Der demografische Wandel mit einer stetig wachsenden Anzahl älterer Menschen stellt die Medizin vor neue Herausforderungen. Die Geriatrie, auch Altersmedizin genannt, gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Sie befasst sich mit den besonderen medizinischen Bedürfnissen älterer Patientinnen und Patienten. In diesem Artikel werden die Definition der Geriatrie, die Aufgaben von Geriaterinnen und Geriatern sowie die Herausforderungen und Zukunftsperspektiven dieses wichtigen Fachbereichs beleuchtet.
Was ist Geriatrie?
Die Geriatrie ist die Lehre von den Krankheiten des alternden Menschen. In den meisten europäischen Ländern ist sie ein eigenständiges Fach oder ein Schwerpunkt in der Inneren Medizin. In Deutschland steckt sie noch in den Anfängen: Bisher ist sie als Schwerpunkt in der Inneren Medizin in drei Bundesländern (Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt) anerkannt.
Aufgaben und Herausforderungen von Geriaterinnen und Geriatern
Geriaterinnen und Geriater sind Spezialisten für die Behandlung sehr alter Menschen, deren Organismus anders funktioniert als der eines jüngeren Menschen. Die durchschnittliche geriatrische Patientin bzw. der geriatrische Patient ist über 70 Jahre alt. Für ihre bzw. seine Behandlung ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig, denn viele Seniorinnen und Senioren leiden an mehreren Krankheiten zugleich, die teilweise chronisch sind. Ein typisches Beispiel für diese Multimorbidität wäre eine hochbetagte Person, die an Herz- und Nierenschwäche sowie schweren Gelenkschmerzen leidet. Zusätzlich lässt die geistige Fitness deutlich nach. Kommt es nun zu einem Sturz und einem Knochenbruch, kann dies überaus komplexe Auswirkungen auf die Gesamtgesundheit des Patienten haben. Im schlimmsten Fall kann der Sturz Auslöser einer Kettenreaktion werden: Nicht nur, dass die Patientin bzw. der Patient künftig auf Hilfe im Alltag angewiesen ist, um zu essen, sich an- und auszuziehen oder zu waschen.
Eine der Hauptaufgaben von Geriaterinnen und Geriatern ist die Vernetzung verschiedener medizinischer Disziplinen. Ältere Patientinnen und Patienten werden oft von verschiedenen Ärztinnen und Therapeuten behandelt, die möglicherweise nicht miteinander kommunizieren. Die Geriaterin bzw. der Geriater fungiert hier als Netzwerker, der alle Fäden zusammenführt und eine koordinierte Versorgung gewährleistet.
Die Zukunft der Medizin steht vor großen Herausforderungen: die wachsende Komplexität von diagnostischen und therapeutischen Prozessen, die Zunahme dementieller Syndrome, die Verknappung von Ressourcen und die abnehmende familiäre Unterstützung.
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Geriatrisches Assessment
Wegen der komplexen Situation älterer Patientinnen und Patienten nutzt die Geriaterin bzw. der Geriater zusätzlich zu den klassischen ärztlichen Untersuchungsmethoden das geriatrische Assessment, um alterstypische Mehrfacherkrankungen, körperlich-funktionelle Defizite, aber auch mentale und psychische Probleme sowie das soziale Umfeld der Patientin bzw. des Patienten abzubilden. Auf Grundlage dieser Ergebnisse kann die Ärztin bzw. der Arzt die multiprofessionelle Therapie planen und überprüfen. Das Ziel der Geriaterin bzw. des Geriaters als spezialisierte Fachärztin bzw. spezialisierter Facharzt ist daher, nicht nur ein bestimmtes Symptom zu behandeln, sondern den Gesamtzustand der Patientin bzw. des Patienten im Blick zu haben und ihr bzw. ihm zu helfen, so lange wie möglich ihre bzw.
Geriatrische Syndrome
Wegen der altersbedingt eingeschränkten Organreserven (die aktive Zellmasse sinkt, die Kompensationsmöglichkeiten sind eingeschränkt) reagieren betagte Patienten auf unterschiedliche Auslöser häufig mit ähnlichen Mustern. Diese werden als geriatrische Krankheitszeichen (Syndrome) bezeichnet, zum Beispiel Sturz und Immobilität, Inkontinenz, Mangelernährung, Verlust von Muskelmasse, Gebrechlichkeit, Austrocknung aufgrund zu wenigen Trinkens, chronischer Schmerz und anderes mehr. Eine Behandlung muss sowohl die Auslöser, aber auch die Reaktionen der verschiedenen Organsysteme im Kontext der Mehrfacherkrankungen berücksichtigen. Dazu ist es notwendig abzuwägen, welche Krankheiten tatsächlich mit Medikamenten behandelt werden sollten, um so wenige Nebenwirkungen wie möglich zu erzeugen.
