Meningeome, überwiegend gutartige Hirntumoren, werden immer häufiger zufällig entdeckt. Diese Zunahme stellt Betroffene und Ärzte vor therapeutische Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Meningeomen, insbesondere im Zusammenhang mit Druck auf den Sehnerv.
Was ist ein Meningeom?
Meningeome entwickeln sich aus den Meningealzellen der weichen Hirnhäute (Pia mater). Die Hirnhäute (Meningen) sind schützende Membranen, die Gehirn und Rückenmark umgeben und vor Beschädigungen und Infektionen schützen. Sie machen etwa 20 % aller Hirntumoren aus und treten meist bei Erwachsenen im mittleren und höheren Lebensalter auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. In der Schwangerschaft kann es zu einem beschleunigten Wachstum kommen.
In den meisten Fällen (ca. 90 %) sind Meningeome gutartig und wachsen langsam. Sie verdrängen angrenzende Gehirnstrukturen, anstatt sie zu zerstören. In etwa 85 % der Fälle werden sie als gutartige Hirntumoren (WHO-Grad 1) eingestuft und können durch operative Entfernung geheilt werden. Etwa zehn Prozent sind atypische Meningeome (WHO-Grad 2), die verstärkt wachsen und nach Behandlung wieder auftreten können. Bösartige Meningeome (WHO-Grad 3) sind selten und müssen zusätzlich zur Operation mit Strahlentherapie behandelt werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Meningeomen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und bestimmten Umweltbedingungen eine Rolle spielt.
Bekannte Risikofaktoren sind:
Lesen Sie auch: Alles über Meningeome im Gehirn
- Vorangegangene Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich erhöht das Risiko für die Entstehung von Meningeomen, oft Jahrzehnte nach der Bestrahlung.
- Neurofibromatose Typ 2 (NF2): Dieses seltene Krebs-Syndrom ist mit einem erhöhten Risiko für Meningeome verbunden.
- Hormone: Weibliche Geschlechtshormone wie Progesteron und Östrogen können das Wachstum von Meningeomzellen beeinflussen. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen hoch dosiertem Cyproteronacetat (CPA) und der Entstehung von Meningeomen.
- Genetische Veränderungen: Am häufigsten sind genetische Veränderungen bestimmter Tumorsuppressorproteine verantwortlich. Diese Proteine sind dafür zuständig, die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass sich aus einer Zelle eine Tumorzelle entwickelt.
- Ionisierende Strahlung: Ionisierende Strahlung ist nach heutigem Wissensstand einer der größten Risikofaktoren für die Entstehung von Meningeomen.
Ein erhöhtes Risiko für Hirntumoren wie das Meningeom durch die Nutzung von Mobilfunkgeräten gilt heute als unwahrscheinlich.
Symptome
Meningeome wachsen oft langsam und verursachen daher lange Zeit keine oder nur unspezifische Symptome. Die Symptome hängen stark von der Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab.
Mögliche Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Typischerweise treten diese Kopfschmerzen während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich zunächst im Lauf des Tages. Die Kopfschmerzen können - ebenfalls in den frühen Morgenstunden - von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein.
- Neurologische Defizite: Diese sind vor allem von der Lage des Meningeoms abhängig. Sie können sich äußern als:
- Sehstörungen: Gesichtsfeldausfälle, Doppelbilder, verschwommenes Sehen.
- Schwäche oder Taubheitsgefühl: In Armen oder Beinen.
- Sprachstörungen.
- Gleichgewichtsstörungen.
- Geruchsstörungen.
- Epileptische Anfälle: Treten ohne Vorwarnung auf.
- Psychische Veränderungen: Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensstörungen, Änderungen im Antrieb.
- Hormonelle Störungen: Bei Tumoren im Bereich der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse).
Meningeom Druck auf den Sehnerv
Wenn ein Meningeom in der Nähe des Sehnervs (Nervus opticus) oder der Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) liegt, kann es zu Sehstörungen kommen. Der Tumor kann den Sehnerv komprimieren und dessen Funktion beeinträchtigen.
Mögliche Symptome bei Druck auf den Sehnerv sind:
Lesen Sie auch: Ursachen epileptischer Anfälle bei Meningeomen
- Gesichtsfeldausfälle: Einschränkungen des Gesichtsfeldes, z.B.Tunnelblick oder Ausfälle in bestimmten Bereichen.
- Verminderte Sehschärfe: Verschwommenes Sehen oder Schwierigkeiten, Details zu erkennen.
- Doppelbilder (Diplopie): Können auftreten, wenn die Augenmuskeln durch den Tumor beeinträchtigt werden.
- Störung des Farbsehens.
- Anisokorie: Eine Differenz der Pupillendurchmesser zwischen beiden Augen.
Diagnose
Die Diagnose eines Meningeoms erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren. Goldstandard ist die Magnetresonanztomographie (MRT).
Weitere diagnostische Maßnahmen können sein:
- Klinische Untersuchung: Umfasst die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und eine neurologische Untersuchung.
- Computertomographie (CT): Kann zur Beurteilung von Knochenveränderungen und Verkalkungen im Tumor eingesetzt werden.
- Positronenemissionstomographie (PET): Kann in bestimmten Fällen zur Beurteilung der Stoffwechselaktivität des Tumors eingesetzt werden.
