Explosionen im Gehirn: Ursachen und Behandlung des Exploding Head Syndroms

Das Exploding Head Syndrom (EHS), auch bekannt als explodierendes Kopfsyndrom, ist eine faszinierende und oft beängstigende Parasomnie, die durch die Wahrnehmung lauter Geräusche im Kopf beim Einschlafen oder Aufwachen gekennzeichnet ist. Obwohl das Syndrom in der Regel schmerzlos ist, können die plötzlichen und intensiven Geräusche, die von Betroffenen als Explosionen, Knallgeräusche, Donnerschläge oder laute Gongs beschrieben werden, zu erheblicher Angst und Panik führen.

Was ist das Exploding Head Syndrom?

Das Exploding Head Syndrom (EHS) ist ein Zustand, bei dem eine Person beim Einschlafen oder Aufwachen laute Geräusche hört. Diese Geräusche, die nur im Kopf des Betroffenen stattfinden, können von Person zu Person unterschiedlich ausfallen und reichen von der Akustik einer explodierenden Bombe bis hin zu lauten Windgeräuschen. Einige Betroffene berichten auch von Lichtblitzen, die zusammen mit den Geräuschen auftreten.

Die erste detaillierte Beschreibung dieses Symptoms erfolgte 1989 durch John M. S. Obwohl das EHS bereits 1876 von Silas Weir Mitchell beschrieben wurde, wurde der Begriff erst 1920 von Robert Armstrong-Jones eingeführt. Das EHS wurde 2005 in die International Classification of Sleep Disorders als Parasomnie klassifiziert.

Symptome des Exploding Head Syndroms

Die Hauptsymptome des Exploding Head Syndroms sind:

  1. Explosion im Kopf: Wahrnehmung eines lauten Knalls, einer Detonation, eines Donnerschlags, eines lauten Gongs, eines lauten Heulens oder extrem lauter Windgeräusche im Kopf.
  2. Schmerzlosigkeit: Die Explosion im Kopf ist in der Regel schmerzlos.
  3. Lichtblitze: Einige Betroffene berichten von Lichtblitzen, die zusammen mit den Geräuschen auftreten.
  4. Kalter Schweiß: Einige Betroffene erleben kalten Schweiß während einer EHS-Attacke.
  5. Herzrasen: Während einer EHS-Attacke kann es zu Herzrasen kommen.
  6. Panik und Angstzustände: Betroffene fürchten sich vor unverhofft auftretenden Geräuschen und sind oft zu der Überzeugung gelangt, dass sie ernsthaft erkrankt sind.

EHS-Attacken können täglich, aber auch nur einmal im Leben eines Patienten auftreten. Bei häufig auftretenden EHS-Attacken können sich bei den Betroffenen auch Schlafstörungen einstellen, die in der Folge unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen können.

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Ursachen des Exploding Head Syndroms

Weder die Ursache noch der Mechanismus des Exploding Head Syndroms sind vollständig bekannt. Es gibt jedoch mehrere Theorien und mögliche Auslöser, die diskutiert werden:

  • Fehlfunktionen der Hörnerven: Einige Experten vermuten, dass bestimmte Fehlfunktionen der Hörnerven eine Rolle spielen könnten.
  • Schnelle Entwöhnung von Medikamenten: Eine schnelle Entwöhnung von Benzodiazepinen oder selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs) könnte das EHS auslösen.
  • Psychische Verfassung und Schlafstörungen: Individuelle Verhaltensweisen, die psychische Verfassung des Einzelnen sowie ein ohnehin gestörter Schlaf begünstigen möglicherweise das Auftreten des EHS.
  • Fehlfunktion im Hirnstamm: Zurzeit wird auch eine Fehlfunktion im Hirnstamm als mögliche Ursache diskutiert. Eigene EEG-Untersuchungen weisen auf eine Störung des Hirnwellenprofils bei EHS-Betroffenen hin.
  • Verzögerte Abnahme der Aktivität der Retikulärformation: Brian Sharpless, Professor an der Washington State University, vermutet als Ursache für den Knall eine verzögerte Abnahme in der Aktivität der Retikulärformation während des Wach-Schlaf-Übergangs, die zu einer kurzen Zunahme der Aktivität der sensorischen Neuronen führt. Es würde sich also um eine fälschliche Überaktivität der Hörneuronen handeln.
  • Komplexe, partielle Krämpfe im Temporallappen des Gehirns: In seltenen Fällen könnten komplexe, partielle Krämpfe im Temporallappen des Gehirns das EHS verursachen.
  • Plötzliche, unwillkürliche Bewegungen im Mittelohr: Plötzliche, unwillkürliche Bewegungen im Mittelohr könnten ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Falsch verlaufende Aufmerksamkeitsverarbeitung: Eine falsch verlaufende Aufmerksamkeitsverarbeitung während des Schlaf-Wach-Übergangs, die zu einer veränderten Wahrnehmung externer auditiver oder visueller Reize führt, könnte das EHS auslösen.
  • Anzeichen einer auftretenden Migräne: Einige Experten vermuten, dass das EHS ein Anzeichen für eine auftretende Migräne sein könnte.
  • Genmutationen: Eine Genmutation, die zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Kalziumkanals führt, könnte ebenfalls eine Ursache sein.
  • Erhöhter Homocysteinspiegel: In manchen Fällen kann auch ein erhöhter Homocysteinspiegel eine Ursache sein. Hier liegt dann häufig ein Mangel an Vitamin B6, Vitamin B12 und/oder Folsäure vor.

