Exelon, dessen Wirkstoff Rivastigmin ist, gehört zu den Cholinesterasehemmern. Es wird zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz und Demenz bei Parkinson-Krankheit eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Exelon bei Parkinson-Krankheit, seine Wirkungsweise, Studienergebnisse, Nebenwirkungen und wichtige Hinweise zur Einnahme.
Hintergrund: Demenz bei Parkinson-Krankheit
Parkinson-Patienten leiden häufig an einer Demenz, die mit der Parkinson-Krankheit assoziiert ist. Diese kognitive Beeinträchtigung tritt meist nach dem Auftreten motorischer Symptome auf, insbesondere der charakteristischen motorischen und sprachlichen Verlangsamung. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber eine Beeinträchtigung der cholinergen Neurotransmission im Nucleus basalis könnte eine Rolle spielen. Dabei kommt es zu einem Zelluntergang in diesem Hirnareal und einer verminderten Konzentration des Enzyms Cholinacetyltransferase, das für die Acetylcholin-Synthese wichtig ist.
Wie wirkt Exelon?
Rivastigmin, der Wirkstoff in Exelon, hemmt sowohl die Acetylcholinesterase als auch die Butyrylcholinesterase. Dadurch wird die Halbwertszeit von Acetylcholin im synaptischen Spalt verlängert, was die cholinerge Neurotransmission indirekt steigert. Bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit oder Parkinson-Demenz sterben bestimmte Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem niedrigen Spiegel des Neurotransmitters Acetylcholin führt. Exelon hilft, die Symptome der Alzheimer-Demenz und Parkinson-Demenz zu verringern, indem es den Acetylcholinspiegel im Gehirn erhöht.
Klinische Studie zur Wirksamkeit von Rivastigmin bei Demenz mit Parkinson-Krankheit
Eine multizentrische, doppelblinde, Plazebo-kontrollierte Studie mit 541 Patienten untersuchte die Wirksamkeit von Rivastigmin bei der Behandlung von Demenz bei Parkinson-Krankheit. Die Patienten litten an Parkinson-Krankheit und hatten mindestens zwei Jahre nach der Diagnose eine mit der Parkinson-Krankheit assoziierte Demenz entwickelt. Zu Studienbeginn war die Demenz leicht bis moderat (definiert als Werte von 10 bis 24 im Mini-Mental-State-Test).
Studiendesign
Die Patienten wurden über einen Zeitraum von 24 Wochen im Verhältnis 2:1 randomisiert mit Rivastigmin (362 Patienten) oder Plazebo (179 Patienten) behandelt. Die Rivastigmin-Dosis wurde in 4-wöchigen Intervallen um jeweils 3 mg täglich gesteigert, beginnend mit 1,5 mg 2-mal täglich. Nach dieser 16-wöchigen Dosissteigerungsphase wurde die höchste, gut tolerierte Dosis für den restlichen Zeitraum beibehalten.
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Primäre und sekundäre Endpunkte
Für die Untersuchung der Wirksamkeit wurden primär
- ein kognitiver Leistungstest (kognitive Subskala der Alzheimer’s Disease Assessment Scale, ADAS-cog) und
- eine globale klinische Beurteilung der Veränderung gegenüber der Ausgangssituation (Alzheimer’s Disease Cooperative Study-Clinician’s Global Impression of Change, ADCS-CGIC) nach 16 und 24 Wochen durchgeführt.
Die kognitive Subskala des ADAS bewertet beispielsweise Gedächtnisleistung, Vorstellungsvermögen, Orientierung und Sprachverständnis (0 bis 70: höhere Werte = stärkere kognitive Beeinträchtigung). Die mit der ADCS-CGIC erfassten Veränderungen im Vergleich zur Ausgangssituation werden auf einer Punkte-Skala bewertet (1 bis 3: sehr deutliche bis leichte Verbesserung, 4: keine Veränderung, 5 bis 7: leichte bis sehr deutliche Verschlechterung).
Sekundäre Endpunkte waren Veränderungen auf verschiedenen Test-Skalen nach 24 Wochen im Vergleich zum Ausgangswert, z.B. Beurteilung der Alltagskompetenz, Aufmerksamkeit und exekutiver Funktionen.
Ergebnisse der Studie
17,1 % der Patienten in der Rivastigmin- und 7,8 % in der Plazebo-Gruppe brachen die Studie ab, meist aufgrund von Unverträglichkeit. Die Rivastigmin-Dosierung betrug zu Studienende bei 55,5 % der Patienten 9 bis 12 mg täglich, bei jeweils rund 20 % 6 bis 9 bzw. 3 bis 6 mg und bei weniger als 1 % der Patienten weniger als 3 mg.