- Angiographie: Röntgenuntersuchung der Blutgefäße des Kopfes, um die Blutversorgung des Tumors zu beurteilen.
- Liquorpunktion: Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) auf Tumorzellen.
- Biopsie: In einigen Fällen kann eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden, um den Tumortyp und den WHO-Grad zu bestimmen. Bei eindeutigen Hinweisen auf einen gutartigen Tumor kann auf eine Biopsie verzichtet werden.
Behandlung
Die Behandlung eines Meningeoms hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Größe, Lage, Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors, die Symptome, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten.
Folgende Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung:
- Beobachtung (Watch and Wait): Kleine, asymptomatische Meningeome, die keine Nachbarstrukturen gefährden, können zunächst beobachtet werden. Regelmäßige MRT-Kontrollen sind erforderlich, um das Wachstum des Tumors zu überwachen.
- Operation: Die Standardtherapie für symptomatische Meningeome ist die vollständige operative Entfernung des Tumors samt der mitbetroffenen Strukturen wie Hirnhaut oder Schädelknochen. Das Ziel des minimal-invasiven Eingriffs ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Da die Neurochirurgin oder der Neurochirurg dabei mit einer stark vergrößernden Sehhilfe arbeitet, ist eine hohe Präzision möglich und das Risiko, dass das umliegende Gewebe Schaden nimmt, ist sehr gering.
- Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie kann als Alternative zur Operation oder nach einer unvollständigen Operation eingesetzt werden. Je nach Größe und Lage kann alternativ auch eine stereotaktische Strahlentherapie beziehungsweise eine Radiochirurgie (SRS) erfolgen. Bei der stereotaktischen Radiochirurgie wird der Tumor einmalig sehr präzise mit einer hohen Strahlendosis bestrahlt. Das schont das umliegende gesunde Gewebe. Die fraktionierte Strahlentherapie verteilt die Gesamtdosis der Strahlung auf mehrere Sitzungen, was das Risiko von Nebenwirkungen reduzieren kann.
- Radiochirurgie (Cyberknife): Speziell die Cyberknife-Technologie behandelt das Meningeom ambulant und ohne chirurgischen Eingriff. Es entstehen damit keine Komplikationen durch eine Fixierung oder eine offene Operation. Die Radiochirurgie mit dem Cyberknife kann als primäre Therapieform bei kleineren, schwer operativ zu entfernenden Meningeomen eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um eine präzise Einmalbestrahlung, die eine hohe Tumorkontrolle erreicht.
- Chemotherapie: Eine Chemotherapie kommt bei Meningeomen seltener zum Einsatz, da diese Tumoren oft nicht besonders empfindlich auf chemotherapeutische Medikamente reagieren. Wenn aber Meningeome trotz einer Strahlentherapie schnell weiterwachsen oder wenn es sich doch um ein malignes Meningeom handelt, kann eine Chemotherapie dabei helfen, das Tumorwachstum zu verlangsamen oder die Symptome zu lindern.
Behandlung von Meningeomen mit Druck auf den Sehnerv
Bei Meningeomen, die auf den Sehnerv drücken, ist das Ziel der Behandlung, den Druck auf den Nerv zu reduzieren und die Sehkraft zu erhalten oder zu verbessern.
Lesen Sie auch: Felix Sahm und Meningeome im Fokus
Die Behandlung kann eine Operation, Strahlentherapie oder eine Kombination aus beiden umfassen. Die Wahl der Behandlung hängt von der Lage und Größe des Tumors sowie vom Zustand des Sehnervs ab.
Prognose
Die Prognose für Patienten mit Meningeomen ist in der Regel gut, insbesondere wenn der Tumor gutartig ist und vollständig operativ entfernt werden kann. Die vollständige Entfernung eines gutartigen Meningeoms kommt meist einer Heilung gleich.
Die Prognose verschlechtert sich mit dem Schweregrad des Tumors (WHO-Grad). Atypische und anaplastische Meningeome haben ein höheres Risiko, nach der Behandlung wieder aufzutreten (Rezidiv).
Auch gutartige Meningeome können nicht immer vollständig entfernt werden. Sie können dann erneut wachsen. Bei diesen Betroffenen, aber auch bei solchen, bei denen der Tumor komplett entfernt werden konnte, sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich.
Leben mit einem Meningeom
Auch nach einer Entfernung eines Meningeoms können sich viele Fragen auftun, so beispielsweise zu postoperativen Nebenwirkungen, aber auch zur Fahrerlaubnis oder dem Wiedereinstieg in den Beruf.
Wichtige Eckpunkte bei der Betreuung von Menschen mit einem inzidentellen Meningeom:
- Betroffene sollten initial bei einem in der Behandlung von Hirntumoren erfahrenen Team vorstellig werden.
- International wird ein konservatives Vorgehen bei kleinen Tumoren in unkritischer Lage bevorzugt.
- Erste Verlaufskontrollen sind nach Expertenmeinung eher engmaschig zu planen (nach 6 bis 12 Monaten). Weitere Termine werden dann individuell vereinbart.
- In der hausärztlichen Begleitung spielen neben rein medizinischen Fragen auch psychosoziale Themen eine wichtige Rolle. Für letztere können beispielsweise auch Krebsberatungsstellen Ansprechpartner sein.