Einführung
Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird Morbus Parkinson zu einer der häufigsten Erkrankungen werden. Therapeuten sind gefordert, sich dieser Herausforderung zu stellen und fundierte Therapien anzubieten. Es ist bereits das dritthäufigste neurologische Krankheitsbild nach Schlaganfall und Multipler Sklerose. Die Behandlung von Parkinson erfordert einen interdisziplinären Ansatz, der verschiedene Fachbereiche wie Medizin, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Neuropsychologie integriert. Ziel ist es, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
Symptome und Diagnose von Morbus Parkinson
Motorische Symptome
Morbus Parkinson manifestiert sich durch eine Reihe von motorischen Symptomen, die die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen beeinträchtigen. Zu den Hauptmerkmalen gehören:
- Tremor: Zittern, meist in Ruhe auftretend
- Rigor: Muskelsteife
- Hypo- oder Akinese: Bewegungsverlangsamung und -verarmung
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen
- Posturale Instabilität: Unsicherheit und Gleichgewichtsstörungen, die zu Stürzen führen können. Bekannte haben ihn zudem auf eine vornübergebeugte Haltung und ein tapsiges Gangbild angesprochen.
Nicht-motorische Symptome
Neben den motorischen Symptomen treten bei Parkinson auch nicht-motorische Symptome auf, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Dazu gehören:
- Depression: Beeinträchtigt Personen mit IPS besonders stark in ihrer Lebensqualität und treten teilweise 20 Jahre vor motorischen Symptomen auf.
- Schlafstörungen: Insbesondere REM-Schlafverhaltensstörung
- Kognitive Beeinträchtigungen: Demenz, Gedächtnisprobleme
- Autonome Störungen: Verdauungsprobleme, Inkontinenz, sexuelle Dysfunktion
- Schmerzen: Verschiedene Arten von Schmerzen, die durch die Erkrankung verursacht werden können.
Diagnosestellung
Die Diagnose von Morbus Parkinson basiert hauptsächlich auf einer ausführlichen Anamnese und einer klinischen Untersuchung. Zu Beginn der Parkinson-Erkrankung ist die Diagnose oft nicht leicht zu sichern und erst im Verlauf eindeutig zu stellen. Eine kontinuierliche neurologische Betreuung ist daher wichtig. Hauptmerkmale der Erkrankung sind Tremor (Zittern), Rigor (Muskelsteife) und Hypo- oder Akinese (Bewegungsverlangsamung und -verarmung). Laboruntersuchungen, meist eine Kernspintomographie des Kopfes und ggf. zusätzliche Diagnostik sind hilfreich zur genaueren Einordnung und um andere Erkrankungen auszuschließen.
Medizinische Behandlungsmöglichkeiten
Die Parkinsonerkrankung ist nicht heilbar, kann jedoch meist symptomatisch gut behandelt werden. Es stehen verschiedene Medikamente zur Behandlung der Parkinsonsymptomatik zur Verfügung. Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern. Zu den wichtigsten Medikamenten gehören:
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- Levodopa: Wird im Körper in Dopamin umgewandelt und ist das wirksamste Medikament zur Behandlung der motorischen Symptome.
- Dopaminagonisten: Stimulieren die Dopaminrezeptoren im Gehirn und können als Alternative oder Ergänzung zu Levodopa eingesetzt werden.
- MAO-B-Hemmer: Verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn und können die Wirkung von Levodopa verlängern.
- COMT-Hemmer: Blockieren ein Enzym, das Levodopa abbaut, und können die Wirkung von Levodopa verstärken.
Im Verlauf können jedoch Wirkungsschwankungen (Fluktuationen) und Komplikationen auftreten, die zunehmend komplexere Therapieschemata erforderlich machen. In unserer Ambulanz haben wir seit Jahren Erfahrung in diesem Bereich und bieten auch Betreuung von Pumpentherapien (Apomorphin- oder Levodopa-Pumpen) und der tiefen Hirnstimulation (Hirnschrittmacher-Therapie) an.
