Faszienrollen sind in den letzten Jahren zu einem beliebten Hilfsmittel für Sportler und Menschen mit Muskelbeschwerden geworden. Sie werden zur Verbesserung der Beweglichkeit, zur Linderung von Verspannungen und Muskelkater sowie zur Behandlung von Cellulite eingesetzt. Doch was steckt wirklich hinter dem Trend? Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Faszienrollen, ihre Anwendung bei Muskelkrämpfen und gibt Hinweise zur richtigen Auswahl und Anwendung.
Was sind Faszien?
Faszien sind bindegewebsartige Strukturen, die den gesamten Körper durchziehen und Muskeln, Organe, Knochen und Nerven umhüllen. Sie bestehen hauptsächlich aus Kollagenfasern, Elastin und Wasser. Je nach Funktion und Lage im Körper sind die Faszien mal dichter und reißfest, mal locker und dehnbar. Sie sorgen für Stabilität, Kraftübertragung, Körperwahrnehmung und spielen eine zentrale Rolle im Schmerzempfinden.
Wie entstehen Muskelkrämpfe und welche Rolle spielen Faszien dabei?
Muskelkrämpfe sind plötzliche, unwillkürliche und schmerzhafte Kontraktionen eines Muskels oder einer Muskelgruppe. Sie können verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Überlastung: Intensive sportliche Betätigung oder ungewohnte Belastungen können zu Muskelkrämpfen führen.
- Flüssigkeits- und Elektrolytmangel: Schwitzen während des Sports führt zum Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen wie Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium. Ein Mangel kann die Muskelkontraktion beeinträchtigen.
- Durchblutungsstörungen: Eine unzureichende Durchblutung der Muskulatur kann ebenfalls Krämpfe verursachen.
- Bewegungsmangel und Fehlhaltungen: Langes Sitzen oder ungünstige Körperhaltungen können zu Muskelverspannungen und verklebten Faszien führen, was wiederum Krämpfe begünstigen kann.
- Kälte: insbesondere in der Nacht.
Faszien spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Muskelkrämpfen. Verklebte oder verhärtete Faszien können die Beweglichkeit einschränken, die Durchblutung beeinträchtigen und die Muskeln anfälliger für Krämpfe machen. Drücken verdickte Faszien auf umliegende Nerven, kann das den Schmerz noch einmal intensivieren.
Wie kann die Faszienrolle bei Muskelkrämpfen helfen?
Das Training mit der Faszienrolle zielt darauf ab, das Bindegewebe geschmeidig, durchlässig und belastbar zu halten. Durch gezielte Selbstmassage können folgende Wirkungen erzielt werden:
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- Lösen von Verklebungen: Die Faszienrolle kann helfen, Verklebungen und Verhärtungen im Bindegewebe zu lösen und die Gleitfähigkeit der Faszien zu verbessern.
- Verbesserte Durchblutung: Die Massage mit der Faszienrolle fördert die Durchblutung der Muskulatur und des umliegenden Gewebes. Das kann die Versorgung der Muskeln mit Sauerstoff und Nährstoffen verbessern und die Regeneration fördern.
- Reduktion von Muskelverspannungen: Durch die Bearbeitung mit der Faszienrolle können Muskelverspannungen reduziert und die Muskulatur gelockert werden.
- Schmerzlinderung: Die Anwendung der Faszienrolle kann Schmerzen lindern, die durch Muskelverspannungen, Verklebungen oder Überlastung verursacht werden.
- Verbesserte Körperwahrnehmung: Faszientraining kann die Körperwahrnehmung verbessern und helfen, muskuläre Dysbalancen auszugleichen.
Welche Arten von Faszienrollen gibt es?
Es gibt eine Vielzahl von Faszienrollen, die sich in Material, Größe, Oberfläche und Härtegrad unterscheiden. Die Wahl der richtigen Rolle hängt von den persönlichen Vorlieben, der Körpergröße und dem Körpergewicht ab. Wer unsicher ist, sollte sich vorab im Fachhandel oder bei einem Physiotherapeuten beraten lassen.
