarische Ernährung, kombiniert mit fettarmen Milchprodukten, wird weniger entzündungsfördernde Arachidonsäure zugeführt, die vor allem in Fleisch steckt. Die positiven Wirkungen der Diät führte er zusätzlich auf weitere Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Antioxidanzien und essenzielle Fettsäuren zurück. Das Konzept wurde jedoch trotz der großen Zahl der behandelten MS-Patienten nicht wissenschaftlich bearbeitet.

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Swank-Diät

Eine weitere Ernährungsform entwickelte der US-Neurologe Roy L. Swank (1909-1999). Sie baut zwar auf Omega-3-Fettsäuren auf, stellt aber vor allem eine fettarme Diät dar. Er modifizierte seine Richtlinien später immer wieder, plädierte aber durchgängig für eine vegetarisch orientierte Kost, die insbesondere wenig tierische Fette enthalten sollte. Statt Butter empfahl er 14 Milliliter flüssige Pflanzenöle und 5 Milliliter Fischöl täglich. Ein Kollektiv von etwa 400 Patienten, dass sich nach den Swank’schen Prinzipien ernährte und das er bis in sein hohes Alter intensiv nachbeobachtete, wies nach seinen Angaben 30 Jahre später eine deutlich höhere Überlebensrate auf.

Mediterrane Kost

Die Wirksamkeit der leicht praktizierbaren mediterranen Kost bei MS ist allerdings nur sehr indirekt über epidemiologische Hinweise zu erschließen.

Fasten

Eine Art Basistherapie bei der rheumatoiden Arthritis stellt in der naturheilkundlichen Tradition in Mitteleuropa das Fasten dar. Es ist anzunehmen, dass sich die positiven Effekte auch auf andere Autoimmunerkrankungen übertragen lassen. Bei der MS gibt es wesentlich weniger Fallberichte, keine klinischen Studien und unter Fastenärzten auch keinen breiten Konsens. Dies scheint vor allem mit der Befürchtung begründet zu sein, durch die Veränderungen in der ersten Fastenphase einen Krankheitsschub auslösen zu können.

Bedeutung von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren

Der US-Neurologe Roy L. Swank beobachtete bei seinen Feldforschungen in Norwegen bereits 1935-48, dass das Verhältnis der Neuerkrankungen für MS zwischen den Küsten- und den Binnenregionen etwa 1:9 betrug. Wegen der großen Unterschiede im Fischkonsum ging er davon aus, dass dieser einen Schutzeffekt ausübt. Mehrere epidemiologische Quer- und auch Längsschnittsstudien in verschiedenen Erdteilen konnten einen direkten Zusammenhang der MS mit dem geografischen Breitengrad sowie der Vitamin-D-Konzentration im Blut aufzeigen. Auch Fallkontrollstudien in den USA wiesen einen deutlichen Zusammenhang zwischen MS und der durchschnittlichen Vitamin D-wirksamen UV-Strahlung nach. Dabei erhöht sich das relative Risiko um 3,78 in Gegenden mit der geringsten verglichen mit der größten Strahlung. Zudem erwiesen sich eine erhöhte Aufnahme von Vitamin D mit der Ernährung sowie erhöhte Serumspiegel für Vitamin D als vorbeugend bezüglich MS. Bei japanischen MS-Patienten wurde eine Genvariante gefunden, die ebenfalls auf eine erhöhte Empfindlichkeit für MS durch Vitamin-D-Mangel hinweist.

Die Vitamin-D-Hypothese wird dadurch gestützt, dass sich eine fischreiche Ernährung offenbar für Erkrankung wie Verlauf günstig auswirkt. Denn Fisch ist ein ausgezeichneter Vitamin-D-Lieferant. Er macht in der hiesigen Ernährung etwa die Hälfte der Vitamin-D-Zufuhr aus. Heute gilt als relativ gesichert, dass ein Vitamin-D-Mangel die Entwicklung einer MS begünstigt. Basis ist vermutlich eine genetische Disposition und möglicherweise das Zusammenwirken anderer Einflüsse wie ungünstige Nahrungsfette. Der Vitamin-D-Status sollte daher bei Personen mit erblicher Belastung wie mit manifester MS-Erkrankung untersucht werden und im Falle eines nachgewiesenen Mangels offensiv angegangen werden. Allerdings sind die Möglichkeiten, durch Vitamin-D-reiche Lebensmittel wie Pilze und Fisch die durchschnittliche Zufuhr von etwa 200 I.E. deutlich zu übertreffen, recht begrenzt. Erstaunlicherweise wurde schon vor über 20 Jahren eine vielversprechende unkontrollierte Interventionsstudie veröffentlicht, in der allerdings alle Patienten zusätzlich zum Vitamin D auch Calcium und Magnesium erhielten. Die erste sogenannte randomisierte, also auf zufälliger Verteilung beruhende Studie mit der alleinigen Gabe von Vitamin D wurde erst im Februar 2011 begonnen.

