Fibromyalgie und Parkinson: Eine vergleichende Betrachtung

Fibromyalgie und Parkinson sind zwei unterschiedliche Erkrankungen, die jedoch einige ähnliche Symptome aufweisen können. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden komplexen Krankheitsbilder, um ein besseres Verständnis für beide Erkrankungen zu schaffen.

Einführung

Die Fibromyalgie bzw. das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist eine chronische, nicht-entzündliche Schmerzerkrankung, die durch weit verbreitete Schmerzen in Muskeln, Gelenken und Bindegewebe gekennzeichnet ist. Parkinson hingegen ist eine neurodegenerative Erkrankung, die hauptsächlich das motorische System betrifft, aber auch eine Vielzahl nicht-motorischer Symptome verursachen kann.

Fibromyalgie: Chronische Schmerzen und vielfältige Symptome

Definition und Ursachen

Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung, die durch weit verbreitete Schmerzen, Müdigkeit und weitere Symptome gekennzeichnet ist. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung, psychischen Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle spielen kann. Mögliche Auslöser können berufliche oder familiäre Überforderung, Konflikte, Krisensituationen, Traumatisierungen, psychischer Stress sowie schwere Erkrankungen sein. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Störung der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Einerseits zeigt sich die Schmerzempfindlichkeit (Schmerzschwellen z.B. für Druck oder Hitze) verändert und andererseits scheint die neurobiologisch eigentlich robust angelegte Schmerzhemmung bei Menschen mit Fibromyalgie deutlich vermindert zu sein. Sowohl von der Forschung her als auch aus unserer Erfahrung heraus wissen wir, dass jede Form von intensivem chronischen Stress - häufig verbunden mit einem körperlichen Ereignis und frühere Schmerzerfahrungen einen ungünstigen Einfluss auf die Reiz- und Schmerz-verarbeitung haben.

Symptome der Fibromyalgie

Die Ausprägung und Intensität der Beschwerden ist sehr unterschiedlich. Neben den chronischen Schmerzen, die als "Ganzkörperschmerz" auftreten können, leiden viele Betroffene unter:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Kognitiven Beeinträchtigungen (Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme)
  • Depressiven Verstimmungen und Angstzuständen
  • Reizdarmsyndrom
  • Überempfindlichkeit gegenüber mechanischem Druck, Geräuschen, Gerüchen und sogar gegenüber Medikamenten
  • Steifegefühl - meist in den Händen, das oft auch mit einer sichtbaren Schwellung einhergeht, ohne dass es Entzündungsprozesse gibt wie bei den rheumatischen Erkrankungen

Von einem Ganzkörperschmerz (chronic widespread pain) sprechen wir, wenn ein chronischer Schmerz in mehreren Körperhauptregionen besteht. In der Regel sind verschiedene Abschnitte des Rückens, beider Arme und Beine betroffen. Häufig können 10 oder mehr Schmerzorte beim Patienten oder der Patientin gefunden werden. Die Diagnose Fibromyalgie-Syndrom wird dann gestellt, wenn neben den Schmerzen auch noch weitere Symptome hinzutreten. Diese können entweder schon vor den Schmerzen bestehen - häufig ist das eine psychovegetative Erschöpfung - oder sich im Gefolge der chronischen Schmerzen herausbilden. Alle Symptome müssen über mindestens drei Monate vorliegen.

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Diagnose und Behandlung der Fibromyalgie

Da es keine spezifischen Laborwerte oder Röntgenveränderungen gibt, die Fibromyalgie eindeutig beweisen, basiert die Diagnose auf den berichteten Symptomen und einer körperlichen Untersuchung. Die Diagnose erfolgt über eine ausführliche Krankengeschichte und eine körperlich-neurologische Untersuchung auf Basis Ihrer Symptome. Ein wichtiger Aspekt ist die Feststellung von Tender Points, schmerzempfindlichen Punkten an bestimmten Körperstellen.