Standard-Faszienrolle: Eine glatte Rolle aus Polypropylen, die etwa 30 Zentimeter lang ist und 15 Zentimeter Durchmesser hat. Viele Modelle weisen noch einen Hohlraum in der Mitte auf. Die Standard-Rolle gibt es in verschiedenen Härtegraden.
Mini-Faszienrolle: Der kleinere Bruder des Standardmodells besteht aus dem gleichen Material und ist ebenfalls in mehreren Härtegraden erhältlich. Die Mini-Faszienrolle ist mit einer Länge von 15 Zentimetern und einem Durchmesser von 5 Zentimetern jedoch deutlich kleiner und eignet sich für kleinere Körperpartien wie Hände, Fußunterseiten, Unterarme oder Nacken.
Faszienball: Genau wie die Minirolle eignet sich auch der Faszienball für kleinere Körperpartien. Mit ihm kann man sehr punktgenau trainieren, was vor allem im Bereich des Nackens wichtig ist.
Doppel-Faszienball: Eine Kombination aus Minirolle und zwei Bällen - quasi eine Rolle mit ballförmigen Enden. Aufgrund der ergonomischen Form eignet sich dieses Modell vor allem für den Einsatz an den Fußsohlen, Waden und an der Wirbelsäule (Achtung: direkten Druck auf die Wirbelkörper stets vermeiden).
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Materialien:
- PE (Polyethylen): Sehr weiche Rollen, die beispielsweise bei Pilates-Rollen zum Einsatz kommen.
- EVA (Ethylenvinylacetat): Ein stoßdämpfendes Material, das leicht, langlebig und strapazierfähig ist.
- EPP (Expanded Polypropylene): Ein leichtes und stabiles Schaumstoffrollenmaterial mit einer glatten Außenfläche.
Härtegrad:
- Weiche Faszienrollen: Eignen sich besser für leichtere Trainingseinheiten und bieten mehr Komfort.
- Standard-Härte: Die am häufigsten vorkommende Härte, die Effizienz und Komfort bei der Massage von Triggerpunkten und angespannten Muskeln bietet.
- Harte Faszienrollen: Sorgen für ein intensiveres Gefühl bei der Anwendung und sind ideal für das Training angespannter Muskeln.
Wie wende ich die Faszienrolle richtig an?
Bei der Anwendung der Faszienrolle ist es wichtig, einige Grundregeln zu beachten, um einen effektiven und sicheren Trainingseffekt zu erzielen:
- Rollgeschwindigkeit: Rollen Sie langsam und kontrolliert (ca. 1-2 cm pro Sekunde). Nur so kann das Bindegewebe angemessen reagieren und Verklebungen lösen. Schnellere Bewegungen können hingegen vor dem Sport zur Erwärmung und Mobilisierung angewendet werden.
- Rollrichtung: Immer zum Herzen hin rollen, d.h. in Richtung des venösen Rückflusses. Dadurch wird der Lymph- und Blutkreislauf gefördert und Stauungen vorgebeugt.
- Intensität: Ein gewisser Druck ist notwendig, aber maximal ein "Wohlweh" (spürbar, aber gut erträglich). Bei "Triggerpunkten" kann kurz angehalten werden. Starke, stechende Schmerzen sind jedoch ein Warnsignal und unbedingt zu vermeiden. An empfindlichen Stellen (z.B. Oberschenkelinnenseite, Achillessehne) besonders vorsichtig rollen.
- Dauer und Häufigkeit:
- Dauer: 5-15 min pro Einheit, pro Körperbereich ca. 1-3 min.
- Häufigkeit: 2-3 mal pro Woche ist ausreichend - tägliches Rollen ist nicht notwendig und kann bei zu hoher Intensität kontraproduktiv sein.
- Zusätzliche Tipps:
- Nicht auf Gelenken oder Knochen rollen!
- Atmen nicht vergessen - entspannt das Nervensystem!
- Achten Sie darauf, sich nicht zu weit vom Schwerpunkt Ihres Körpers wegzubewegen, um das Gleichgewicht zu wahren.
- Um den Druck und somit die massierende Wirkung dieser Übung zu verstärken, können Sie ein Bein über das andere legen.