Diagnose des Exploding Head Syndroms

Die Diagnose des Exploding Head Syndroms basiert hauptsächlich auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Im Gegensatz zu anderen Parasomnien gibt es keine spezifischen Tests für das EHS. Die Diagnose wird in der Regel anhand der folgenden Kriterien gestellt:

  1. Beschwerde über einen plötzlichen, lauten Ton im Kopf beim Erwachen oder während des Wach-Schlaf-Überganges.
  2. Plötzliche furchtsame Erregung direkt nach dem Ereignis, mitunter begleitet von einem Angstgefühl, erhöhtem Herzschlag, Schwitzen oder schnellem Atmen.
  3. Die Erfahrung löst keinen signifikanten Schmerz aus.

Es ist wichtig, dass der Arzt eine umfassende Anamnese durchführt, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, vorab ein Schlaftagebuch zu führen, damit sich der Mediziner ein besseres Bild von den Schlafmustern und Verhaltensweisen des Patienten machen kann.

Behandlung und Therapie des Exploding Head Syndroms

Da das Exploding Head Syndrom in der Regel harmlos ist, ist eine Behandlung nicht immer erforderlich. In vielen Fällen verschwindet das Syndrom von selbst wieder. Wenn die Symptome jedoch belastend sind, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sie zu lindern:

  • Aufklärung und Beschwichtigung: Oftmals kann es bereits helfen, den Patienten über das Exploding Head Syndrom aufzuklären und zu beruhigen. Zu wissen, dass es sich um ein bekanntes und in der Regel harmloses Phänomen handelt, kann die Angst und Panik reduzieren.
  • Verbesserung der Schlafhygiene: Eine gute Schlafhygiene kann dazu beitragen, die Häufigkeit von EHS-Episoden zu reduzieren. Dazu gehören regelmäßige Schlafzeiten, eine ruhige und dunkle Schlafumgebung, der Verzicht auf Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen sowie Entspannungstechniken vor dem Zubettgehen.
  • Stressmanagement: Da Stress und Ängste das Auftreten von EHS-Episoden begünstigen können, sind Stressmanagement-Techniken wie Meditation, Yoga oder autogenes Training hilfreich.
  • Vermeidung schlafstörender Substanzen: Der Konsum von Alkohol oder Drogen sollte vermieden werden, da diese Substanzen den Schlaf stören und das Auftreten von EHS-Episoden fördern können.
  • Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen kann die Einnahme von Medikamenten sinnvoll sein, um die Symptome des Exploding Head Syndroms abzumildern. Dazu gehören bestimmte Antidepressiva, Antiepileptika oder Blutdrucksenker. Eine medikamentöse Behandlung sollte jedoch immer mit einem Arzt besprochen werden, da alle Medikamente Nebenwirkungen haben können.
  • EEG-Biofeedback (Neurofeedback): In einigen Fällen kann EEG-Biofeedback (Neurofeedback) eingesetzt werden, um die Hirnaktivität zu regulieren und die Symptome des EHS zu reduzieren.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Versorgung des Körpers mit Mineralien, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen kann ebenfalls zur Verbesserung des Schlafs und zur Reduzierung von EHS-Episoden beitragen.

Was tun im Akutfall?

Wenn eine EHS-Attacke auftritt, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und sich bewusst zu machen, dass die Symptome vorübergehend sind und keine Gefahr darstellen. Es kann hilfreich sein, sich auf die Atmung zu konzentrieren und Entspannungstechniken anzuwenden.

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Prävalenz des Exploding Head Syndroms

Früher ging man davon aus, dass das Exploding Head Syndrom vornehmlich Menschen ab 50 Jahren und im Besonderen Frauen betrifft. Neue Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Parasomnie in allen Altersgruppen vertreten ist und allgemein viel häufiger auftritt, als man bisher angenommen hatte.

In einer Studie der Washington State University aus dem Jahr 2015 gaben 18 % der 211 befragten Studenten an, das EHS schon einmal und immerhin 16,6 % bereits mehrere Episoden erlebt zu haben. Eine internationale Studie ergab, dass knapp 30 % der Befragten bereits einmal im Leben eine Episode durchgemacht haben, während knapp 4 % der Befragten von monatlich wiederkehrenden EHS-Episoden berichteten.

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Es ist wichtig, das Exploding Head Syndrom von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können:

  • Nächtliche Epilepsie: Im Rahmen einer Epilepsie kommt es zu abnormer Aktivität der Nervenzellen im Gehirn. Im Gegensatz zum Exploding Head Syndrome lassen sich Epilepsien oft mittels eines Elektroenzephalogramms (EEG) diagnostizieren.
  • Primär schlafgebundener Kopfschmerz: Unter primär schlafgebundenem Kopfschmerz leiden vor allem ältere Menschen. Wiederholte Kopfschmerzattacken mit dumpf-drückendem Charakter treten hier oft mehrmals pro Nacht auf. Diese Attacken dauern mindestens 15 Minuten, während ein Exploding Head Syndrome ein sehr kurzes Ereignis ist, welches auch einmalig sein kann.
  • Albtraumschlafstörung: Leidet jemand sehr regelmäßig unter zum Teil wiederkehrenden Albträumen, spricht man von einer Albtraumschlafstörung. Im Gegensatz zum Exploding Head Syndrome müssen die donnerartigen Geräusche nicht Teil eines Albtraums sein.
  • Posttraumatische Belastungsstörung: Ein Exploding Head Syndrome kann in seltenen Fällen auch zu den Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung gehören.

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