Feuchte Klima, Nervenschmerzen: Ursachen und Behandlungen

Nervenschmerzen, auch bekannt als Neuralgien, können eine erhebliche Belastung darstellen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Ein feuchtes Klima kann in manchen Fällen eine Rolle bei der Entstehung oder Verschlimmerung von Nervenschmerzen spielen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen von Nervenschmerzen im Zusammenhang mit feuchtem Klima und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.

Wie feuchtes Klima Nervenschmerzen beeinflussen kann

Unser Körper ist darauf bedacht, sich konstant auf Betriebstemperatur zu halten, damit die Zellen keinen Schaden nehmen. Die Veränderung des Luftdrucks, der Luftfeuchtigkeit und die rasch fallenden und steigenden Temperaturen wirken sich auf unser Allgemeinbefinden, unsere Stimmung und unsere Leistungsfähigkeit aus. Gut die Hälfte der Deutschen reagiert empfindlich auf einen Wetterumschwung. Dabei sind ältere Menschen und Frauen in den Wechseljahren häufiger betroffen, da sich ihr Kreislauf schwerer an veränderte Umweltbedingungen anpassen kann.

Ein feuchtes Klima kann auf verschiedene Weisen Nervenschmerzen beeinflussen:

  • Direkte Auswirkung auf Nerven: Es wird vermutet, dass Veränderungen des Luftdrucks und der Luftfeuchtigkeit die Nerven direkt reizen können, insbesondere bei Menschen mit bereits bestehenden Nervenerkrankungen.
  • Muskelverspannungen: Kühlt beispielsweise unsere Muskulatur aus, kann sie verhärten. Sie ist dann verspannt und verweigert ihren Dienst: Ein steifer Hals ist die schmerzhafte Folge. Einen sogenannten „Zug“ bekommen wir, wenn unsere Muskulatur durch kalte Zugluft zu sehr abkühlt. Die Muskeln verhärten sich und streiken in den betroffenen Körperteilen. Besonders häufig sind Bereiche des Rumpfes betroffen und gerade der Nacken reagiert oft empfindlich auf Zugluft. Unter psychischer Anspannung verkrampft die Muskulatur ebenfalls.
  • Entzündungen: Hohe Temperaturen können auf Infektionen oder Entzündungen hinweisen. Eine erhöhte Hauttemperatur fördert die Entstehung eines Dekubitus. Mit der Temperatur steigt die Stoffwechselaktivität im Gewebe. Die Durchblutung reicht aber oft nicht aus, den zusätzlichen Nährstoff- und Sauerstoffbedarf zu decken.
  • Wetterfühligkeit: Von Wetterfühligkeit sind gesunde Menschen betroffen, deren Körper sich nicht so schnell an verändertes Wetter anpassen kann. Sie reagieren häufig mit körperlichen Symptomen und fühlen sich müde und antriebslos. Wissenschaftler vermuten, dass sich die Witterungsverhältnisse auf das vegetative Nervensystem auswirken. Persönliche Umstände wie Stress oder der allgemeine Gesundheitszustand können die Beschwerden verstärken.

Mögliche Ursachen von Nervenschmerzen

Es gibt viele verschiedene Ursachen für Nervenschmerzen. Einige der häufigsten sind:

  • Fibromyalgie: Das Fibromyalgiesyndrom ist eine Störung, die durch weit verbreitete muskuloskelettale Schmerzen gekennzeichnet ist, begleitet von Müdigkeit, Schlafstörungen, Gedächtnisproblemen und Stimmungsschwankungen. Forscher glauben, dass Fibromyalgie die Schmerzempfindungen verstärkt, indem sie die Art und Weise beeinflusst, wie Gehirn und Rückenmark Schmerzsignale und nicht-schmerzhafte Signale verarbeiten. Frauen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, Fibromyalgie zu entwickeln als Männer. Viele Menschen, die an Fibromyalgie leiden, haben auch Spannungskopfschmerzen, Kiefergelenksstörungen (TMJ), Reizdarmsyndrom, Angstzustände und Depressionen.Die genauen Ursachen der Fibromyalgie sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass ihr Auftreten auf eine Kombination von genetischen, neurologischen und umweltbedingten Faktoren zurückzuführen sein könnte.
  • Wirbelsäulensyndrom: Das Wirbelsäulensyndrom beschreibt ein Zusammenspiel aus strukturellen Veränderungen an Wirbeln, Bandscheiben, Gelenken, Muskeln und Nerven. Es entsteht nicht von heute auf morgen - oft sind es jahrelange Fehlbelastungen, degenerative Prozesse oder alte Verletzungen, die sich irgendwann bemerkbar machen. Das Spektrum der Beschwerden ist breit: ausstrahlende Schmerzen in Armen oder Beinen, ein steifer Nacken beim Halswirbelsäulensyndrom, anhaltende Verspannungen oder ein Gefühl, als sei der Rücken dauerhaft blockiert. Nicht selten kommt es zu einer Abwärtsspirale: Schmerzen führen zu Schonhaltungen, Schonhaltungen zu Muskelabbau - und die Beweglichkeit schwindet Stück für Stück.
  • Gürtelrose: Die Gürtelrose wird im Fachjargon als „Herpes Zoster“ oder kurz „Zoster“ bezeichnet. Dahinter steckt eine Krankheit, die durch im Körper schlummernde Windpocken-Viren ausgelöst wird.
  • Polyneuropathie: Rund fünf bis acht Prozent der erwachsenen Menschen leiden an einer so genannten Polyneuropathie.
  • Entzündungen:Entzündungen können durch Wettereinflüsse begünstigt werden.

