Was drückt auf den Sehnerv? Ursachen, Diagnose und Behandlung

Der Sehnerv spielt eine entscheidende Rolle beim Sehen, da er die visuellen Informationen vom Auge zum Gehirn weiterleitet. Eine Schädigung des Sehnervs kann zu einer Vielzahl von Sehstörungen führen, von verschwommenem Sehen bis hin zur Erblindung. In diesem Artikel werden die verschiedenen Ursachen für Druck auf den Sehnerv, die Diagnosemethoden und die verfügbaren Behandlungsoptionen untersucht.

Funktion des Sehnervs

Der Sehnerv, auch Nervus opticus genannt, besteht aus etwa einer Million Nervenfasern und ist etwa vier bis fünf Zentimeter lang. Er erstreckt sich von der Netzhaut im Auge, wo er die visuellen Reize aufnimmt, über den Augapfel und durch den knöchernen Sehnervenkanal zum visuellen Cortex im Gehirn. Dort werden die Informationen zu einem Bild verarbeitet, was uns ermöglicht, unsere Umgebung zu sehen.

Ursachen für Druck auf den Sehnerv

Schädigungen des Sehnervs können vielfältige Ursachen haben. Die häufigsten Gründe für eine Einschränkung des Sehvermögens durch geschädigte Sehnervenfasern sind:

  • Glaukom (Grüner Star): Ein erhöhter Augeninnendruck, der zu Quetschungen der Nervenfasern führt. Der erhöhte Augeninnendruck kann sich langsam und stetig entwickeln, sodass eine Schädigung des Sehnervs in einigen Fällen erst spät erkannt wird und erst bei Einschränkung des Sehvermögens mit Gesichtsfeldausfällen auffällt.

  • Diabetische Retinopathie: Langfristig zu hohe Blutzuckerwerte bei schlecht eingestelltem Diabetes können die kleinen Gefäße im Auge schädigen und zu einer verminderten Durchblutung der Netzhaut und des Sehnervs führen.

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  • Sehnervenentzündung (Optikusneuritis): Eine Entzündung des Sehnervs, die mit einer Sehminderung und schmerzhafter Augenbewegung einhergeht und im Zusammenhang mit Multipler Sklerose stehen kann.

  • Erhöhter Hirndruck: Kann zur Stauungspapille führen, einem Ödem im Bereich der Einmündung des Sehnervs in die Netzhaut, was bei längerem Fortbestehen zur Schädigung der Fasern führen kann.

  • Tumore des Auges: Können aufgrund von Druck auf den Nerven einen Verlust von Sehnervenfasern hervorrufen.

  • Gefäßverschlüsse: Eine fehlende Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr des Nervs kann zum Absterben von Neuronen und zu Sehverlusten führen. Die Gefäßverschlüsse treten vor allem durch Gefäßverkalkung und Verfettung, Herzerkrankungen sowie Schlaganfälle auf.

  • Genetische Ursachen: Eine unvollständige Ausbildung des Sehnervs kann ursächlich für eine eingeschränkte Funktionsfähigkeit des Nervs sein.

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  • Hypophysentumore (Hypophysenadenome): Gutartige Tumore, die von Hormonzellen des Vorderlappens der Hirnanhangsdrüse ausgehen und auf die Sehnervenkreuzung drücken können.

  • Meningeome: Sehr langsam wachsende gutartige Tumore, die den Sehnerven oder die Sehnervenkreuzung komprimieren können.

  • Raumforderungen im Gehirn: Hirntumore können zu verschiedensten Augensymptomen führen, je nach Lage des Tumors.

  • Schlaganfall (Apoplex): Kann sich isoliert an der Sehrinde manifestieren und zu einem Gesichtsfeldausfall führen.

  • Pseudotumor cerebri: Erhöhter Hirndruck ohne klar erkennbare Ursache, der den Sehnerv anschwellen lassen und mit der Zeit schädigen kann.

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  • Endokrine Orbitopathie: Eine Autoimmunerkrankung, die oft Zellen der Schilddrüse betrifft und zu einem Wachstum der Augenmuskeln und des orbitalen Fettgewebes führen kann.

Symptome einer Sehnervschädigung

Die Beschwerden, die bei einer Erkrankung des Sehnervs auftreten können, hängen von der Art der Erkrankung und dem Ausmaß der Schädigung ab. Mögliche Symptome sind:

  • Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Ausfälle im Gesichtsfeld oder Farbsehstörungen. Im schlimmsten Fall kann eine Erkrankung des Sehnervs zur Erblindung führen.
  • Schmerzen im Auge: Eine Erkrankung des Sehnervs, wie zum Beispiel eine Sehnervenentzündung (Optikusneuritis), kann mit Schmerzen im Auge einhergehen.
  • Müdigkeit der Augen: Eine Schädigung des Sehnervs kann auch dazu führen, dass das Auge anstrengender arbeiten muss, um die visuellen Reize zu verarbeiten.
  • Kopfschmerzen: Einige Erkrankungen des Sehnervs können zu Kopfschmerzen führen.
  • Anisokorie: Eine Differenz der Pupillendurchmesser zwischen beiden Augen.