Die Behandlung der Fibromyalgie ist multimodal und zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Ein multimodaler Behandlungsansatz ist empfohlen, d.h. eine Kombination aus psychotherapeutischen und körperlichen Inhalten. Dazu gehören:

  • Psychotherapie: zur Bewältigung von Stress, Angst und Depressionen
  • Physiotherapie: zur Verbesserung der Beweglichkeit und Muskelkraft
  • Sporttherapie: (leichtes Ausdauertraining, niedrig dosiertes Kraft- bzw. Funktionstraining)
  • Entspannungsverfahren: zur Reduktion von Muskelspannung und Stress
  • Medikamentöse Therapie: Antidepressiva, Schmerzmittel und Muskelrelaxantien können zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Medikamentöse Therapien haben beim Fibromyalgie Syndrom eher einen geringen Stellenwert, aber gerade wenn Schlafstörungen oder depressive Symptome vorhanden sind, können bestimmte Antidepressiva helfen, die einerseits schmerzdistanzierend und andererseits schlaffördernd wirken. In Einzelfällen setzen wir auch Cannabispräparate in Tropfenform ein.

Erfolgt eine Behandlung in der Abteilung Psychosomatik in der MEDIAN Klinik Schlangenbad, erhalten von Fibromyalgie Betroffene schwerpunktmäßig eine umfangreiche psychotherapeutische Behandlung (Kerntherapie, indikative Gruppen). Darüber hinaus können folgende flankierende Angebote verordnet werden: Gezielte Entspannungsverfahren, Physikalische Maßnahmen (Kältekammer, Wärmetherapie), Physiotherapeutische Behandlung in der Regel in der Gruppe (Muskel-Faszien-Stretch-Training, Wasserschwunggruppe), Psychoedukation (Vorträge, Seminare). Psychologische Einzelgespräche können lediglich niedrigfrequent begleitend erfolgen.

Erfolgt eine Behandlung der Fibromyalgie in der Abteilung Rheumatologie in unserer Klinik in Schlangenbad liegt der Schwerpunkt auf körperlichen Behandlungen: Physikalische Maßnahmen (Kältekammer, Wärmetherapie), Physiotherapeutische Behandlung v.a. in der Gruppe (Wasser- und Trockengymnastik), Sporttherapie (leichtes Ausdauertraining, niedrig dosiertes Kraft- bzw. Funktionstraining). Ergänzt wird dieses Programm zur Behandlung von Fibromyalgie in der MEDIAN Klinik Schlangenbad von Seminaren und Vorträgen zum Thema Schmerz / Fibromyalgie-Syndrom, Entspannungsgruppen und ggf. einer medikamentösen Therapie.

Gewichtszunahme bei Fibromyalgie

Eine Gewichtszunahme bei Fibromyalgie ist durchaus möglich. Dies kann auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein, die mit der Krankheit selbst sowie den damit verbundenen Symptomen zusammenhängen. Bitte beachten Sie jedoch, dass nicht zwangsläufig alle Patienten mit Fibromyalgie an Gewicht zunehmen. Einige verlieren aufgrund von Appetitverlust oder Stress sogar an Gewicht. Ein ganzheitlicher Behandlungsansatz, der Bewegung, Ernährung, Schlafmanagement und eine angemessene medizinische Betreuung umfasst, kann einer Gewichtszunahme bei Fibromyalgie entgegenwirken. Bewegungseinschränkungen, Mögliche hormonelle Veränderungen, Schlafstörungen und Medikamenteneinnahme können eine Gewichtszunahme verursachen.

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Hoffnung durch Parkinson-Medikament?

Bei einem verbreiteten Parkinson-Medikament haben amerikanische Forscher einen weiteren Anwendungsbereich entdeckt. Wie Andrew Holman und sein Kollege Robin Myers von Pacific Rheumatology Associates in Renton berichten, lässt es sich auch bei Fibromyalgie einsetzen - einer schmerzhaften Muskel- und Bindegewebserkrankung, gegen die bislang kaum wirksame Mittel zur Verfügung gestanden haben. Im Rahmen ihrer Placebo kontrollierten Doppelblind-Studie stellten die beiden Wissenschaftler jetzt fest, dass der Schmerz mit einer Störung in der Reizverarbeitung im zentralen Nervensystem zusammenhängen muss. Verabreichten sie Fibromyalgie-Patienten das Parkinson-Mittel Pramipexol, das die Produktion von Dopamin ankurbelt, ließen die Schmerzen nach. Auch zeigten sich bei den Patienten nicht die bei der Parkinson-Therapie mit diesem Wirkstoff sonst üblichen Nebenwirkungen wie Halluzinationen oder Schlafattacken. Erst vor kurzem war Pramipexol, das unter dem Namen Sifrol im Handel ist, allerdings in Verruf geraten, weil manche damit behandelte Patienten eine Spielsucht entwickelten. Hintergrund könnte sein, dass Dopamin auch eine wichtige Rolle im Belohnungskreislauf des Gehirns spielt.