Symptome von Nervenschmerzen

Die Symptome von Nervenschmerzen können sehr unterschiedlich sein, abhängig von der Ursache und dem betroffenen Nerv. Einige häufige Symptome sind:

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  • Schmerzen: Das Hauptsymptom der Fibromyalgie sind im Körper verbreitete muskuloskelettale Schmerzen, die in Intensität und Lokalisation variieren können. Der Schmerz kann bestimmte Bereiche des Körpers betreffen oder generalisiert sein.
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln: Ein plötzlicher, brennender Schmerz im Rücken, der von weiteren Symptomen wie Schwäche, Taubheitsgefühlen oder Berührungsempfindlichkeit begleitet wird, spricht oft für Nervenschmerzen im Rücken.
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührung: Patienten mit Nervenschmerzen reagieren häufig überempfindlich auf Kälte und empfinden manchmal schon bei einem leichten Luftzug starke Schmerzen.
  • Muskelschwäche:
  • Schlafstörungen: Die Schlafqualität kann beeinträchtigt sein, mit häufigen nächtlichen Aufwachphasen, Einschlafschwierigkeiten und unerholsamem Schlaf.
  • Müdigkeit: Menschen mit Fibromyalgie erleben oft ein anhaltendes und lähmendes Müdigkeitsgefühl, selbst nach dem Ausruhen.
  • Kognitive Schwierigkeiten: Dieser Begriff wird verwendet, um kognitive Schwierigkeiten zu beschreiben, die bei Fibromyalgie häufig sind, wie Konzentrationsprobleme, geistige Verwirrung und Gedächtnisverlust.

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Funktion zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Schmerzen eingesetzt werden können.

Schulmedizinische Behandlungen

  • Schmerzmittel: In manchen Fällen sind Schmerzmittel kurzfristig hilfreich. Sie schalten den Schmerz aus und erlauben es, unbeschwert die betroffenen Körperpartien zu bewegen. Und das ist wichtig, denn die Muskeln sollten zeitnah, sobald es eben funktioniert, mobilisiert werden.
  • Antidepressiva: Auch aufgrund seiner beruhigenden Eigenschaften kann es in der Schmerztherapie und bei durch die Schmerzen bedingten Depressionen helfen.
  • Antikonvulsiva:
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen, Mobilisation und Alltagshilfen können die Gelenkfunktion erhalten und die Belastung reduzieren.
  • Injektionen:
  • Operation: Nicht selten lassen sich dadurch geplante Operationen verschieben oder ganz vermeiden.