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Im Landesinneren von Kroatien ist die Zahl der neu an MS Erkrankten nahezu zweimal so hoch wie in Küstenregionen, etwas geringer ausgeprägt sind die Unterschiede in der Erkrankungsrate. Ähnliche Unterschiede fanden Experten bei Krebserkrankungen, die sie durch unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten erklärten. Sie folgerten, dass auch bei MS eine Ernährung mit viel Fleisch und Fett, jedoch wenig Gemüse das Risiko erhöhe. Als einen wirksamen Schutzstoff diskutieren die Wissenschaftler Oleocanthal, eine Verbindung, die vor allem in extra-virgine Olivenöl vorkommt.

Die vermutlich größte Fallkontrollstudie mit 197 Erkrankten und 202 Kontrollpersonen aus Kanada legt ebenfalls einen schützenden Effekt durch einen hohen Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln nahe. Gegenteilige Effekte zeigten dagegen überhöhte Aufnahmen an Nahrungsenergie sowie tierischen Fetten. Ein Mangel an Folsäure, Magnesium, Zink, Selen und Eisen wirkte sich als zumindest ungünstig auf den Verlauf der Erkrankung aus.

Omega-3-Fettsäuren haben sich in vielen Studien bei rheumatoider Arthritis als entzündungshemmend erwiesen. Aufgrund epidemiologischer Daten sowie auch nach den Erfahrungen mit der Swank- sowie der Budwig-Diät scheinen sie auch bei MS die Entzündung günstig zu beeinflussen. Ein kürzlich veröffentlichter Review der renommierten Cochrane-Stiftung kommt allerdings zu einem ernüchternden Ergebnis. Danach lässt sich keine positive Schlussfolgerung ziehen. Bei MS-Kranken zeigten sich in Versuchen auch Omega-6-Fettsäuren, insbesondere Gamma-Linolensäure, von Vorteil, die in Form von entsprechenden Ölkonzentraten aus Nachtkerze, schwarzer Johannisbeere und Borretsch in Kapselform eingenommen wurden. Im Körper entsteht aus der Gamma-Linolensäure eine weitere Omega-6-Fettsäure, die Dihomogamma-Linolensäure, die wiederum ein Vorläufer eines anti-entzündlichen Prostaglandins ist. Gamma-Linolensäure weist grundsätzlich ähnliche therapeutische Einsatzbereiche wie die Fischölsäuren EPA und DHA auf, ist jedoch wesentlich weniger klinisch untersucht worden.

Für Omega-3-Fettsäuren ist eine gute Versorgung leicht möglich. In Anlehnung an Erkenntnisse aus der Rheumatologie wird die minimale tägliche Aufnahme meist mit ca. zwei Gramm pro Tag angegeben. Die nötige Dosierung von Omega-3-Fettsäuren hängt stark von der gleichzeitigen Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren ab, insbesondere der Arachidonsäure. Wird diese durch weniger Fleisch, Fleischprodukte und Eier gedrosselt, sind auch geringere Mengen an Omega-3-Fettsäuren wirksam.

Gluten und Weizenproteine

Ob die Aufnahme von Gluten bei MS nachteilig ist, wird immer wieder diskutiert. Denn Zöliakie ist mit einem gehäuften Auftreten weiterer Autoimmunerkrankungen verbunden. Unklar ist allerdings noch, ob dies das Ergebnis einer genetischen Veranlagung ist, oder ob Gluten andere Autoimmunphänomene bedingt. Eine Zöliakie kann zudem mit neurologischen Symptomen auftreten, die eine MS regelrecht überdecken. Aus klinischen Studien kann diese Frage derzeit nicht beantwortet werden. Jedoch werden immer wieder eindrucksvolle Fallbeispiele veröffentlicht, wie sich eine MS nach Diagnose und Therapie einer Zöliakie verbessert. Kürzlich wurde die erste kleinere systematische Arbeit hierzu mit der Bestimmung von Zöliakie spezifischen Antikörpern veröffentlicht. Man fand eine hochsignifikante Erhöhung zumindest für einen Teil der Antikörper. Für diese Konstellation spricht man heute auch von silent sprue, einer oft über lange Zeit asymptomatischen Vorform.

Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Mainz hat herausgefunden, dass eine weizenhaltige Ernährung die Schwere einer Multiple Sklerose-Erkrankung (MS) fördern kann. Dies bewirkten die Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI), natürliche Proteine im Weizen, während die Glutenproteine die entzündlichen Reaktionen nicht beeinflussten. Die Studien bestätigen, dass die Ernährung und die Darmgesundheit den Verlauf von chronisch-entzündlichen Erkrankungen, zu denen auch MS gehört, beeinflussen können. Das Besondere ist jedoch, dass ein wesentliches Nahrungsmittel und hier ein definierter Bestandteil diese Entzündung fördern kann.

Die initiale Untersuchung des Forschungsteams im Tiermodell ergab, dass sich bei einer Ernährung, die 25 Prozent Weizen enthält, die Symptome der MS stark verschlechtert haben im Vergleich zur gleichen, aber weizenfreie Ernährung. Diese Ergebnisse ließen sich auch mit einer minimalen Menge der ATI-Proteine (0,15 Prozent des Futtergewichts), nicht aber mit einer großen Menge an Glutenproteinen (5 Prozent des Futtergewichts) reproduzieren. Die Ergebnisse aus dem Tiermodell konnten das Forschungsteam dann auch in einer klinischen Pilotstudie bestätigen. An dieser Studie nahmen Patientinnen und Patienten mit mittelgradig schwerer, gering aktiver MS teil. Eine Studiengruppe hielt sich drei Monate lang an eine weizenreduzierte Diät, während die andere Gruppe ihre weizenhaltige Ernährung weiterführte. Nach den drei Monaten wechselten die Gruppen für weitere drei Monate zur jeweils anderen Diät. Die MS-Betroffenen berichteten während der weizenfreien Diät von signifikant weniger Schmerzen. Ebenso konnten weniger entzündliche Immunzellen in ihrem Blut gemessen werden.

Darmgesundheit und kurzkettige Fettsäuren

Das Darm-Mikrobiom, die gesamte bakterielle Besiedlung des Darms, spielt nicht nur für den gesunden Organismus eine wichtige Rolle, sondern auch im Zusammenhang mit Erkrankungen, die auf vielen Faktoren beruhen, wie die Multiple Sklerose. Im Darm findet die Interaktion zwischen der Nahrung, den dortigen Bakterien, deren Stoffwechselprodukten und dem Immunsystem in der Darmwand statt. So können die Darmbakterien direkt und indirekt Einfluss auf anatomisch entfernte Strukturen wie das Gehirn nehmen.

In einer aktuellen Studie konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die vormals in der Zellkulturschale und im experimentellen Modell gezeigten Ergebnisse auf ihre MS-Patienten übertragen: Kurzkettige Fettsäuren wie die Propionsäure oder deren Salz Propionat führten zur vermehrten Entstehung und gesteigerten Funktion von regulatorischen Zellen des Immunsystems. Diese Zellen beenden überschießende Entzündungsreaktionen und reduzieren im Kontext von Autoimmun-Erkrankungen wie der MS auto-immune Zellen. In ihrer Arbeit konnten die Forscherinnen und Forscher nachweisen, dass die Mikrobiom-Zusammensetzung bei MS-Betroffenen verändert ist. Darüber hinaus konnten sie erstmals einen Mangel von Propionsäure im Stuhl und Serum von MS-Patienten zeigen, die in der frühesten Phase der Erkrankung am stärksten ausgeprägt war.

Aktuelle Studienergebnisse zum Fischkonsum

Stockholm - Patienten, die bei der Diagnose einer Multiplen Sklerose (MS) einen hohen Fischkonsum angaben, blieben in den Folgejahren länger vor schweren neurologischen Behinderungen verschont. Dies kam in einer Kohortenstudie aus Schweden im Journal of Neurology Neurosurgery & Psychiatry heraus. Die „Epidemiologic Investigation of Multiple Sclerosis“ (EIMS) begleitet MS-Patienten seit ihrer Diagnose. Bei der Erstuntersuchung werden die Teilnehmer ausführlich zu ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten befragt. Ein Team um Anna Karin Hedström vom Karolinska Institut in Stockholm interessierte sich für den Fischverzehr, da Fische einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren haben, denen eine antientzündliche Wirkung zugeschrieben wird. Dies könnte sich günstig auf den Verlauf der Erkrankung auswirken, bei der es zu einem Angriff des Immunsystems auf die Nervenscheiden kommt, der mit einer Entzündungsreaktion im Gehirn verbunden ist.

