Facharzt für Neurologie und Psychiatrie: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die Behandlung psychischer Erkrankungen wirft oft Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der Zuständigkeit und der Unterschiede zwischen den verschiedenen Fachrichtungen. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Neurologen, Psychiatern und Psychologen, um Licht ins Dunkel zu bringen und eine Orientierungshilfe bei der Wahl des richtigen Ansprechpartners zu bieten.

Die Fachgebiete im Überblick

Im Bereich der psychischen Gesundheit gibt es verschiedene Berufsgruppen, die sich mit der Diagnose, Behandlung und Betreuung von Menschen mit psychischen Problemen befassen. Zu den wichtigsten gehören:

  • Psychiater: Ärzte mit einer Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie.
  • Neurologen: Ärzte mit einer Facharztausbildung in Neurologie.
  • Psychologen: Personen mit einem Master- oder Diplomstudium in Psychologie.
  • Psychotherapeuten: Psychologen oder Ärzte mit einer zusätzlichen Ausbildung in Psychotherapie.

Historisch gesehen waren die Fachgebiete Neurologie und Psychiatrie unter dem Überbegriff "Nervenheilkunde" zusammengefasst. Heute sind sie jedoch als eigenständige Disziplinen anerkannt. Ein Nervenarzt war ursprünglich ein Arzt, der in beiden Fachbereichen ausgebildet war. Seit der Änderung in den Ausbildungsrichtlinien Anfang der 2000er Jahre werden diese Disziplinen jedoch separat gelehrt und praktiziert.

Psychiater: Spezialisten für psychische Erkrankungen

Psychiater sind Fachärzt*innen für Psychiatrie (und Psychotherapie). Sie haben also nach dem Medizinstudium noch einige Jahre Weiterbildung in der Psychiatrie und Psychotherapie sowie eine Facharztprüfung absolviert. Als Psychiater befassen sich Ärzte und Ärztinnen mit dem Gehirn und psychischen Erkrankungen. Wie der offizielle Name bereits sagt, gehört zur Weiterbildung zum „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie” auch immer der Ausbildungsteil „Psychotherapie”. Das heißt, dass Psychiater neben dem medizinischen Wissen (etwa zu Medikamentenwirkungen) auch lernen, wie sie mithilfe von therapeutischen Gesprächen psychische Erkrankungen behandeln können.

Aufgaben und Behandlungsschwerpunkte

Psychiater begleiten Personen mit psychischen Erkrankungen ärztlich und behandeln diese Erkrankungen mit Hilfe von Medikamenten. Häufig findet eine psychiatrische Behandlung begleitend zu einer Psychotherapie statt. Sie behandeln seelische Erkrankungen wie Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder Psychosen. Auch Behandlungen von Essstörungen und Suchterkrankungen gehören zum Aufgabenbereich des Psychiaters.

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Niedergelassene Psychiater/innen in einer Praxis werden beim ersten Termin in der Regel eine ausführliche Anamnese machen, bei der die Biographie sowie die Krankengeschichte erhoben wird (wann haben welche Symptome begonnen und sich wie weiterentwickelt). Danach werden gegebenenfalls noch einige psychologische und/oder neurologische Tests gemacht, um andere Diagnosen auszuschließen. Sobald die Diagnose und Ursache klar ist, wird dies mit den Betroffenen besprochen und ein Behandlungsvorschlag gemacht. Ist eine medikamentöse Behandlung notwendig, wird das Medikament in der Regel zunächst langsam aufdosiert. Wenn - was nicht selten vorkommt - ein Antidepressivum bzw. stimmungsstabilisierendes Medikament nicht den erwünschten Erfolg zeigt, wird nach einigen Wochen ein neuer Versuch mit einem anderen Wirkstoff gestartet. Sind die Medikamente gut eingestellt, erfolgt üblicherweise ein Besuch einmal pro Monat oder pro Quartal. Bei diesem Termin werden in der Regel die Blutwerte kontrolliert, die Frühwarnsignale sowie die Höhen und Tiefen seit dem letzten Termin erfragt. Liegt ein Stimmungstagebuch vor, wird dies besprochen.