Alternative und ergänzende Behandlungen

  • Hausmittel: Verschiedene Hausmittel haben sich gegen Nervenentzündungen und Nervenschmerzen bei Patienten bereits bewährt.
    • Wärme und Kälte: Um die Muskulatur bei zugluftbedingten Rückenschmerzen möglichst schnell wieder zu lockern, sollten Sie die betroffene Stelle des Körpers mit Wärme behandeln. Wer gerade nichts dergleichen zur Hand hat, kann sich warme Kompressen machen: Dazu ein Tuch in heißes Wasser tauchen und gut auswringen. Auch Wärmepflaster, die in der Apotheke erhältlich sind, sorgen durch ihre Wirkstoffe für eine bessere Durchblutung der Muskulatur. Sie können dies mehrmals im Wechsel wiederholen. Sie merken, dass Ihnen nur die Kälte oder nur die Wärme guttut? Dann führen Sie die Behandlung einfach nach Ihren Vorlieben fort. Zur Kältebehandlung eignen sich neben Eisbeuteln auch in kaltem Wasser getränkte Wickel. Die Kälte betäubt den Schmerz und wird daher von vielen Patienten als äußerst wohltuend empfunden. Wärme hingegen sorgt für eine Entspannung des Körpers und somit auch der Nerven, die für die Schmerzen verantwortlich sind. Für eine Wärmeauflage können Sie eine Infrarot-Lampe oder ebenfalls Wickel nutzen.
    • Kräuter und Tee: Als Patient mit Nervenschmerzen kann es sich durchaus lohnen, zumindest gelegentlich zur „Kräuterhexe“ zu werden. Einige Kräuter können Sie in Form von Kapseln, die das wirksame Trocken-Extrakt enthalten, einnehmen. Dazu gehört zum Beispiel die Teufelskrallenwurzel. Diese soll ähnliche, schmerzlindernde Eigenschaften haben wie die Acetylsalicylsäure, ist dabei aber magenfreundlicher. Allerdings müssen Sie bei der Einnahme mindestens eine, eher zwei Wochen Geduld beweisen. Ein eigenes Massageöl aus Kräutern schaffen Sie durch die Mischung aus Brennnessel-Geist und Apfelessig. Das Verhältnis sollte dabei 1:5 sein. Mit dem Öl reiben Sie anschließend sanft die betroffenen Stellen ein. Nicht nur die enthaltenen Wirkstoffe, auch die Massage selbst kann Nervenschmerzen lindern. Wie wäre es außerdem mit einem selbst gemachten Kräuterwickel? Dafür nähen Sie sich ein kleines Stoffsäckchen, in das Sie Kümmel-Samen füllen. Legen Sie das fertige Kräutersäckchen auf die von Nervenschmerzen betroffene Stelle. Wenn Sie Wärme mögen, können Sie zusätzlich ein Wärmekissen auflegen. Auch ein leckerer (Kräuter-)Tee kann von innen heraus seine Wirkung gegen Nervenschmerzen entfalten. Zu den geeigneten Hausmitteln bei Nervenentzündung und Nervenschmerzen gehören der Brennnessel-Tee oder der allseits beliebte Ingwer-Tee mit jeweils entzündungshemmender und schmerzstillender Wirkung. Wenn mit den Nervenschmerzen Übelkeit einhergeht (wie es beispielsweise bei einer den Halsnerv betreffenden Zervikalneuralgie der Fall ist), hilft Ingwer zusätzlich gegen dieses Symptom. Weiterhin kann Grüner Tee das Allgemeinbefinden durch einen positiven Einfluss auf den Blutdruck, das Herz und den Zuckerstoffwechsel stärken. Durch diese Faktoren verbessern sich bei manchen Patienten auch die Nervenschmerzen. Ebenfalls hat sich Weidenrinde-Tee bewährt.
    • Chili: Mit Schärfe gegen Nervenschmerzen - das gelingt dem in Chili- und Cayenne-Pfeffer enthaltenem Wirkstoff Capsaicin. Während er Ihrem Essen die nötige Würze verleiht, wirkt er beispielsweise in Salbenform oder als Schmerzpflaster wärmend, schmerzlindernd, durchblutungsfördernd und anregend für die betroffenen Nerven. Die Wirkung beruht auf der Desensibilisierung der Nervenrezeptoren.
    • Johanniskraut: Vor allem, wenn Sie an Nervenschmerzen im Rückenbereich leiden, vermag Ihnen ein Öl aus Johanniskraut Linderung verschaffen. Genießen Sie die wohltuende Massage, die eine andere Person vornehmen sollte, damit alle Bereiche des Rückens „erfasst“ werden. Sie sollten allerdings auf Fachpersonal vertrauen, da eine nicht fachgerechte Massage die Beschwerden sogar verschlimmern kann. Auch für die innere Anwendung eignet sich Johanniskraut, etwa als Tee oder in Tablettenform. Es wirkt entzündungshemmend und ist daher als Hausmittel gegen eine Nervenentzündung beliebt.
    • Pfefferminzöl: Herrlich kühlend wirkt Pfefferminzöl, das als Bestandteil von Massageölen Verwendung findet. Die Nervenschmerzen werden durch den kühlenden und krampflösenden Effekt oft reduziert oder im besten Fall gänzlich beseitigt.
    • Olivenöl: Oleocanthal in Olivenöl wirkt entzündungshemmend und blutverdünnend, was sich positiv bei einer Nervenentzündung und damit verbundenen Nervenschmerzen auswirken kann.
  • Akupunktur:
  • Radonwärmetherapie: Wem übliche Maßnahmen bei der Schmerzlinderung nicht helfen oder wer den teilweise starken Nebenwirkungen von Medikamenten aus dem Weg gehen will, sollte es mit einer Radon-Kur versuchen. Dabei fahren Patienten mehrmals in der Woche in einen warmen Radonthermalstollen ein und verbringen etwa eine Stunde auf den Therapiestationen. Diese Radonwärmetherapie beruht auf drei Wirkfaktoren: Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit und Radon. Das tropisch-feuchte Klima erzeugt ein gewünschtes therapeutisches Fieber. Die Abwehrzellen arbeiten unter diesen Bedingungen effektiver. Patienten nehmen darüber hinaus das Naturheilmittel Radon über Haut und Lunge in niedrigen Mengen auf. Radon regt im Körper Zellreparaturmechanismen an und lindert Entzündungen.
  • Traditionelle Chinesische Medizin (TCM): Nach der TCM-Theorie gibt es äußere und innere Ursachen für Wirbelsäulen- und Gelenkschmerzen. Äußere Ursachen sind hauptsächlich Haltungsfehler, Bewegungsmangel und pathogene klimatische Einwirkungen wie übermäßiger Wind, Kälte und Feuchtigkeit. Zu den inneren Ursachen zählen Ernährungsfehler, Stoffwechselstörungen und übermäßige Emotionen wie Wut, Zorn, Stress, Schock oder Ängste. All diese Faktoren können zu Muskelverspannungen, Kontrakturen, Verklebungen der Faszien, Bänderschwäche und Wirbelfehlstellungen führen.
  • Entspannungstechniken: Auch Entspannungsverfahren wie Meditationen, autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung können helfen, Ihre psychischen Beschwerden zu reduzieren.