Eine weitere Studie ergab, dass ein höherer Gesamtkonsum von magerem und fettigem Fisch zum Zeitpunkt der MS-Diagnose mit einem um 34 Prozent verringerten Risiko für eine wahrscheinlich irreversible körperliche Behinderungszunahme (CDW) verbunden war. MS-Betroffene mit hohem Fischkonsum erreichten auch seltener einen EDSS-Score von 3 oder 4 (gehfähig trotz leichter, mäßiger oder relativ schwerer Behinderung) als Studienteilnehmende mit geringem Verzehr.

Empfehlungen für die Ernährung bei MS

Umfassende Ernährungskonzepte wie die angesprochene Budwig-, Swank-, Kousmine- oder Evers-Diät scheinen sich bei vielen MS-Kranken günstig ausgewirkt zu haben. Sie sind derzeit die aussichtsreichsten Kandidaten für eine therapeutisch wirksame grundlegende Ernährungsumstellung. Zusammen mit der mediterranen Kost stehen somit glaubwürdige Ernährungsweisen zur Verfügung, um die MS-Therapie zu unterstützen. Einzelne Nährstoffe wie Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren verdienen besondere Aufmerksamkeit. Ihre Aufnahme sollte mindestens den Empfehlungen entsprechen.

Grundsätzlich ist, unabhängig von einer MS, eine gesunde, „mediterrane“ Ernährung (wenig Fett, viel Gemüse, wenig Kohlenhydrate) zu empfehlen. Eine klare Empfehlung bei der MS ist die salzarme Ernährung. Zahlreiche Studien belegen einen negativen Einfluss salzreicher Ernährung.

Intervallfasten und ketogene Diät

Kleinere Studien haben gezeigt, dass Patientinnen und Patienten, die ein klassisches Intervallfasten (16/8 = 16 Stunden Fasten/8 Stunden Nahrungsaufnahme, bestehend aus zwei Mahlzeiten, ggf. mit dem Verzicht auf Kohlenhydrate am Abend) durchgeführt haben, nach sechs Monaten eine deutlich verbesserte Lebensqualität mit weniger Müdigkeit und depressiven Symptomen hatten.

Nach einer ketogenen Diät für die Dauer von sechs Monaten hatten sich die körperlichen Behinderungen und die Müdigkeit von MS-Patienten verringert, während ihre Gehgeschwindigkeit, Stimmung und Lebensqualität sich verbesserten. Die Blutwerte der Patienten wiesen zum Ende dieser Diät mehr entzündungshemmende und weniger entzündungsfördernde Substanzen auf. Nach Angaben der Forscher kann die ketogene Diät für Patienten mit schubförmiger MS außerdem als sicher und gut verträglich angesehen werden.

Milchprodukte

Schon seit den 90er Jahren wird vermutet, dass die Häufigkeit von MS-Symptomen mit dem Konsum von Kuhmilchprodukten zusammenhängen könnte. Jetzt wurde in einer aktuellen Studie nachgewiesen, dass in Kuhmilch Proteine enthalten sind, die bei manchen Allergikern Entzündungsprozesse verursachen, die auch den Myelinscheiden der Nervenfasern schaden können. MS-Patienten, die eine Verschlechterung ihrer Symptome nach dem Verzehr von Milchprodukten wahrnehmen, empfehlen die Wissenschaftler der Studie deshalb, Lebensmittel aus Kuhmilch lieber zu meiden.

Weitere Empfehlungen

  • Vollwertig essen und trinken - das schmeckt nicht nur lecker, sondern fördert Ihre Leistungsfähigkeit, Ihr Wohlbefinden und Ihre Gesundheit.
  • Pflanzliche Lebensmittel, Obst und Gemüse werden den tierischen Produkten gegenüber bevorzugt, bei Getreideprodukten zudem die Vollkornvariante.
  • Zu einer richtigen Ernährung bei MS gehört auch, über den Tag immer ausreichend zu trinken.
  • Nehmen Sie sich Zeit, wenn Sie etwas essen, und kauen Sie gründlich.
  • Achten Sie auf Zucker und versteckte Salze.
  • Versuchen Sie jedoch, von einem regelmäßigen oder intensiven Genuss alkoholischer Getränke abzusehen.
  • Margarine ist pflanzlich, Butter ist tierisch. Wir wissen, dass in tierischen Produkten die Arachidonsäure steckt, die ein Vorbote für entzündungsfördernde Botenstoffe - auch proinflammatorische Zytokine genannt - ist.
  • Zuckeraustauschstoffe sind gar nicht geeignet und sind eher gesundheitsschädigend. Sie sollten daher vermieden werden.

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