Psychotherapie durch Psychiater

Eine Gesprächstherapie findet hier jedoch in der Regel nicht statt. Psychiater/innen können jedoch auch als ärztliche Psychotherapeut*innen arbeiten. Dann erfolgt nach Antragstellung bei der Krankenkasse ebenfalls eine Gesprächstherapie mit Terminen von meist einmal pro Woche über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren. Nach der Weiterbildung arbeitet aber nicht jeder Psychiater oder jede Psychiaterin auch psychotherapeutisch. Viele bleiben in der Klinik, wo die therapeutischen Gespräche eher den psychologischen Kollegen und Kolleginnen überlassen werden.

Ein großer Unterschied zwischen Psychologen und Psychiatern ist, dass nur Psychiater oder Psychiaterinnen Medikamente und andere Medizinprodukte auf Rezept verschreiben dürfen.

Neurologen: Experten für Erkrankungen des Nervensystems

Die Neurologie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Dies umfasst sowohl das zentrale als auch das periphere Nervensystem, einschließlich ihrer Blutgefäße und aller effektorischen Gewebe wie Muskeln. Neurologen/Neurologinnen sind Ärztinnen und Ärzte, die sich auf dieses Fachgebiet spezialisiert haben und Störungen wie Epilepsie, Schlaganfall, Multiple Sklerose und Parkinson behandeln.

Aufgaben und Behandlungsschwerpunkte

Der Facharzt für Neurologie behandelt Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Dazu gehören das Gehirn und das Rückenmark. Der Neurologe behandelt also beispielsweise Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Parkinson und Demenzerkrankungen. Darüber hinaus ist er für die seltenen, so genannten neuromuskulären Erkrankungen, wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) zuständig.

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Im Unterschied zu Psychiatern/Psychiaterinnen, die psychische Störungen behandeln, die das Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen, fokussieren sich Neurologen/Neurologinnen primär auf organische, das heißt körperlich begründbare Erkrankungen des Nervensystems. Eine weitere Abgrenzung besteht zu Neurochirurgen/Neurochirurginnen, die operative Eingriffe am Nervensystem durchführen, während Neurologen/Neurologinnen in der Regel nicht-operativ tätig sind.

Diagnostische Verfahren in der Neurologie

Grundlage für die präzise Erkennung und Behandlung neurologischer Störungen ist eine moderne Diagnostik. Die wichtigsten diagnostischen Instrumente und Methoden, die in der Neurologie verwendet werden, sind:

  • Computertomografie (CT): Diese bildgebende Methode verwendet Röntgenstrahlen, um detaillierte Querschnittbilder des Körpers zu erstellen, was besonders nützlich ist, um Probleme im Gehirn und in der Wirbelsäule zu diagnostizieren.
  • Magnetresonanztomografie (MRI): MRI nutzt starke Magneten und Radiowellen, um detaillierte Bilder der Organe und Strukturen im Körper zu erzeugen, einschließlich des Gehirns und anderer Teile des Nervensystems.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Diese Methode zeichnet die elektrische Aktivität des Gehirns auf und wird häufig zur Diagnose von Epilepsie und anderen Gehirnstörungen verwendet.
  • Lumbalpunktion (Spinaltap): Hierbei wird eine Probe der Zerebrospinalflüssigkeit entnommen, um auf Infektionen, Blutungen oder andere neurologische Zustände zu testen.
  • Positronenemissionstomografie (PET): Diese nuklearmedizinische Bildgebungstechnik wird verwendet, um die zelluläre Funktion und den Metabolismus im Gehirn zu beobachten, was bei der Früherkennung von Krankheiten wie Alzheimer hilfreich sein kann.
  • Elektromyografie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeit (NCV): Diese Tests messen die elektrische Aktivität in Muskeln und Nerven, um neuromuskuläre Erkrankungen wie ALS zu diagnostizieren.
  • Duplexsonographie der hirnversorgenden Arterien: Eine Ultraschalltechnik, die verwendet wird, um den Blutfluss in den Arterien zu beurteilen und Störungen wie Verengungen oder Blockaden zu erkennen.
  • Arteriogramm (Angiogramm): Ein Röntgenbild der Arterien und Venen, das verwendet wird, um Verengungen oder Blockierungen in den Blutgefäßen zu identifizieren, insbesondere im Gehirn und Rückenmark.