Anforderungen an Geriaterinnen und Geriater
Die Geriaterin bzw. der Geriater muss vielseitig agieren können: So muss sie bzw. er neben dem geriatrischen Assessment und der Kenntnis geriatrischer Syndrome auch die Planung und Leitung eines multiprofessionellen Teams beherrschen. Zudem sind gute differentialdiagnostische und pharmakologische Kenntnisse notwendig. Zu den weiteren Anforderungen gehören umfassende Kenntnisse in der Inneren Medizin und anderen Fachgebieten. Untersuchungsmethoden wie EKG, Endoskopie, Echokardiographie, Doppler-Druck-Messung und Schluckdiagnostik müssen ihr bzw. Ein langer Anforderungskatalog. Doch notwendig, wenn man bedenkt, dass der Ärtzin bzw. dem Arzt im Alltag so unterschiedliche chronischen Alterskrankheiten begegnen wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, Nierenschwäche, chronischen Atemwegserkrankungen, Durchblutungsstörungen, Mangelernährung, Blutmangel, Arthrose, Osteoporose, Demenz, Depression, chronische Schmerzen und vieles mehr. Eine qualifizierte Geriatrie ist zudem ohne Kenntnisse der internistischen Intensivmedizin nicht machbar.
Forschung in der Geriatrie
Die Kompression der Morbidität mit Erhalt der Autonomie bis ins hohe Alter stellt das übergeordnete Ziel geriatrischer Forschung dar. Grundlagenorientierte Schwerpunkte umfassen beispielsweise die Bereiche Sarkopenie, Frailty, Immunologie und körperliche Aktivität. Neben der Präzisierung des geriatrischen Assessments erlangen aktuell vor allem Themen im Bereich der Mangelernährung, des körperlichen Trainings, der Sturzprävention und der Polypharmazie klinische Relevanz. Die wachsende Qualität spiegelt sich auch im steigenden Impact Factor und der erhöhten Reichweite der Publikationsorgane wider.
Integration der Geriatrie in die medizinische Versorgung
Krankheitsspezifische und funktionsorientierte Maßnahmen müssen sich bei der Behandlung alter, mehrfacherkrankter Patientinnen und Patienten sinnvoll ergänzen. Deshalb ist es zweckmäßig, dass Geriaterinnen und Geriater auf unterschiedlichen Ebenen der medizinischen Versorgung in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Hochbetagte Patientinnen und Patienten werden selbstverständlich nach den krankheitsspezifischen Leitlinien in den jeweiligen Abteilungen versorgt. Jede Medizinerin und jeder Mediziner, die bzw. der alte Menschen behandelt, sollte die vorrangige Wichtigkeit einer funktionserhaltenden Behandlung zum richtigen Zeitpunkt erkennen. Die Geriaterin bzw. der Geriater muss gewährleisten, ihre bzw. Viele Hochbetagte können durch Erhalt ihrer bisherigen Alltagskompetenz ins gewohnte Umfeld entlassen werden. Für die ambulante Medizin gilt, dass alte Patientinnen und Patienten in erster Linie von ihren vertrauten Haus- und Fachärztinnen und ärzten behandelt werden. Erst wenn umfassende Diagnostik und Therapie zur Aufrechterhaltung der bisherigen Unabhängigkeit im Alltag notwendig werden oder komplexe Fragestellungen aus Mehrfacherkrankung und Multimedikation resultieren, sollten die Patientinnen und Patienten an Geriaterinnen bzw.
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Die Rolle der Neurologie in der Geriatrie
Die Neurologie spielt eine wichtige Rolle in der Geriatrie, da neurologische Erkrankungen wie Demenz, Schlaganfall und Parkinson-Krankheit häufig bei älteren Menschen auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) betont die Notwendigkeit des Ausbaus von Versorgungsstrukturen und der Stärkung von Forschungsvorhaben, um den steigenden Erkrankungszahlen gerecht zu werden. Die DGN hat eine spezielle Kommission eingerichtet, die sich mit Präventionsprogrammen befasst.
Zukünftige Entwicklungen
Die Geriatrie verfügt nach der Kardiologie mittlerweile über die zweitgrößte Anzahl von spezialisierten internistischen Betten in deutschen Krankenhäusern. Die Geriaterinnen und Geriater sind in die Bereitschaftsdienste der jeweiligen Kliniken und, wenn vorhanden, auch in die internistische Notaufnahme integriert. Die frühzeitige und kontinuierliche Einbindung geriatrischer Kompetenz in die Behandlungsabläufe wird die Qualität der Versorgung hochbetagter, multimorbider Patientinnen und Patienten steigern.
Um den Ansprüchen einer guten medizinischen Versorgung einer immer älter werdenden Gesellschaft gerecht zu werden, wurde in drei Bundesländern der Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie eingeführt. Laut Definition der Fachgesellschaften führt die Geriatrie akutmedizinische, frührehabilitationsmedizinische und rehabilitationsmedizinische Behandlungen durch.
Herausforderungen in der neurologischen Versorgung älterer Menschen
Die Einschränkungen geriatrischer Patientinnen und Patienten sind somatischer, kognitiver oder auch affektiver Art - bedingt durch altersphysiologische Veränderungen und gegebenenfalls schon manifeste oder zumindest latente Schädigung (beispielsweise durch Medikamentennebenwirkungen) von Körperstrukturen oder Funktionen. Die Patientinnen und Patienten sind pflegefallgefährdet, häufig treten die geriatrischen „I‘s“ auf: Immobilität, Irritabilität, Instabilität und Inkontinenz sowie auch Isolation, Immundefekte und Impotenz. In letzter Zeit wird häufig ein weiteres geriatrisches „I“ für iatrogene Schädigung hinzugefügt. Nicht selten kommt es auch zum Delir. Die Patientinnen und Patienten weisen darüber hinaus eine erhöhte Vulnerabilität infolge physiologischer Altersveränderungen auf. Dazu kommen eine verringerte Anpassungsfähigkeit sowie begrenzte Kompensationsfähigkeit.
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