Nach 24 Wochen führte die Behandlung mit Rivastigmin zu einer signifikanten Verbesserung der kognitiven Leistung im Vergleich zu Plazebo (p<0,001). Die durchschnittliche Verbesserung lag bei 2,1 Punkten auf der kognitiven Subskala des ADAS, wohingegen bei Gabe von Plazebo eine durchschnittliche Verschlechterung um 0,7 Punkte beobachtet wurde.
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In der Beurteilung der Veränderung unter der Therapie (ADCS-CGIC) wurde ebenfalls bei signifikant mehr Patienten in der Rivastigmin-Gruppe als in der Plazebo-Gruppe ein günstiges Ergebnis festgestellt. Die durchschnittliche Veränderung nach 24 Wochen betrug in der Rivastigmin-Gruppe 3,8±1,4 und in der Plazebo-Gruppe 4,3±1,5 (p=0,007). Auch bei den sekundären Endpunkten war die Behandlung mit Rivastigmin der Gabe von Plazebo überlegen.
Klinische Relevanz
Die Behandlung mit Rivastigmin war der Gabe von Plazebo signifikant überlegen. Insbesondere wurde mit Rivastigmin bei mehr Patienten eine klinisch bedeutsame Verbesserung erreicht (19,8 % vs. 14,5 %), weiterhin wurden seltener klinisch relevante Verschlechterungen beobachtet (13 % vs. 23,1 %).
Da die Demenz bei Parkinson-Krankheit ein prognostisch ungünstiger Faktor für das Fortschreiten der Behinderung ist, sind die Ergebnisse positiv zu bewerten. Die Zulassung für Rivastigmin in dieser Indikation wurde vom CHMP befürwortet.
Allerdings kann bei einem großen Teil der Patienten durch die Rivastigmin-Behandlung keine klinisch relevante Verbesserung erreicht werden. Weiterhin ist noch nicht genau definiert, wie sich die beobachteten Veränderungen im Einzelnen auf die Prognose der Patienten auswirken und ob die Verbesserung anhält. Mit diesen Informationen könnte dann abgewogen werden, ob die Therapie trotz unerwünschter Wirkungen zur Prognoseverbesserung empfehlenswert ist. Weitere Untersuchungen sollten zeigen, welche Patienten profitieren, und sie sollten dazu dienen, therapeutische Alternativen für Patienten, die nicht ansprechen, zu finden.
Mögliche Nebenwirkungen von Exelon
Wie alle Arzneimittel kann auch Exelon Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Nebenwirkungen können dann auftreten, wenn Sie die Behandlung gerade begonnen oder die Dosis erhöht haben. In den meisten Fällen werden die Nebenwirkungen allmählich wieder verschwinden, wenn sich Ihr Körper an das Arzneimittel gewöhnt hat.
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Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen (kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen) gehören:
- Schwindel
- Appetitverlust
- Magenbeschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen
- Durchfall
Häufige Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen) sind:
- Angst
- Schwitzen
- Kopfschmerzen
- Sodbrennen
- Gewichtsabnahme
- Bauchschmerzen
- Aufgeregtheit
- Müdigkeits- oder Schwächegefühl
- Allgemeines Unwohlsein
- Zittern, Verwirrtheit
- Verminderter Appetit
- Albträume
Gelegentlich auftretende Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen) sind:
- Depressionen
- Schlafstörungen
- Ohnmachtsanfälle oder Hinfallen
- Verschlechterung der Leberfunktion
Seltene Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen) sind:
- Brustschmerzen
- Hautausschlag, Juckreiz
- Krampfanfälle
- Magen- oder Darmgeschwüre
Sehr seltene Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen) sind:
- Bluthochdruck
- Harnwegsinfektionen
- Halluzinationen (Dinge sehen, die es nicht wirklich gibt)
- Störungen des Herzrhythmus (z. B. zu schneller oder zu langsamer Herzschlag)
- Blutungen im Darm; zu erkennen als Blut im Stuhl oder im Erbrochenen
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse; typische Anzeichen sind starke Schmerzen im Oberbauch, oft in Verbindung mit Übelkeit oder Erbrechen
- Verschlechterung der Symptome einer Parkinson-Krankheit oder Auftreten Parkinson-ähnlicher Symptome; z. B. Muskelsteife oder Schwierigkeiten beim Ausführen von Bewegungen
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar):
- Heftiges Erbrechen, das zum Einreißen der Speiseröhre führen kann
- Dehydrierung (zu starker Flüssigkeitsverlust)
- Lebererkrankungen (gelbe Haut, Gelbfärbung des weißen Bereiches im Auge, anormales Dunklerwerden des Urins oder ungeklärte Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Appetitsverlust)
- Aggression, Ruhelosigkeit
- Ungleichmäßiger Herzschlag
- Pisa-Syndrom (ein Zustand, bei dem es zu einer unwillkürlichen Muskelkontraktion mit abnormaler Beugung des Körpers und des Kopfes zu einer Seite kommt)
Patienten mit Demenz und Parkinson-Krankheit
Bei dieser Patientengruppe kommen einige der Nebenwirkungen häufiger vor, einige weitere Nebenwirkungen treten hier zusätzlich auf:
- Sehr häufig: Zittern, Hinfallen
- Häufig: Ängstlichkeit, Ruhelosigkeit, Verlangsamter und beschleunigter Herzschlag, Schlafstörungen, Vermehrter Speichelfluss und Dehydrierung, Ungewöhnlich langsame oder unkontrollierte Bewegungen, Verschlechterung der Symptome einer Parkinson-Krankheit oder Auftreten Parkinson-ähnlicher Symptome, Halluzinationen, Depressionen, Bluthochdruck
- Gelegentlich: Unregelmäßiger Herzschlag und unkontrollierte Bewegungen, Niedriger Blutdruck
- Nicht bekannt: Pisa-Syndrom
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Exelon
Gegenanzeigen
Exelon darf nicht eingenommen werden, wenn:
- Sie allergisch gegen Rivastigmin oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels sind.
