Europäischer Parkinson Kongress: Aktuelle Entwicklungen und Schwerpunkte

Der europäische Parkinson Kongress ist ein bedeutendes Ereignis für Fachleute, die sich mit der Erforschung, Diagnose und Behandlung der Parkinson-Krankheit und verwandter Bewegungsstörungen befassen. Diese Zusammenkünfte bieten eine Plattform für den Austausch neuester Forschungsergebnisse, klinischer Erfahrungen und innovativer Therapieansätze. Im Folgenden werden einige der wichtigsten Themen und Erkenntnisse aus den vergangenen und zukünftigen Kongressen beleuchtet.

Schwerpunkte der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) Kongresse

Die Kongresse der European Academy of Neurology (EAN) sind ein wichtiger Anlaufpunkt für Neurologen und Forscher aus ganz Europa. Jedes Jahr werden aktuelle Studienergebnisse und Kontroversen diskutiert, wobei ein besonderer Fokus auf neuen Diagnose- und Therapieansätzen für neurologische Erkrankungen liegt.

Künstliche Intelligenz in der Diagnostik

Ein zentrales Thema ist die Frage, inwieweit künstliche Intelligenz (KI) die neurologische Diagnostik verbessern kann. KI-basierte Systeme haben das Potenzial, große Datenmengen zu analysieren und Muster zu erkennen, die für das menschliche Auge möglicherweise nicht sichtbar sind. Dies könnte zu einer schnelleren und präziseren Diagnose von Parkinson und anderen neurologischen Erkrankungen führen.

Multiple Sklerose (MS)

Auch die Multiple Sklerose (MS) ist ein wichtiger Schwerpunkt der EAN-Kongresse. Neue Forschungsergebnisse zielen darauf ab, den Verlauf der MS präziser vorherzusagen und personalisierte Therapieansätze zu entwickeln. Darüber hinaus werden innovative Strategien zur Förderung der Remyelinisierung nach einem MS-Schub diskutiert.

Weitere Themen

Neben Parkinson und MS werden auch andere neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Alzheimer und Epilepsie auf den EAN-Kongressen behandelt. Die Themen reichen von neuen Wirkstoffen und Therapieverfahren bis hin zu Fragen der Prävention und Rehabilitation.

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Parkinson-Netzwerkkongress in Osnabrück

Der Parkinson-Netzwerkkongress, wie beispielsweise die Veranstaltung in Osnabrück, dient der Stärkung und Vernetzung regionaler Parkinson-Netzwerke in Deutschland. Ziel ist es, die multidisziplinäre Versorgung von Parkinson-Patienten zu verbessern und den Austausch zwischen Ärzten, Forschern, Pflegekräften und Therapeuten zu fördern.

Ziele und Aktivitäten der Parkinson-Netzwerke

Zu den zentralen Aktivitäten der Parkinson-Netzwerke gehören:

  • Aufbau und Unterstützung neuer Netzwerke
  • Förderung von Austausch und Weiterbildung
  • Entwicklung gemeinsamer Versorgungsstandards
  • Organisation des bundesweiten Parkinson-Netzwerkkongresses

Multidisziplinäre Versorgung

Die multidisziplinäre Versorgung von Parkinson-Patienten steht im Mittelpunkt der Bemühungen der Parkinson-Netzwerke. Durch die koordinierte Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen soll die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessert werden. Die Effektivität multidisziplinärer Programme, wie der stationären Parkinson-Komplextherapie, ist wissenschaftlich belegt.

Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG)

Die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich der Verbesserung der Diagnose, Prävention und Behandlung der Parkinson-Krankheit und der Parkinson-Syndrome verschrieben hat.

Forschungsförderung

Die DPG fördert die Erforschung der Parkinson-Krankheit und verbessert die Versorgung der Patienten. Sie vergibt Fördermittel für Forschungsprojekte, die einen Beitrag zur besseren Diagnostik und Therapie von Parkinson leisten. Entscheidend für die Vergabe ist ein Förderantrag, der das Projekt wissenschaftlich beschreibt sowie aussagefähige Unterlagen zur Verwendung der Mittel und den Zeitrahmen enthält.

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Struktur und Organisation

In der DPG sind erfahrene Parkinson-Ärzte sowie Grundlagenforscher organisiert. Die Zusammenarbeit dieser beiden Zweige ist entscheidend für die Fortschritte in Diagnostik und Therapie. Die DPG bietet Initiativen und Netzwerke, um die multidiziplinäre Versorgung von Patient:innen gezielt zu unterstützen.