Parkinson: Eine neurodegenerative Erkrankung

Definition und Ursachen

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Es kommt zu Veränderungen im Nervensystem. Nervenzellen, die den wichtigen Botenstoff Dopamin produzieren, sterben frühzeitig ab. Es kommt zu Parkinson-Symptomen. Es gibt bis heute noch keine Erklärung dafür, warum die Nervenzellen einfach absterben. Dieser Dopaminmangel führt zu den typischen motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit. Man unterscheidet zwischen dem Parkinsonsyndrom mit ungeklärter Ursache (Morbus Parkinson) sowie dem symptomatischen Parkinsonsyndrom, das verschiedene Ursachen haben kann. Dazu gehören Hirndurchblutungsprobleme („Gefäßverkalkung“), Tumore, Vergiftungen, Traumata sowie stoffwechselbedingte Krankheiten. Daneben gibt es Parkinsonsyndrome im Rahmen anderer Erkrankungen. Wichtig sind hier die atypischen Parkinsonsyndrome, auch als „Parkinson plus“ bezeichnet.

Symptome der Parkinson-Krankheit

Die Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit sind:

  • Tremor: Zittern, meist in Ruhe (Ruhetremor)
  • Rigor: Muskelsteifheit
  • Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen
  • Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen und erhöhte Sturzgefahr

Neben diesen motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z.B.:

  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Verstopfung
  • Geruchsstörungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen
  • Probleme des autonomen Nervensystems

Professor Wolfgang Jost aus Wiesbaden dagegen hält die nicht-motorischen Symptome für unterbewertet. Als Beispiel nannte er die Nykturie: Fünfmal pro Nacht zur Toilette gehen sei keine Seltenheit, was besonders in Off-Phasen schwierig ist. Bisher habe man wenig an Gegenmaßnahmen zu bieten. Erst später seien autonome Störungen und psychiatrische Komorbiditäten als wesentlich wahrgenommen worden, sie stünden auch heute noch im Hintergrund, so Jost. Auch die Diagnose erfolge klassisch über die Bradykinese und mindestens ein weiteres Symptom wie Rigor, Ruhetremor oder Haltungsinstabilität. Sie treten in allen Stadien auf und mindern die Lebensqualität wesentlich.

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Diagnose und Behandlung der Parkinson-Krankheit

Die Diagnose der Parkinson-Krankheit basiert auf einer neurologischen Untersuchung und der Beurteilung der Symptome. Die Diagnose erfolgt über eine ausführliche Krankengeschichte und eine körperlich-neurologische Untersuchung auf Basis Ihrer Symptome. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Die Behandlung der Parkinson-Krankheit zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Die medikamentöse Therapie steht im Vordergrund, wobei L-Dopa und Dopaminagonisten eingesetzt werden, um den Dopaminmangel auszugleichen. Professor Günther Deuschl aus Kiel plädierte für eine frühe Therapie. Das solle auch in den Leitlinien festgelegt werden. In niedriger Dosis aber schütze L-Dopa Mittelhirnzellen. Eine frühe Therapie sei außerdem deshalb vermieden worden, weil angenommen wurde, sie verursache frühe Komplikationen, so Deuschl. Mit Ropinirol etwa kommt es deutlich seltener zu Dyskinesien als mit L-Dopa. Auch Impulskontrollstörungen sollten kein Hinderungsgrund für eine frühe Therapie sein. Auch andere Faktoren erhöhten das Risiko für Komplikationen im Laufe der Erkrankung: Alter unter 65 Jahre um den Faktor 2,5, familiäre Belastung um den Faktor 2, Rauchen um den Faktor 1,7. Studien zu Bromocriptin versus L-Dopa als Initialtherapie hätten zudem keinen Vorteil für den Dopaminagonisten bei der Lebenszeit und nach 14 Jahren bei der Frequenz motorischer Komplikationen ergeben.