Tiefe Hirnstimulation
Bei fortgeschrittenen Verläufen kann die Indikation für Pumpentherapien (Apormorphin- oder Levodopa-Pumpe) oder eine tiefe Hirnstimulation gestellt werden und eine Einstellung bei uns stationär durchgeführt werden. Für die Tiefe Hirnstimulation arbeiten wir mit dem Zentrum für Tiefe Hirnstimulation am Universitätsklinikum Regensburg und der dortigen Neurochirurgie zusammen. Eine Tiefe Hirnstimulation kann hilfreich sein bei starken Schwankungen der Beweglichkeit oder medikamentös schlecht behandelbarem Tremor. Die Indikationsstellung von neurologischer Seite und die Einstellung postoperativ erfolgen bei uns im Hause. Einer unserer Neurologen begleitet den/die Patienten/in in den OP und übernimmt die neurologische Betreuung dort.
Nicht-medikamentöse Therapien
Neben der medikamentösen Behandlung spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Sehr wichtig ist auch Bewegung, insbesondere unter Anleitung von Physiotherapie und Ergotherapie. Zu den wichtigsten Therapieformen gehören:
Physiotherapie
Die Physiotherapie zielt darauf ab, die Beweglichkeit, Kraft, Koordination und das Gleichgewicht der Patienten zu verbessern. Durch gezielte Übungen und Techniken können die motorischen Symptome gelindert und die Selbstständigkeit im Alltag gefördert werden. Gangrehabilitation des M. Parkinson gezielt anwenden
Ergotherapie
Die Ergotherapie unterstützt die Patienten dabei, ihre Alltagskompetenzen zu erhalten oder wiederzuerlangen. Durch spezifische Übungen und Anpassungen im Wohnumfeld können die Patienten ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität verbessern.
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Logopädie
Die Logopädie behandelt Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen, die bei Parkinson auftreten können. Durch gezielte Übungen und Techniken können die Patienten ihre Kommunikationsfähigkeit und ihre Fähigkeit zu essen und zu trinken verbessern.
Neuropsychologie
Die Neuropsychologie befasst sich mit den kognitiven Beeinträchtigungen, die bei Parkinson auftreten können. Durch neuropsychologische Tests können die kognitiven Fähigkeiten der Patienten beurteilt und spezifische Therapiepläne entwickelt werden.
Interdisziplinäre Parkinson-Komplexbehandlung
Speziell für Parkinson Patienten bieten wir die multimodale Parkinson-Komplexbehandlung an. Während des zweiwöchigen stationären Aufenthaltes erhalten die Patienten eine intensive ganzheitliche Behandlung, die unterschiedliche therapeutische Ansätze integriert und individuell auf sie abstimmt. Zum einen können durch die Möglichkeit der klinischen Beobachtung über einen längeren Zeitraum medikamentöse Therapien, Pumpentherapien oder auch eine Hirnschrittmacher-Einstellung optimiert werden.
Zum anderen steht der Einsatz verschiedener nicht-medikamentöser Therapien in Form von Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Neuropsychologie zur Verfügung. Gerade Patienten, die mehrerer Therapiedisziplinen bedürfen, profitieren von diesem breiten Leistungsspektrum und erfahrenen Therapeuten.
Rechtliche Aspekte und Unterstützung
Wenn Sie an Parkinson erkrankt sind, kann es sinnvoll sein, frühzeitig eine Vorsorgevollmacht zu erstellen. Mit einer frühzeitigen Vorsorgevollmacht stellen Sie sicher, dass Ihre Wünsche respektiert und Ihre Interessen geschützt werden.
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Patientenverfügung
Mit einer Patientenverfügung legen Sie fest, welche medizinisch-pflegerischen Maßnahmen Sie wünschen oder ablehnen, falls Sie selbst keine Entscheidungen mehr treffen können. Besonders wichtig ist eine klare und eindeutige Formulierung Ihrer Wünsche. Deshalb sollte die Patientenverfügung idealerweise gemeinsam mit Ärzt:innen oder Fachkräften aus der Intensiv- und Palliativmedizin erstellt werden.