Tipps zur Vorbeugung von Nervenschmerzen im Zusammenhang mit feuchtem Klima

  • Zugluft vermeiden: Wurden die zugluftbedingten Beschwerden erfolgreich behandelt, gilt es die Probleme zukünftig möglichst zu vermeiden. Wie das gelingt? Es klingt zu einfach: Zugluft verhindern. Aber vor allem im schwülen Sommer wird schnell und unbedacht das Fenster bei der Autofahrt geöffnet. Was kurzzeitig Erleichterung vor der Hitze verschafft, reizt auf längere Zeit die Muskulatur. Ein kurzer Frischluftaustausch sollte genügen. Ansonsten ist das Tragen eines leichten Schals oder eines Halstuchs ratsam. Wenn Sie Ihre Wohnräume in der kalten Jahreszeit mit Durchzug lüften, verlassen Sie bitte den zugigen Raum während des Stoßlüftens. Oder ziehen Sie sich entsprechen eine Strickjacke oder einen Schal an.
  • Klimaanlagen richtig einstellen: Klimaanlagen sollten nicht zu niedrig eingestellt werden.
  • Stress reduzieren: Stress reduzieren, das meint genauso positive Anstrengung, wie die Planung einer Urlaubsreise. Unter psychischer Anspannung verkrampft die Muskulatur ebenfalls.
  • Bewegung: Mit einer starken, trainierten Muskulatur lässt sich so einigem trotzen - auch kalter Zugluft. Der Grund: Die einzelnen Muskelzellen verbrauchen kontinuierlich Energie, selbst wenn sie gerade nicht aktiviert werden, wie beim Sport. Viel an der frischen Luft bewegen. Tägliches Spazierengehen bei jedem Wetter hilft dabei, den Organismus wieder besser auf die natürlichen Temperaturwechsel einzustellen. Regelmäßig Sport treiben. Herz-kreislauffördernde Sportarten wie Walken, Radfahren und Schwimmen stärken den Körper und unterstützen dabei, den Wetterwechsel besser zu verkraften.
  • Passende Kleidung: Kleiden Sie sich so, dass Sie sich leicht kühl fühlen, aber nicht frieren. Das trainiert die Thermoregulation des Körpers. So kann übermäßiges Schwitzen reguliert werden. Gelenke warmhalten (z. B. durch Kleidung oder Bandagen).
  • Biowetter-Apps nutzen: Biowetter-Apps nutzen, um Reaktionen besser einordnen zu können.

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