Diagnose einer Sehnervschädigung

Zur Untersuchung des Sehnervs nutzen Augenärzte verschiedene Methoden:

  • Spaltlampe: Ermöglicht die Betrachtung des Augenhintergrunds und die Beurteilung der Papille des Sehnervs (der Punkt, an dem der Sehnerv in die Netzhaut mündet).
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen kann es notwendig sein, bildgebende Verfahren wie beispielsweise eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchzuführen, um den Sehnerv und das umliegende Gewebe detaillierter darzustellen. Die MRT kann nicht nur die Entzündung des Sehnervs direkt sichtbar machen, sondern auch typische Veränderungen im Gehirn, die auf eine bestehende MS oder ein erhöhtes MS-Risiko hinweisen.
  • Untersuchungen der Sehfunktion: Sehschärfe, Farbsehen und Gesichtsfeld werden untersucht, um das Ausmaß der Schädigung zu bestimmen.
  • Bestimmung des Augeninnendrucks: Wichtig zur Erkennung des Glaukoms.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen (ERG, EOG und VEP): Diese Untersuchungen prüfen die Umsetzung der Lichtsignale in elektrische Impulse in der Netzhaut sowie deren Weiterleitung.
  • Lumbalpunktion: Zur Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, um andere zugrunde liegende Erkrankungen auszuschließen.

Behandlung von Sehnervschädigungen

Die Therapiemethoden hängen vom jeweiligen Erkrankungsbild ab:

  • Glaukom: Unverzügliche Senkung des Augeninnendrucks durch Augentropfen zur Verringerung der Kammerwasserproduktion oder zur Verbesserung des Kammerwasserabflusses, Lasertherapie oder Operation.
  • Sehnervenentzündung: Medikamentöse Behandlung, in der Regel mit Steroiden.
  • Diabetische Retinopathie: Frühzeitige Behandlung des Diabetes und Blutzuckereinstellung. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind wichtig.
  • Tumore: Abhängig von der Art und Lage des Tumors können Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie erforderlich sein.
  • Gefäßverschlüsse: Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Herzerkrankung, Schlaganfall) und Maßnahmen zur Verbesserung der Durchblutung.
  • Multiple Sklerose: Behandlung nach den Richtlinien der MS-Therapie mit Arzneimitteln, die beispielsweise Veränderungen im Gehirn begrenzen, die Zahl der MS-Schübe reduzieren und damit den Krankheitsverlauf verlangsamen können.
  • Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie (LHON): Ein neues Medikament (Idebenon, Raxone) ist seit 2015 für die Behandlung zugelassen. Ein möglichst frühzeitiger Beginn der Behandlung ist sehr wichtig.
  • Benigner essentieller Blepharospasmus (BEB): Behandlung mit Injektionen eines krampflösenden Medikaments.

Kann sich der Sehnerv regenerieren?

Kommt es zu einem gänzlichen Ausfall des Sehnervs aufgrund des Untergangs der Sehnervenfasern, ist eine Regeneration nicht möglich, da sich die Neuronen nicht neubilden können. Bei Patienten mit einem restlichen Sehvermögen kann beispielsweise anhand einer Behandlung mit Wechselstrom versucht werden, einige Funktionseinschränkungen zu verbessern. Aufgrund der fehlenden Regenerationsfähigkeit der Nervenfasern ist es von großer Bedeutung, einen möglichen Krankheitsprozess des Sehnervs frühzeitig zu erkennen. Entsprechende Vorsorgeuntersuchungen, vor allem bei Diabetikern und zur Erkennung des Glaukoms, sollten aus diesem Grund regelmäßig erfolgen.

Umgang mit Sehverlust

Ein deutlicher Sehverlust kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, den Alltag an die neuen Bedingungen anzupassen. So kann etwa die Wohnung so umgestaltet werden, dass die Orientierung leichter fällt - zum Beispiel durch zusätzliche Lichtquellen. Das Entfernen von Stolperfallen ist wichtig, um Stürze zu vermeiden. Anpassungen am Arbeitsplatz und bei Alltagsaktivitäten wie Sport, Einkaufen oder Lesen sind meist auch möglich. Sich Unterstützung zu holen und über Hilfsmittel zu informieren - zum Beispiel in der Arztpraxis oder bei der Krankenversicherung - kann den Alltag erleichtern. Vielen Menschen, die an einem Glaukom erkrankt sind, hilft es zudem, sich gut über die Krankheit und die Möglichkeiten, mit ihren Folgen umzugehen, zu informieren oder sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, etwa in einer Selbsthilfegruppe oder einem Internetforum.

Es kann schwerfallen, den Zeitpunkt zu erkennen, ab dem die Krankheit das Autofahren nicht mehr zulässt. Ab einer bestimmten Einschränkung des Gesichtsfelds ist das Autofahren gesetzlich nicht mehr erlaubt. Konkrete Informationen und Beratung dazu geben Augenärztinnen und Augenärzte.

Sorgen und Ängste mit Angehörigen, Freundinnen und Freunden frühzeitig zu besprechen, kann entlastend sein. Gemeinsam lassen sich Strategien entwickeln, mit dem Fortschreiten der Erkrankung umzugehen.

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