Übungen mit der Faszienrolle bei Muskelkrämpfen (Beispiel Wade):
- Setzen Sie sich mit ausgestreckten Beinen auf den Boden und stützen Sie sich hinter dem Rücken mit den Händen ab.
- Platzieren Sie eine kleine Faszienrolle mittig unter einer Wade (beide Waden werden getrennt trainiert). Das andere Bein wird angewinkelt.
- Heben Sie den Po an und bewegen Sie die Wade langsam über die Faszienrolle.
- Um den ausgeübten Druck zu steigern, können Sie ein Bein über das andere legen.
- Achten Sie darauf, dass die Rollrichtung immer in Richtung Herz stattfindet.
Weitere Übungen für verschiedene Körperbereiche:
- Oberer Rücken: Die Übung wird im Liegen ausgeführt. Winkeln Sie die Beine an, die Rolle liegt unterhalb der Schulterblätter, den Po anheben. In dieser Position bewegen Sie sich langsam durch Schub aus den Beinen über die Rolle. Wenn Ihnen dabei zu viel Druck entsteht, können Sie die Übung im Stehen ausführen: die Rolle zwischen Rücken und Wand einklemmen und durch Beugen und Strecken der Knie über den Rücken rollen.
- Nacken: Dafür wird ein Doppel-Faszienball benutzt. Die Übung wird ähnlich ausgeführt wie die für den oberen Rücken im Stehen. Den Doppelball auf Schulterhöhe am unteren Nacken zwischen Körper und Wand leicht einklemmen. Die Knie sind gestreckt. Durch Beugen und Strecken der Knie rollt der Faszienball über den Nacken.
- Oberschenkelvorderseite: Begeben Sie sich in die Unterarm-Stützposition. Dafür mit den Unterarmen und Zehenspitzen abstützen, während Beine, Rücken und Kopf eine möglichst gerade Linie bilden. Nun die Faszienrolle unter einen Oberschenkel legen und von der Hüfte bis zum Knie behutsam abrollen. Dann die Seite wechseln.
- Oberschenkelinnenseite: In der Bauchlage ein Bein zur Seite strecken und auf der Rolle ablegen. Das Knie sollten Sie dabei im 90-Grad-Winkel halten. Stützen Sie sich nun mit den Unterarmen auf dem Boden ab und bewegen Sie Ihren Körper durch Gewichtsverlagerung langsam von links nach rechts. So lassen sich die Muskeln der Oberschenkelinnenseite gezielt ausrollen.
- Unterarm: Setzen Sie sich aufrecht an einen Tisch und legen Sie eine kleine Faszienrolle unter einen Ihrer Unterarme. Aus der Schulter heraus Druck auf den Unterarm ausüben und sanft vom Handgelenk bis zum Ellenbogen über die Rolle fahren. Mit dem anderen Arm wiederholen.
- Gesäß: Die Übung wird im Sitzen ausgeführt. Setzen Sie sich direkt auf die Faszienrolle und stützen Sie sich mit den Händen leicht hinter dem Rücken ab. Mithilfe der Füße rollen Sie den großen Gesäßmuskel über die Rolle aus.
Wann sollte die Faszienrolle nicht eingesetzt werden?
In folgenden Fällen ist Vorsicht geboten bzw. vorher ärztlicher Rat einzuholen:
- akute Entzündungen oder Verletzungen
- frische Operationen oder Narben
- Blutgerinnungsstörungen
- schwere Osteoporose
- Tumorerkrankungen
- Schwangerschaft
Was kann ich vorbeugend für gesunde Faszien tun?
- Bewegung im Alltag: Regelmäßige und abwechslungsreiche Bewegung hält die Faszien geschmeidig.
- Ausreichend trinken: Flüssigkeitszufuhr (1,5-2l/Tag) ist wichtig für die Gleitfähigkeit des Gewebes.
- Stress reduzieren: Auch psychische Anspannung kann die Faszien verhärten.
- Gezielte Dehnübungen und Selbstmassage: Unterstützen die Regeneration und Beweglichkeit.
- Aktive Dehnungspausen: Besonders bei sitzenden Tätigkeiten sind aktive Dehnungspausen wichtig, um die Wadenmuskulatur und das Fasziengewebe zu dehnen.
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