Facharztausbildung in der Neurologie

Die Facharztausbildung in der Neurologie in Deutschland ist eine umfassende, fünfjährige Weiterbildung, die tiefgehende Kenntnisse und Fähigkeiten in der Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen vermittelt. Innerhalb dieser Zeit erwerben angehende Fachärzte für Neurologie nicht nur spezifische neurologische Fachkenntnisse, sondern absolvieren auch verpflichtende Weiterbildungsabschnitte in verwandten Disziplinen wie der Psychiatrie.

Die Ausbildung erfolgt an von den Landesärztekammern anerkannten Einrichtungen, zu denen Krankenhäuser und spezialisierte Kliniken mit entsprechender Weiterbildungsberechtigung zählen. Teile der Weiterbildung können auch in der ambulanten Versorgung in Praxen und MVZ absolviert werden. Diese Einrichtungen müssen über die nötige Infrastruktur und qualifiziertes Fachpersonal verfügen, um eine adäquate Ausbildung sicherzustellen.

Die Befugnis zur Weiterbildung liegt bei qualifizierten Fachärzten, die in den jeweiligen Einrichtungen leitende Funktionen innehaben. Diese Fachärzte tragen die Verantwortung für die strukturierte Vermittlung der Fachkenntnisse, die für die neurologische Patientenversorgung erforderlich ist. Die Befugnis zur Weiterbildung wird formal von den Landesärztekammern erteilt und ist an die Qualifikation der Person und die Infrastruktur einer Einrichtung gebunden.

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Psychologen und Psychotherapeuten: Spezialisten für die Behandlung seelischer Probleme

Psychologinnen und Psychologen kommen aus einer anderen Fachrichtung. Sie haben ein Master- oder Diplomstudium in Psychologie abgeschlossen. Die Fachrichtung Psychologie beschäftigt sich damit, menschliches Erleben - also Gedanken und Gefühle - und das Verhalten zu beschreiben, zu erklären und vorherzusagen. Psychologinnen erhalten nach dem Studium nicht direkt eine Approbation. Das heißt, sie dürfen nach dem Studium noch keine Menschen mit psychischen Erkrankungen behandeln. Psychologinnen arbeiten häufig in der Forschung, im pädagogischen Bereich, in der Beratung oder in der Wirtschaft (z. B. im Personalwesen).

Sowohl mit einem abgeschlossenen Medizinstudium als auch mit einem abgeschlossenen Master- oder Diplomstudium in Psychologie kann man eine Ausbildung zur Psychotherapeutin oder zum Psychotherapeuten beginnen. Dadurch kann man sich nach dem Abschluss entweder ärztlicher Psychotherapeut oder psychologische Psychotherapeutin nennen. Die Ausbildung dauert in der Regel 3 - 5 Jahre. Der psychologische Psychotherapeut erhält nach dem Abschluss der Ausbildung ebenfalls eine Approbation - also die Berufserlaubnis, nun auch eigenständig Patientinnen und Patienten behandeln zu dürfen.

Psychotherapeutische Verfahren

Es gibt verschiedene therapeutische Verfahren, zwischen denen sich Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten vor ihrer Ausbildung entscheiden können.

  • Kognitive Verhaltenstherapie: Fokus auf die Veränderung von Denkmustern und Verhaltensweisen.
  • Tiefenpsychologisch Fundierte Psychotherapie: Auseinandersetzung mit unbewussten Konflikten und deren Auswirkungen auf das aktuelle Erleben.
  • Psychoanalyse: Intensive Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte und unbewussten Prozessen.
  • Systemische Therapie: Betrachtung der Probleme im Kontext sozialer Beziehungen und der Umwelt.

Reform der Psychotherapieausbildung

Seit kurzem gibt es auch eine Reform der Psychotherapieausbildung. Ein psychologischer Psychotherapeut darf im Gegensatz zu den ärztlichen Kollegen keine Medikamente verschreiben. Hier ist jedoch anzumerken, dass auch viele ärztliche Psychotherapeuten, also Psychiater, darauf verzichten, neben der therapeutischen Behandlung Medikamente einzusetzen. Häufig vermitteln sie Patientinnen, die Medikamente benötigen, zusätzlich noch an eine niedergelassene Psychiaterin. Dies kann daran liegen, dass sie verschiedene Behandlungsmöglichkeiten nicht vermischen möchten.