- Sie Hautreaktionen haben, die sich über die Pflastergröße hinaus ausdehnen, wenn eine intensive lokale Reaktion auftritt (wie Blasenbildung, zunehmende Hautentzündung, Schwellung) und wenn sich der Zustand nicht innerhalb von 48 Stunden nach Entfernung des transdermalen Pflasters verbessert.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Exelon einnehmen:
- wenn Sie eine Herzerkrankung haben, wie einen unregelmäßigen oder langsamen Herzschlag (Herzrhythmusstörungen), eine QTc-Verlängerung, eine familiäre Vorgeschichte von QTc-Verlängerung, Torsade de Pointes oder einen niedrigen Kalium- oder Magnesiumspiegel im Blut haben oder schon einmal hatten.
- wenn Sie ein aktives Magengeschwür haben oder schon einmal hatten.
- wenn Sie Schwierigkeiten beim Wasserlassen haben oder schon einmal hatten.
- wenn Sie Krampfanfälle haben oder schon einmal hatten.
- wenn Sie Asthma oder eine schwere Atemwegserkrankung haben oder schon einmal hatten.
- wenn Sie eine eingeschränkte Nierenfunktion haben oder schon einmal hatten.
- wenn Sie eine eingeschränkte Leberfunktion haben oder schon einmal hatten.
- wenn Sie krankhaft zittern.
- wenn Sie ein sehr niedriges Körpergewicht haben.
- wenn Sie Probleme mit Ihrem Verdauungstrakt haben wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Sie können zu viel Flüssigkeit verlieren, wenn Erbrechen und Durchfall zu lange anhalten.
Wenn einer dieser Punkte auf Sie zutrifft, muss Ihr Arzt Sie eventuell besonders sorgfältig überwachen, solange Sie dieses Arzneimittel verwenden. Wenn Sie mehr als drei Tage lang kein Exelon eingenommen haben, dürfen Sie Exelon erst wieder einnehmen, nachdem Sie zuvor mit Ihrem Arzt gesprochen haben.
Dosierung und Anwendung
Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Normalerweise beginnt die Behandlung mit einer niedrigen Dosis. Danach wird Ihr Arzt die Dosis langsam steigern, abhängig davon, wie Sie auf die Behandlung reagieren. Die höchste Dosis, die eingenommen werden sollte, beträgt 6,0 mg zweimal täglich. Ihr Arzt wird regelmäßig untersuchen, ob das Medikament bei Ihnen wirkt. Außerdem wird Ihr Arzt Ihr Gewicht überwachen, während Sie dieses Medikament einnehmen.
Nehmen Sie Exelon zweimal täglich (morgens und abends) mit einer Mahlzeit ein. Schlucken Sie die Kapseln unzerkaut mit Flüssigkeit. Sie dürfen die Kapseln nicht öffnen oder zerkleinern.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen haben oder beabsichtigen, andere Arzneimittel einzunehmen. Exelon sollte nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln gegeben werden, die eine ähnliche Wirkung wie Exelon aufweisen. Exelon kann Wechselwirkungen mit Anticholinergika haben (Arzneimittel, die zur Linderung von Magenkrämpfen oder Spasmen, zur Behandlung der Parkinsonkrankheit oder zur Vorbeugung von Reisekrankheit verwendet werden).
Schwangerschaft und Stillzeit
Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker um Rat. Exelon sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, sie ist unbedingt notwendig. Während der Behandlung mit Exelon dürfen Sie nicht stillen.
Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Exelon kann Schwindel oder Schläfrigkeit hervorrufen, vor allem zu Beginn der Behandlung oder bei Dosissteigerung. Wenn Sie sich schwindlig oder schläfrig fühlen, setzen Sie sich nicht an das Steuer eines Fahrzeugs, bedienen Sie keine Maschinen und tun Sie auch sonst nichts, wofür man konzentrierte Aufmerksamkeit braucht.