Das menschliche Nervensystem ist komplex und verdient eine Medizin, die mit Erfahrung, Präzision und Sorgfalt arbeitet. Eine Fachpraxis für Neurologie bietet umfassende Diagnostik und Behandlung neurologischer Erkrankungen.
Was ist eine Fachpraxis für Neurologie?
In einer Fachpraxis für Neurologie werden alle organischen Erkrankungen des Nervensystems und der Muskulatur behandelt. Die Neurologie befasst sich mit den Erkrankungen des Nervensystems und der Muskeln, einschließlich der Übertragungsstörungen vom Nerv auf den Muskel. In Deutschland ist die Neurologie als ein Teilgebiet aus der Inneren Medizin hervorgegangen. Die Abgrenzung zur Psychiatrie ist teilweise fließend, da eine Erkrankung der Psyche genauso auftreten kann wie ein körperliches Leiden.
Häufige Krankheitsbilder in der Neurologie
In neurologischen Praxen werden vielfältige Krankheitsbilder behandelt. Zu den häufigsten gehören:
- Kopfschmerzen: Kopf- und Gesichtsschmerzen zählen zu den häufigsten Krankheitsbildern in der Neurologie, einschließlich Migräne und Spannungskopfschmerzen.
- Epilepsie: Rhythmisches Zucken, anhaltende Anspannung von Muskeln oder Bewusstseinsverlust können Symptome eines epileptischen Anfalls sein.
- Schwindel: Bei Schwindel ist häufig das Innenohr oder Bereiche des Hirnstamms erkrankt.
- Morbus Parkinson: Bei Parkinson kommt es zu einem Verlust der Beweglichkeit und zu einer Versteifung des Körpers.
- Demenzerkrankungen
- Multiple Sklerose: Multiple Sklerose ist eine chronische Entzündung des zentralen Nervensystems.
- Funktionsstörungen einzelner oder mehrerer Nerven: Periphere Nerven sind die Nervenfasern außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Beispiele hierfür sind das Karpaltunnelsyndrom und Polyneuropathie.
- Schlaganfall: Ein Schlaganfall kann lebensbedrohlich werden, bei ersten Anzeichen sollte sofort der Rettungsdienst alarmiert werden.
Diagnostische Verfahren in der Neurologie
Am Anfang einer möglichen Behandlung steht die präzise Diagnostik und Erforschung der Ursache, die einer neurologischen Erkrankung zugrunde liegt. Hierfür nutzt das Praxisteam verschiedene apparative Verfahren. Mithilfe einer neurologischen Untersuchung überprüft der Arzt die Funktion und den Leistungszustand des Gehirns und des Nervensystems. Zu einer umfassenden Untersuchung gehören verschiedene Aspekte.
Doppler-Sonografie/Duplexsonografie: Besteht der Verdacht einer Gefäßerkrankung, zum Beispiel einer Durchblutungsstörung, wird eine Doppler-Sonografie, auch Duplexsonografie genannt, durchgeführt. Bei diesem Ultraschall-Verfahren können Gefäße auf einem Bildschirm betrachtet und der Blutfluss durch die Blutgefäße gehört werden.
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Elektroneurographie (Nervenmessung): Um eine Nerven- oder Muskelschädigung zu diagnostizieren, wird eine Elektroneurographie, umgangssprachlich Nervenmessung, angewendet. Dabei werden Elektroden auf der Haut aufgeklebt und elektrische Impulse darüber verabreicht. Die Elektroden sind an einen Verstärker angeschlossen, der in einer Kurve aufzeichnet, wie schnell die Stromimpulse durch die Nerven geleitet werden.
Elektroenzephalografie (EEG): Mithilfe einer Elektroenzephalografie kann die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen und grafisch dargestellt werden. Dieses Verfahren wird zum Beispiel bei einem Verdacht auf Epilepsie oder Hirnschädigungen eingesetzt.
Evozierte Potentiale (VEP, AEP, SEP, MEP): Mit evozierten Potenzialen können verschiedene Schädigungen festgestellt werden: der Netzhaut des Auges und der Sehbahn (VEP), des Gehörs und der Hörbahn (AEP), der Hautempfindung (SEP) und der Bahnen für die willentliche Ansteuerung der Muskulatur (MEP). Je nachdem, welche Störung diagnostiziert werden soll, kommen verschiedene Testverfahren zum Einsatz, zum Beispiel das Betrachten eines Bildschirms oder das Hören über einen Kopfhörer.
Neurophysiologische Untersuchungen: Elektroneurografie, Elektromyographie, evozierte Potentiale, Hirnstrommessung (EEG), Nadel-EMG.
Duplex-Doppler-Sonographie: Spezialisierter Ultraschall zur Darstellung des Blutflusses in den hirnversorgenden Gefäßen.
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Neurologische Untersuchung:
- Ärztliches Gespräch über die Krankengeschichte, familiäre Krankheitsgeschichte, aktuelle Lebenssituation, Medikamenteneinnahme und derzeitige Beschwerden.
- Befund über die Bewusstseinslage (Vigilanz).
- Tasten der Pulse und eine Blutdruckmessung.
- Untersuchung der zwölf Hirnnerven.
- Untersuchung von Kraft, Sensibilität, Reflexen und Koordination des Körpers.
- Überprüfung des Standes, des Gangs und des Gleichgewichts.
Hirnnervenuntersuchung:
- Nervus olfactorius - Riechen: Riechtests.