Weitere Therapieansätze sind:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Tiefe Hirnstimulation (THS)

Frühzeitige Parkinson-Erkennung: 10 Anzeichen

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die insbesondere bei älteren Menschen auftritt und oft schleichend beginnt. In diesem ausführlichen Artikel werden wir zehn häufige Frühsymptome von Parkinson vorstellen und im Detail erläutern, wie Sie diese erkennen können.

  1. Ruhetremor statt allgemeines Zittern
  2. Mikrographie statt kleiner Handschrift
  3. Geruchssinnverlust statt gelegentliche Geruchsstörungen
  4. Schlafprobleme: plötzliche Bewegungen und Träumenachspiel statt allgemeine Schlafstörungen
  5. Bewegungs- und Gangschwierigkeiten statt allgemeiner Müdigkeit
  6. Verstopfung statt gelegentlicher Darmprobleme
  7. Weiche oder heisere Stimme statt vorübergehender Stimmveränderungen
  8. Gesichtsmaskierung statt vorübergehender ernster Gesichtsausdruck
  9. Schwindel oder Ohnmacht statt gelegentlicher Schwindel beim Aufstehen
  10. Bücken oder Beugen statt vorübergehender Haltungsschwankungen

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Obwohl Fibromyalgie und Parkinson unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es einige Gemeinsamkeiten:

  • Beide Erkrankungen können chronische Schmerzen verursachen.
  • Beide Erkrankungen können mit Schlafstörungen, Depressionen und Müdigkeit einhergehen.
  • Bei beiden Erkrankungen können Störungen des autonomen Nervensystems auftreten. Die Befunde des autonomen Nervensystems bei Parkinson korrelieren stark mit den Befunden einer Neuropathie der kleinen Nervenfasern . Diese Ergebnisse sind besonders faszinierend, da sie darauf hindeuten, dass Parkinson, genau wie Fibromyalgie, mehr als eine Störung des zentralen Nervensystems ist; auch das periphere Nervensystem ist betroffen.

Die wichtigsten Unterschiede sind:

  • Fibromyalgie ist eine Schmerzerkrankung, während Parkinson eine neurodegenerative Erkrankung ist, die hauptsächlich das motorische System betrifft. Bei einer Diskussion über die Gewichtung von Parkinson-Symptomen stellte Professor Claudia Trenkwalder aus Kassel die motorischen Defizite in den Vordergrund. Die Motorik sei entscheidend für Progression und Behinderung, sie beeinträchtige Arbeit wie auch Freizeit.
  • Bei Fibromyalgie sind keine krankhaften Laborwerte oder Röntgenveränderungen nachweisbar, während bei Parkinson Veränderungen im Gehirn festgestellt werden können.
  • Die Behandlung von Fibromyalgie konzentriert sich auf die Linderung der Symptome, während die Behandlung von Parkinson darauf abzielt, den Dopaminmangel auszugleichen und die motorischen Funktionen zu verbessern.

Verbindung zwischen Chronic Fatigue Syndrome, Fibromyalgie und der Parkinson-Krankheit?

„Parkinson wurde nie explizit mit dem chronischen Müdigkeitssyndrom oder FM in Verbindung gebracht, aber viele der sekundären Symptome (Muskelsteifigkeit, erhöhter Muskeltonus, kontrahierte Muskeln, Probleme des autonomen Nervensystems, Gangstörungen, kognitive Probleme, sensorische Probleme und Stimmungsstörungen) können bei beiden gefunden werden. Die Small-Fiber-Neuropathie - die häufig bei FM auftritt - scheint die Ursache für die sensorischen Probleme bei der Parkinson-Krankheit zu sein.“

„Jüngste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Probleme mit dem autonomen Nervensystem bei Parkinson weit verbreitet sind. Wie bei ME/CFS und FM ist die Funktion des parasympathischen Nervensystems beeinträchtigt. Probleme mit orthostatischer Intoleranz werden ebenfalls gefunden.“

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