Aktuelle Forschungsergebnisse und Therapieansätze

Die Parkinson-Forschung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Neue Erkenntnisse über die Ursachen und Mechanismen der Erkrankung haben zu vielversprechenden Therapieansätzen geführt.

Gezielte Hemmung von α-Synuklein

Die gezielte Hemmung von α-Synuklein gilt seit Jahren als potenzieller Ansatz in der Parkinson-Therapie. α-Synuklein ist ein Protein, das bei Parkinson-Patienten in den Nervenzellen verklumpt und zu deren Schädigung führt. Nun erreicht erstmals ein Wirkstoff, der die α-Synuklein-Aggregation verhindern soll, Phase-III-Studien.

Narkolepsie-Therapie

Auch die Narkolepsie-Therapie ist ein vielversprechendes Feld der Forschung. Ein vielversprechender Ansatz ist die Behandlung von Narkolepsie Typ 1 über die Aktivierung von Orexinrezeptoren. Allerdings war der bisherige Weg zu einem besseren Verständnis des komplexen Orexinsystems ein steiniger, und die klinische Entwicklung erster potenzieller Wirkstoffe von Rückschlägen dominiert.

Temporale Interferenzstimulation (TIS)

Mit einer temporalen Interferenzstimulation (TIS) lässt sich einer Pilotstudie zufolge der subthalamische Kern erreichen. Der subthalamische Kern ist eine Hirnregion, die bei der Parkinson-Krankheit eine wichtige Rolle spielt. Die TIS könnte eine neue Möglichkeit bieten, die Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern.

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Musikgestützte Therapie

Die musikgestützte Therapie ist ein weiterer vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Parkinson. Musik kann die Motorik und die Stimmung von Parkinson-Patienten verbessern. In einigen Parkinson-Fachkliniken wird musikgestütztes Gangtraining bereits als Standardtherapie angeboten.

Weitere Themen und Erkenntnisse

Neben den oben genannten Schwerpunkten wurden auf den vergangenen Parkinson-Kongressen noch weitere interessante Themen behandelt.

Parkinson und Corona

Parkinson-Erkrankte scheinen nicht häufiger an Corona zu erkranken als der Durchschnitt. Die mögliche Parkinsonverschlechterung nach einer Corona-Erkrankung hingegen scheint ähnlich zu sein, wie nach anderen Infekten auch. Ggf. wird die Verschlechterung durch die Inaktivität und Autoimmunreaktion, aber auch Stress und die soziale Distanzierung begünstigt.

Bewegungstraining

Parkinson-Erkrankte sind 30% weniger körperlich aktiv als gleichaltrige gesunde Menschen. Daher sind Maßnahmen notwendig, um aktiver zu werden. Ein Ausdauertraining für Parkinson-Erkrankte ist inzwischen gut erforscht.

Neuropsychiatrische Begleiterkrankungen

Es kann aus unterschiedlichen Gründen zu psychischen Begleiterscheinungen kommen:

  • Nicht motorisches Symptom
  • Nebenwirkungen krankheitsspezifischer Medikation
  • Komorbid bestehende psychische Erkrankung
  • Folge dysfunktionaler Krankheitsverarbeitung

Oft lassen sich die Symptome durch eine Optimierung der Medikamente verbessern.

Nicht verschreibungspflichtige Medikamente

Auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente können eine große Wirkung haben, wie an dem Beispiel der Juckbohne deutlich wurde. Daher ist es sinnvoll alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel beim Arzt zu erwähnen, um eine optimale Einstellung erhalten zu können.

Parkinson Nurse

Eine Weiterbildung zur Parkinson-Nurse können alle Pflegefachkräfte beginnen, die regelmäßig in der Versorgung von Parkinsonpatient:innen tätig sind. Nach der Ausbildung stehen Parkinson-Nurses Betroffenen und Angehörigen in der Behandlung gemeinsam mit Medinziner:innen zur Seite, oftmals sind sie hierbei die ersten Ansprechpersonen.

Der Lehrgang zur Parkinson Nurse wurde 2007 ins Leben gerufen, den seither jährlich 15 Pflegekräfte mit dem Ziel absolviert haben, in ihren jeweiligen Kliniken eine kompetente und spezialisierte Versorgung von Menschen mit Parkinson zu bieten. Das Parkinsonzentrum Beelitz-Heilstätten war an der Gründung beteiligt und zählt bis heute zu den maßgeblichen Organisatoren der Fortbildung.

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