- Nervus opticus - Sehen: Gegenstände oder Buchstaben müssen aus einer bestimmten Entfernung erkannt werden. Die Pupillenreaktion wird überprüft, indem der Arzt mit einer Lampe in die Augen leuchtet.
- Nervus oculomotorius - Augenbewegung: Hier sollte der Patient dem Finger des Arztes mit den Augen folgen.
- Nervus trochlearis - Augenbewegung: Hier sollte der Patient dem Finger des Arztes mit den Augen folgen.
- Nervus trigeminus - Kauen und Sensibilität: Der Arzt streicht dem Patienten über das Gesicht und fragt, ob er die Berührung spürt. Außerdem drückt er im Gesicht auf die Austrittspunkte der Nervenäste und überprüft diese auf Schmerzanfälligkeit.
- Nervus abducens - Augenbewegung: Hier sollte der Patient dem Finger des Arztes mit den Augen folgen.
- Nervus facialis - Mimik und Geschmack: Hier werden verschiedene mimische Bewegungen vorgegeben, die der Patient nachmachen muss. Außerdem wird das Geschmacksempfinden des Patienten erfragt.
- Nervus vestibulocochlearis - Hören und Gleichgewicht: Der Arzt reibt die Finger in der Nähe der Ohren, um das Gehör zu überprüfen.
- Nervus glossopharyngeus - Schlucken: Das Schluckvermögen wird getestet.
- Nervus vagus - Steuerung von inneren Organen: Atmung, Herzschlag und Verdauung werden durch Abhören und Abklopfen überprüft.
- Nervus accessorius - Teil der Kopfmuskulatur: Der Arzt drückt die Schultern nach unten, während der Patient diese hochzieht.
- Nervus hypoglossus - Zunge: Der Patient streckt die Zunge heraus und bewegt sie in alle Richtungen.
Behandlungsspektrum und Therapieansätze
Eine Fachpraxis für Neurologie bietet ein breites Spektrum zur Erkennung und Versorgung neurologischer Erkrankungen an, von modernsten diagnostischen Verfahren bis zu verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten. Das interdisziplinäre Team bietet Behandlungsansätze für ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen an. Vor Beginn einer Therapie findet ein fachärztliches Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten statt, um eine schonende und hoffentlich effektive Therapie zu planen.
Einige Praxen bieten zusätzliche Leistungen an, wie die transkranielle Puls- bzw. Magnetstimulation, um bestimmte Hirnareale zu aktivieren oder zu hemmen, mit dem Ziel, Symptome neurologischer oder neuropsychiatrischer Erkrankungen zu lindern.
Zusammenarbeit und Vernetzung
Viele neurologische Praxen arbeiten eng mit Kliniken und anderen Fachbereichen zusammen. Dank enger Verzahnung mit Kliniken für Neurologie und Frührehabilitation und weiteren Zentren können sie, wenn notwendig, einen zeitnahen stationären Aufenthalt in die Wege leiten. Die enge Zusammenarbeit und Vernetzung mit den verschiedenen Fachkliniken sind eine besondere Stärke vieler Praxen.
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Einige Praxen sind Teil von zertifizierten Zentren, wie beispielsweise Multiple-Sklerose-Zentren. Eine Erstdiagnose bzw. die Schubtherapie findet in der Regel stationär statt. Regelmäßige Nachkontrollen bzw. die Auswahl und Durchführung einer etwaigen immunmodulatorischen Therapie erfolgt meist ambulant.
Psychische Erkrankungen
In der Psychiatrie wird das gesamte psychiatrische Spektrum diagnostiziert und behandelt - dazu zählen u.a. Angst- und Panikattacken, Depressionen und Erschöpfungszustände, Zwangsstörungen, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen, Demenz, ADHS und posttraumatische Belastungsstörungen.
Psychische Störungen oder Krankheiten werden durch akute bzw. anhaltende Belastungen, ein konfliktbehaftetes Umfeld oder durch biologische Einflüsse (Hirnerkrankungen, Erbanlagen) bedingt. Das Verhalten und Erleben eines Menschen kann durch eine psychische Störung aus dem Gleichgewicht geraten. Dadurch werden seine Leistungsfähigkeit sowie die beruflichen und sozialen Fähigkeiten beeinträchtigt. Das Erkennen und die Behandlung einer psychischen Erkrankung kann Besserung und Heilung bringen. Die Diagnose psychischer Erkrankungen stützt sich vor allem auf Gespräche, die das Erleben und Empfinden des Betroffenen ergründen. Da psychiatrische Symptome auch körperlich begründet sein können, werden gegebenenfalls spezifische Untersuchungen veranlasst.
Terminvereinbarung und Organisatorisches
Wenn Sie sich in einer Praxis für Neurologie behandeln lassen möchten, vereinbaren Sie bitte zunächst einen Termin für eine persönliche Vorstellung. Einige Praxen bieten auch eine offene Sprechstunde für Patienten mit akuten neurologischen Beschwerden an.
Bei der Terminvereinbarung sollten Sie folgende Punkte beachten:
- Überweisung: In der Regel benötigen Sie keine Überweisung vom Facharzt.
- Unterlagen: Welche Unterlagen und Informationen Sie zum Termin mitbringen müssen, erfahren Sie bei der Terminvereinbarung.
- Barrierefreiheit: Bitte beachten Sie, dass einige Praxen möglicherweise nicht barrierefrei sind.
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