Betreuungsverfügung
Mit einer Betreuungsverfügung können Sie schon jetzt bestimmen, wer sich um Ihre Angelegenheiten kümmern soll, falls Sie eines Tages nicht mehr selbst entscheiden können. In der Verfügung können Sie zudem festhalten, wer ausdrücklich nicht als Betreuungsperson eingesetzt werden soll.
Schwerbehindertenausweis
Ein Schwerbehindertenausweis hilft Ihnen, die Art und Schwere Ihrer Behinderung nachzuweisen. Er ist oft notwendig, um Vergünstigungen zu beantragen oder zu nutzen, wie z. B. Der Ausweis wird ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 ausgestellt. Besonders hilfreich ist er, wenn Ihnen längere Gehstrecken schwerfallen oder Sie spezielle Parkplätze benötigen. Um einen Schwerbehindertenausweis zu erhalten, müssen Sie einen Antrag auf Feststellung des GdB stellen.
Pflegegrad beantragen
Wenn Sie oder Ihre Angehörigen Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen möchten, muss zunächst eine Einstufung als pflegebedürftig durch die Pflegekasse erfolgen. Pflegebedürftige aller Pflegegrade haben Anspruch auf eine kostenlose, qualifizierte Pflegeberatung. Falls Sie Fragen haben oder Unterstützung benötigen, können Sie passende Ratgeber kostenfrei bei der Stiftung ZQP bestellen. Die Pflegeversicherung zahlt Pflegegeld und übernimmt die Einstufung in einen Pflegegrad (1-5). Dafür beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst oder eine andere unabhängige Stelle mit der Begutachtung. Wenn die Pflege zu Hause stattfindet, können Sie Pflegehilfsmittel wie Handschuhe, Mundschutz oder Desinfektionsmittel beantragen - unkompliziert über Apotheken oder Sanitätshäuser.
Fallbeispiel
Der 60-jährige Herr M. beklagt beim Hausarzt ein Zittern der rechten Hand, so dass ihm das Essen schwer falle. Die Ehefrau habe auch bemerkt, dass er leise und schwer verständlich spreche und kein fröhliches Gesicht mehr mache. Ihm selbst sei eine Ungeschicklichkeit der rechten Hand aufgefallen und er habe Schwierigkeiten beim Rasieren und Schreiben.
Neurodegenerative Erkrankungen und ihre Differenzierung
Auf dem großen Feld der Bewegungsstörungen haben wir eine besondere Expertise. In diesem Bereich bieten wir spezialisierte Behandlungen sowohl ambulant als auch stationär an. Eine Erkrankungsgruppe, die sich sehr heterogen präsentiert und in Diagnose und Therapie gerade für den Anfänger in der neurologischen Weiterbildung komplexe Fallstricke bereithalten kann. Die Fälle sind klar und einheitlich gegliedert. Relevante Informationen zu einer Erkrankung wurden komprimiert zusammengefasst, ergänzt durch Hinweise auf hilfreiche Zusatzthemen wie den Umgang mit Erkrankten oder Tipps zur Diagnose- und Prognosevermittlung. Die Fallgeschichten werden leitliniengerecht besprochen und orientieren sich an etablierten SOPs (Standard Operating Procedures) der Neurologie.
Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS)
Kapitel 1. Das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS) ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung und nimmt weltweit stark zu. Es handelt sich um ein asymmetrisches, armbetontes, doparesponsives akinetisch-rigides Syndrom mit Bradykinese, Rigor und Ruhetremor.
Multisystematrophie (MSA)
Kapitel 3. Frau Zerr stellt sich in Begleitung ihrer Tochter vor. Im letzten Jahr sei das Laufen immer schlechter geworden. Dazu komme, dass ihr beim Laufen schwindelig und auch schwarz vor den Augen werde. Sie sei daher schon mehrfach ohnmächtig geworden und gestürzt. Auf Nachfrage berichtet Frau Zerr, dass sie Probleme damit habe den Urin zu halten und neuerdings Inkontinenzvorlagen trage. Dies habe sie auf ihr Alter zurückgeführt. Die Multisystematrophie (MSA) ist eine neurodegenerative Erkrankung aus dem Kreis der atypischen Parkinsonsyndrome.