In den letzten Jahren wurde die Psychotherapieausbildung in Deutschland grundlegend reformiert, so dass seit 2022 ein direktes Master Studium der Psychotherapie angeboten wird, welches mit der psychotherapeutischen Approbationsprüfung endet. Im Anschluss wird dann - analog zur Facharztweiterbildung - eine mehrjährige Qualifikation als Fachpsychotherapeut erworben, welche mit umfangreichen mehrjährigen Tätigkeiten im stationären und ambulanten Bereich verbunden ist.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Vielleicht hast du dich auch schon mal gefragt, was denn der Unterschied zwischen einer Psychiaterin und einem Neurologen ist. Schließlich befassen sich beide nach dem Medizinstudium mit dem Gehirn und dem Nervensystem. Während eine Psychiaterin aber eher psychische Erkrankungen wie Depression, Panikattacken oder Schizophrenien behandelt, beschäftigt sich der Neurologe oder die Neurologin eher mit den körperlichen Erkrankungen des Nervensystems. Das können beispielsweise Epilepsie, eine Hirnhautentzündung oder Migräne sein.

Ein wichtiger Unterschied zwischen Psychiatern und Psychologen liegt in ihrer Ausbildung. Psychiater haben ein Medizinstudium abgeschlossen und sind somit Ärzte, während Psychologen ein Studium der Psychologie absolviert haben. Dies bedeutet, dass Psychiater Medikamente verschreiben können, während Psychologen dies nicht dürfen.

Wann welcher Experte?

Haben Menschen das Gefühl, ein psychisches Problem zu haben, wenden sie sich anfangs am besten an ihren Hausarzt oder einen Facharzt für Psychiatrie. Denn Symptome einer psychischen Störung können körperliche Ursachen haben - etwa bei einer Schilddrüsenerkrankung. Schließen Ärzte Umstände wie diese aus, kommt eine Psychotherapie infrage. Welcher Spezialist dann geeigneter ist - ob Psychiater oder Psychologe - hängt vom Einzelfall und der individuellen Situation der Betroffenen ab.

Nicht selten werden Betroffene von zwei Fachleuten betreut, meist Psychiaterin und Psychologin. Es erfolgt dann auf der einen Seite die medikamentöse und auf der anderen Seite die psychotherapeutische Seite der Therapie. Wichtig ist in solchen Fällen, dass alle Parteien Kenntnis voneinander haben und zusammenwirken.

Berufliche Perspektiven

Die Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das aufgrund der alternden Bevölkerung stetig wächst. Der steigende Anteil älterer Menschen führt zu einem erhöhten Bedarf an neurologischer Versorgung, da mit dem Alter häufig neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle, Demenz und Parkinson zunehmen. Dieser demographische Wandel erzeugt eine kontinuierliche Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Versorgung.

Die Attraktivität des Berufs liegt unter anderem in den vielfältigen Spezialisierungsmöglichkeiten, die hervorragende Berufschancen bieten. Zu diesen Spezialisierungen zählen unter anderem Bereiche wie Schlaganfallmedizin, neuromuskuläre Erkrankungen, Epileptologie und Bewegungsstörungen. Jede dieser Subspezialitäten erfordert tiefgehendes Wissen über spezifische Störungen des Nervensystems und deren Behandlungsstrategien, was Neurologen ermöglicht, sich in einem oder mehreren dieser hochspezialisierten Felder zu etablieren.

Die zunehmende Bedeutung der Neurologie wird durch den fortschreitenden medizinischen Fortschritt und die Entwicklung neuer Behandlungsansätze weiter gestärkt. Dies bietet Neurologen nicht nur die Möglichkeit, an der Spitze medizinischer Innovationen zu arbeiten, sondern auch eine führende Rolle in der Erforschung und Anwendung neuer Technologien und Therapien zu übernehmen, die das Potenzial haben, die Lebensqualität von Patienten signifikant zu verbessern.

Insgesamt sind die beruflichen Perspektiven für Neurologen sehr positiv, mit einer stabilen Nachfrage nach Fachkenntnissen in einem Bereich, der direkt zur Behandlung und Pflege einer wachsenden Zahl von Patienten beiträgt.

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