Progressive supranukleäre Blickparese (PSP)
Kapitel 4. Die progressive supranukleäre Blickparese umfasst ausgehend von einer neuropathologisch klar definitierten Entität einer 4-Repeat-Tauopathie ein mannigfaltiges klinisches Spektrum. Neben der namengebenden vertikalen Blickparese und frühen posturalen Instabilität kann sich die Erkrankung u. a. durch Merkmale eines Parkinson-Syndroms, einer frontotemporalen Demenz oder eines kortikobasalen Syndroms manifestieren. In den revidierten PSP-Diagnosekriterien sind die variablen klinischen Phänotypen berücksichtigt mit dem Ziel, die verschiedenen PSP-Varianten möglichst im frühen Erkrankungsstadium im Hinblick auf die Entwicklung krankheitsmodifzierender Therapien zu erfassen.
Kortikobasales Syndrom (CBS)
Kapitel 5. Ein 70-jähriger Patient bietet eine rasch progrediente Gangstörung mit Steifigkeits- und Fremdheitsgefühl im rechten Arm. Klinisch zeigt sich eine dystone Fehlstellung mit Feinmotorikstörung der rechten Hand sowie ein Reflexmyoklonus. Die rigorartige Tonuserhöhung weist auf ein extrapyramidal-motorisches Syndrom hin, das Fremdheitsgefühl des rechten Armes lässt an ein Alien-Limb Phänomen denken, das oft bei einem kortikobasalen Syndrom zu finden ist. Das kortikobasale Syndrom (CBS) ist eine klinische Diagnose, die durch ein asymmetrisch hypokinetisch-rigides Syndrom sowie Apraxie, Dystonie, Myoklonus, Alien-Limb-Phänomen und Demenz gekennzeichnet ist. Dem CBS kann u. a. eine kortikobasale Degeneration, eine neurodegenerative Erkrankung aus der Gruppe der Tauopathien, zugrunde liegen. Therapeutisch erfolgen Versuche mit L-Dopa, sowie Physio-, Ergotherapie und Logopädie.
Vaskuläres Parkinsonsyndrom
Kapitel 6. Das vaskuläre Parkinsonsyndrom umfasst das klinische Bild eines Parkinsonsyndroms mit dem bildmorphologischen Nachweis vaskulärer Läsionen des Cerebrums. Klinisch zeigt sich ein Parkinsonsyndrom mit Betonung der unteren Extremität und frontaler Gangstörung. Im Verlauf können eine Dranginkontinenz und eine Demenz hinzutreten. Die Pathogenese ist unklar. Aktuell steht keine suffiziente Therapie zur Verfügung, das Ansprechen auf Dopaminergika ist häufig nicht zufriedenstellend.
Essentieller Tremor (ET)
Kapitel 7. Der essentielle Tremor (ET) ist eine der häufigsten Bewegungsstörungen mit einer geschätzten weltweiten Prävalenz von ca. 1 %. Das klassische Manifestationsalter liegt um das 40. Lebensjahr. Die Ursachen sind gegenwärtig nicht geklärt, es bestehen Hinweise auf eine Vererbung. Pathogenetisch wird aktuell primär von einer Neurodegeneration im Kleinhirn mit besonderer Beteiligung der Purkinjezellen ausgegangen. Der klassische ET zeigt einen bilateralen, symmetrischen Haltetremor der Arme ohne weitere neurologische Auffälligkeiten über mindestens drei Jahre. Andere Körperregionen wie der Kopf, die Stimme oder die unteren Extremitäten können betroffen sein. Zur Symptomlinderung wird als First-Line-Therapie Propranolol oder Primidon eingesetzt. Bei Therapieversagen stellt Topiramat eine mögliche Alternative dar. Bei fehlendem Ansprechen auf eine medikamentöse Therapie stellen chirurgische Verfahren wie die tiefe Hirnstimulation oder die Radiofrequenz-Ablation bzw.
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